Capcom Home Arcade im Test: Mickrige Spieleauswahl und halbgare Technik

Test Christian Dörre
Capcom Home Arcade im Test: Mickrige Spieleauswahl und halbgare Technik
Quelle: PC Games

Nach der Flut an Mini-Konsolen möchten Capcom und Koch Media Retro-Zocker nun mit einer kleinen Spielhalle beglücken. In unserem Test überzeugt das Capcom Home Arcade zwar mit seinen hochwertigen verbauten Teilen, lässt aber in den Kategorien Technik und Spieleauswahl Federn.

Die Retro-Welle rollt und rollt und rollt. Kürzlich erschien erst das großartige Sega Mega Drive Mini und nun kommt auch Capcom mit einem Gerät um die Ecke, das Gaming-Nostalgikern ein paar Freudentränen, vor allem aber ein paar Scheinchen entlocken soll. Statt einer Minikonsole mit vielen Spielen zum kleinen Preis, ist das Capcom Home Arcade nämlich groß, teuer und hat gerade mal 16 vorinstallierte Games im Angebot. Der Preis ist zum Teil sogar gerechtfertigt, da das Arcade-Board für zwei Spieler absolut hochwertige Teile verbaut hat, doch dafür krankt es neben der knappen Spieleauswahl auch an einigen technischen Problemen.

Spielbares Logo

Ob einem das Design des Capcom Home Arcade gefällt, ist natürlich Geschmackssache. Das Zwei-Spieler-Board ist quasi ein großes Capcom-Logo, auf dem sich links und rechts jeweils ein Arcade-Stick und sechs Tasten befinden. Sowohl die Sticks als auch die Tasten sind - genau wie die schön verarbeitete Oberfläche - sehr hochwertig. Man merkt sofort, dass hier Sanwa-Teile verarbeitet wurden, denn die Steuerung ist genau so knackig-präzise wie man es von den damaligen Automaten gewohnt ist. Neben dem Arcade-Board sind außerdem ein HDMI-Kabel sowie ein Micro-USB-Kabel plus passendem Strom-Adapter enthalten.
Über das Design kann man geteilter Meinung sein, doch die verbauten Sanwa-Teile sind absolut hochwertig. Quelle: Koch Media Über das Design kann man geteilter Meinung sein, doch die verbauten Sanwa-Teile sind absolut hochwertig. Zusätzlich befindet sich vorne am Board noch ein zusätzlicher USB-Anschluss. Die mitgelieferten Kabel sind allerdings für moderne Wohnzimmer wohl ein wenig zu kurz, da das Board ja direkt an die Glotze angeschlossen wird und zum Zocken vor einem auf dem Tisch steht oder gar auf dem Schoß liegt. Wer jetzt denkt, dass er das Capcom Home Arcade dann einfach am Monitor anschließt, um am Schreibtisch zu spielen, sollte jedoch aufpassen, denn das Gerät funktioniert nicht an allen Monitoren.

Einige Spiele wie 1944: Loot Master machen heutzutage noch genauso süchtig wie damals. Quelle: PC Games Einige Spiele wie 1944: Loot Master machen heutzutage noch genauso süchtig wie damals. An unserem Asus-Gerät, das sonst nie Probleme macht, wollte das Capcom Home Arcade partout keinen Sound ausgeben. Nach der Überprüfung sämtlicher Kabel, gingen wir von einem defekten Arcade-Board aus und ließen uns ein neues schicken. Doch auch dieses weigerte sich, einen Mucks zu machen. Am neuen Redaktions-4K-TV wurde dann schließlich Sound ausgegeben, doch auf unseren Gameplay-Aufnahmen war alles komplett verzerrt. Überhaupt scheint das Capcom Home Arcade mit einigen Fernsehern und Monitoren gar nicht zu funktionieren, wie man der Hersteller-Webseite entnehmen kann. Vor einem Kauf sollte man sich also schlau machen und selbst dann gibt es keine Garantie, dass das Gerät am eigenen Setup funktioniert.

Zudem weigerten sich beide Arcade-Boards beharrlich, eine WLAN-Verbindung aufzubauen, um ein System-Update durchführen zu können. Dass unter dem Menüpunkt "Languages" einzig Englisch aufgeführt wird, brachte uns hingegen zum Lachen, obwohl das natürlich auch nicht sein darf. Vielleicht wird da ja was nachgereicht. Vorausgesetzt natürlich, dass die Kiste dann doch mal ins WLAN geht.

Spielspaß mit Einschränkungen

Die eigentliche Zockerei macht mit dem Capcom Home Arcade allerdings jede Menge Spaß. Gerade auch, da man bei den teils dreckig schweren Titeln nun nicht mehr Münzen einwerfen muss wie damals, sondern ganz bequem auf die Insert-Coin-Taste drücken kann, um weiterzuzocken. So sind auch Brecher wie 1944: Loot Master kein Problem mehr. Trotz quasi unendlicher Leben ist die Spielerfahrung in den meisten Titeln so intensiv wie damals und mit einem Kumpel zusammen wird allerhand geflucht, wenn man verkackt, oder gejubelt, wenn man einen Boss geplättet hat.

Das kleine Spiele-Line-up besteht hauptsächlich aus Beat 'em Ups und Shoot 'em Ups. Quelle: PC Games Das kleine Spiele-Line-up besteht hauptsächlich aus Beat 'em Ups und Shoot 'em Ups. Die vorinstallierten Spiele setzen sich dabei aus Klassikern des Capcom System 1 und 2 zusammen, sprich: es sind hauptsächlich Beat em Ups und Shoot em Ups enthalten. Neben klassischen Fighting-Games wie Street Fighter 2, Darkstalkers und Cyberbots gibt es auch allerhand Sidescroll-Brawler wie Final Fight, Captain Commando oder Alien vs. Predator oder eben ein wenig Flugschießerei mit ProGear, Eco Fighters oder 1944. Hinzu gesellen sich noch das bockschwere Hardcore-Jump&Run Ghouls n' Ghosts, die kleine Sportspiel-Sammlung Capcom Sports Club sowie Puzzle Fighter. Das ist eine schöne Auswahl, dennoch sind die insgesamt gerade mal 16 enthaltenen Spiele einfach zu wenig für ein Gerät, das stolze 230 Euro kostet.

Der optionale Weichzeichner ist der einzige und leider nicht besonders gute Filter. Das Bild wirkt dadurch ziemlich verschwommen. Quelle: PC Games Der optionale Weichzeichner ist der einzige und leider nicht besonders gute Filter. Das Bild wirkt dadurch ziemlich verschwommen. Zudem hat Capcom so eine große Bibliothek an kultigen Automatenspielen, so dass man locker noch gut 30 bis 40 qualitativ hochwertige Games hätte oben drauf packen können. Auch hier ist das Preis-/Leistungsverhältnis also nicht sonderlich toll. Da wäre - genau wie bei der Technik - einfach mehr drin gewesen. Außerdem leistet sich das Capcom Home Arcade noch drei weitere nervige Schwächen.

So ruckeln beispielsweise Eco Fighters und AVP noch genauso wie damals als Automaten und außer einem Weichzeichner gibt es keine Filteroptionen. Zudem kann man aus einem Spiel nicht sofort in die Spieleauswahl zurückspringen wie man es von Retro-Konsolen wie dem SNES Mini oder der Miniatur-Version des Sega Mega Drive kennt. Stattdessen rebootet quasi das Gerät und man muss sich erst wieder den mehrsekündigen Titelbildschirm anschauen. So schön das Capcom Home Arcade hätte sein können, es wirkt leider in mehreren Aspekten recht halbgar umgesetzt.

Fazit & Wertung

Meinung

Wertung zu Capcom Home Arcade (Hardware)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Hochwertige Sanwa-TeileEinige süchtig machende SpieleTolles Arcade-Feeling
Probleme mit einigen Monitoren und FernsehernWLAN funktioniert nicht richtigUnübersichtliches UntermenüKeine FilteroptionenManche Spiele ruckelnSehr kleine Spieleauswahl
Fazit

Hochwertiges Arcade-Board, das unter Technik-Macken und einer zu geringfen Spieleauswahl leidet.

Bildergalerie

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