Back 4 Blood vs. Left 4 Dead: Welcher Zombie-Koop-Shooter ist besser?
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Gleiches Entwicklerstudios, gleiches Genre: die beiden Zombie-Koop-Shooter Left 4 Dead und Back 4 Blood haben so einiges gemeinsam. Aber was unterscheidet die beiden Titel? Und wer ist der beste seines Genres? Wir klären es im großen Vergleich.
Sobald ein neuer Koop-Shooter auf den Markt kommt, muss er sich den immer selben Vergleich gefallen lassen: Wie schlägt er sich eigentlich gegenüber Genreprimus Left 4 Dead 2? Im Falle von Back 4 Blood ist diese Frage gleich doppelt interessant. Schließlich steckt mit Turtle Rock Studios hinter beiden Spielen der gleiche Entwickler. Da will man schon wissen, wie viel der in den 12 Jahren dazwischen dazu gelernt hat.
Wir hatten in den zwei Wochen nach Release jetzt genug Zeit, beide Spiele intensiv auszuprobieren und gegenüberzustellen und wollen in diesem Vergleich endgültig klären: Was unterscheidet die beiden Titel denn nun genau? Und welcher ist am Ende besser?
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Präsentation
Fangen wir mal mit dem Offensichtlichsten an: der Grafik. Da ist die Sache nämlich ziemlich klar. Die Inszenierung von Back 4 Blood (jetzt kaufen 19,23 € / 53,99 € ) macht natürlich um einiges mehr her als das fast zwölf Jahre alte Left 4 Dead 2. Die Geschichte wird hier mit Hilfe schicker Rendersequenzen erzählt. Charaktermodelle und Gegenstände sind deutlich detaillierter. Dafür muss man sich nur mal die menschlichen Überlebenden, ihre Haare und Gesichter im Vergleich ansehen. Oder die Waffen, die sie mit sich herumtragen. Auch da sind viel mehr Feinheiten zu erkennen.
Abgesehen davon wirken Beleuchtung und Spiegelungen in Back 4 Blood realistischer, bei Wasser-, Explosions- und Feuereffekten hat man selbstverständlich auch die Nase vorn. Die Unreal Engine 4 ist eben zu deutlich mehr im Stande als die etwas angestaubte Source-Engine.
Zwar kann man Left 4 Dead immer noch dafür loben, wie gut es sich nach über einem Jahrzehnt gehalten hat. Auch in Sachen Soundtrack und Sounddesign der Waffen macht der Titel den klar besseren Eindruck. Trotzdem geht der erste Punkt an Back 4 Blood.
Story und Charaktere
Quelle: PC Games
Der Oger ist zwar eine beeindruckende Gestalt, taucht aber immer nur an vorherbestimmten Orten in der Kampagne auf.
Passend zur Inszenierung wollen wir auch kurz noch ein paar Worte über die Kampagne verlieren. Oder besser gesagt: zur Story, die sie erzählt. Die steht natürlich in keinem der beiden Titel so wirklich im Fokus. Es geht ja mehr darum, massenhaft Zombies über den Haufen zu ballern. Wer dabei aber zumindest ein klein wenig Rahmenhandlung haben möchte, der wird wohl mit Left 4 Dead etwas glücklicher. Warum? Vor allem aufgrund der charmanten Charaktere: Coach, Rochelle, Ellis und Nick sind einem über die Jahre einfach ans Herz gewachsen. Auch, weil sie irgendwie nahbarer wirken. Ihr habt hier keine Gang aus knallharten Motherfuckern, sondern vier ganz normale Typen, die sich plötzlich mitten in der Apokalypse wiederfinden und versuchen, das Beste daraus zu machen. Dazu kommt, dass uns die Figuren von Back 4 Blood ein wenig zu sehr auf die Generation Fortnite getrimmt wurden. Bunte Haare, hippe Outfits, Tattoos und Piercings - das war irgendwie nichts für uns.
Auch Left 4 Deads Storytelling wirkt nochmal ausgereifter. Durch Gespräche zwischen den vier Protagonisten, durch Details und Gegenstände in der Umgebung, zum Beispiel Kritzeleien an der Wand eines Safe Rooms, lernt man immer mehr über die Spielwelt. Die Levels erzählen ihre eigenen kleinen Geschichten. Da kann Back 4 Blood nicht mithalten.
Kampagne
Ähnlich sieht es bei der Kampagne aus. Auch hier ist Left 4 Dead der klare Sieger. Das liegt nicht nur daran, dass das Spiel deutlich länger ausfällt, es kommt auch stetig neuer Content dazu. Das Zauberwort lautet hier: Mod-Support. Über die Jahre hat sich die Community immer wieder zusätzliche Spielelemente und Inhalte ausgedacht. Perfektes Beispiel ist hier die Erweiterung The Last Stand, die im September 2020 für den PC herauskam. Die wurde vollständig von der Community kreiert und enthält über zwanzig neue Maps, eine neue Kampagne, neue Errungenschaften, Nahkampfwaffen, Animationen, Dialoge und noch vieles mehr. Da kann Back 4 Blood nicht gegen anstinken. Aus unerfindlichen Gründen hat sich Turtle Rock nämlich dafür entschieden, dieses Mal nicht den Steam -Workshop mit einzubinden.
Es bleibt nicht die einzige fragwürdige Entscheidung der Entwickler: Back 4 Blood setzt zum allgemeinen Unverständnis auf Always-on. Selbst, wenn ihr alleine mit Bots unterwegs seid, müsst ihr also mit dem Internet verbunden sein. Sonst geht nix. Außerdem verdient ihr im Solo-Modus keinen Fortschritt für Statistiken oder Achievements. Zumindest zum aktuellen Zeitpunkt. Für Einzelgänger bleibt Left 4 Dead also die bessere Wahl, auch aufgrund der deutlich klüger agierenden KI-Begleiter.
Quelle: PC Games
Back 4 Blood verfügt nur über einen einzigen Multiplayer-Modus, das kann Left 4 Dead besser.
Multiplayer
Springen wir vom Einzelspieler- in den Mehrspieler-Modus und fangen direkt mal mit Back 4 Blood an. Die Auswahl im Multiplayer fällt hier nämlich denkbar knapp aus. Es gibt lediglich den Schwarm-Modus. Der ist eine Art Versus-Survival. Ihr schlüpft also abwechselnd in die Haut von Menschen und Infizierten und versucht, so lange wie möglich zu überleben beziehungsweise das gegnerische Team genau davon abzuhalten. Nichts Außergewöhnliches.
Left 4 Dead bietet dagegen deutlich mehr Auswahl: Neben Versus-Survival gibt es noch den normalen Versus-Modus. In dem spielt ihr die Kampagne durch, während euch das Gegnerteam als Boomer, Charger und Spitter das Leben schwermacht. Das geht wahlweise auch in der Realismus-Variante, in der ihr noch schneller draufgeht. Dazu kommen der Scavenge-Modus, in dem ihr Benzinkanister sammelt, sowie eine Reihe von Mutations-Spielvarianten mit individuellen Regeln - beispielsweise Last Man Standing. Klare Sache: Hier wischt Left 4 Dead mit Back 4 Blood den Boden auf.
Gegner- und Leveldesign
Nächster Punkt: das Gegner und Level-Design. Gerade mit Blick auf die Zombies, die ihr im Spiel umnietet, wirkt Back 4 Blood oft nur wie ein Neuaufguss von Left 4 Dead 2: Reeker sind quasi Boomer, der Sleeper ist quasi ein Hunter. Wirklich neue originelle Monster, die ihren ganz eigenen Charakter haben, hat sich Turtle Rock nicht ausgedacht. Auch das Spawning wurde in Left 4 Dead cleverer gelöst. Während der Oger nur an bestimmten Orten auftaucht, kann euch ein Tank jederzeit und überall überrumpeln. Während Back 4 Blood euch gerne mal mit mehreren Mutationen auf einmal überschüttet, setzt Left 4 Dead seine besonderen Infizierten deutlich gezielter ein. Außerdem bekommen die Standard-Untoten je nach Umgebung einen neuen Anstrich spendiert: Im Verlauf der Kampagne trefft ihr auf Clowns, Sumpfmenschen, Rennfahrer, Bauarbeiter, gepanzerte Polizisten oder Wissenschaftler in Schutzanzügen. Das sorgt für Abwechslung.
Apropos Umgebungen: Auch die Stages sind unterschiedlich aufgebaut. Back 4 Blood setzt eher auf kleine schlauchige Karten. Das unterstreicht so ein wenig die klaustrophobische Grundstimmung, sorgt aber auch für mehr Dynamik. Ihr werdet von den Zombie-Massen ganz klar in eine Richtung getrieben. Stehenbleiben und Durchschnaufen ist keine Option. Dieses Gefühl kennt man aus Left 4 Dead ebenfalls. Es gibt aber auch immer wieder weitläufigere Abschnitte, in denen ihr Zeit zum Erkunden habt. Ein schönes Beispiel dafür ist der Whispering Oaks Amusement Park, dessen Attraktionen ihr sogar selbst ausprobieren dürft.
Gunplay
Quelle: PC Games
Ballern in Back 4 Blood macht Laune. Das liegt auch daran, dass ihr eure Waffen nun mit Aufsätzen versehen könnt.
Kommen wir zum eigentlichen Kerngeschäft: dem Gunplay. Hier lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass beide Spiele ordentlich Spaß machen. Das liegt besonders an der flotten Steuerung und dem gelungenen Trefferfeedback, aber auch an der großen Auswahl an Schießprügeln: Sturmgewehre, Schrotflinten, Pistolen - hier ist für jeden Geschmack was dabei. Für den Waffennarren von Welt hat Back 4 Blood aber nochmal ein wenig mehr zu bieten. Die Ballistik fällt hier deutlich realistischer aus: Anders als noch in Left 4 Dead haben eure Knarren endlich einen Rückstoß und verziehen, wenn ihr einfach stumpf den Abzug gedrückt haltet.
Außerdem lässt sich euer Arsenal weitaus umfangreicher gestalten. Ihr sammelt nicht nur Waffen auf, die herrenlos in der Gegend herumliegen. Ihr könnt sie auch zu Beginn einer Runde im Shop kaufen und mit Aufsätzen modifizieren. Für jegliche Ausrüstung gibt's dabei Level und Seltenheitsstufen mit Farbcodierung. So haben unterschiedliche Waffen auch tatsächlich unterschiedliche Werte, die ihr nun endlich detailliert einsehen könnt. Ein wahres Schützenfest! Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine Akimbo-Funktion! Ihr dürft also nicht mir zwei Desert Eagles gleichzeitig durch die Gegend rennen. Trotz dieses eklatanten Makels können wir den Punkt hier aber guten Gewissens an Back 4 Blood vergeben.
Fortschrittsysteme
Quelle: PC Games
Back 4 Blood setzt auf ein Kartensystem, mit dem ihr euch Perks und Vorteile für die Kampagne sichern könnt.
Diese Masse an Modifizierungsmöglichkeiten setzt sich auch in andere Bereiche von Back 4 Blood fort: Es gibt beispielsweise acht verschiedene Charaktere mit individuellen Fähigkeiten. Die Wahl eurer Spielfigur spielt also tatsächlich mal eine Rolle, es gibt mehr als rein optische Unterschiede. Dazu kommt noch das Kartensystem: Für die Kampagne baut ihr euch ein eigenes Deck zusammen, das aus verschiedenen Perks und Buffs besteht. Zu Beginn einer Runde könnt ihr dann immer eine von fünf zufällig gezogenen Karten auswählen und euch so den Überlebenskampf ein wenig einfacher gestalten. Über die Versorgungslinien in Fort Hope bekommt ihr zudem immer neue Karten dazu. Das hält auch auf lange Sicht die Motivation hoch. Es gibt andauernd neue bessere Optionen, mit denen ihr euer Deck individuell auf euren Spielstil zuschneiden könnt. Da kann Left 4 Dead 2 nicht mithalten.
Komfortfunktionen
Zu guter Letzt widmen wir uns noch so ein wenig dem allgemeinen Spielkomfort. Hier glänzt Back 4 Blood nämlich mit einer Masse an sinnvollen Quality-of-Life-Verbesserungen. Der Koop-Shooter bietet beispielsweise Crossplay. Ihr müsst euch also keine Gedanken darum machen, dass euch die Mitspieler ausgehen. Auch das gemeinsame Zocken über verschiedene Plattformen hinweg ist kein Problem.
Außerdem könnt ihr jetzt mit jeder Waffe über Kimme und Korn zielen, statt sie aus der Hüfte abzufeuern. Das war in Left 4 Dead nur mit Sniper Rifles möglich. Auch einen Hitmarker gab es früher nicht. Euer Bewegungsrepertoire wurde schließlich noch durch Kletter-, Sprung- und Sprintfunktionen ergänzt. Über das damit eingeführte Ausdauer-Feature lässt sich zwar streiten, dass Back 4 Blood deutlich mehr den aktuellen spielerischen Ansprüchen entspricht als Left 4 Dead, das steht aber wohl außer Frage.
Und was heißt das für unseren Vergleich? Am Ende steht ein ausgeglichenes vier zu vier. Unentschieden also. Wobei das weniger als Kritik an Back 4 Blood und mehr als Kompliment für Left 4 Dead zu verstehen ist. Und als Indiz dafür, dass beide Koop-Shooter ihre Daseinsberechtigung haben. Der eine bietet eine moderne Aufmachung und spielerische Tiefe, der andere jede Menge Inhalt und Abwechslung. Was euch davon wichtiger ist, das muss am Ende jeder selbst entscheiden. Egal, zu welchem der beiden Titel ihr aber auch greift: Spaß werdet ihr mit beiden haben.
