Code Name Steam: Comic-Trash mit einem großen Problem

Test Sandro Odak
Code Name Steam: Comic-Trash mit einem großen Problem
Quelle: Nintendo

An der Seite von Abraham Lincoln eine Alien-Invasion zurückschlagen? Geht! Im Nintendo 3DS Strategie-Action-Mix Codename S.T.E.A.M. Das Spiel von den Machern von Fire Emblem hat aber eine ganz erhebliche Macke. Welche das ist, verraten wir euch im Test.

Codename S.T.E.A.M. kam wie aus dem Nichts: Während der letzten E3 kündigte Nintendo das rundenbasierte Taktikspiel an. Viele dachten da wohl noch, der Name sei ein Arbeitstitel. Nun ist das Spiel ohne große Umschweife in Deutschland erschienen.

Unterhaltsames Setting

Von London nach Amerika: Die ALien-Plage ist überall. Quelle: Nintendo Von London nach Amerika: Die ALien-Plage ist überall. Und das Setting sollte eigentlich begeistern: Wie der Name schon sagt spielt Codename S.T.E.A.M. in einem Steampunk-Universum. Im viktorianischen London fallen Aliens und Ufos ein, übernehmen die ganze Welt. Unsere Protagonisten, allesamt Romanfiguren aus realen Werken, schließen sich dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln auf seinem (dampfbetriebenen) Luftschiff Lady Liberty an. Lincoln, der eigentlich bei einem Attentat verstarb, täuscht im Spielekanon seinen Tod nur vor und arbeitet seitdem im Geheimen daran, die Welt vor Außerirdischen zu beschützen. Klingt schon mal herrlich absurd.

Und die Aufmachung von Codename S.T.E.A.M. weiß eigentlich auch zu gefallen. Die Zwischensequenzen sind in dynamischen Comic-Tafeln erzählt. Sich bewegende Standbilder, die zum Teil ein bisschen über den Rand ihrer Tafel hinausragen – das passt wirklich perfekt zum Konzept des 3DS. Die Handlung ist auch absurd komisch: Löwe aus Der Zauberer von Oz, Tiger Lily aus Peter Pan, Tom Sawyer und Henry Fleming aus "Die rote Tapferkeitsmedaille" retten die Queen aus dem Buckingham Palast, werden nach Amerika zurückgeschlagen und bekämpfen die Alien-Plage von dort aus. Abraham Lincoln greift sogar persönlich in den Kampf ein – mit einem Mech-Anzug namens A.B.E. (steht für Anthropomorphized Battle Engine, klar).

Richtig gut gefallen haben uns auch die Stimmen der Figuren. Sie sind in der deutschen Version zwar auf englisch und nur deutsch untertitelt, das macht aber auch Sinn. Denn Intelligent Systems hat nerd-mäßig hochkarätige Sprecher engagiert: Will Wheaton spricht Abraham Lincoln, Adam Baldwin den Protagonisten Henry Fleming, andere Rollen sprechen bekannte Voice Actors aus Amerika. Die Vertonung ist wirklich klasse geworden!

Holpriges Gameplay

Die Comic-Gestaltung hat uns gefallen. Quelle: Intelligent Systems / Nintendo Die Comic-Gestaltung hat uns gefallen. Setting und Geschichte haben uns also begeistert. Wo ist der Haken? Nun, der findet sich beim Gameplay. Auf den ersten Blick wirkt der Mix aus Strategie und Third-Person-Shooter ganz unterhaltsam. Doch in der Praxis geht das Spielprinzip ziemlich schnell auf die Nerven. Auf dem Boden sind kleine Quadrate eingezeichnet, die anzeigen wie weit jede Figur während eines Zuges gehen kann. Mit jedem weiteren Quadrat verliert man eine Dampfeinheit – die Ressource der S.T.E.A.M.punk-Ära. Geht man zurück, bekommt man diesen Dampf aber wieder. Das lädt zum Erkunden ein und gefällt uns richtig gut.

Weniger gut gefällt uns hingegen die Zielführung. Will eine der Figuren schießen, wechselt die Kamera in eine ganz nahe Schulterperspektive. Gezielt wird dann entweder mit dem C-Stick, dem Touchscreen oder analog mit den Buttons des 3DS. Touchscreen und C-Stick empfanden wir als sehr ungenau. Im letzten Moment sprang das Fadenkreuz manchmal weg – ärgerlich! Dann also lieber mit den Buttons, was natürlich nur vier Richtungen zulässt und deshalb länger dauert. Ähnlich wie in XCOM steigt die Chance auf einen guten Treffer je näher wir an einen Gegner herankommen.

Auch ob ein Gegner im Overwatch-Modus wartet oder nicht war manchmal ein Problem. Overwatch ist ein Defensiv-Modus – sobald eine Figur in den Feuerradius kommt, feuert die Figur automatisch. Das sorgte in den taktischen Matches immer für eine dynamische Action-Stimmung. Schade ist jedoch, dass so gut wie nicht ersichtlich ist, ob jemand in Overwatch ist oder nicht. Trial and Error par Excellence.

Die Steuerung mit C-Stick und Touchscreen ist sehr fummelig. Quelle: Nintendo Die Steuerung mit C-Stick und Touchscreen ist sehr fummelig. Am meisten störte uns aber die nicht vorhandene Minikarte. Die Levels sind zwar schön aufgebaut und dank zerstörbarer Umgebung auch recht dynamisch, die sehr niedrige Third-Person-Perspektive sorgt aber dafür, dass man so gut wie keinen Überblick über die Lage hat. Das ist auch ärgerlich, weil das Spiel Bonus-Material auf der ganzen Karte verstreut. Um das einzusammeln, muss man jedoch seine Schritte etwas im Voraus planen und im Zweifelsfall eine Mission sogar wiederholen. Diese Bonus-Gegenstände sind zwar toll, weil man sie in neue Waffen und Dampfboiler investieren kann, dafür jedoch die ziemlich langen Missionen mehrmals durchzuspielen ist ein richtiger Knick in der Optik. Kurz vorm Ende der Mission, wenn man diese verpassten Boni meist besser sieht als am Anfang, ärgert man sich – wäre mit einer kleinen Übersichtskarte sicher nicht passiert.

Am meisten stören uns aber die immer wieder nachspawnenden Gegner. Sie zwingen einen dazu immer nach vorne zu rennen, nicht stehen zu bleiben. Ab einem bestimmten Zug kommen nämlich von allen Seiten neue Gegner hinzu und umringen unser Team. Das macht strategische Vorausplanung eigentlich so gut wie unmöglich. Hat man eben noch in mehreren Zügen eine Kesselsituation aufgebaut, kann es mit einem Mal passieren, dass das Team von Aliens getrennt wird und die Runde schneller vorbei ist, als einem lieb ist. Das ist für ein Taktik-Spiel von Intelligent Systems, die immerhin Strategie-Koryphäen wie Fire Emblem und Advance Wars gemacht haben, eigentlich beschämend.

Gerade die nachspawnenden Gegner machen Codename S.T.E.A.M. zu einem richtig schweren Spiel, das eine ganze Weile dauert. Schnell ein paar Züge in der Bahn spielen? Eigentlich unmöglich. Weil Gegner einen unfairen Vorteil haben, nämlich dass sie im Prinzip nur im Overwatch-Modus drauf warten, dass unser Team in ihren Feuerradius kommt, erreicht das Comic-Taktikspiel nie auch nur annähernd eine strategische Tiefe wie ein XCOM.

Endlich eine Vorspulfunktion

Den größten Fehler haben die Macher mit einem Patch vor einigen Wochen behoben. Davor musste man die Züge der Gegner in voller Länge beobachten. Auch hier spielt der schlechte Kartenüberblick eine Rolle: Die meisten Spielzüge hat man gar nicht gesehen. Die Kamera bewegte sich nur, während sie auf eine Wand gerichtet war. Seit dem Patch kann man die Gegnerzüge nun schnell vorspulen – muss sie aber noch immer betrachten, auch wenn man den entsprechenden Gegner gar nicht sieht.

Meinung

Wertung zu Code Name S.T.E.A.M. (3DS)

Wertung:

6.5 /10
Pro & Contra
lustige Charaktere aus Romanvorlagentolle Vertonung mit professionellen Sprechernlädt zum Erkunden der Levels ein
wegen nachspawnender Gegner sehr schwerunfairer Spielaufbauwegen sehr schlechter Kameraperspektive unüberschaubarGegnerzüge kaum nachvollziehbar
Fazit

Codename S.T.E.A.M. beweist Humor beim trashigen Setting. Das Gameplay ist wegen seiner Macken aber eher abschreckend.

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