The Batman, Joker etc.: Wie soll es mit dem Batman-Franchise im Kino weitergehen?
Special
Wir werfen einen Blick auf das, was vom DC-Kinouniversum noch übrig ist und stellen die alles entscheidende Frage: Wie soll es von diesem Punkt an damit weitergehen?
Gefühlt jede Woche wird ein neuer Superheldenfilm oder eine -serie angekündigt. Wer nicht regelmäßig Nachrichten zu dem Thema verfolgt, kann schnell den Überblick verlieren. Wahrscheinlich präsentiert Marvel-Studios-Chef Kevin Feige deswegen bei den Disney-Präsentationen immer direkt eine Liste mit Terminen, die Fans abrufen können, wenn sie sich wundern, was alles in der nächsten Zeit so im MCU erscheint. Blickt man hingegen hinüber zur Konkurrenz von Warner Bros., die mit ihrem DC-Kinouniversum ebenfalls zahlreiche Comic-Franchises zu einem geteilten Filmkosmos zusammenschließen wollten, bräuchte man zur Orientierung womöglich direkt eine eigene App mit Newsticker, Roadmap und Erklärung, ob und wie die einzelnen Projekte inhaltlich eigentlich zusammenhängen.
Kurze Chronologie des Chaos
Fangen wir also am besten chronologisch an: Ins Leben gerufen mit "Man of Steel" sollte das DC-Universum eigentlich eine singuläre Kontinuität aufweisen, der alle nachfolgenden Filme unterworfen sein sollten. Ursprünglich war Zack Snyders Superman-Reboot noch als alleinstehende Reihe geplant, in Reaktion auf den Erfolg von Marvel entschied sich Warner Bros jedoch für die Strategie eines geteilten Universums mit Snyder als Leitfigur. Das erste Crossover ließ nicht lange auf sich warten und so trat in "Batman V Superman: Dawn of Justice" neben den beiden Titelfiguren auch Wonder Woman zum ersten Mal auf. Und auch die restlichen Mitglieder der Justice League waren bereits kurz zu sehen. Die DC-Filme "Suicide Squad", "Wonder Woman" und "Aquaman entstanden nicht unter Snyders Führung, waren aber Teil desselben Kosmos.
Quelle: Warner Bros.
Shazam (2019)
Nach dem "Justice League"-Film, in dem sich die Helden gegen den Schurken Steppenwolf verbündeten, um das Ende der Welt zu verhindern, war dann aber bereits Schluss mit der Ära Snyder. Schon die Zugehörigkeit von "Shazam" zum DCEU hielten sich Warner Bros. und Filmemacher David F. Sandberg möglicherweise bewusst offen.
Snyders Abschied hätte nicht unbedingt das Ende des Projekts bedeuten müssen. Den Todesstoß gab meiner Einschätzung nach dann eher der Ausstieg von Henry Cavill und Ben Affleck. "Justice League" wurde allgemein als Flop wahrgenommen und Aquaman und Wonder Woman waren in ihren Solofilmen erfolgreicher als als Teil des Crossover-Events. Das alte Modell hatte sich als wenig erfolgreich erwiesen und ohne Batman (jetzt kaufen 19,99 € ) und Superman war ein Revival dann ohnehin vollkommen hinfällig.
Es verwundert also nicht, dass "Wonder Woman 84" zwar den Vorgänger fortsetzte, mit der Zeitlinie der bisherigen Hauptreihe aber nichts mehr zu tun hatte. Auch auf Gastauftritte oder eine Erwähnung anderer Helden wurde konsequent verzichtet. Im "Suicide Squad"-Sequel "Birds of Prey" gibt es zwar Anspielungen auf andere Helden, es bleibt jedoch wie bereits in "Shazam" vage, ob hier tatsächlich auf die bekannten Filmversionen verwiesen wird. In "Aquaman 2" wird diese Tradition mit Sicherheit fortgesetzt werden. Statt ein gemeinsames Universum um die zentralen sechs Mitglieder der Justice League zu stricken, entschied sich Warner Bros. also für eine Abspaltung der Figuren.
Quelle: Warner
Justice League (2017)
Einige angekündigten Projekte wie das "Aquaman"-Horror-Spin-off "The Trench", Solofilme für die Figuren Deathstroke und Cyborg sowie "New Gods" wurden eingestellt, "The Flash" und "Black Adam" befinden sich jedoch noch in Arbeit. Ebenso "The Batman", der ursprünglich von Ben Affleck inszeniert und wohl auch mit ihm in der Titelrolle hätte gedreht werden sollen. Er wurde hinter der Kamera von Matt Reeves und als Batman/Bruce Wayne von Robert Pattinson ersetzt. Sein Film-Erzfeind, in "Suicide Squad" noch von Jared Leto gespielt, erfuhr mit "Joker" ebenfalls einen Reboot. Die Filme hängen jedoch trotz der ähnlichen Namenskonventionen nicht zusammen.
Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich
Nun gibt es also mehrere DC-Universen mit unterschiedlichen Schauspielern, von denen das Original womöglich gar nicht mehr fortgeführt wird. Es wird spekuliert, dass "The Flash", in dem mehrere Parallelwelten aufeinanderprallen sollen, eine Reparatur der DC-Kontinuität bedeuten wird. Wie das genau vonstattengehen soll, ist bisher unklar. Mir wäre es allerdings lieber, wenn Warner die Idee eines MCU-ähnlichen Franchise tatsächlich endlich begräbt.
Auch wenn ich "Joker" selbst überhaupt nicht mochte, gefällt mir die Idee, dass nicht sämtliche DC-Filme einer Marschroute unterworfen sind, so wie das bei Marvel der Fall ist. Ich habe daher ein bisschen Angst davor, dass der "Flash"-Film die Tür für eine Zusammenführung aller Filme erneut weit aufstößt. Mir wäre es lieber, die einzelnen Geschichten würden für sich stehen. Derzeit besteht allerdings auch kein konkreter Grund zur Annahme, dass dem nicht so sein wird.
Vor allem Batman profitiert meiner Meinung nach extrem davon, ein eigenes Filmuniversum zu haben. Die Schlachten, die die Justice League austrägt, sind nicht Batmans Schlachten. Sie werden gegen Götter und Aliens geführt und um das Schicksal ganzer Planeten. In einem Universum, in dem Superman herumfliegt, wirkt es direkt albern, eine Geschichte zu erzählen, in der Mr. Freeze versucht, die Bank von Gotham City zu überfallen oder der Pinguin als Bürgermeister kandidiert. Klar, man könnte es versuchen, aber die Voraussetzungen für eine spannende Batman-Story sind viel besser in einer isolierten Filmwelt.
Abseits des DCEU: So sollte es mit Batman weitergehen
Quelle: Warner Bros.
The Dark Knight Rises (2012)
Christopher Nolans "Batman"-Filme gelten für viele Fans als der Standard für eine moderne, realistische Adaption der Figur. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass es gerade die unmodernen Elemente sind, die seine Filme davor bewahrt haben, ins Lächerliche abzudriften. "The Dark Knight" ist aus dem Jahr 2008 und somit aus einer Ära bevor Smartphones weit verbreitet waren. Wo es damals bereits einiges an Willen brauchte, um die Prämisse zu glauben, dass der reichste Mann der Stadt nachts als Fledermaus verkleidet auf die Jagd nach Kriminellen geht, und das niemandem auffällt, ist dies heutzutage eigentlich unmöglich. Zumindest, wenn der Anspruch der Filmschaffenden ist, das Gezeigte in einer realitätsnahen Umgebung zu präsentieren. Mit dem 24-Stunden-News-Zyklus, Kameras in jeder Tasche, Social Media und dem extremen Personenkult um die Superreichen der Welt, wird Bruce Waynes Doppelleben immer unglaubwürdiger.
Ich schlage also vor, all diese Elemente rauszuschmeißen und die Herangehensweise zu wählen, die bereits für Tim Burton Ende der 80er funktioniert hat. Seine Filme, insbesondere "Batman Returns", wirken so zeitlos, weil Gotham City komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Die Architektur, die Klamotten und die Autos, die in den Straßen stehen, sind ein fein abgestimmter Mischmasch aus zeitgemäß und extrem klassisch. Die gotischen Kathedralen, die absurden Gargoyle-Statuen, das heruntergekommene Stadtbild und die winterliche Atmosphäre verleihen Burtons Gotham etwas Außerweltliches. Wir besuchen einen magischen Ort, wo die Gangster aussehen als hätten die Schauspieler aus Michael Jacksons Thriller-Video einen SM-Shop überfallen und wo die Nacht den Freaks gehört. Wenn die Sonne untergeht, zeigen die Mächtigen von Gotham ihr wahres, schurkisches Gesicht, während Batman das seine verhüllt und sein Reich patrouilliert. Der dunkle Ritter mag in düstere Geschichten verwickelt sein, er hat aber weniger mit Antihelden wie dem Punisher oder John Wick gemein als mit Prinz Adam/He-Man aus Masters of the Universe oder einer mythischen Figur aus einem Märchen. Gebunden an einen Ort, der sein Innerstes reflektiert.
Neustart mit "The Batman"?
Natürlich sage ich damit nicht, dass sich ein neuer Film Burtons Ästhetik aneignen soll, sondern lediglich, dass sich Matt Reeves oder wer auch immer den nächsten "Batman" nach "The Batman" inszenieren wird, nicht darauf versteifen sollte, Gotham als moderne amerikanische Großstadt zeigen zu müssen. Nur weil Christopher Nolan echte Städte wie Chicago und New York als Kulisse für seine Filme genommen hat, sollte das der Fantasie doch keine Grenzen setzen. Außerdem wünsche ich mir, dass die Stadt einfach wieder mehr im Mittelpunkt steht und einen eigenen Charakter besitzt.
Quelle: Warner Bros.
Danny DeVito als Pinguin / Oswald Cobblepot
Der Trailer zur Neuverfilmung mit Robert Pattinson deutet zumindest an, dass es sich diesmal eher um eine Detektivgeschichte handeln wird, als um ein Actionfeuerwerk. Dennoch hat die Vorschau zahlreiche Momente, die man als "badass" bezeichnen könnte. Dieser Aspekt lässt mich leider ziemlich kalt. Batman als brutaler, hasserfüllter Knochenbrecher, der Sprüche wie "I am Vengeance" intoniert als sei er Dirty Harry, mag bei einem bestimmten Teil des Publikums für Jubelschreie sorgen, bei mir wecken solche Szenen aber eher die Angst, dass wir es mit einem pubertären Fanboy-Film zu tun bekommen, bei dem versucht wurde, so düster, ernst und grausam wie möglich zu sein. Einzig das hervorragende Casting (Paul Dano als Riddler, Colin Farrell als Pinguin, Zoe Krawitz als Catwoman und Andy Serkis als Alfred) schürt meine Hoffnung. Immerhin lebte das Franchise schon immer von seinen Schurken und Nebenfiguren. Sollte auch nur eine der Figuren an die brillante Performance von Danny DeVito in "Batman Returns" heranreichen, markiere ich mir die Starttermine von "The Batman" 2&3 rot im Kalender.
Möglicherweise gewinnt mich die pulpige Gewalt im fertigen Film ja auch noch für sich. Bei der Harley-Quinn-Serie ist die ja auch omnipräsent, wenn auch mit reichlich Humor präsentiert. Und selbst wenn meine Skepsis am Ende gerechtfertigt sein sollte, zumindest scheint die Härte von Anfang an Teil des Konzeptes gewesen zu sein. Nach dem Erfolg von "Joker" hätte es mich nicht gewundert, wenn Warner plötzlich darauf bestanden hätte, alle Filme in der Entwicklung zu brutalen Crime-Dramen umzuschneiden. Es sieht also so aus, als habe man seine Lektion aus "Suicide Squad" und "Justice League" gelernt.
Quelle: Warner Bros Pictures
Michael Keaton als Batman
Da der Anspruch, ein geschlossenes Universum zu erschaffen, gestorben zu sein scheint, wäre es sogar vorstellbar, mehrere parallele "Batman"-Filme mit unterschiedlichen Schauspielern in der Titelrolle zu haben. Immerhin kommen für "The Flash" ja demnächst schon einmal Michael Keaton und Ben Affleck als der Dunkle Ritter zurück. Wenn jeder Film bzw. jede Reihe für sich selbst steht, ist das Potenzial, das Publikum zu verwirren oder gar zu vergraulen ja gar nicht mal so hoch. Dafür wäre die Abwechslung aber umso höher. Und das ist die eine Sache, mit der die Konkurrenz Probleme zu haben scheint. So unterschiedlich das Marvel-Aufgebot ist, so müssen die einzelnen Filme doch immer irgendwie sinnvoll miteinander verbunden werden. Mit wenigen Ausnahmen haben die Solofilme daher den gleichen Rhythmus, die gleiche Struktur und eine ähnliche Plot-Entwicklung. Dieser Eintönigkeit und Formelhaftigkeit könnte sich DC entgegenstellen und das Publikum mit wirklich radikalen und aufregenden Ideen überraschen. Die Frage, die sich dann nur stellt ist, was machen wir mit den übrig gebliebenen Figuren?
Die restliche Riege
So wie es derzeit aussieht, ist "Shazam" bereits unabhängig vom bisherigen DCEU und am einfachsten weiterzuführen. Neben "Shazam 2" ist hier auch das Spin-off "Black Adam" in Arbeit. Bereits seit 2014 wurde Dwayne Johnson mit der Rolle in Verbindung gebracht. Dass er in einem Solofilm auftreten soll, ist seit 2019 bekannt. Wieso der Superstar nicht einfach zuerst als Gegenspieler in "Shazam 2" eingeführt wird, ist mir ein Rätsel, aber man glaubt wohl daran, dass die Publikumswirksamkeit von "The Rock" genügt, um Hintern in Kinositze zu bekommen. Fair enough.
K
Quelle: Warner Bros
Wonder Woman 1984 (2021)
niffliger wird es da schon bei den Marken "Aquaman", "Wonder Woman" und "Suicide Squad", wobei auch hier schon Schritte unternommen werden, zukünftige Ableger abzugrenzen und die geteilte Vergangenheit abzuschütteln. Im Fall von Wonder Woman waren die Solofilme bisher nur Prequels und hatten damit ohnehin keine Notwendigkeit, auf die Existenz anderer Superhelden hinzuweisen. Aquaman hingegen könnte nach den Ereignissen von "Justice League" auch einfach in sein Königreich zurückgekehrt sein und von jetzt an dort bleiben.
Falls Gal Gadot und Jason Momoa nach den nächsten Fortsetzungen nicht ebenfalls hinschmeißen wollen und DC weiterhin Interesse hat, Filme mit den Beiden zu produzieren, muss die Abwesenheit von Flash, Batman, Superman und Cyborg noch nicht einmal wirklich adressiert werden. Zumindest nicht, solange die Figuren auf persönliche Abenteuer geschickt werden und nicht Weltenzerstörer wie Darkseid, Zod oder Steppenwolf bekämpfen. Aquaman kann als Herr der Sieben Weltmeere theoretisch überall auftauchen, weit weg von den Metropolen, in denen seine Kollegen herumfliegen. Vielleicht macht er ja mit Willem Dafoe und seinem Manbun mal einen Abstecher in Australien oder besucht die Nordsee. Und für die Abenteuer von Diana Prince bleibt auch immer noch der Weltraum. Wonder Woman auf verschiedene Planeten zu schicken ist immerhin interessanter als ihr dabei zuzuschauen, wie sie nach über hundert Jahren in der Zivilisation noch immer kein Date mit jemandem hatte, der nicht seit dem ersten Weltkrieg tot ist.
Quelle: Jessica Miglio / Warner Bros
The Suicide Squad (2021)
Für "Flash" sehe ich nach den zahlreichen Reibereien hinter den Kulissen und aufgrund des abgelaufenen Vertrags von Ezra Miller keine wirkliche Zukunft. Ebenso für eine Fortsetzung von "Birds of Prey". Nach "The Suicide Squad", einem Quasi-Reboot des Franchise von James Gunn, wird für die meisten der dort auftretenden Antihelden auch schon wieder Schluss sein. Ein erneutes Revival wäre aber auf jeden Fall denkbar, sollte Margot Robbie weiterhin Lust haben, Harley Quinn zu spielen. Das Konzept, obskure Schurken-Figuren aus dem DC-Universum für eine Misison zu vereinen, und dann mitzufiebern, wer überlebt und wer draufgeht, lässt sich ja eigentlich bis ins Unendliche weiterführen.
Was haltet ihr vom Kurswechsel von Warner Bros.? Und von welcher DC-Figur würdet ihr gerne einen Solofilm sehen?
