Wer auf simples, forderndes, süchtig machendes und richtig gutes Gameplay steht, liegt hier goldrichtig.
Lange vorm Krieg, zu Zeiten als Pixel, Sprites und Polygone geboren und ein bisschen das Laufen lernten, begeisterte ein simples Geschicklichkeitsspiel die bis dato eher als Freaks bekannten und vorzugsweise dem männlichen Geschlecht angehörigen Zocker. Diese Gattung fristete ein Dasein im Halbdunkel des eigenen Zimmers des Elternhauses mit Rockford, mit dem man Tunnel um Tunnel gegraben, Felsbrocken verschoben, Gegner geplättet und Edelsteine eingesammelt hatte. Es war das Jahr 1984 als First Star Software Rockford mit seinem Gruben- und Graben-Puzzle, getauft auf den Namen Boulder Dash u.a. auf die Gemeinde der Atari 800 XL Besitzer los lies; Natürlich wurden auch C64, Spielhallen sowie diverse Heim-Computer damit beglückt. Seither sind 27 Jahre vergangen, in denen Rockford immer wieder und zwar immer wieder unter der Lizenz von First Star Software auf verschiedenen Plattformen gezeigt hat, dass süchtig machendes Gameplay nix mit pompöser Grafik zu tun hat und mit einem simplen Gameplay aufwartet. Und das dieses gnadenlos einfache Prinzip nach wie vor funktioniert, beweist der jüngste Spross der Boulder Dash Familie, nach wie vor unter der Flagge von First Star Software beheimatet, welcher dieser Tage exklusiv auf dem Xbox 360 Marktplatz erschienen ist.
Warum umständlich ...
Boulder Dash-XL
... wenn es auch einfach geht! Prinzipien, vor allem Spiel-Prinzipien, die einwandfrei funktionieren, muss man nicht groß ummodeln oder verändern. Diesen Grundsatz verfolgen auch First Star Software und obwohl Rockford eine Partnerin namens Crystal zur Seite gestellt bekommen hat, die sich ohnehin nur als eine weitere wählbare Spielfigur entpuppt, folgt Rockford nach wie vor seiner eigenen Fährte. Wie bereits 1984 baggert, schaufelt, gräbt, rollt und schiebt ihr euch mit dem kleinen Kerl durch das Erdreich, sucht den Ausgang und sammelt dabei jede Menge Edelsteine ein. Je nach Level ist die Anzahl der Diamanten, die ihr mitnehmen müsst damit der Ausgang sich öffnet, unterschiedlich. Manches Mal reichen zwanzig Stück, ein anderes Mal müssen es schon 100 Stück sein. Klingt einfach, erweist sich in der Praxis aber als überaus trickreich, denn gerne sind die wichtigen Klunker durch Gegner gesichert oder es gilt die Augen offen zu halten, damit euch kein Felsblock auf die Rübe knallt. Das eine oder andere Level besticht dann wiederum dadurch, dass erst gar keine Edelsteine zu finden sind, wohl denn aber rund 25 Stück benötigt werden, denn erst dann lässt sich der Ausgang entriegeln. Vielleicht sind Felsbrocken, die in Diamanten verwandelt werden können oder auch Amöben, die man einsperren muss, der Weg zum Ziel - wer weiß das schon?! Ausprobieren ist angesagt und das bitte flott, flott - denn die Uhr tickt in jedem Level unerbittlich und ist die Zeit abgelaufen und das Ziel nicht erreicht, rumst es im Karton und die Runde gilt als verloren.
Zum Kuckuck nochmal
Boulder Dash-XL
Egal ob damals oder heute: Boulder Dash darf sich auf die Schultern klopfen, denn selten war ein Puzzle- bzw. Geschicklichkeitsspiel an manchen Stellen wahrlich bockschwer und trotzdem selten bis gar nicht unfair. In zehn von zehn Fällen werdet ihr an euch selbst scheitern, weil ihr zu schnell, zu unvorsichtig, usw. durch das Level gedüst seid und in Folge dessen dem Klang einer alten Kuckucksuhr lauschen dürft, die verkündet, dass ihr fürs erste gescheitert seid. Sind im Arcade Modus die ersten Levels noch recht banal ausgestattet, wird es bis zum Erreichen von Level bzw. Cave 100 mehr als nur anspruchsvoll. Da bleibt es nicht aus, das euch doch mal einer der zahlreichen Gegner in die Luft gehen lässt, ihr euch selbst beim Versuch Diamanten zu befreien einsperrt, ihr euch schlicht zeitlich verlauft oder euch ein Felsbrocken zerquetscht. Um dem vorzubeugen, bietet sich die Option an, dass ihr mittels Tastendruck die Zeit anhalten und gleichzeitig einen Rundumblick wagen könnt. Auf diese Weise lässt sich ggf. ein Weg vorausplanen; Allerdings nimmt ein derartiges Vorgehen Spannung und Spaß, wobei die Guck-Option dann seinen Sinn hat, wenn die Level immer größer und größer werden und zumindest die Richtung für den Ausgang bestimmt werden soll. Den zu finden ist nicht nämlich nicht immer ganz leicht.
Boulder Dash-XL
Gleiches gilt im Übrigen für den noch vorhandenen Retro Modus, bei dem vor allem Veteranen sicherlich ein Glücks-Tränchen verdrücken werden. Obwohl wir das Jahr 2011 schreiben, schafft - wenn auch dezent modifiziert - der neue, alte Retro Modus von Boulder Dash XL Erinnerungen zu wecken und spielerisch eine Zeitreise zu servieren. Auffällig ist - im direkten Vergleich mit dem neumodischen Arcade Modus - dass die Retro Gegner intelligenter und schneller agieren. Leider bietet die Retro Abteilung lediglich 25 verschiedene Levels an und wer den Dreh mal raus hat, wird schnell zurück in der Zukunft sein.
Boulder Dash-XL
Gesäumt werden Arcade und Retro Abteilung noch von einem Puzzle, Zen und Score Attack Modus. Erster verrät schon durch seinen Namen um was es geht. Knifflige Höhlen mit verqueren Aufgaben wollen gelöst werden. Hier gilt leider auch: Schade, dass es nur 25 Levels sind. Der Zen-Bereich dagegen liefert just for Fun Gameplay und der Score Attack fordert euch zu Höchstleistungen auf. Ganz im alten Stil wartet eine weltweit geführte Highscore Tabelle darauf von euch erobert zu werden. Zen als auch Score Attack Modus liefern die gleichen Levels wie der Arcade-Bereich.
