Perfekte Popcorn-Unterhaltung ohne Längen aber mit moralischen Kanten zum dran stoßen.
Quelle: Activision / Blizzard
Call of Duty: Modern Warfare 2
Die Feinde, ob Russen oder zerlumpte Kämpfer aus den Straßenschluchten Brasilien's, sind zwar keine großen Leuchten, gehen aber dennoch in Deckung, lugen um die Ecke oder versuchen uns einzukreisen. Die eigenen Kollegen sind zwar selten effektiv und warten im Prinzip nur darauf, dass man voran stürmt, doch agieren sie recht glaubwürdig, weswegen man den Eindruck erhält, dass hier tatsächlich richtige und ausgebildete Soldaten am Werk sind. Ein kleiner Kritikpunkt beim Vorgänger war, dass die Feinde so lange spawnen, bis man einen bestimmten Punkt erreicht und einen Trigger aktiviert. Dies ist teilweise immer noch so, wenn man beispielsweise eine Verteidigungsmission bestreitet, doch oft hört der Feindeszuwachs irgendwann auch auf. Dennoch hat es Infinity Ward an einigen Stellen übertrieben, bei denen derart viele feindliche Kämpfer aus allen Richtungen auf den Spieler los stürmen, dass man nicht weiß, wen man zuerst um die Ecke bringen soll, bis sich der Bildschirm schließlich rot färbt.
Einige Opponenten sind äußerst schwer zu besiegen, da sie beispielsweise Kampfschilde tragen, die nur schwer zu durchdringen sind. Hier ist eine Veränderung der Taktik nötig. Zur Kategorie nervig gehört der Umstand, dass man mit Granaten in gewissen Abschnitten förmlich überhäuft wird. Man darf sie zwar zurückwerfen, doch das klappt nicht immer. Und da einige Deckungsmöglichkeiten schon mal zu Bruch gehen können und Kugeln durchlassen, wird richtig viel Adrenalin in den Körper gepumpt. Glücklicherweise darf man selbst auch durch dünne Holztüren und andere Gegenstände schießen. Modern Warfare 2 muss zwar nicht unbedingt als simples Ballerspiel betitelt werden, da es viele Feinheiten zu beachten gibt, dennoch sollten sich die Entwickler vielleicht überlegen, ob man es irgendwann ermöglicht, den Kameraden kleinere Befehle zu geben. Aber immerhin stehen uns, je nach Mission, das eine oder andere mal Drohnen zu Verfügung, die Feinde aus der Luft angreifen, während man an anderer Stelle für kurze Zeit einem Panzer per Laser Zielmarkierungen gibt.
Alles unter Kontrolle
Quelle: Activision / Blizzard
Call of Duty: Modern Warfare 2
Modern Warfare 2 kann sich bis zu dieser Stelle kaum etwas vorwerfen und auch bei der Bedienung per Gamepad hat Infinity Ward ganze Arbeit geleistet. Das zielen per Controller war auf Konsolen selten so angenehm und präzise. Auf eine Einarbeitungszeit kann locker verzichtet werden. Vielleicht sollte man für zukünftige Ableger an irgend eine Art von Deckungssystem denken, doch im Prinzip funktioniert das übliche Ducken auch sehr gut. In der Kampagne wird man selten an unfaire Stellen stoßen, da zum einen die Checkpoints gut gesetzt sind, und zum anderen weiß man stets, woran das Scheitern lag. Auf den höchsten Schwierigkeitsgraden ist extrem präzises und vorsichtiges Vorgehen nötig. Ansonsten kann man festhalten, dass die Kampagne erneut recht kurz ausgefallen ist. Nach fünf bis sechs Stunden ist das Finale bewältigt. Auf "Veteran" kann man ruhig noch zusätzliche Stunden hinzu addieren. Dafür bekommt der Käufer ein Spiel vorgesetzt, dass keine einzige Länge vorweist. Man ist bis zu den Credits damit beschäftigt, den Schweiß von den Händen abzutupfen.
Dennoch hat Infinity Ward den SpecOps-Modus ins Spiel integriert, der mehr als eine nette Dreingabe darstellt. An dieser Stelle werden kleine, zusammenhanglose Missionen (insgesamt 25 an der Zahl) bestritten, die im Schnitt 10 bis 15 Minuten dauern. Abhängig davon, welchen Schwierigkeitsgrad man wählt, werden bis zu drei Sterne verteilt, die nach und nach mehr Aufträge freischalten. Mal soll man mehrere Gegnerwellen ausschalten, zum Ausgang gelangen, Bomben entschärfen oder Checkpoints mit einem Ski-Doo abfahren. Die Karten basieren dabei vorwiegend auf den Schauplätzen des ersten und zweiten Teils, weswegen man beispielsweise einen Abstecher nach Tschernobyl macht. An anderer Stelle muss eine Brücke überquert und Schutz zwischen den stehen gebliebenen Autos gesucht werden, während zusätzlich ein Kampfhubschrauber angreift. Der SpecOps-Modus ist recht happig ausgefallen, da es keine Checkpoints gibt. Ein falscher Schritt und man darf von vorne beginnen. Das frustriert zwar manchmal, dennoch bleibt man motiviert. Will man wirklich alle Sterne verdienen, wird man sehr wahrscheinlich mehr Zeit dafür veranschlagen, als für die eigentliche Story.
Quelle: Activision
Call of Duty: Modern Warfare 2
Die gewöhnliche Kampagne lässt sich leider nur alleine bestreiten, ein Koop-Modus ist lediglich bei SpecOps möglich. Hier kann man entweder per Splitscreen ran, oder mit einem Online-Kollegen in den Kampf treten. Das macht gleich doppelt so viel Spaß, zumal einige SpecOps-Autfträge nur mit einem Kumpel oder dem Internet-Fremden absolviert werden können. Der Multiplayer-Modus hielt den Vorgänger noch bis zum Release von MW2 am Leben. Im zweiten Teil darf man davon ausgehen, dass erneut eine lange Lebensdauer vermeldet wird, immerhin hat sich am Grundprinzip kaum etwas getan. Das ist wahrscheinlich auch gut so, auch wenn es im Detail einige Änderungen gibt. Ansonsten stehen zunächst drei von insgesamt 14 Spielvarianten zur Verfügung, die nach und nach freigeschaltet werden. Und schnell kommt wieder die Sucht auf: Erfahrungspunkte sammeln, in Rängen aufsteigen und reichlich neue Waffen, Klassen und mehr freischalten. Weiterhin darf man drei Slots nutzen, um dem eigenen Soldaten spezielle Fähigkeiten zu verschaffen, die sich an die Vorlieben richten. Das Matchmaking funktioniert prima, doch wer mag, darf auch offline mit vier Spielern an einem Bildschirm antreten. System Link ist ebenfalls möglich. Online bekämpft man sich auf den teils sehr großen Karten mit bis zu 18 Spielern. Wer MW1 im Multiplayer gespielt hat, wird wissen, was auf ihn zukommt.
