Stardew Valley, Animal Crossing und Co.: Wieso Farmspiele derzeit genau das Richtige sind!
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Entspannung für zwischendurch und Flucht aus dem Alltag: In Farm- und Aufbauspielen wie Stardew Valley und Animal Crossing vergehen die Stunden wie im Flug. Wir erklären, wieso sie in unruhigen Zeiten der perfekte Ruhepol sind.
Ich liebe Actionspiele wie Doom Eternal oder auch The Division 2. Schnelle Schusswechsel, knallende Effekte und knackige Bosse - all das hat seinen Platz in meinem Gamer-Leben. In letzter Zeit aber suche ich immer wieder die Ruhe vor dem Bildschirm. Dann nämlich möchte ich kein Weltenretter sein, der die Menschheit vor Dämonen, Terroristen oder anderen Schurken beschützt. Ich möchte einfach nur meinen Frieden und gepflegt in eine bunte, friedvolle Welt eintauchten. In einer Zeit, in der uns täglich neue Schreckensnachrichten erreichen, verwandeln sich Spiele wie Stardew Valley oder Animal Crossing: New Horizons (jetzt kaufen 59,99 € ) für die Nintendo Switch in digitale Wohlfühloasen. Sie sind wie Urlaub von der Realität und bieten mit ihrem entspannten Gameplay Platz für die Entschleunigung des Alltags.
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Die Unschuld vom Lande
Große, aktuelle Produktionen erfordern oft meine ganze Aufmerksamkeit: Bin ich etwa in Nioh 2 unkonzentriert, hauen mir die Yokai-Dämonen gleich den Schädel von den virtuellen Schultern. Passe ich in FIFA 20 nicht auf, ernte ich Hohn und Spott von Halbstarken am anderen Ende der Online-Leitung. Ohne ein gewisses Maß an Konzentration läuft hier nichts - und das kostet Energie. Sorry, das brauche ich gerade echt nicht! Stattdessen genieße ich die Zeit auf meinem virtuellen Bauernhof in Stardew Valley: Felder bestellen, die eigenen Ländereien gestalten und vielleicht zwischendurch noch eine Einkaufstour im Dorf nebenan erledigen. Herrlich! Hier gibt es keine Sieger oder Verlierer und kein "Game Over". Stattdessen bearbeite ich meinen virtuellen Acker, ohne mir dabei aber die Finger schmutzig machen zu müssen. Selbst die in dem Aufbauspiel integrierten Dungeons meide ich. Ich möchte mich ganz dem gestalterischen Aspekt widmen - fernab von Hektik, schnellen Reaktionen und Kämpfen.
Quelle: Sickhead Games
Blick aufs eigene Feld: Karotten, Bohnen und andere Feldfrüchte sprießen. Doch Moment, der Honig müsste mal wieder eingesammelt und verkauft werden ...
Ich mag die Unschuld, mit der Titel wie Stardew Valley oder eben auch Animal Crossing ihre Welt darstellen. Irgendwie sind diese Spiele doch herrlich einfach und angenehm unkompliziert. Gewalt und die Konsequenzen meines Tuns rücken in den Hintergrund. Und auch der Grafikstil und das gemächliche Spieltempo sorgen in diesen Spielen für eine insgesamt sehr entspannte Atmosphäre. Sie sind damit das genaue Gegenteil unseres modernen, schnellen Alltags. Zwar existieren gerade in Stardew Valley durch Jahreszeiten und Wetterwechsel gewisse Regeln, jedoch sind diese leicht verständlich und klar umrissen. Sie bilden letztlich nur den Rahmen, und habe ich deren Muster einmal verinnerlicht, bekomme ich selbst nach Fehlern keine größeren Probleme.
Stattdessen steht hier der gemütliche Aufbau meines virtuellen Lebens im Vordergrund. Ebenso überfluten mich derartige Spiele nicht mit Eindrücken. Dabei kommt dem Grafikstil oftmals eine entscheidende Bedeutung zu: Stardew Valley und Konsorten stellen keinen Anspruch an eine möglichst aufwendige Technik oder einen hohen Realitätsbezug. Ganz egal, ob Pixel- oder Comic-Look - die Grafik dient hier letztlich nur als Matrix, auf die wir unsere eigenen Vorstellungen projizieren. Wenn mein kleiner Bauer in Stardew Valley die Schaufel zückt und die Erde umgräbt, dann sehe ich mich im Garten stehen und arbeiten. Die Stilisierung der Tätigkeiten hilft beim Entspannen ebenso wie bei der Realitätsflucht.
Quelle: Sickhead Games
Wer nicht nur auf dem Bauernhof arbeiten möchte, kann in Stardew Valley auch die Umgebung erkunden. Der Indie-Titel vermischt Aufbau- und Rollenspielelemente miteinander, lässt euch aber die Wahl, welche Bestandteile des Spiels ihr wirklich nutzen möchtet.
Eskapismus für Gamer
Und genau damit sind wir doch beim Punkt: Ruhige und "knuffige" Spiele à la Stardew Valley oder Animal Crossing laden zum Verweilen ein. Diese Idee der Flucht vom Alltag in ein beschauliches Landleben ist indes nicht neu: Der Super-Nintendo-Klassiker Harvest Moon erschien bereits 1996 und stellte ebenfalls Elemente wie den Aufbau einer Farm und das Gründen einer Familie in den Mittelpunkt. Stardew Valley griff viele dieser Ideen auf, verpackte sie in bunte Pixel und gilt inzwischen als Wegbereiter für Titel wie Story of Seasons, My Time at Portia, World's Dawn oder Ooblets. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es auch wenig verwunderlich, dass der speziell in Deutschland so beliebte Landwirtschafts-Simulator so viele Anhänger besitzt.
All diese Spiele sind einfach perfekt zum Abschalten. Sie geben uns die Möglichkeit, die eigenen Sorgen und Probleme hinter uns zu lassen - zumindest für ein paar Stunden. Dieses Motiv des Eskapismus findet sich in vielen Freizeitbeschäftigungen, aber sicher ganz besonders stark in Farm- und Aufbauspielen.
Monotonie des Alltags
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und klammern uns gerne an Muster. Entwickler von Farm- und Aufbauspielen machen sich dies zunutze: Sie stellen uns immer wieder vor ähnliche Aufgaben, deren Komplexität letztlich nur durch das stete Wachstum unseres Bauernhofs, unserer Stadt oder andere zentraler Spielelemente anwächst. Animal Crossing, Stardew Valley und Co. fügen dem Ganzen jedoch noch eine vermeintlich menschliche Komponente hinzu: die Dorfbewohner. Auch wenn ich eigentlich gar keine Lust darauf habe, mir in Stardew Valley die Lebensgeschichte von Alex, Penny und Maru anzuhören und den sozialen Interaktionen aus dem Weg gehen möchte, so komme ich mit fortlaufender Spielzeit darum nicht herum. Das Gleiche geschieht in Animal Crossing: Irgendwann kenne ich die Besucher und Gäste einfach. Diese Spiele erschaffen einen gewissen sozialen und damit emotionalen Rahmen und machen mich zum Teil dieser kleinen Welt.
Quelle: Nintendo
Locker, leicht und unbeschwert: Die soziale Interaktion mit Dorfbewohnern oder anderen Spielern erweist sich in Lebenssimulationen wie Animal Crossing als unkompliziert und problemlos – ganz anders als im realen Leben.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Spiele wie Stardew Valley, Animal Crossing und viele andere Titel dieser Art deshalb so beliebt und wichtig sind, weil sie uns entschleunigen und beim Spielen in einen geradezu meditativen Zustand versetzen. Stunden vergehen wie Sekunden, selbst kleinere Hürden fallen inmitten des entspannten Gameplays kaum auf. Während uns die Realität oftmals mit Eindrücken überfordert und schwerwiegende Entscheidungen von uns erfordert, plätschert das Geschehen hier zumeist eher gemütlich dahin. Wir bestimmen, wie wir vergehen möchten, und der gestalterische Hintergrund des Aufbaus eines eigenen Bauernhofs oder eines anderen Domizils erzeugt ebenfalls eine schnelle Sogwirkung. Diese Spiele liefern schnelle und klar erkenntliche Erfolgserlebnisse. Sie brechen das Leben auf wenige, leicht zu verstehende Komponenten herunter. Und genau das ist es doch eigentlich, was wir uns insgeheim auch von der Realität wünschen würden. Deshalb mein Ratschlag: Gönnt euch ein wenig virtuellen Urlaub - egal, ob in der Inselwelt von Animal Crossing: New Horizons oder auf dem Bauernhof in Stardew Valley.
