Test zu Blair Witch für Switch: Ordentlicher Horrorspaß, aber nicht frei von Macken
Test
Ein Mann, ein Hund, ein Wald: Das Horrorspiel Blair Witch basiert lose auf dem gleichnamigen Kultstreifen und liefert ein ordentliches Grusel-Adventure auf Nintendo Switch. In unserem Test klären wir, was den Titel auszeichnet, was er richtig gut macht und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat.
Der kleine Peter ist verschwunden. Vermutet wird der Zehnjährige im Wald, ein Einsatzkommando der örtlichen Polizei macht sich auf die Suche. Merkwürdige Vorkommnisse sind keine Seltenheit in dieser Ecke von Maryland, Legenden zufolge hat eine Hexe zahlreiche Kinder auf dem Gewissen, und von den Studenten, die vor zwei Jahren in das Unterholz wanderten, blieb nur ein Camcorder mit beunruhigenden Aufnahmen zurück.
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Letzteres Unglück ist der Plot des Kulthorrorfilms The Blair Witch Project, der Ende der 90er für Gänsehaut in den Kinos sorgte und das Found-Footage-Konzept bei Horrorfilmen etablierte.
Vorkenntnisse sind allerdings nicht nötig, um das gleichnamige Spiel auf der Switch vollumfänglich zu genießen, denn es erzählt eine eigene Geschichte. Im letzten Jahr erschien der Titel bereits für PC, PS4 und Xbox One.
Auf den Spuren der Mütze
Quelle: PC Games
Im Wald finden Elliot und Bullet nicht nur Hinweise auf Peter, sondern auch
Videokassetten, Holzskulpturen und sogar merkwürdige Ruinen.
Zurück zu Peter: Ihr verkörpert den Polizisten Ellis, der neben seinem treuen Hund Bullet anscheinend auch ein paar private Probleme im Schlepptau hat. Eigenmächtig entscheidet Ellis, die Suche zu unterstützen, allerdings nur als Nachhut, da die anderen schon irgendwo mitten im Wald die Büsche durchkämmen. Immerhin: Dank Bullets Riecher findet Ellis die Mütze von Peterchen und die beiden nehmen die Fährte auf. Nach einem Sturz durchs Gestrüpp und dem Einbruch der Nacht nimmt der Horror dann seinen Lauf. Wer hat in diesem Zelt geschlafen? Wo kommen das verrostete Auto und die Ruinen mitten im Wald her? Wo genau befinden wir uns, wo steckt Peter, und sind wir wirklich alleine auf weiter Flur?
To pet or not to pet
Quelle: PC Games
Mit dem Camcorder sehen wir uns kurze Videoclips an. Wir können spulen
und pausieren und so in leichten Puzzles die Umgebung verändern.
Das Spiel zu Blair Witch (jetzt kaufen 24,89 € ) ist mit etwa fünfeinhalb Stunden Umfang mehr als doppelt so lange wie der Filmklassiker, hat aber dank unterschiedlicher Enden Wiederspielwert. Spielerisch verlässt sich das Action-Adventure auf diverse im Genre etablierte Mechaniken, anstatt, wie die Filmvorlage, neue Wege zu beschreiten. Horror-Gourmets kommt also vieles bekannt vor, zum Beispiel die Nutzung der Taschenlampe beim Aufeinandertreffen mit mysteriösen Erscheinungen, das Sammeln von Hinweisen, Schleichpassagen und das Erkunden von finsteren Umgebungen. Ein bisschen Mut beweist das Spiel immerhin durch die Einbindung eines Camcorders, der beim Abspielen von gefundenen Kassetten Einfluss auf die Realität hat. Objekte tauchen zum Beispiel plötzlich an der Stelle auf, die zuvor in einem Clip am gleichen Ort zu sehen waren. Dass Blair Witch in den 90er Jahren spielt, erkennt man auch am Handy von Elliot, das ältere Semester vermutlich stark an ihr unkapputbares Nokia erinnert. Löblich, dass Elliots Geschichte und Probleme eine Rolle bei der Story spielen, in Rückblenden erfährt man mehr. Alles in allem ist Blair Witch sicher keine neue Horror-Offenbarung, sondern solide Genre-Kost mit einigen atmosphärischen Situationen und dem einen oder anderen Schockmoment.
Quelle: PC Games
Elliot redet im Spiel nicht nur mit sich selbst und mit Bullet, sondern steht auch
per Funk sowie mit dem Handy mit anderen Personen in direktem Kontakt.
Auf allzu plakative Blutbäder verzichtete Blair Witch zu Gunsten einer bedrückenden Stimmung. Elliots Hund Bullet ist nicht nur ein Werkzeug, sondern weckt auch erfolgreich Beschützerinstinkte. Dank seiner Nase finden wir Hinweise, er verteidigt uns, und er freut sich, wenn wir ihn streicheln oder ihm Leckerlis geben. Streicheln ist dabei ein gutes Stichwort: Die Synchronisation von Blair Witch ist auf Englisch, Texte inklusive Untertitel wurden ins Deutsche übertragen. Die Übersetzung hat sich beim Befehlsrad, das bei der Interaktion mit Bullet auftaucht, einen Patzer geleistet: Wählen wir die Aktion mit dem seltsamen Titel "Haustier", streichelt Elliot seinen Partner mit der kalten Schnauze - das englische Wort "pet" kann beides bedeuten, im Spiel gemeint ist natürlich das Verb und nicht das Substantiv. Bullet hat gelegentlich Probleme bei der Wegfindung und glitcht durch Büsche, beim Verfolgen des Vierbeiners nervt es, dass Elliot meist nicht den gleichen Weg einschlagen kann, weil ein Großteil des Gestrüpps von unsichtbaren Wänden umgeben ist. Ungeduldige Naturen könnten da eher entnervt als ängstlich reagieren, allerdings steigt die Spannung im Verlauf des Spiels und Abschnitte wie diese werden seltener.
Matschiger Waldweg
Technisch gibt es bei der Switch-Fassung wenig überraschend Abstriche gegenüber den restlichen Versionen. Texturen sind matschig, Objekte ploppen ins Bild, Bullet ist weniger flauschig und auf Entfernung sieht alles sehr verschwommen aus. Letzteres stört aber am wenigsten, weil es irgendwie zur Atmosphäre passt. Insgesamt kann man Blair Witch aber auch auf der Switch problemlos spielen - wenn man volljährig ist und auf Horror steht.
