Captain Toad: Treasure Tracker: Test: Lockeres Wii U Abenteuer ohne Blockbuster-Ambitionen
Test
Ob Mario Kart, Smash Brothers oder Mario Party... Toad ist irgendwie immer mit dabei und doch ist er eben nur ein kleiner, freundlicher Pilz. So richtig viel zu melden hatte er bislang nicht. Jetzt bekommt er sein eigenes Abenteuer spendiert!
Peach zückt ihn als "Waffe" in Smash Brothers, Mario hat ständig mit ihm zu tun, auf dem Kart macht er seit Jahrzehnten eine gute Figur und auch auf jeder Party im Pilzkönigreich ist er gerne gesehen... Toad hat schon so manchen Auftritt in der Videospielgeschichte hingelegt, aber ein richtig eigenständiges Abenteuer bekam er bislang nie spendiert. Auf der Wii U ist es nun endlich soweit und der kleine Pilzkopf geht auf Schatzsuche. Was mag er auf seiner Reise wohl alles erleben?
Simpel und doch fesselnd
Quelle: Nintendo
Captain Toad: Treausre Tracker im Test. (2)
Ursprünglich war Toads Schatzsuche ja eigentlich nur in Super Mario 3D World als Minigame vorgesehen. Das muss den Fans aber so gut gefallen haben, dass Nintendo kurzerhand ein eigenständiges Spiel daraus entwickelt hat. Dass man hier natürlich keine Tiefe erwarten kann, wie bei einem Abenteuer der Latzhosen-Brüder, sollte wohl außer Frage stehen. Die Story und das Spielprinzip sind simpel. Toad möchte Schätze finden und wird dabei immer wieder von einem Wingo, einem seltsamen Vogel, gestört. Hin und wieder kidnappt dieser außerdem Toadette oder unseren lieben Toad direkt selbst, also muss er sich natürlich auch noch um diese "Bestie" kümmern. Ob ihr nun als männlicher oder weiblicher Pilzkopf an den Start geht spielt keine Rolle.
So oder so beginnt ihr auf einer kleinen drehbaren Welt. Durch Schwenken des Touchpads oder betätigen des Sticks kann man den Untergrund zum Rotieren bringen. Das ist auch ein zentrales Element, denn nur so kann man sehen, wo sich denn nun die ganzen Schätze befinden. Das sind zum einen natürlich Münzen, jeweils drei Diamanten und last but not least ganz klassisch ein goldener Stern. Davon gibt es pro Welt aber nur einen, den es stets zu finden gilt. So putzig Toad aussieht, so harmlos ist er auch. Im Grunde kann er gar nichts, außer laufen und an Gemüsebüscheln zupfen. Springen oder Gegner angreifen liegen nicht drin. Es muss also immer ein Gemüse in der Nähe sein oder eine Erhöhung, damit er seine Feinde entweder bewerfen oder auf sie hinab springen kann. Manchmal macht es auch Sinn, einfach vorbei zu laufen. Durch diese eingeschränkten Möglichkeiten, wird aber das Unterfangen des Schatzsuchens ein wenig erschwert und damit auch spannender. Man muss ständig nach Wegen suchen, wie man nun sein Ziel mit dem, was einem gegeben ist (und das ist wie gesagt sehr wenig), erreichen kann.
Drehende Plattformen und feuerspeiende Glubschaugdrachen
Quelle: Nintendo
Captain Toad: Treausre Tracker im Test. (3)
Damit das Abenteuer nicht zu langweilig wird, hat man sich natürlich so allerhand einfallen lassen. Es gibt Plattformen, die man durch direktes Antippen auf dem Touchpad bewegen kann, andere, die durch Pusten ins Mikro des Pads nach oben/unten/rechts/links fliegen und natürlich einige der Allstar-Fieslinge aus dem Pilzkönigreich. Während die Gumbas eine eher harmlose Bedrohung darstellen, kann es bei den Hammerbrüdern schon mal ziemlich zur Sache gehen. Wer als einzige Waffe eine Rübe zur Hand hat, der ist bei einem Duell nicht unbedingt im Vorteil. Doch man muss sich die Schwächen der Gegner einfach zu eigen machen und so geschickt ausweichen, dass sich die Hammerwerfer einfach selbst an die Gurgel gehen. Auch Kugelwillies können prima als Geschosse dienen, sofern man zuvor erfolgreich ausgewichen ist.
Die Levels leben also hauptsächlich davon, dass ihr nicht auf Konfrontationskurs geht, sondern möglichst geschickt im Hintergrund bleibt und im richtigen Moment zuschlagt. Das gilt auch bei den Bossfights. Einen feuerspeienden Drachen mit dümmlich sympathischen Glubschaugen, kann man nämlich nur besiegen, indem man ihm eine ganze Weile lang aus dem Weg geht und seinen Attacken ausweicht, bis man ihm irgendwann so nebenbei und ganz per "Zufall" eine Beule verpasst und er ko zu Boden fällt. Völlig unaufgeregt und doch ein ganz kleines bisschen Action.
Lorefahrt und Rübenstandgeschütz
Quelle: Nintendo
Captain Toad: Treausre Tracker im Test. (6)
Neben den normalen Levels gibt es hin und wieder auch ein paar kleine Specials. So darf man sich hier und da auf eine Fahrt in einer Lore freuen, die bis obenhin mit Rüben befüllt ist. Das hat den Vorteil, dass einem die Geschosse nie ausgehen, welche man aus der Egoperspektive und mit Fadenkreuz sowohl auf seine Gegner, als auch auf die Goodies und Schätze feuern darf. Macht Spaß, ist lustig und lockert das Geschehen ein wenig auf, auch wenn es eher gemächlich von statten geht. Es gibt aber auch immer wieder ein paar interessante Dinge, die in den einzelnen Welten einfach so eingebaut wurden. Manchmal darf man an einem Rübenstandgeschütz Platz nehmen und wild durch die Gegend ballern.
Auch Powerups, wie die Doppelkirsche, stechen aus dem Gewöhnlichen ein bisschen hervor. Sammelt Toad/Toadette eine solche ein, verdoppelt er/sie sich direkt. Die Herausforderung ist es nun aber, beide Toads/Toadettes gleichzeitig zu steuern, denn beide folgen dem gleichen Signal und wenn man den Stick nach links drückt, laufen auch beide in eben diese Richtung. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl lassen sich die dadurch entstandenen Rätsel aber ganz gut lösen. Prinzipiell ist eigentlich alles in "Captain Toad Treasure Tracker" gut machbar, auch wenn es noch ein paar Boni gibt (einen Sonderauftrag und 3 Edelsteine pro Welt, plus versteckte Spezialpilze). Das Spiel ist kurzweilig, vom Umfang und Schwierigkeitsgrad eher gering und lässt sich hervorragend zwischendurch spielen.
Typischer Nintendo-Charme mit Zuckerguss
Quelle: Nintendo
Captain Toad: Treausre Tracker im Test. (8)
Ein Punkt, über den man sich in der Videospiel-Branche immer wieder streiten könnte, ist der typische Nintendo-Charme. Ist es denn überhaupt cool, so etwas wie Toads neues Abenteuer zu spielen? Das trieft ja fast vor Niedlichkeit. Und dieser Sound?! Knuffig, zuckersüß und knallbunt! Das ist natürlich Geschmackssache. Über eines lässt sich aber definitiv nicht streiten – die Liebe zum Detail und Nintendos Herzblut. Man merkt auch diesem Spiel einmal mehr an, dass Nintendo wirklich so einiges an Leidenschaft in die virtuellen Knallbonbons steckt. Ob einem dieses Sahnehäppchen schlussendlich schmeckt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden, aber die Zutaten dafür wurden mit Bedacht ausgewählt und mit viel Liebe angerührt. Es geht dabei aber nicht um technische Megaknaller, sondern viel mehr um die Kleinigkeiten am Rande, die voller Leidenschaft stecken. Und genau diese findet man bei Toad haufenweise. Dafür ist technisch nicht ganz so viel zu holen, wobei hier und da die ein oder andere Bodentextur, die hübschen Schuppen des Drachens oder seltene, aber dennoch ganz vorzeigbare Effekte, definitiv zu erwähnen sind.
