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Avengers: Infinity War in der Filmkritik: Der Marvel-Overkill - keine Spoiler!

Marvel trommelt mehr als zwanzig seiner größten und beliebtesten Helden zusammen, um Superschurke Thanos kräftig den Scheitel zu ziehen. Fantastisch produzierter Größenwahn oder einfach zuviel des Guten? In der Review zu Avengers: Infinity War klären wir, ob das Comic-Spektakel die riesigen Erwartungen erfüllen kann. Wir garantieren: keine Spoiler!
Felix Schütz
Avengers: Infinity War startet am 26. April 2018 in den deutschen Kinos. Quelle: Marvel

Darauf haben Marvel-Fans seit zehn Jahren gewartet: Die Ankunft des Titanen Thanos markiert das größte Superheldenspektakel, das je für die Leinwand gedreht wurde. Denn diesmal sind sie alle mit dabei: Iron Man, Hulk, Captain America, Black Panther, Doctor Strange, Scarlet Witch, die gesamten Guardians of the Galaxy und viele mehr geben sich hier die Klinke in die Hand! Bei über 20 Helden plus zig Sidekicks und lieb gewonnenen Nebencharakteren machte sich allerdings selbst bei eingefleischten Marvel-Fans ein wenig Sorge breit: Kann daraus überhaupt ein funktionierender Film entstehen? Oder hat sich Marvel diesmal übernommen?

Keine Spoiler!
In unserer Kritik verraten wir keine Handlungsdetails, Gastauftritte oder Schauplätze, ihr könnt also beruhigt weiterlesen, ohne Spoiler zu befürchten. Logisch: Wer nicht das Geringste über den Film wissen und ihn komplett erwartungsfrei sehen möchte, der sollte die Kritik erst nach dem Kinobesuch lesen.

Tatsächlich gelingt den Regie-Brüdern Anthony und Joe Russo das Unmögliche: Infinity War funktioniert! Ja, er ist überfrachtet, er ist zu lang und er knallt dem Zuschauer dermaßen viel CGI- Bombast um die Ohren, dass einem nach 149 Minuten die Augen in den Höhlen kullern - aber der Film macht auch ordentlich Spaß, wenn man sich darauf einlässt!

Thanos: Der Titan als Hauptfigur

Damit sich zwei Dutzend Superhelden nicht langweilen, packt Marvel diesmal die ganz schweren Geschütze aus: Nach vielen Jahren der Vorbereitung betritt der wahnsinnige Titan Thanos mit Schmackes die Bühne! Wenn der lila Muskelberg (gut gespielt von Josh Brolin!) selbst die härtesten Weltenretter lässig gegen die Wand klatscht, wirken Ultron und Loki dagegen wie bessere Taschendiebe. Allerdings hat Thanos auch deutlich mehr Innenleben zu bieten als jeder andere Schurke, der bislang im MCU auftauchte, weshalb ihm die Autoren reichlich ruhige Momente und Dialogszenen einräumen. Falls Infinity War eine Hauptrolle hat, gehört sie eindeutig Thanos! Damit ist er auch der erste MCU-Schurke, der die (zugegeben dünne) Handlung auf seinen Schultern trägt.
Der Titan Thanos besitzt ungeheure Kräfte - das ist zwar selten logisch, aber stets beeindruckend anzuschauen! Quelle: Marvel Der Titan Thanos besitzt ungeheure Kräfte - das ist zwar selten logisch, aber stets beeindruckend anzuschauen!
Thanos rückt mit eigenem Killerkommando, Raumflotte und Monsterarmee an - und doch geht die eigentliche Gefahr von ihm selbst aus. Der Titan sucht nämlich die namensgebenden Infinity Steine, die ihm die Macht verleihen, die Hälfte allen Lebens im Universum auf einen Schlag auszulöschen. Seine Motivation ist zwar eine andere als in den Comics, aber nicht minder dämlich - und wenn man seine ungeheuren Kräfte auch nur für einen Sekundenbruchteil hinterfragt, geht die Logik des Films genüsslich baden. Darum unser Tipp: Auf die Logik pfeifen, zurücklehnen, Spaß haben!


Die Infinity-Steine - was war das nochmal? Unser Special gibt die Antworten!


Helden-Crossover mit Höhen und Tiefen

Um die schiere Masse an Helden in den Griff zu kriegen, brechen die Regisseure sie immer wieder in mehrere Grüppchen auf und verteilen sie kreuz und quer über den Erdball (und weit darüber hinaus). Ein Glücksgriff: Weil die Zusammenstellung der Helden meistens gut funktioniert, sprühen die Szenen, in denen sie das erste Mal aufeinander treffen, nur so vor Fan-Service! Allerdings gehen gerade in diesen Crossover-Momenten auch manche Gags schlicht daneben, die Mischung aus Ernsthaftigkeit und erzwungenem Klamauk funktioniert längst nicht so gut wie im leichtfüßigen ersten Avengers-Streifen. Zwar erreicht der Blödelfaktor nie die Ausmaße eines Thor: Ragnarok, doch etwas weniger oder zumindest besser platzierte Gags hätten Infinity War gut getan. Fast hat man den Eindruck, der Streifen wäre selbst Marvel hier und da zu ernst geraten - kein Wunder angesichts der Menge an Todesopfern, die Thanos' Feldzug fordert...
Schon früh stellten die Filmemacher klar: Nicht jeder Held wird den Film überleben. Aber wer? Quelle: Marvel Schon früh stellten die Filmemacher klar: Nicht jeder Held wird den Film überleben. Aber wer?

Toller Fan-Service, aber leicht überfrachtet

Obwohl Thanos die tragende Rolle im Film hat, muss (fast) keiner der "Guten" auf die Ersatzbank: Iron Man, Spider-Man, Thor, Doctor Strange und viele mehr bekommen starke Auftritte spendiert, voll flotter Sprüche, wuchtiger Action inklusive brandneuer Tricks und satter Spezialeffekte, die das Fan-Herz vor Freude hüpfen lassen! Ein paar Figuren müssen sich allerdings mit kurzen Gastspielen begnügen und spannende Nebenhandlungsstränge werden auch mal komplett ignoriert - alles andere hätte sonst den Rahmen gesprengt. Nie vergessen: Das ist nicht Thor 4, nicht Guardians 3 und auch nicht Black Panther 2! Obwohl manche Figuren also in den Hintergrund treten, sind die 149 Minuten trotzdem schnell gefüllt, was man auch am zuweilen arg hektischen Schnitt merkt - ein Problem, mit dem schon der famose Captain America: Civil War zu kämpfen hatte.
Die Action sieht fantastisch aus, ist gelegentlich aber etwas zu flott geschnitten, darunter leidet die Übersicht. Quelle: Marvel Die Action sieht fantastisch aus, ist gelegentlich aber etwas zu flott geschnitten, darunter leidet die Übersicht. Angesichts der Fülle an Figuren bleibt für Charakterentwicklung einzener Helden wenig Zeit. Was völlig okay ist, denn dafür waren schließlich die Vorgängerfilme da, die alle Figuren gebührend in Stellung brachten. Das heißt aber auch: Wer ganz ohne Vorkenntnisse ins Kino schlendert, dürfte nur Bahnhof verstehen. Unser Tipp: Wer Captain America: Civil War, Doctor Strange, Thor: Ragnarok, Spider-Man: Homecoming, Guardians of the Galaxy 2 und idealerweise auch Black Panther gesehen hat, ist bestens gerüstet für Infinity War.

Das Spektakel geht weiter!

Je größer der Hype, desto wilder wurden die Fan-Theorien: Welcher Superheld beißt ins Gras? Wo befindet sich der sechste Infinity Stein? Und wo zum Henker ist eigentlich Hawkeye!? Einige dieser Fragen wird der Film vielleicht beantworten, andere vielleicht nicht - als ob wir das jetzt verraten würden! Das Entscheidende ist: Der Film hat ein paar echte Überraschungen und launige Gastauftritte parat! Die verdankt er zum Teil sogar seinen Trailern, denn die verraten nicht nur erfreulich wenig von der Handlung, sondern enthalten sogar einige Szenen, die extra für die Trailer umgestaltet wurden, inklusive eigens angefertigter Spezialeffekte. Hut ab, Marvel!
Auch wenn der nächste Avengers-Streifen nicht offiziell 'Infinity War: Part 2' heißen wird, steht fest: Die Geschichte ist noch nicht zuende erzählt! Quelle: Marvel Auch wenn der nächste Avengers-Streifen nicht offiziell "Infinity War: Part 2" heißen wird, steht fest: Die Geschichte ist noch nicht zuende erzählt! Wie so oft gilt also: Je weniger man weiß, desto größer der Spaß im Kino - also tut euch selbst einen Gefallen und meidet Spoiler wo ihr nur könnt! Das gilt besonders für das Finale, das sicherlich für einigen Diskussionsstoff sorgen wird und bereits einen großen Schatten auf die Zukunft des MCU wirft. Kleine Erinnerung, damit euch das Ende nicht eiskalt erwischt: Infinity War ist von Marvel grundsätzlich als Zweiteiler angelegt - der nächste Avengers-Streifen mit dem vorläufigen Titel "Infinity War Part 2" kommt am 3. Mai 2019 in die Kinos. Bis es so weit ist, bringt Disney aber noch einen weiteren Schwung frischer Comic-Verfilmungen in die Kinos - einen ersten Hinweis darauf, wie es weitergeht, erhaltet ihr, wenn ihr nach dem Abspann sitzen bleibt. Typisch Marvel!

Meinung
  • Avatar Felix Schütz Redakteur Comic-Kino im Größenwahn: Ein überfrachtetes, aber auch mächtig unterhaltsames Spektakel, wenn man sich darauf einlässt! Avengers: Infinity War ist ein Film, der auf dem Papier fast schon unmöglich klingt: Mehr als zwanzig Helden, dazu zig Sidekicks und Nebenfiguren, ein neuer Schurke samt Handlanger – und reichlich Handlungsfäden aus zehn Jahren Vorgängerfilmen, die hier endlich zusammenfinden sollen. Dass die Russo-Brüder daraus tatsächlich einen 149-Minuten-Film mit Anfang, Mitte und Ende zaubern, hat mich wirklich beeindruckt! Allerdings ist Infinity War auch bei Weitem nicht so rund geraten wie der erste Avengers oder Guardians of the Galaxy, die in Sachen Tempo und Figurenzeichnung viel ausgewogener waren. Das heißt auch: Wem schon Captain America: Civil War zuviel des Guten war, der dürfte an Infinity War wenig Freude haben. Wieviel Spaß man mit dem Film hat, hängt also auch von der persönlichen Einstellung ab! Und natürlich ob man die bisherigen MCU-Filme kennt, denn Infinity War erntet konsequent die Früchte seiner Vorgänger: All die tollen Marvel-Figuren dürfen hier zwar kräftig mitmischen, werden aber weder erklärt noch weiterentwickelt – letztendlich bereiten sie die Bühne für Thanos, welcher sich als einziger Hauptcharakter ein wenig entfalten kann. Immerhin bekommen aber die meisten Helden so viele coole Momente spendiert, dass ich trotz des etwas zu hohen Actionanteils und mancher Gag-Fehlzündungen sehr zufrieden aus dem Kinosaal kam! Ich bin allerdings gespannt, wie die Fans das Finale aufnehmen werden – meinen persönlichen Geschmack hat es zwar nicht ganz getroffen, doch dafür hat es mich umso neugieriger auf den vierten Avengers-Streifen gemacht. Spätestens jetzt ist klar: Den werde ich mir nicht entgehen lassen!
     

Avengers: Infinity War (Film)

Wertung:

8.0/10
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