Black Myth: Wukong - Vier Features sind klasse, aber eines nervt total - endlich im Test!

Test Stefan Wilhelm
Black Myth: Wukong - Vier Features sind klasse, aber eines nervt total - endlich im Test!
Quelle: PC Games

Black Myth: Wukong ist eingeschlagen wie eine Bombe! Ob die Qualität des chinesischen Actionspiels die Verkaufszahlen auch rechtfertigt, lest ihr hier.

Es ist offensichtlich, wie viel Herzblut die Entwickler in die Präsentation ihrer Charaktere gesteckt haben. Alle Naselang läuft euch jemand Neues über den Weg, und es ist stets unterhaltsam, den Figuren zuzusehen. Wie sie aussehen, wie sie sich bewegen und verhalten, wie sie sprechen - das alles trägt zu einer märchenhaften Atmosphäre bei und sprüht nur so vor Charme.

Der tolle Soundtrack tut sein Übriges: Unser Favorit ist der kopflose Lautenspieler, der uns im zweiten Kapitel immer wieder aufsucht, um ein paar Strophen zur Geschichte zu schmettern. Was sollen wir sagen - der Mann versteht sein Handwerk. Da kann man nur mitnicken!

Regelrecht verliebt haben wir uns auch in die Cutscenes, die am Ende jedes Kapitels abgespielt werden. Jeder der Kurzfilme erzählt ein kleines Märchen, und jeder ist in seinem eigenen, wunderschönen Stil gehalten. Mal in Tusche, mal in Stop-Motion, immer eine Augenweide. Das Spiel lässt euch tief in seine Kultur eintauchen, und das gelingt auch, wenn sich der Zusammenhang oft nicht erschließt.

Black Myth Wukong Quelle: Game Science

Bröckelnde Fassade

Damit kommen wir zur größten Schwäche von Wukong: seiner Spielwelt. Dass wir damit nicht ihre grafische Präsentation meinen, wisst ihr bereits. Nein, es ist der Aufbau, der uns streckenweise genervt hat. Das geht mit fehlendem Zusammenhang los: Nach jedem Kapitel erwachen wir an einem völlig anderen Ort und teils sind bereits Dinge mit uns passiert, die uns weder gezeigt noch erzählt werden. Wukong begreift seine Kapitel aber ohnehin als abgeschlossene Episoden, oft mit eigenen Figuren, daher geht das noch in Ordnung.

Die Kapitel selbst sind dann meist nach dem Prinzip des "offenen Schlauches" gestaltet, nicht komplett linear, aber auch nicht Open World. Auf eine direkte Spielerführung wird verzichtet. Es gibt keine Karte und das Leveldesign allein muss für Orientierung sorgen, was aber leider nicht immer funktioniert. Wukongs Kapitel können nämlich viele Stunden dauern, und die Umgebungen bleibt oft über weite Strecken fast identisch.

Das Resultat: Wir verlaufen uns, weil viele Pfade gleich aussehen, und teils langweilen wir uns auch, weil diese Pfade nur mit Kanonenfutter und wenig guter Beute gefüllt sind. Das fällt besonders in Kapitel drei auf. Hier laufen wir eine Ewigkeit lang durch ein gefrorenes Waldgebiet und landen danach in einer riesigen Tempelanlage, in der ein Gang dem anderen gleicht. In Kapitel vier erkunden wir stundenlang dieselbe Spinnenhöhle, und auch das wird öde, bevor das Kapitel vorbei ist.

Die Gebiete hier sehen selten wie Videospiel-Levels aus, sondern wie glaubhafte Orte. Das ist erst mal super. Erkauft wird das aber vor allem mit dem exorbitanten Einsatz von unsichtbaren Mauern. Wir sehen Wege, die wir eigentlich erkunden möchten, und Wukong setzt uns viel zu oft plumpe Barrieren vor die Nase.

Da bröckelt die Fassade des Triple-A-Blockbusters aus dem Nichts also, und Wukong wirkt, als hätte es sich zu viel vorgenommen, als hätte man es hier und da noch etwas trimmen müssen.

Der Auserkorene trinkt einen Trank, bevor er weiterkämpft. Quelle: Game Science

Ins Herz gekämpft

Diese Gedanken sind aber meistens mit dem nächsten spektakulären Kampf, einem neuen irrwitzigen Setpiece oder dem Auftritt einer großartig designten Figur schon wieder vergessen. Insgesamt ist das Spiel nämlich ein bemerkenswerter Erfolg, der großen Spaß macht.

Ein simples, aber wuchtiges Kampfsystem, Unmengen an tollen Bossen und eine Präsentation, die zuverlässig die Kinnlade nach unten befördert, machen Wukong zu einem Märchen, das ihr euch anhören solltet. Auch, oder gerade wenn ihr mit dem Stoff noch nicht vertraut seid. Denn beeindruckender als hier werdet ihr den Affenkönig nirgends kennenlernen!

Wertung zu Black Myth: Wukong (PC)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Black Myth: Wukong macht einen Mythos lebendig, der vor Fantasie und Bildgewalt nur so strotzt. Auch hinter den Kulissen hat das Spiel einiges zu bieten: abwechslungsreiches Bossdesign und wuchtige Kämpfe halten euch die überraschend lange Laufzeit über bei der Stange. Entdeckernaturen beißen wegen des gleichermaßen verwirrenden wie restriktiven Leveldesigns oft auf Granit, aber wer sich damit abfindet, findet hier einen idealen Zugangspunkt zu einer faszinierenden Legende.

Black Myth: Wukong ist seit dem 20. August digital für PC (Steam oder Epic) und PS5 erhältlich. Versionen für Xbox Series X und S sollen zu einem unbestimmten Zeitpunkt noch folgen. Gerüchten zufolge hat die Xbox-Fassung mit einem Speicherleck zu kämpfen, das aktuell die Entwicklung verzögert.

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