Knapp drei Jahre nach Erscheinen des Rundenstrategiespieles Civilization V versorgt Firaxis die Spielergemeinde erneut mit Nachschub. Das zweite Add-on mit dem Titel Brave New World bietet nicht nur weitere Völker und Bauwerke, sondern sorgt vor allem im Endgame dank einiger Neuerungen für weiteren Tiefgang.
Das Spielprinzip von Civilization ist altbekannt und unverändert. Der Spieler führt sein Volk von der Antike bis in die Zukunft mit dem Ziel, die Weltherrschaft durch technologischen, militärischen, diplomatischen oder kulturellen Vorsprung zu erringen. Dafür müssen Ressourcen erschlossen, der Einflussbereich vergrößert und Einheiten produziert werden, wobei auch auf die anderen Zivilisationen Rücksicht genommen und unabhängige Stadtstaaten für sich gewonnen werden müssen.
Quelle: Youtube/Firaxis
Civilization 5: Brave New World im Add-On-Test (12)
Während die erste Erweiterung Gods & Kings den Fokus auf die Religion legte, fügt Brave New World nunmehr Features hinzu, die vor allem die Kultur in den Mittelpunkt rücken. Diese kann nun nicht mehr nur dazu generiert werden, um Sozialpolitiken freizuschalten, sondern hat einen weitaus höheren Stellenwert erhalten. Demnach ist nun ein neuer Kultursieg möglich, den man dadurch erreicht, die Kultur des eigenen Volkes in die Welt zu verbreiten. Die verschiedenen Kultur-Gebäude bzw. –Wunder haben nun Platz für besondere Meisterwerke, die von Künstlern, Musikern und Schriftstellern geschaffen werden. Entsteht einer dieser so genannten Großen Persönlichkeiten, kann der neue Tourismus-Wert gesteigert werden, der dazu genutzt werden kann, größeren Einfluss auf andere Nationen auszuüben, um am Schluss den Kultursieg zu erringen. Tourismusfördernd sind ferner die neuen Archäologen, die Kulturstätten erschließen und anschließend zu Museumsstücken umfunktionieren können.
Doch auch in Sachen Politik hat sich einiges getan. Mithilfe der neuen Ideologien, die man neben Sozialpolitiken erforschen und ausbauen kann, ist es möglich, zwischen drei verschiedenen Weltanschauungen (Freiheit, Autokratie, Ordnung) zu wählen. Jeder dieser Ideologien bringt unterschiedliche Politiken mit sich, die sich – ähnlich der bisherigen Politiken – positiv auf bestimmte Bereiche auswirken, wobei stets das eigene Spielziel im Auge behalten werden muss. Während sich beispielsweise die Autokratie für militärische Siege eignet, sollte der Spieler für den Kultursieg eher in Richtung Freiheit tendieren. Des Weiteren sind mit der Erkundung und der Ästhetik zwei zusätzliche, erforschbare Sozialpolitiken mit von der Partie.
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Civilization 5: Brave New World im Add-On-Test (9)
In Brave New World erhält zudem der Weltkongress Einzug in das Spiel, sodass der Spieler auch diplomatisches Geschick vorweisen muss. Mithilfe dieses alle 30 Runden stattfindenden Events können Resolutionen verabschiedet werden, die sich unmittelbar auf das Spiel auswirken können. Dazu zählen etwa Handelsembargos gegen bestimmte Staaten oder das Verbot von Luxusgütern oder Atomwaffen. Spannend sind die Projekte wie eine Welt-Messe oder Olympische Spiele, für welche der Spieler durch das Produzieren in den Städten Punkte sammeln kann. Die drei höchstplatzierten Staaten erhalten dabei verschiedene Boni, die sich einige Runden lang positiv auswirken. Bestimmt werden können nun auch Weltreligionen oder Weltideologien. Zu guter Letzt kann der geschickte Politiker sich zum Weltherrscher wählen lassen, wenn man eine Zweidrittelmehrheit im Kongress für sich gewinnen kann. Stimmen erhält der Spieler vor allem durch Bündnisse mit Stadtstaaten, aber auch verschiedene Sozialpolitiken können die Anzahl erhöhen.
Der letzte große Punkt betrifft den Handel, dem nun eine größere Rolle zugespielt wird. Statt Luxusgüter im Diplomatie-Menü zu tauschen, können nun Karawanen oder später Schiffe in andere Städte geschickt werden, sodass diese Gold und Technologien erwirtschaften können. Außerdem können sie Handelswege zwischen eigenen Städten einschlagen, was Nahrung und Produktion generiert. So können unterentwickelte Städte, sei es in Bezug auf das Bevölkerungswachstum als auch hinsichtlich der Produktivität, gezielt unterstützt werden. Die Routen werden dabei automatisch festgelegt, was dazu führt, dass sich die Händler gerne von Barbaren oder verfeindeten Staaten plündern lassen, wenn man durch das eigene Militär nicht für ausreichend Sicherheit sorgt.
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Civilization 5: Brave New World im Add-On-Test (1)
Außerdem wurden dem Spiel insgesamt neun neue Zivilisationen hinzugefügt, sodass die ohnehin schon schwere Wahl auf ein Oberhaupt zu Beginn des Spieles noch schwerer wird. Diese Völker haben selbstredend eigene Spezialeinheiten und einzigartige Fähigkeiten; Enrico Dandalo von Venedig fällt dabei besonders auf. Ähnlich wie Stadtstaaten kann der Spieler keine neuen Siedler in die weite Welt schicken, sondern ist zunächst einmal auf die Hauptstadt beschränkt. Dafür dehnt sich der Einzugsbereich weitaus schneller aus und man erhält Vorteile im Handel.
Wer statt des Endlosspieles lieber gezielt Aufgaben erledigen möchte, kann sich nun in zwei neuen Szenarien austoben. Zum einen handelt es sich dabei um den Amerikanischen Bürgerkrieg, in welchem man auf Seiten der Union oder Konföderation kämpft und in einer bestimmten Rundenanzahl die Hauptstadt des Gegners einnehmen muss. Deutlich interessanter ist jedoch der Wettlauf um Afrika, der durch die höchste Punktzahl aller Spieler gewonnen werden kann. Während europäische Staaten hier durch geborgene Artefakte und Weltwunder punkten, müssen nordafrikanische Völker Gold und Länder der Sahara Kultur produzieren. Dadurch und wegen variabler Ziele wie etwa die aktuell längste Eisenbahnstrecke des Kontinents gestaltet sich diese Mission als sehr kurzweilig.
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Civilization 5: Brave New World im Add-On-Test (14)
Aus technischer Hinsicht hat sich gegenüber dem ohnehin schon schlichten aber schicken Hauptspiel nicht sonderlich viel getan. Zwar kommen wenige neue Grafiken durch die hinzugefügten Staaten, Einheiten und Gebäude/Wunder hinzu, ansonsten bleibt aber alles beim Alten. Auffällig ist jedoch die etwas besonnenere KI, die weitaus weniger aggressiver daherkommt und die Aktionen sorgfältiger zu planen scheint. So ist auch ein Spielsieg ohne einen einzigen Kampf – von Barbaren einmal abgesehen – nun wirklich realistisch. Das einzig größere Manko ist die nach wie vor ewig lange Wartezeit zwischen den eigenen Runden, wenn man auf größeren Karten weiter fortgeschritten ist.
