Wer keine Elfen, Orks und edle Ritter mehr sehen kann, sollte diesen Titel mal genauer unter die Lupe nehmen.
Technik die begeistert!
Auto Assault
Fristeten in anderen MMORPGs Fahrzeuge bislang ein unspektakuläres Dasein als reines Transportmittel, stehen diese in "Auto Assault" im Mittelpunkt des Geschehens. Wo zu Beginn man noch mit einer schwach bewaffneten Schrottlaube vorlieb nehmen musste, kann sich das Wägelchen später in ein Schlachtschiff auf vier Rädern verwandeln. Denn anstatt die eigentliche Spielfigur rüstet man sein eigenes Auto auf. Es erwartet den Spieler eine Vielzahl an aufwendigen Raffinessen, mit denen sich das Fahrzeug ausstatten lässt. Mehrere unterschiedliche Waffen, Panzerungen, Räder und entsprechende Energieversorgungsanlagen können am Gefährt angebracht werden. Wer möchte, unterzieht seiner Drecksschleuder eine Generalüberholung, schließlich ist auch im 22. Jahrhundert Individualität noch voll im Trend. Das Angebot kommt zwar nicht an das "Pimp up my Ride" ran, aber wer braucht schon fette Bassboxen im Kofferraum, wenn er seinen Feinden schon per Bordwaffe eine ordentliche Dröhnung verschaffen kann? Ansonsten beschränkt sich die Auswahl auf einige kleinere Gimmicks und die Lackierung.
Auto Assault
Das Craftingsystem wirkt dagegen noch etwas unausgereift. Zwar kann man sich auf insgesamt vier Berufen, wie etwa Tüftler oder Zerleger, spezialisieren, doch alles macht einen etwas verworrenen und unzugänglichen Eindruck. Das gilt übrigens auch für das Interface des Spiels. Dieses ist dermaßen überladen und teilweise extravagant gestaltet, dass viele Einsteiger sicherlich am Anfang schon das Handtuch werfen. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen bzw. größer. Hinzu kommen nämlich kleine Icons samt Minibeschreibung, die auf Dauer sehr anstrengend zu lesen sind.
Gelungen ist hingegen die allgemeine Charakterentwicklung. Mit jedem Stufenanstieg verbessert ihr eure Werte in mehreren Attributen und schaltet neue Talente frei. Neben allgemeinen Skills, wie etwa Schutzschilde oder Energiedetonationen, gibt es auch klassenspezifische Fähigkeiten. Aktive Skills legt ihr auf die Skill-Leiste, von wo aus man sie ganz bequem per Tastendruck auslöst. Die Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten ist recht groß, aber noch überschaubar. Auf jeden Fall reicht es jedoch aus, um seine Figur individuell zu gestalten.
Auto Assault
Ein wenig auffallend hingegen, ist die allgemeine Leere. Trotz zahlreicher Gegner und NPCs erscheint alles ein wenig steril, obwohl Europäischer und Amerikanischer Server zusammengelegt wurden (internationaler Server). Die Spieler sind irgendwo da draußen, das erkennt man am belebten Chat-Log. Nur wo, das weiß keiner so wirklich. Man sieht nur hin und wieder eine handvoll Leute in derselben Gegend rumflitzen, wo man selbst unterwegs ist. Das mag wohl daran liegen, das viele amerikanische Spieler vertreten sind und diese erst zu später Stunde online kommen, wo jeder europäische Spieler schon mit dem Gedanken spielt, ins Bett zu gehen.
Die kleinen Fehler unter der Motorhaube
Auto Assault
Optisch hat "Auto Assault" einiges zu bieten. Gerade die zahlreichen Waffeneffekte machen ordentlich was her. Wenn man im Kampf mit mehreren Gegnern sein gesamtes Arsenal an Waffen und Skills auslöst, brennt am heimischen Bildschirm ein kleines Inferno ab. Die Vehikel sind schön modelliert, das Wasser und das Design der Schauplätze wissen zu gefallen, wenn auch ein leicht steriler Beigeschmack bleibt. Sobald man nämlich in den Bereich der Texturen geht, sollte man besser den Notrufdienst der Pannenhilfe rufen. Die sind nämlich teilweise dermaßen vermatscht, das muss in einem Spiel im Jahre 2006 doch nun wirklich nicht mehr sein. Selbiges gilt auch für die Charaktere, die aus nächster Nähe nicht mehr allzu hübsch aussehen.
Auto Assault
Für das gewisse Extra soll die Havok 2-Physik-Engine herhalten, die für Realismus und Interaktivität mit der Umgebung sorgen soll. Nur was stellt man letztendlich von der tollen Physik im tatsächlichen Spiel noch fest? Außer, dass teils zufällig über den Haufen gefahrene Bäume mehr oder weniger realistisch durch die Gegend purzeln, einige Gebäude in sich zusammen fallen wie Kartenhäuschen, bleibt die Technologie nämlich völlig im Schlamm stecken. Optisch bekommt der Titel noch einen letzten und äußerst roten Anstrich verpasst. Auch wenn ihr selber stets mit einem Blechfahrzeug über die Dünen saust, so mancher Bösewicht wird sich vollkommen ungeschützt eurem Ungetüm stellen. Wenn nun mit rasender Waffenkammer die Gegnerhorde in Fetzen gerissen wird, freut sich wohl jeder Fan von Splatter-Effekten. Nicht zu Unrecht bekam "Auto Assault" eine Freigabe nicht unter 18 Jahren!
Soundtechnisch gibt sich das Spiel allerdings kaum eine Blöße: Ein atmosphärischer Soundtrack sowie die gelungene Sprachausgabe ergeben mit den wuchtigen Waffensounds eine tolle Klangkulisse. Ärgerlich sind hingegen zahlreiche Übersetzungsfehler bzw. englische Textpassagen, die sich immer wieder in die deutsche Version einschleichen.
