Arms im Test: Gelungener Prügelspaß mit viel spielerischer Substanz, aber wenig Inhalt

Test Lukas Schmid
Arms im Test: Gelungener Prügelspaß mit viel spielerischer Substanz, aber wenig Inhalt
Quelle: Nintendo

ARMS im Test: Nintendo setzt seine Mehrspieler-Offensive fort und dringt mit ARMS ins 3D-Prügler-Genre vor. Wie sich das Ergebnis schlägt, haben wir in unzähligen Prügeleien in unserem Review zum Spiel unter die Lupe genommen. Geht das ungewöhnliche Konzept auf? Haben nur Gelegenheitsspieler oder auch Profis Spaß? Und wie funktioniert die Bewegungssteuerung? Wir klären auf!

Mario Kart 8 Deluxe, Splatoon 2, Pokémon Tekken Deluxe - und halt ARMS: Nintendo geht, was Spiele mit Multiplayer-Fokus betrifft, seit dem Start der Switch voll in die Offensive. Dies geschieht wohl nicht zuletzt, um den Mehrwert der (kürzlich auf 2018 verschobenen) Bezahl-Onlinedienste der neuen Konsole zu rechtfertigen - doch wenn dabei derart verlässlich so gelungene und verschiedenartige Titel herauskommen wie ARMS, wollen wir uns nicht beschweren.

Die Eins-gegen-Eins-Duelle sind das Herzstück des Spiels und machen auch mit Abstand am meisten Spaß. Gute Reflexe,die richtige Wahl sowohl der Figur als auch der Waffen und ein geschickter Umgang mit der ungewöhnlichen Steuerung sind Pflicht! Quelle: PC Games Die Eins-gegen-Eins-Duelle sind das Herzstück des Spiels und machen auch mit Abstand am meisten Spaß. Gute Reflexe,die richtige Wahl sowohl der Figur als auch der Waffen und ein geschickter Umgang mit der ungewöhnlichen Steuerung sind Pflicht! So wie Splatoon das Konzept von Mehrspielershootern nahm und ihm seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte, ist der kunterbunte Prügelspaß ein 3D-Beat'emUp, wie es nur aus dem Hause Nintendo kommen kann. Das fängt beim gelungenen Grafikstil an, manifestiert sich aber primär durch das ungewöhnliche Spielprinzip: Zwei bis vier Duellanten - im Team oder jeder gegen jeden - finden sich in verschiedenartigen Arenen wieder und geben sich ordentlich eins auf die Mütze. So weit, so ungewöhnlich - doch was die ARMS-Heroen von den Prügelknaben anderer Kampfspiele unterscheidet, sind ihre auf mehrere Meter ausfahrbaren Arme. Um unseren Widersachern auf die Mütze zu geben, ist es also nicht notwendig, nahe an sie heranzugehen - stattdessen können wir ihnen, einen gut gezielten Faustschlag vorausgesetzt, auch aus der anderen Ecke der Manege ordentlich einheizen. Die Kämpfe werden ab drei Spielern ein wenig und ab vier Teilnehmern hoffnungslos unübersichtlich. Im Splitscreen ist der Chaos-Faktor sogar noch einmal höher. Quelle: PC Games Die Kämpfe werden ab drei Spielern ein wenig und ab vier Teilnehmern hoffnungslos unübersichtlich. Im Splitscreen ist der Chaos-Faktor sogar noch einmal höher. Die Steuerung ist dabei relativ simpel gehalten: Mit dem linken Analogstick bewegen wir uns hin und her, die zwei hinteren Schultertasten lassen unsere Fäuste lossausen; per Front-Buttons führen wir einen Sprung aus, tätigen einen kuren Dash in eine beliebige Richtung und laden unsere linke beziehungsweise rechte Faust für besonders mächtige Schläge auf. Weiterhin mit dem linken Analogstick können wir die "Flugrichtung" eines auf den Weg geschickten Armes beeinflussen und somit auch Gegner treffen, die nicht direkt vor uns herumhampeln. Außerdem können wir, sobald sich eine Leiste gefüllt hat und wir die beiden vorderen Schultertasten gedrückt haben, einen ganz besonders durchschlagskräftigen Spezialangriff ausführen. All das funktioniert wirklich klasse, ist aber nur eine von drei primären Steuerungsmethoden.
Im Spielmodus 'Hundertkampf' treten wir in zehn Wellen gegen - was für ein Twist! - einhundert Gegner an, deren Angriffswille sukzessive zunimmt. Der Modus macht Spaß und bis man ihn mit allen Kämpfern bestritten hat, vergeht einige Zeit. Quelle: PC Games Im Spielmodus "Hundertkampf" treten wir in zehn Wellen gegen - was für ein Twist! - einhundert Gegner an, deren Angriffswille sukzessive zunimmt. Der Modus macht Spaß und bis man ihn mit allen Kämpfern bestritten hat, vergeht einige Zeit.

ARMS im Test: Gameplay mit ARMS und Fuß

Wer nicht mit Joy-Cons plus Grip oder dem Pro Controller ran will, der kann auch die Bewegungssteuerung von ARMS verwenden. Dann schlagen wir mittels simpler Vorwärtsbewegungen der Controllerhälften zu, steuern auf dieselbe Weise den Winkel der Attacken und aktivieren den Block (was ansonsten geschieht, sobald wir die Analogsticks drücken) und bewegen ebenfalls derart unsere Figur über das Spielfeld. Diese Vierfach-Belegung hört sich überladen an, funktioniert aber in der Praxis erstaunlich gut. Alle anderen Aktionen wurden gut erreichbar auf verschiedene Knöpfe gelegt. Die Bewegungssteuerung macht jede Menge Spaß und ist meilenweit vom berüchtigten Wii-Gefuchtel entfernt. Allerdings: Präziser prügelt es sich dennoch mit dem Gamepad. Gelegenheitsspieler werden aber mit beiden Varianten glücklich. Lediglich von der Einzel-Joy-Con-Variante raten wir ab, denn diese sorgt im Nullkommanix für schmerzende Finger.

ARMS im Test: Helden mit einer Armlänge Vorsprung

Diese ebenso mysteriöse wie furchterregende Maske namens Hedlok stülpt sich in verschiedenen Spielmodi gewaltsam über das Haupt des Rivalen und greift dann mit gleich sechs Armen auf einmal an. Dagegen zu bestehen, ist eine echte Herausforderung. Quelle: PC Games Diese ebenso mysteriöse wie furchterregende Maske namens Hedlok stülpt sich in verschiedenen Spielmodi gewaltsam über das Haupt des Rivalen und greift dann mit gleich sechs Armen auf einmal an. Dagegen zu bestehen, ist eine echte Herausforderung. Wer erfolgreich kämpfen will, muss aber nicht nur die Steuerung in Fleisch und Blut übergehen lassen, sondern auch die richtige Wahl bei seiner Spielfigur treffen. Alle zehn verfügbaren Haudegen unterscheiden sich stark in Sachen Geschwindigkeit, Angriffskraft, Standfestigkeit und anderen Attributen. Zudem verfügt jede Figur über Spezialfähigkeiten; Ninjara etwa kann sich kurz durch die Luft teleportieren, Ribbon Girl kann in der Luft weitere Sprünge ausführen und Twintelle kann ankommende Angriffe kurzzeitig verlangsamen. Hier liegt aber auch eine Schwäche des Spiels: So toll es ist, dass die Kämpfer dermaßen unterschiedlich funktionieren, so offenbaren sich dadurch auch einige Balancing-Probleme, da manche Figuren anderen durch ihre Kräfte deutlich überlegen sind. Besonders auffällig wird das in Duellen für drei oder vier Spieler: Nicht nur sind diese Matches vollkommen unübersichtlich, mit dem falschen Kämpfer passiert es oft, dass man hier rasch überhaupt kein Land mehr sieht. Keine Frage: Am besten spielt sich ARMS in klassischen Zweier-Duellen!

ARMS im Test: Fehdehandschuhe deluxe

Haben wir durch ausgiebiges Prügeln unsere Spezialleiste gefüllt, können wir eine besonders mächtige - und nach Kämpfer und Waffen individuelle - Attacke aktivieren. Quelle: PC Games Haben wir durch ausgiebiges Prügeln unsere Spezialleiste gefüllt, können wir eine besonders mächtige - und nach Kämpfer und Waffen individuelle - Attacke aktivieren. Ein weiterer über Sieg und Niederlage entscheidender Faktor und gleichzeitig einer, der die Balancing-Probleme wieder ein wenig ausgleicht, sind die frei wählbaren Waffen-artigen Handschuhe, von denen wir stets drei auf einmal mit uns tragen und vor den Kämpfen wechseln können. Pro Figur stehen uns hierbei 30 Varianten zur Verfügung, welche sich stark unterscheiden und mit dermaßen unterschiedlichen Spezialfähigkeiten daherkommen, dass sie zum Beispiel eine eigentlich behäbige Figur in einen flinken Allrounder verwandeln oder einen eher defensiven Kämpfer zur Angriffsmaschine mutieren lassen können. Von normalen Boxhandschuhen über Feuer-speiende Exemplare und riesige Metallkugeln, Metallbohrer und zielsuchenden Raketen ist hier für jeden Geschmack was dabei. Cool: Linker und rechter Arm sind sogar frei kombinierbar. Je nach pro Arm gewählten Waffen unterscheiden sich auch die aktivierbaren Spezialangriffe. Freischalten können wir die neuen Fäustlinge übrigens in einem speziellen Modus, in dem wir für gewonnene Kämpfe und andere Aktivitäten erhaltene Punkte investieren und dann in einem kurzweiligen, zeitlich begrenzten Zielscheiben-Minispiel antreten können. Schlagen wir uns darin gut, können wir die Spielzeit erhöhen und auf einen Schlag gleich mehrere Gewinne freischalten - oder im gegenteiligen Fall auch leer ausgehen. Das macht durchaus Laune und sorgt für zusätzliche Spielzeit, was angesichts des doch recht knapp bemessenen Spielumfangs - gerade für Solisten - positiv hervorzuheben ist.
Im Spielmodus 'Basketball' für zwei Teilnehmer befördern wir unser Gegenüber mit Würfen oder Spezialangriffen in den Korb. Das macht aber nur kurzzeitig Spaß. Quelle: PC Games Im Spielmodus "Basketball" für zwei Teilnehmer befördern wir unser Gegenüber mit Würfen oder Spezialangriffen in den Korb. Das macht aber nur kurzzeitig Spaß.

ARMS im Test: Modi-Armut

Uns erwarten der "Grand Prix", in dem wir alleine oder zu zweit in zehn Matches und sieben verschiedenen Schwierigkeitsgraden gegen die KI antreten. "Versus" ist eine Sammlung von Minispielen beziehungsweise Nebenmodi. "Standardkampf" und "Ranglistenkampf" lassen uns ins Spaßkämpfen sowie gewerteten Online-Duellen um den Sieg kämpfen. Bei "Freunde" und "Lokal" wiederum ziehen wir wahlweise on- oder offline gegen Bekannte ins Feld. Schade: Nur in letzgenannten Varianten können wir Voreinstellungen vornehmen und zum Beispiel Items deaktivieren, welche zwar für Abwechslung sorgen, aber auch ein oftmals störendes Zufalls-Moment in die Kämpfe bringen. So erscheinen sporadisch Gegenstände, die unsere Energie beziehungsweise unsere Spezialleiste wieder auffüllen sowie Bomben, die uns einen ganzen Batzen Energie auf einmal abziehen. Alles schön und gut - warum Nintendo uns die Entscheidung, ob wir gezielt nach rein Skill-basierten Duellen suchen wollen, wie bei so vielen Spielen in der Vergangenheit wieder einmal vorenthält, ist uns jedoch unklar.

Ebenso lassen sich die Kampfarenen nicht frei wählen - und im Zufallskampf steht es uns nicht einmal frei, ob wir normale Matches bestreiten oder Online-Versionen der aus dem "Versus"-Modus bekannten Minispiele erleben wollen. Diese Zusatzmodi sind zwar ein netter Zeitvertreib - neben ARMS-Varianten von Basketball und Baseball und einer kompetitiven Version des Item-Freischaltspiels können wir hier auch gegen Wellen von 100 Gegnern sowie in Viererduellen antreten -, aber auch nichts Weltbewegendes. Der Modus "Ranglistenkampf" war in unseren Testsessions vor dem Release des Spiels noch sehr spärlich besucht, lässt aber ebenfalls kaum eigene, das Gameplay betreffende Einstellungen zu.

Um neue Waffen freizuschalten, genügt es nicht, diese einfach mit erspielten Punkten zu kaufen. Stattdessen setzen wir sie ein, um in einem Minispiel anzutreten ... Quelle: PC Games ... in dem wir Ziele zerstören und Item-Boxen öffnen. Anschließend wandern die erspielten neuen Angriffs-Handschuhe in unsere Sammlung und stehen dort zur Verfügung. Quelle: PC Games

ARMS im Test: Kleiner Inhalt, großes Tennis

Immerhin, mit wie bereits erwähnt zehn Kämpfern und ebensovielen Maps, die noch dazu häufig interaktive Elemente wie ein verstecktes Trampolin beinhalten, ist während den Gefechten selbst für jede Menge Abwechslung gesorgt. Und auch, wenn bezüglich des Umfangs sowie der Online-Funktionen viele Wünsche offen bleiben, erfüllt ARMS seine wichtigste Aufgabe mit Bravour - es macht einfach unverschämt viel Spaß. Setzt Nintendo seine Mehrspieler-Offensive derart hochwertig fort, kommen goldene Zeiten auf uns zu.

Meinung

Wertung zu Arms (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Kreatives, neuartiges SpielprinzipSehr unterschiedliche KämpferUmfangreiches „Waffen“-ArsenalSehr simpatischer, bunter Grafikstil
Relativ wenig UmfangUnnötige Glück-basierte ItemsKeine Item-Deaktivierung im Online-MultiplayerBalancing-Probleme, vor allem ab drei Spielern
Fazit

„Etwas mehr Inhalt in der Wundertüte wäre schön gewesen, aber das, was drin ist, schmeckt wirklich klasse!“

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