Citybus Simulator München in der Vorschau: GTA auf Münchener Straßen. Oder so.

Special Sandro Odak

Gamezone-Autor Sandro Odak unleashed: Gamezone hat den bekennenden Simulator-Fan losgeschickt, um den Citybus Simulator München anzuspielen. Er ist sogar mit dem Bus angereist, um das richtige Feeling für die Simulation zu bekommen. Ob man damit auch den Core-Gamer erreicht? Wir verraten es euch in der Vorschau.

Ich hasse Busfahren. Seit ich in meiner Jugend von München nach Glasgow gefahren bin, versuche ich alle Strecken über 150km mit einem Flugzeug zurückzulegen. Das waren immerhin über 30 Stunden in einer holprigen, engen Blechdose, mit Überfahrt über den Kanal. Naja, ich war jung und ich brauchte das Geld.

Heute stehe ich an der Donnersberger Brücke in München. Aerosoft will mir TMLs Citybus Simulator München vorstellen. Von der Brücke bis zu meinem Ziel, einer gut aufgeräumten PR-Agentur, sind es nur ein paar Meter Fußweg. Ich nehm trotzdem den verhassten Bus. Es ist voll, die Heizung ist bei Nullgraden aus und ein Baby im Kinderwagen neben der Tür schreit – genau so habe ich Busse in Erinnerung. Ich fahre nur eine Station mit, will ja nur das Gefühl fürs Busfahren wiederbekommen, bevor ich gleich selbst ans (virtuelle) Steuer darf. Aber als der Dreitürer nach zwei Minuten hält, ist mir klar: Noch mehr als Busse hasse ich nur Menschen.

Ganz ohne zwischenmenschlichen Kontakt: Die Bus-Simulation

Citybus Simulator München in der Vorschau (1) Quelle: Aerosoft Citybus Simulator München in der Vorschau (1) Im Spiel können mir solche widrigen Umstände egal sein. Nachdem ein 3D-Designer ein paar Takte zu der noch unfertigen Alpha-Version erzählt, darf ich selbst ran. Mein Alter Ego steigt auf Knopfdruck in sein Arbeitsgerät und dreht den Zündschlüssel. Nichts passiert. Ich versage schon in den ersten Sekunden des Spiels.

"Du musst zuerst die Batterie anschalten und den Zündschlüssel auf Position 1 fahren", ruft mir der Entwickler zu. So ein Bus hat eine feste Hochfahrsequenz. "Beim MAN muss man bei der Zündung auch immer Gas geben." Für mich klingt das immer noch wie Raketenwissenschaft.

Bei der Erwähnung von MAN horcht die schöne PR-Frau auf. Es fallen Worte wie lizenziert, Original, Kooperation. Ich höre sie leider gar nicht, weil ich in voller Fahrt versuche rauszufinden, welches dieser vielen Pedale nun Gas gibt und welches bremst. Dabei überfahre ich eine rote Ampel und ein paar Passanten. Wie in GTA, nur mit schnelleren Cops! Ein Menü ploppt auf, ich bekomme eine zeitstrafe und darf mehrere Sekunden nicht weiterfahren. "Je häufiger man im Linienbetrieb eine Ampel überfährt, desto länger sind die Zeitstrafen. Es kommt schon mal vor, dass man ganze 30 Sekunden lang nicht fahren darf." Die Community hat sich solche drakonischen Strafen gewünscht, damit sich die virtuellen Busfahrer besser an die StVO halten.

Citybus Simulator München in der Vorschau (3) Quelle: Aerosoft Citybus Simulator München in der Vorschau (3) Ein paar Minuten später habe ich die Steuerung grundsätzlich begriffen. Ich schalte die Funknavigation an, muss meine Fahrerkarte reinstecken und bekomme eine Linie zugewiesen – so beginnt also mein Leben als Busfahrer. Die 22 soll ich fahren, vom Hauptbahnhof zur Theresienwiese. Eigentlich gibt's die Linie gar nicht. Tatsächlich erkenne ich aber den Bahnhof wieder. Da, wo der Bus hält, ist im echten Leben mittlerweile der Parkplatz der Bundespolizei, aber ansonsten finde ich mich sofort zurecht. Ein GPS auf der Mini-Map verrät mir, wo lang ich fahren muss. Der Bordcomputer sagt: Schon vier Minuten Verspätung. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das eigentlich gar nicht mal so schlecht ist.

Durch die Paul-Heyse-Unterführung geht's, komplett ohne Verkehr. Pah, die Strecke sind die wohl noch nie echt abgefahren! Zwei Minuten später bin ich auch schon am Ziel: Das Pisshäuschen an der Theresienwiese erkenne ich, hier soll ich die Fahrgäste rauswerfen. Weil der Münchener beim Parken aber ein Arsch ist, komm ich nicht bis zum Halthäuschen durch. Tja, müssen die Gäste heute halt mitten auf der Straße aussteigen.

Blockierte Straßen, nur zwei Linien

Den Linienbetrieb stelle ich nach dieser Fahrt ein. Auch das geschieht über den Bordcomputer, dazu grummle ich, die vollkommen unverständlichen Ansagen von Busfahrern imitierend, in den Raum: "Ois o'steign!" Keiner der Kollegen lacht.

Citybus Simulator München in der Vorschau (4) Quelle: Aerosoft Citybus Simulator München in der Vorschau (4) Statt wirklich minutengenau an den Haltestellen zu sein, will ich lieber frei durch die Stadt heizen. Der Simulations-Nerd erzählt derweil: "Im OCC (Operations Control Center) kann man das Wetter einstellen, und zwar jederzeit. Während dem Oktoberfest laufen zum Beispiel Betrunkene durch die Gegend und quatschen dich am Steuer voll." Ich will wissen, ob man sich das Wetter auch aus dem Internet importieren kann – so kenne ich es aus Flugsimulationen. "Ähm, nein. Guck halt aus dem Fenster." Keiner lacht über meine Busfahrerwitze und patzige Antworten bekomme ich auch noch. Mir bleibt also nichts übrig, als mit meinem neuen besten Freund, dem MAN Lion's City Bus, durch die Stadt zu cruisen. So einfach ist das aber gar nicht. Das erfasste Gebiet des Citybus Simulators München ist zwar relativ groß, von der Theresienwiese bis zum Ostbahnhof reicht es, aber nur die wenigsten Straßen sind befahrbar. Große Teile der Stadt sind von durchsichtigen Mauern geblockt. Sie werden vermutlich befahrbar, sobald ein Team bei Aerosoft angefangen hat, Add-Ons zu produzieren.

Das ist auch schon das größte Manko des Citybus Simulators München. Mit nur einem Fahrzeug (in drei Variationen) und zwei befahrbaren Buslinien ist der Umfang wirklich nicht sonderlich hoch. Das Programm richtet sich aber auch nicht an Leute wie mich. In der Fanszene gibt es genug Modder und Bastler, die eigene Strecken und Fahrzeuge bauen. Profi-Add-Ons sind sowieso in der Branche gang und gäbe. Dafür kostet die Basis-Software auch nur 29,95€.

Meinung

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