Bye bye Blizzard: Was aus den legendären Entwicklern von damals wurde

Special Christian Schmid Maria Beyer-Fistrich
Bye bye Blizzard: Wo sind eigentlich die legendären von früher Entwickler hin?
Quelle: Blizzard 

Blizzard galt lange als eine lebende Legende im Videospielbereich. Die Games aus der kalifornischen Schmiede begeisterten eine ganze Zocker-Generation - und nun sind die meisten Gründungsmitglieder fort. Wir verraten euch in diesem Artikel, was die Developer aktuell tun und auf welche Entwicklerhäuser ihr in Zukunft ein Auge werfen solltet.

Aktuelle Änderungen hervorheben

Die Katze ist inzwischen endgültig aus dem Sack: Blizzard hat derzeit nicht nur massive Probleme in Sachen PR, sondern auch im Bereich Entwicklung. Die Spielerzahlen in WoW sinken, was man aus dem Ausbleiben einer WoW-Wachstumsprognose des letzten Quartalsberichts abstrahieren kann. Innerhalb von 3 Monaten verlor Blizzard 2 Millionen Spieler - laut des Berichtes verlor das Studio in den letzten drei Jahren sogar insgesamt 29 % seiner gesamten Spielerschaft, über alle Spiele hinweg.

Update: Wir haben den Artikel um ein Video zum Text ergänzt.

Die Antwort darauf folgte am 27.08.2021, als Blizzard ankündigte, dass in Patch 9.1.5 praktisch alle jemals in einem Forum vorgeschlagenen Änderungen in WoW Einzug halten würden. Overwatch verlor im April dieses Jahres seinen Game Director, die Entwicklung für StarCraft 2 wurde bereits seit letztem Jahr eingestellt und das Schreckgespenst einer umfassenden Mobile-Game-Offensive samt Diablo Immortal und zwei Titeln im Warcraft Universum bäumt sich drohend am Horizont auf. Das einzige Spiel, das praktisch uneingeschränktes Lob vonseiten der Spielerschaft einfahren kann, ist derzeit Diablo 2: Resurrected. Und das ist ein mehr als 20 Jahre altes Spiel, mit neuer Lackierung.

Wenn, wie derzeit auch im Falle von Diablo 2: Ressurected die Frage aufkommt, was die alten Spiele so gut machte, ist die Antwort fast immer sehr einfach: die damaligen Entwickler. Wie wir bereits in unserem Artikel und Video "Blizzards Niedergang" erwähnten, verlor die Firma über die Jahre hinweg ein Gründungsmitglied nach dem anderen. In diesem Artikel verraten wir euch, was die Ex-Designer, Entwickler und Präsidenten Blizzards heute treiben und hinter welchen Entwicklungsstudios sich die Blizzard-Urgesteine verstecken.

Dreamhaven: Mike Morhaimes Traumfabrik

Zum Einstieg widmen wir uns direkt einer der großen Hoffnungen im Entwicklungsbereich: Im September des Jahres 2020 kündigte Ex-Blizzard-Präsident und Mitgründer Mike Morhaime an, dass er das Studio Dreamhaven gründete. In Kombination mit den hauseigenen Entwicklerstudios Moonshot Games und Secret Door handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Konzernentität - auf gut Deutsch bedeutet das, dass Dreamhaven gleichzeitig als übergeordnetes Entwicklerstudio und Publisher fungiert. Die Unabhängigkeit des Studios war Morhaime so wichtig, dass er sie sogar in einem Interview mit der Website Venturebeat explizit erwähnte. Die Möglichkeit das "Schicksal des Studios selbst zu bestimmen" führte das Ehepaar Morhaime zu der Entscheidung, Dreamhaven vollständig mit ihrem Privatvermögen zu finanzieren.

Laut Morhaime will Dreamhaven seinen Entwicklern eine sichere Umgebung bieten, in der sie Spiele entwerfen können, welche und wir zitieren: "Die Qualität des Produktes und die Spielererfahrung über kurzfristigen finanziellen Druck stellen." Laut eigener Äußerungen will Morhaime Dreamhaven zu einem Ort machen, an dem die Arbeit an Spielen auf eine bessere Art und Weise als üblich vonstattengeht. Jedes der beiden Sub-Studios ist an der Muttergesellschaft finanziell beteiligt und in der Wahl seiner Spieleentwicklung völlig frei. "Sie können ihre Leidenschaft für Spieleentwicklung ungestört ausleben", bemerkte Morhaime in dem Interview "sie haben Kontrolle über ihr eigenes Schicksal und fühlen sich hoffentlich so, als hätten sie damit das beste zweier Welten: Den Unternehmergeist, die Stabilität und die Ressourcen, die ihnen sonst nur größere Firmen zur Verfügung stellen könnten."
Dreamhaven wurde komplett mit dem Privatvermögen des Ehepaares Morhaime finanziert. Das Ziel ist es, Studios eine sichere und kreative Entwicklungsumgebung zu bieten.  Quelle: Dreamhaven Dreamhaven wurde komplett mit dem Privatvermögen des Ehepaares Morhaime finanziert. Das Ziel ist es, Studios eine sichere und kreative Entwicklungsumgebung zu bieten.  Morhaime nahm außerdem hochkarätige Ex-Blizzard-Entwickler auf, um in Zukunft eine hohe Qualität zu gewähren: Das Studio Moonshot Games beinhaltet Jason Chayes, der als Executive-Producer Blizzards Hearthstone-Team leitete, Ben Thompson, der als Creative Director im Hearthstone-Team arbeitete und Dustin Browder, ein wahres Urgestein der Spieleentwicklung: Browder war als Game-Director an der Entwicklung von Command & Conquer: Red Alert 2, Command & Conquer: Generals, der Battle-for-Middle-Earth-Reihe, StarCraft 2 und Heroes of the Storm beteiligt. Außerdem arbeitete Browder in den Jahren von 2017 bis 2019 an einem Projekt, das Blizzard-intern als "Ares" bezeichnet wurde: Einem First-Person-Shooter im StarCraft-Universum, der von Browder als "Battlefield in StarCraft" beschrieben wurde. Es existierten bereits funktionierende Builds in der Overwatch-Engine, in der Spieler als terranische Marines und Zerg gegeneinander kämpfen konnten, als das Projekt mit einem Mal eingestellt wurde.

Die Ex-Blizzard-Leitung von Secret Door übernehmen Eric Dodds, der als erster Game-Director von Hearthstone fungierte, Chris Sigaty, der als Lead Producer für Warcraft 3 (das Original) und Executive Producer für StarCraft 2 und Hearthstone arbeitete sowie niemand anderes als Alan Dabiri. Alan arbeitete als Technical und Game Director für Hearthstone, Star Craft II und Heroes of the Storm. Und ja, ihr vermutet richtig: Alan ist der Sohn von Shane Dabiri, einem weiteren Blizzard-Urgestein.

Bevor ihr nun in Freudensprünge ausbrecht: Wenn sich etwas zu gut anhört, um wahr zu sein, dann ist vermutlich exakt das der Fall. Durch die echte Begeisterung Mike Morhaimes, den Einsatz seines Privatvermögens und seiner selbst ernannten Mission "Spielerlebnisse aufzubauen, die eine echte Verbindung zwischen Spielern schaffen" sind wir in diesem Fall aber vorsichtig optimistisch. Dreamhaven ist das Studio in dieser Liste, dass die größten Chancen hat, das alte Blizzard-Gefühl wieder einzufangen. Wir bleiben gespannt!

Warchief Gaming: Chris Metzens D&D-Kampagne

Nachdem wir Morhaimes Vision des alten Blizzard behandelt haben, kommen wir zu etwas völlig anderem: Chris Metzen nahm bei Blizzard die Stelle des Vice President of Creative Development ein und war damit für die Story der Warcraft-, StarCraft- und Diablo-Reihe verantwortlich. Seine Zeichnungen zierten fast alle Gebrauchsanleitungen früher Blizzard-Spiele und mit "Von Blut und Ehre" veröffentlichte er sogar sein erstes Buch im Warcraft Universum. Ein kleines Nebenprojekt Metzens war im Jahr 2005 übrigens eine Graphic-Novel, die er mit dem brasilianischen Künstler Max Velati zusammen erstellte. Ihr Titel: Soldier 76. Im Jahr 2016 wurde der Charakter als spielbarer Held in Overwatch übernommen. Auch als Synchronsprecher wurde Metzen berühmt, denn er lieh seine Stimme nicht nur Thrall, Ragnaros, Vol'jin, Varian und selbst dem StarCraft-Marine - er ist inzwischen auch in der Neflix-Serie "Der Prinz der Drachen" als Drachenkönig Avizandum zu hören. Chris Metzen kann also vor allem großartige Storys und Charaktere schreiben sowie Welten erschaffen. Was lag da näher, als sein Hobby (ein weiteres Mal) zum Beruf zu machen.
Warchief Gaming ist ein Entwicklungsstudio der besonderen Art: Hier werden von dem Team um Chris Metzen keine Videospiele, sondern Tischrollenspiele entwickelt! Quelle: Warchief Gaming Warchief Gaming ist ein Entwicklungsstudio der besonderen Art: Hier werden von dem Team um Chris Metzen keine Videospiele, sondern Tischrollenspiele entwickelt! Im Oktober des Jahres 2020 erweiterten Chris Metzen und der ehemalige Blizzard Vice President of Quality Assurance, Mike Gilmartin, ihren privaten Tabletop-Club "Warchief Gaming" um ein Tabletop-Entwicklerstudio des gleichen Namens. Nachdem die beiden mit Ryan Collins noch einen Hearthstone-Developer ins Team holten, stellten sie ihre neue Kampagnenwelt vor: Auroboros ist ein Dungeons & Dragons 5th Edition Kampagnenset, das den Fokus auf ein Zwischenspiel zwischen acht mächtigen Stadtstaaten, urbane Fantasy, Kulte und Verbrechersyndikate legt. Die Welt wird zudem von dem mächtigen "Mal der Schlange" überschattet, welches Spielercharakteren die Macht gibt, Berge zu bewegen und Gedanken zu kontrollieren - jedoch zu einem permanenten Preis. Der Kickstarter besaß zu seinem Start ein Ziel von 50.000 US-Dollar. Inzwischen liegt der Crowdfunding-Status bei mehr als 1.200.000 US-Dollar und mehr als 10.000 Unterstützern, mit stetig steigender Tendenz. Wir wissen bereits, dass Chris Metzen tolle Charaktere und Universen kreieren kann. Inzwischen tut er das eben nicht mehr digital, sondern in unseren Köpfen.

Frost Giant Studios: Tim Campell und Tom Morten machen Echtzeitstrategie

Wer an Blizzard denkt, hat nicht nur Action-Rollenspiele und MMORPGs im Kopf, sondern vor allem großartige Echtzeitstrategie-Titel wie Warcraft oder StarCraft. Jeder, der auf eine Wiedergeburt des Blizzard'schen-Echtzeit-Genres wartet, wird sich über die Gründung von Frostgiant Studios im September des Jahres 2020 freuen. An der Spitze des Entwicklerstudis stehen Tom Morten, der vor allem als Production Director für StarCraft 2 von sich reden machte und Tim Campbell, der unter anderem an Command & Conquer: Red Alert 2, NOX, Starcraft 2 sowie als Lead Campaign Designer für Warcraft 3: The Frozen Throne arbeitete und zuletzt als Game Director für Wasteland 3 fungierte.

Das Interessante: Die beiden Strategie-Titanen nahmen gefühlt gleich auch den Rest des StarCraft-2-Teams in das Studio auf. Wir müssen kurz Luft holen: Neben dem Lead Artist, dem Lead Designer, zwei Lead Coop Designern und einem Gameplay Engineer sind auch ein Lead Engineer und ein Server Engineer der ehemaligen StarCraft-2-Riege mit an Bord. Nicht weiter überraschend, ist es das Ziel des jungen Studis das "Nächste große Echtzeit-Strategiespiel" zu kreieren, das laut eigenen Äußerungen auf der Unreal Engine 5 basieren wird. In der zweiten Fundraiser-Runde konnte das Studio 9.700.000 $, sowie die Unterstützung namhafter Investoren aufbringen, darunter auch das League-of-Legends-Studio Riot Games. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen und die Hoffnungen der Echtzeit-Gemeinde vollends zu entfachen, wurde übrigens eine Zusammenarbeit mit Mike Morhaimes Dreamhaven Studio angekündigt. Hoffen wir das Beste.
Frostgiant Studios bringt nicht nur Blizzard-Urgesteine, sondern auch eine große Menge an StarCraft-II-Entwicklern und eine Kooperation mit Dreamhaven mit.<br> <br> &nbsp; Quelle: Frostgiant Studios Frostgiant Studios bringt nicht nur Blizzard-Urgesteine, sondern auch eine große Menge an StarCraft-II-Entwicklern und eine Kooperation mit Dreamhaven mit.

 

Bonfire Studios: Online-Multiplayer für Core-Gamer

Bereits ein wenig länger her ist die Gründung von Bonfire Studios, die bereits im Jahr 2016 erfolgte. Die Blizzard-DNA des Studios setzt sich aus Rob Pardo, dem ehemaligen Blizzard Vice President of Game Design und Josh Mosqueira, dem ehemaligen Game Director von Diablo 3 zusammen. Erwähnenswert ist hier allerdings, dass auch Min Kim, der frühere CEO von Nexon America mit in der Chefetage sitzt - der südkoreanische Entwickler Nexon gehört mit zu den weltweiten Pionieren des Free-2-Play-Models.
Bonfire Studios will laut eigener Aussage Spiele für PC-Core-Gamer produzieren – das Diablo-Immortal-Debakel war den Entwicklern eine Lehre.&nbsp; Quelle: Bonfire Studios Bonfire Studios will laut eigener Aussage Spiele für PC-Core-Gamer produzieren – das Diablo-Immortal-Debakel war den Entwicklern eine Lehre.  Der derzeitige Fokus von Bonfire Studios liegt auf der Entwicklung eines auf Unity basierenden kooperativen MMOs, das "kompetitive und kooperative Elemente verbinden" soll. Die angepeilte Zielgruppe für das MMO ist dabei der harte Kern der Spielerschaft. In einem Interview mit PCGamesn bemerkte Rob Pardo: "Es ist definitiv ein Spiel für Core-Gamer; wir werden euch nicht aus heiterem Himmel ein Mobile-Spiel a la Candy Crush präsentieren." Mit einem kleinen Seitenhieb auf Diablo Immortal gab Pardo zu: "Unsere Zeit bei Blizzard hat uns gelehrt, was Gamer wirklich wollen." Durch kleine Teams, die größtenteils frei arbeiten und in einer entspannten Umgebung wirken und leben sollen, will Bonfire-Studios laut eigener Aussage wieder die "Fantasie und gegenseitiges Lernen" zu ihrem Firmenkompass machen. In Sachen Finanzen greift übrigens auch in diesem Fall wieder Riot Games einem Studio von Ex-Blizzard-Entwicklern unter die Arme. Wir sind gespannt, ob sich hier ein Muster für die nächsten Jahre abzeichnet.

Skystone Games / Greybeard Games: David Breviks RPG-Karriere

Liebhaber der Diablo-Reihe werden mit dem Namen David Brevik etwas anfangen können, denn das damalige Gründungsmitglied und Präsident von Blizzard North arbeitete als Lead Programmer und Senior Designer an Diablo sowie als Project and Design Lead an Diablo 2. Brevik beteiligte sich zwar auch an Warcraft 3, doch seine wahre Liebe war immer die Diablo-Reihe. Im Februar dieses Jahres äußerte sich Brevik umfassend zu der damals geplanten zweiten Erweiterung für Diablo 2 und erklärte, wie Blizzard North die letztendliche Fassung von Diablo 3 umgesetzt hätte. Kaum verwunderlich, gründete er nach seinem Weggang im Jahr 2003 das Entwicklerhaus Flagship Studios, welches Action-RPGs produzieren sollte. Leider wurde das Studio im August des Jahres 2008 wegen finanzieller Probleme aufgelöst. Nachdem er einen kurzen Zwischenstopp als Creative Director bei Turbine einlegte, fing er im Jahr 2009 bei Gazillion Entertainment an und nahm dort im Jahr 2013 den Posten des CEO ein.

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Seit 2016 stellt David Brevik seine Action-RPG-Kompetenz als Berater für den chinesischen Zweig von Grinding Gear Games zur Verfügung; das Studio steckt hinter Path of Exile. Brevik besitzt auch ein eigenes Indie-Studio mit dem Namen Greybeard Games, das bereits das Spiel "It lurks Below" auf Steam herausbrachte. Zusammen mit Bill Wang, einem ehemaligen Mitglied von Perfect World Entertainment, gründete die Ex-Blizzard-Größe im Jahr 2020 das Publishing und Development Studio Skystone Games, das aufstrebenden Indie-Studios unter die Arme greift. Unser Geheimtipp: Auf der Website graybeardgames.com findet ihr das Original-Pitch-Dokument für Diablo 1. Eine absolute Pflichtlektüre für jeden, der den Designprozess hinter den alten Blizzard-Spielen verstehen möchte.

Second Dinner: Ben Brodes finanzstarkes Marvel-Projekt

Es gibt wohl keine Ex-Blizzard-Legende, die in so kurzer Zeit eine derartig große Fanbase um sich herum versammeln konnte: Ben Brode wurde für seine Freundlichkeit, seine ansteckende Lache und seine ulkigen Aktionen bekannt. Unser Tipp: Schaut euch Ben Brodes Un'Goro Rap an. Im Jahr 2018 nahm Brode seinen Hut und gründete bereits drei Monate später sein eigenes Entwicklerstudio Second Dinner. Im Jahr 2019 folgte schließlich die Ankündigung, dass das Studio nicht nur einen namhaften Partner gefunden hatte, sondern auch voll finanziert wurde: In einer Kooperation mit Marvel konnte Brode eine Finanzspritze von 30.000.000 Dollar (!) sicherstellen. Zusammen mit Ex-Blizzard-Größen wie dem Production Director Yong Woo und dem Art Director Jomaro Kindred wird inzwischen auf Hochtouren an einem Unity-basierten Marvel-Game gewerkelt. Durch die absolut enorme Investition vonseiten Marvels, für die Brode laut eigener Aussage keinerlei Kompromisse eingehen musste, bietet das Studio seinen Mitarbeiter außerdem etwas, das im Indie-Sektor nicht selbstverständlich ist: finanzielle Sicherheit. Brode fasst es auf seiner Website treffend zusammen: "Hier fühlt man sich, wie in einem starken Start-up - nur dass man keine Angst haben muss, dass einem vor dem nächsten Meilenstein das Geld ausgeht!" Wir wünschen Ben auf jeden Fall viel Erfolg.
Ben Brode konnte mit einem Studio Second Dinner eine Punktlandung hinlegen: Eine Kooperation mit Marvel und etliche Millionen Dollar Finanzierung lassen Gutes erahnen.<br> <br> &nbsp; Quelle: Second Dinner Ben Brode konnte mit einem Studio Second Dinner eine Punktlandung hinlegen: Eine Kooperation mit Marvel und etliche Millionen Dollar Finanzierung lassen Gutes erahnen.

 

One More Game: Patrick Wyatts Wunscharbeitsplatz

Patrick Wyatt war nicht nur einer der ersten Blizzardmitarbeiter überhaupt, er programmierte zudem an der ursprünglichen Version des Battle.net mit. Außerdem war neben Blizzard-Flaggschiffen wie Warcraft 2, StarCraft und Diablo auch an absoluten Klassikern wie Rock'n'Roll Racing und Lost Vikings beteiligt. Nachdem er acht Jahre lang als Vice President of Research and Development sowie als Senior Programmer für Blizzard gearbeitet hatte, gründete er zusammen mit zwei Freunden die Firma ArenaNet, die vor allem durch die Guild-Wars-Reihe berühmt wurde. Im Jahr 2010 übernahm der den Posten des Chief Operations Officer für En Masse Entertainment, überwachte den Release des Online-Rollenspiels TERA und wechselte anschließend im Jahr 2014 zu Undead Labs, wo er zusammen mit Jeff Strain, einem weiteren Gründungsmitglied von ArenaNet arbeitete. Seit 2015 nimmt Patrick Wyatt die Stelle des Senior Principal Engineer für Amazon Games ein. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sein eigenes Studio zu gründen.

Im Jahr 2019 wurde das Studio One More Game (abgekürzt "OMG!") ins Leben gerufen und im Folgejahr mit 5.700.000 Dollar durch Investoren finanziert. Der Fokus des Entwicklerstudios liegt auf der Erschaffung von Cross-Plattform-Spielen für Mobile und PC. Interessant ist aber vor allem die Firmenphilosophie, die sehr eindeutig ausfällt: keine Arbeitsplätze vor Ort. Jeder arbeitet grundsätzlich von zu Hause aus. So viel Urlaub wie man will, es gibt keine jährlich begrenzten Krankheitstage und jeder Mitarbeiter erhält ein vollständiges Versicherungspaket, samt Arbeitsunfähigkeitsversicherung sowie ein 6.000 Dollar Stipendium pro Jahr, mit dem er seine Fortbildung nach eigenem Ermessen finanzieren kann. Solange die Arbeit dann fertig wird, wann sie fertig werden soll, stellt sich das Studio voll hinter seine Mitarbeiter. Innerhalb der Konzernkultur der USA sind das geradezu paradiesische Zustände. Wie Wyatt es auf seiner Website zusammenfasst: "Wir wollen einen vorbildlichen Arbeitsplatz erschaffen, an dem kreative, fleißige und freundliche Leute arbeiten."

Vorsichtiger Optimismus

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass sich die Studios der Ex-Blizzard-Größen vor allem durch eines definieren möchten: Eine angenehme Arbeitsumgebung, in der es wieder möglich ist, gute Spiele zu entwickeln. Wer ständig die Angst im Nacken sitzen hat, erschafft eben keine Meisterwerke. Das hört sich zwar selbstverständlich an, ist in der Praxis aber extrem schwer. Zum einen wirkte die amerikanische Konzernkultur diesem Prinzip entgegen, indem Arbeitskräfte eher als Bürozubehör denn als fühlende Wesen gesehen werden. Zum anderen sehen viele Studios eher die Investoren als ihre Kunden an - der Spieler selbst ist lediglich Teil des Umsatzzyklus. Können die frischen Studios das alte Blizzard-Gefühl durch ihre geringe Größe und familiäre Atmosphäre wieder einfangen oder wiederholen sie die Sünden ihrer Väter? Was meint Ihr? Wir sind jedenfalls sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

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