Cryostasis: Sleep of Reason im Gamezone-Test

Test BigJim

Das Entwicklerteam von Action Forms hat – dies zeigt „Cryostasis“ recht eindrucksvoll – sein Pulver noch nicht verschossen.

Cryostasis: Sleep of Reason Cryostasis: Sleep of Reason Eine Besonderheit bei Cryostasis: die Mental-Echo-Fähigkeit. Dem Spieler ist es möglich, in den Körper eines Verstorbenen zu schlüpfen und dessen Schicksal nachträglich zu ändern. Im Spiel stolpern wir förmlich über Leichen, die einst Opfer der Schiffskatastrophe wurden und jetzt erfroren in Gängen, Kanälen, Schächten, dem Schiffsgefängnis (der Kahn verfügt über einen eigenen Knast), vor Türen usw. leblos vor sich hinfrieren. Sie alle starben, weil sie seinerzeit in gefährlichen Situationen während der Tragödie der North Wind versagt hatten. Wir erhalten jetzt die große Chance, ihre Fehler wieder rückgängig zu machen, also die Zukunft dieser Person zu ändern und sie damit am Leben zu halten. Das funktioniert dann so: Wir nähern uns dem Toten, strecken die Hand nach ihm aus und werden kurz darauf in die Vergangenheit, die letzten Minuten des jeweiligen Menschen während des Schiffsunglücks versetzt. So können wir - nun in die Vergangenheit versetzt (optisch wird dieser Zeitunterschied durch eine Art Schwarz-Weiß-Grafik dargestellt) - jene Aktionen erfolgreich meistern, an denen die Betreffenden in der (damaligen) Wirklichkeit gescheitert sind und deshalb umkamen. So können wir beispielsweise einen unterseeischen Schweißvorgang (dazu klettern wir zwischendurch in einen speziellen Taucheranzug) durchführen, unter Zeitdruck einen überlebensnotwendigen Gegenstand an der Werkbank fertigen, als Co-Pilot im letzten Augenblick einen Hubschrauberabsturz abwenden oder als Maschinist einen Wassereinbruch im Unterdeck verhindern. Scheitern auch wir an diesen Aufgaben, können wir besagte Vergangenheits-Abschnitte beliebig oft wiederholen. Ihre Erledigung ist nämlich verbindlich. Gelingt es uns nicht, jene Herausforderungen erfolgreich zu meistern, kommen wir im ganzen Spiel nicht weiter. Von Vorteil an diesen Rückblenden, dem Wechsel zwischen Realität und Vor-Vergangenheit, der Zeitreise zwischen dem Dies- und dem Jenseits, ist zudem die Tatsache, dass wir eine ungefähre Vorstellung von den damaligen Zuständen an Bord des Schiffes bekommen. Und natürlich auch davon, was in den letzten Minuten der North Wind geschah und welche Panik dort unter den Besatzungsmitgliedern ausbrach.

Spannende Story, aber leider auch großer Hardwarehunger

Cryostasis: Sleep of Reason Cryostasis: Sleep of Reason Cryostasis ist - im Gegensatz zum ebenfalls kürzlich veröffentlichten NecroVision - kein brachialer Baller-Shooter, sondern vermengt recht geschickt Elemente von Survival-Horror und Psycho-Action, wobei es allerdings nicht ganz das spielerische Niveau (The Suffering) bzw. die technische Qualität (F.E.A.R. 2: Project Origin) bekannter Produkte erreicht. Gemessen am Spielprinzip kann man sicher auch Gemeinsamkeiten zu Doom 3 feststellen. Denn auch in Cryostasis müssen viele Hebel umgelegt, Schalter gedrückt und stets ähnlich aussehende (Innen-)Level der Reihe nach abgeklappert bzw. passiert werden. Die Gegner agieren ziemlich beschränkt, was wir dem Arktis-Shooter aber nur bedingt ankreiden, denn immerhin handelt es sich hier um Zombies. Ergänzt wird das Abenteuer auf dem Geisterschiff im Lichtkegel unserer Taschenlampe mitunter durch kleinere Rätsel- und Geschicklichkeitseinlagen, wenn es beispielsweise darum geht, irgendwelche Rohre zu überqueren (das Gehüpfe kennt man bereits aus dem ersten Half Life) oder eine abgesackte Eisenbrücke mit Hilfe einer Kranwinde hochzuhieven, um so an eine dahinterliegende Tür zu gelangen. Dass Cryostasis trotz seines linearen Gameplays und der relativ geringen Zahl an Gegnertypen (wirklich spektakulär ist nur der Endboss) trotzdem nie langweilig wird, verdanken wir in erster Linie einigen, meist nicht vorhersehbaren Momenten. Denn der eigentliche Handlungsverlauf wird immer wieder durch kurze Überraschungs- bzw. Schockeffekte und längere Rückblenden unterbrochen. Zu sehen sind dann vor allem Szenen aus der Vergangenheit an Bord des atomgetriebenen Eisbrechers. Letztere sind von besonderer Wichtigkeit, werfen zahlreiche Fragen auf, treiben die Geschichte voran. Wir erfahren, dass der alte Kapitän der North Wind auf seinem Schiff immer mehr in die Isolation geriet. Sein Erster Offizier scheint etwas gegen ihn im Schilde zu führen. Auch der Schiffsingenieur wendet sich vom Kommandanten ab. Dann bricht an Bord des Schiffes noch eine schwere Krankheit aus. Ärzte beraten sich über Gegenmaßnahmen. Unter den Seeleuten gibt es die ersten Todesfälle. Doch warum? Was ging in jenen Wochen und Monaten des Jahres 1968 auf dem Schiff wirklich vor sich?

Cryostasis: Sleep of Reason Cryostasis: Sleep of Reason Grafisch bewegt sich Cryostasis - wenn man von der etwas klobigen Darstellung der Figuren einmal absieht - auf einem guten Niveau. Allerdings nur, wenn man über einen PC verfügt, der wahrscheinlich erst im nächsten Jahr gebaut wird. Die Hardwareanforderungen sind hoch und übertreffen locker die eines BioShock oder Crysis. Warum dies so ist, erschließt sich uns nicht ganz, zumal vorgenannte Edel-Shooter optisch mehr zu bieten haben. Bei maximaler Auflösung mit (fast) allen Details lief es auf dem Testrechner jedenfalls nicht flüssig. Spätestens bei den (Nah-)Kampfabschnitten ging der Computer endgültig in die Knie und wir erlebten die Gefechte nur noch in Form einer Dia-Vorführung. Außerdem kam es zu Abstürzen. Ein vernünftiges Weiterspielen war erst nach einer deutlichen Reduzierung der Licht- und Schatteneffekte möglich. Danach sah Cryostasis zwar immer noch ansehnlich aus, nur eben leider nicht mehr ganz so hübsch, wie es hätte aussehen können. Ein Performance-Patch könnte hier Abhilfe schaffen. Sonst gibt es in Sachen Technik wenig Anlass zur Kritik. Die Steuerung könnte ein wenig präziser sein, erfüllt aber alle wesentlichen Voraussetzungen für einen Ego-Shooter. Großes Lob verdient der Sound. So eindrucksvoll pfeifende (Polar-)Winde und realistisch plätschernde Wasserleitungen bekommt man nicht alle Tage zu hören. Und die Synchronsprecher sind erstklassig. Die Gesamtspielzeit von Cryostasis liegt bei insgesamt ca. 10-12 Stunden. Für heutige (Shooter-)Verhältnisse scheint diese Dauer akzeptabel. Ein Multiplayerteil fehlt, was bei einem Titel, der stark auf seine Story setzt, allerdings nicht verwundern kann.

Meinung

Wertung zu Cryostasis: Sleep of Reason (PC)

Wertung:

7.6 /10
Pro & Contra
Interessante Storydüster-gruselige Atmosphäregelungene Zwischensequenzensehr guter Soundneuartiges Gameplay-Element (Mental-Echo-Fähigkeit)
Hohe Hardwareanforderungenauf Dauer etwas eintöniges Leveldesigngeringe Gegnervielfalt
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