Der neue König der Aufbaustrategie ist da: Diese Perle aus deutschen Landen gehört zu den Pflichtkäufen des Jahres!
Ungeahnte Spieltiefe und Langzeitmotivation
Anno 1701
Doch mit dem Erreichen der höchsten Zivilisationsstufe ist "Anno 1701" noch lange nicht durchgespielt: Durch die neu hinzugekommenen Forschungen entwickelt ihr im Laufe des Spiels immer wieder neue Rohstoffförderanlagen, Militäreinheiten und sogar hinterhältige Geheimagenten. Die jeweiligen Forschungszweige sind nochmals in zwei Alternativen unterteilt, wodurch man im späteren Spielverlauf mit strategischen Entscheidungen gefordert wird. Die erforschbaren Logenaktivitäten bringen ganz besonders im Mehrspielermodus eine gehörige Portion Heimtücke ins Spiel: Auf Wunsch werden so gegnerische Städte mit der Pest infiziert oder von einem bewusst angezettelten Aufstand heimgesucht. Wer seine Gegner auf diese Weise genügend geschwächt hat, kann schließlich zum offenen Kampf und einer groß angelegten Offensive übergehen. Auch hierfür stehen eine reihe verschiedener Einheiten zur Verfügung und wer seine militärische Forschung vorantreibt, hat später mit Haubitzen und Dragonern einen entscheidenden Vorteil in der Schlacht.
Anno 1701
Doch auch Pazifisten werden in "Anno 1701" genügend beansprucht. Schließlich sind die gezielt ausgenutzten Zusammenhänge der Rohstoffketten, der Handel mit Waren und die wirtschaftliche Planung der Staatsfinanzen eine Kunst für sich und überhaupt erst die Grundvoraussetzung für einen potenziellen Krieg. Das Spiel treibt euch zudem auf sehr geschickte Weise früher oder später zu neuen Ufern, um dort entweder einen auf der Heimatinsel nicht vorhandenen Rohstoff zu ernten oder mit einer fremden Kultur Kolonialwaren zu tauschen. Selbstverständlich lässt sich der Transport dieser Güter in einem speziellen Menü automatisieren - vorausgesetzt ihr habt auch genügend Handelsschiffe in eurer Flotte. Wie bereits erwähnt, ist der freie Händler immer eine gute Anlaufstelle für fehlende Waren, allerdings gibt es diese meist bei einer fremden Kultur deutlich billiger. Es lohnt sich also mit anderen Völkern oder Mitspielern von Anfang an regen Handel zu treiben.
Anno 1701
Im Endlosspiel habt ihr es wahlweise bis zu drei anderen KI-Mitspielern und fünf fremden Kulturen zu tun. Auf Wunsch machen einem auch noch Piraten und diverse Naturkatastrophen (Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Wirbelstürme) das Leben schwer. Wer es gerne etwas zielorientierter hat, darf sich neben dem Endlosspiel auch an den zehn enthaltenen Szenarien versuchen: Diese überzeugen mit stimmigen Dialogen, klaren Aufgabenstellungen und spannenden Zwischenfällen. Leider ist der Schwierigkeitsgrad in den ersten fünf Missionen nicht sonderlich hoch, weshalb man recht schnell durch diese Szenarien geschippert ist. Gerne hätten wir noch ein paar mehr davon erledigt, der Spielsspaß kam dabei nämlich nie zu knapp. Bleibt die Aussicht auf ein Addon, welches auf Nachschub in dieser Hinsicht hoffen lässt.
Anno 1701
Der Mehrspielermodus samt Gamespy-Spielervermittlung funktionierte bereits bei unseren ersten Tests hervorragend und kam fast ausnahmslos ohne Lags daher. Jedoch sollte man sich für eine vollständige Online-Partie auch genügend Zeit nehmen, da man in "Anno 1701" wesentlich mehr Zeit benötigt, bis man sich mit seinen Mitspielern die ersten Seeschlachten liefern kann. Wer auf schnelle Action und große Gefechte steht, sollte sich lieber an die Vertreter der Echtzeitstrategie halten - ein mehrstündiger Spieleabend mit "Anno 1701" hat aufgrund der zahllosen Gameplay-Finessen aber auch seinen Reiz.
Technisch höchst anspruchs- und eindrucksvoll
Anno 1701
Klickte man sich seine Städte im Vorgänger noch aus zweidimensionaler Pixelgrafik zusammen, erlebt man in neuesten Teil der Serie einen grafischen 3D-Hochgenuss: So prächtig und bis ins letzte Polygon liebevoll ausgearbeitet ist bisher noch kein Aufbaustrategiespiel über den Monitor geflimmert. Die drei leider nicht stufenlos zoombaren Ansichten liefern entweder einen perfekten Überblick (z.B. bei großen Truppen- und Flottenbewegungen) oder laden aus nächster Nähe zum Bewundern der vielen Details ein -immer wieder entdeckt man beim näheren Hinsehen neue Überraschungen der Grafiker. Natürlich hat so viel Grafik auch ihren Preis: Wer "Anno 1701" mit allen Details und hoher Auflösung spielen möchte, braucht einen top-modernen Rechner mit der derzeit schnellsten Grafikkarte an Board. Glücklicherweise lassen sich viele der schmucken Details im prall gefüllten Optionsmenü abschalten, wodurch das Spiel auch auf etwas älteren Rechnern noch recht anständig läuft. Trotzdem begeben sich die Entwickler mit derart hohen Hardware-Anforderungen auf einer Gradwanderung, da ein Großteil der typischen Anno-Fans nicht unbedingt als Hardware-Freaks zu bezeichnen ist und wohl kaum auf höchster Detailstufe spielen kann. Ach ja, einen sehr guten Sound hat das Spiel natürlich auch zu bieten: Die Musik ist recht ordentlich und passt absolut zur Thematik, auch wenn man sich hin und wieder etwas mehr Abwechslung erwartet hätte. Dafür sind aber die Sprecher erste Sahne und hauchen den zwölf verschiedenen KI-Gegnern glaubhaftes Leben ein. Related Designs und Sunflowers haben sich wirklich in keiner Beziehung lumpen lassen und mit "Anno 1701" eine der aufwendigsten, teuersten aber sicher auch besten deutschen Spiele-Produktionen der letzten Jahre abgeliefert.
