So entstand das beste C64-Spiel des Jahres - und darum müsst ihr es spielen

Special Harald Fränkel Lukas Schmid
So entstand das beste C64-Spiel des Jahres - und darum müsst ihr es spielen
Quelle: Harald Fränkel

Für den urzeitlichen Commodore 64 kommen bis zum heutigen Tag zahlreiche Neuerscheinungen auf den Markt. Das bislang beste Spiel des Jahres 2024 für den "Brotkasten" heißt Timo's Castle und ist eine schweizerisch-deutsche Koproduktion.

PC Games: Wie schlimm waren die Panikattacken, weil ihr fürchten musstet, dass das Spiel gar nicht erscheinen darf?

Roman: Wir haben in der Zeit von Januar bis März mehrmals nachgefragt, woraufhin sich Chris jeweils entschuldigte und mitteilte, dass er aktuell nicht viel Zeit habe. In der Zwischenzeit wurde das Spiel fertig. Wir hatten aber noch kein grünes Licht von Chris. Deshalb beschlossen wir, am 1. April 2024 anzukündigen, dass es am 1. Mai erscheinen soll.

Einerseits, weil der 1. April das gleiche Datum war, an dem Ron Gilbert im Jahr 2022 Return To Monkey Island angekündigt hatte, was wir einfach mal als gutes Omen für unser Projekt werteten. Andererseits wollten wir im schlimmsten Fall sagen können: April, April, war nur ein Scherz!

Chris Murray hat sich dann erwartungsgemäß am selben Tag gemeldet, seine Situation erklärt und mitgeteilt, welche Elemente der Version eine Urheberrechtsverletzung darstellen. Endlich konnte es weitergehen! Es war ein bisschen ein Spiel mit dem Feuer, aber letztlich hat sich das Risiko für uns gelohnt. Das Spiel war noch nicht im Umlauf, und wir hatten einen ganzen Monat Zeit, um alle nötigen Anpassungen zu machen.

Timo muss in jedem Level diverse Objekte sammeln und mit einem Schlüssel zum Ausgang (hier im Stall rechts oben). Das Pferd ist eine Anspielung auf die 70er-Kultserie Black Beauty. Quelle: Harald Fränkel Timo muss in jedem Level diverse Objekte sammeln und mit einem Schlüssel zum Ausgang (hier im Stall rechts oben). Das Pferd ist eine Anspielung auf die 70er-Kultserie Black Beauty.

PC Games: Was war das zum Bleistift, wie wir Kinder der 80er-Jahre zu sagen pflegten, um vor Kumpels unnormal cool dazustehen?

Was vermieden werden musste, war der direkte Bezug zu Henry's House: der Name Henry, das Logo, die Schriftart. Das Musikstück Rule Britannia fanden wir nach einiger Überlegung auch zu nah am Original. Ben hatte die glorreiche Idee, stattdessen ein Stück mit Dudelsack-Sound zu komponieren.

So kamen wir schlussendlich auch auf Schottland als Schauplatz. Weit weg vom Buckingham-Palast. Als klar wurde, dass wir den Namen Henry nicht mehr benutzen dürfen, mussten wir auch in dem Punkt handeln.

Das war kein Thema: Der Arbeitstitel zum Spiel lautete ursprünglich Timo's Dream, weil Timo sich mit der Beteiligung an einem C64-Entwicklungsprojekt ja einen langgehegten Wunsch erfüllen wollte. Und so wurde unser eigener kleiner, stolzer, schottischer Held Timo McClane geboren.

PC Games: Habt ihr deshalb einen Easy-Modus für Luschen wie mich eingebaut? Henry's House war ja relativ fies, ich habe damals deswegen die Telefonseelsorge angerufen - eine Tipps-Hotline gab's leider nicht.

Roman: Ich habe eine fast fertige Version des Spiels während einer Veranstaltung des Swiss Game Hubs hier bei uns in Zürich vorgestellt, wo normalerweise Spiele, die demnächst auf Steam veröffentlicht werden, gezeigt und von unbekannten Leuten getestet werden. Ich war dort sicher ein Sonderfall [schmunzelt].

Einige Personen waren dennoch interessiert und versuchten, Timo's Castle zu spielen, doch scheiterten - für mich zu oft - bei Abstürzen aus zu großer Höhe. Ich wollte dieses Feature aber unbedingt drin lassen, weil es Teil der Henry's House-Erfahrung ausmacht.

Und worin liegt die Herausforderung an einem Plattformer, keine Konsequenzen zu erleben, wenn man einen Sprung verpasst? Auf jeden Fall war das aber auch ein Augenöffner, dass es mit einem zusätzlichen Easy-Mode, bei dem es keinen Fallschaden gibt, einiges zugänglicher werden würde.

Timo's Castle präsentiert sich im direkten Vergleich mit Henry's House (rechts) als Hommage, die sich eng ans Vorbild hält ... aber nicht nur bei der Grafik einige Schippen drauflegt. Quelle: Harald Fränkel Timo's Castle präsentiert sich im direkten Vergleich mit Henry's House (rechts) als Hommage, die sich eng ans Vorbild hält ... aber nicht nur bei der Grafik einige Schippen drauflegt.

PC Games: Die Sache mit dem Urheberrecht ist auch der Grund, warum euer Held nicht aussieht wie in Henry's House? Der hat mich an einen zweitklassigen Automechaniker aus der Pitstop-Filiale Dippoldiswalde-Oberhäslich erinnert.

Roman: Das hat was, er ist damit aber auch unverwechselbar! [lacht] Wir hatten deshalb anfangs auch die Originalfigur drin. Letztlich haben wir die Baseballmütze gedreht, was auch den Unterschied vom Kind in Henry's House zum jugendlichen Rebellen symbolisieren sollte.

PC Games: Lässt man Timo tatenlos stehen, spielt er Jo-Jo. Soll das an die Fanta-Jo-Jo der 80er erinnern? Mir als Grobmotoriker ist nicht nur einmal eines davon voll auf die Lippe geknallt, weil ich einen schwierigen Trick lernen wollte - cool fand ich Dinger trotzdem.

Roman: [lacht] Stimmt, das Jo-Jo gehört für mich auch zu den 80er-Jahren und meinen Kindheitserinnerungen. Eines von Fanta hatte ich leider nie. Aber stell dir vor: Zuerst habe ich die Idle-Animation mit Henry als Raucher gepixelt. Auch, um mit dem 80er-Jahre-Klischee sein Rebellentum und seine Coolness zu unterstreichen. Ich bin aber froh, dass wir es dann mit dem Jo-Jo ersetzt haben.

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