Quark Souls: Die absolut schlimmsten Souls-Likes im Steam-Store

Special Christian Schmid Maria Beyer-Fistrich
Quark Souls: Die absolut schlimmsten Souls-Likes im Steam-Store
Quelle: Tero Lunkka 

Langsam aber sicher ist es realistischer anzunehmen, dass einige unserer Leser, nach der dramatischen Weihnachts-Dürre, eine PS5 ihr Eigen nennen und damit auch in den Genuss des Remakes von "Demon's Souls" kommen. Wer immer noch auf Sonys Wunderbox wartet, überbrückt die Durststrecke in der Gewissheit, dass es immer schlimmer kommen könnte: Ihr könntet gezwungen sein, die folgenden Souls-Likes zu spielen.

Ihr habt immer noch keine PS5 geschossen? Der Genuss des grandiosen Remakes von Demon's Souls bleibt euch verwehrt? Dann tröstet euch doch mit einem Souls-like über die Wartezeit hinweg! Der Begriff des "Souls-like" beschreibt Spiele, die sich ein großes Stück des schmackhaften Dark-Souls-Kuchens abschneiden und daraus ein köstliches neues Gericht zaubern. Titel wie "The Surge 2", "Remnant: From the Ashes" und "Let it Die" tragen ihre Inspiration stolz zutage und schaffen es trotzdem, ihre eigene Note in den Mix zu geben. Das Internet ist voller Lob für gut designte Souls-likes - darum sind wir allerdings nicht hier. In diesem kleinen aber fiesen Artikel stellen wir euch die schlimmsten Souls-likes vor, die ihr derzeit auf dem Markt finden könnt.

Immerhin wird die Wartezeit ein wenig kürzer, wenn man sich vor Augen führt, dass "Kein Spiel" immer noch besser ist, als eine zynische Souls-Like-Monstrosität. Wir begeben uns deswegen für unsere geneigten Leser in die Untiefen des Steam-Kerkers und zerren die schlechtesten, verbautesten und lustigsten Dark-Souls-Klone ans Tageslicht, die wir finden konnten. Ohne zu viel zu versprechen: Es wird katastrophal.

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Hentai no Hero

Wir beginnen aus vollem Lauf heraus, mit einer Perle der Unterhaltungsindustrie: In Hentai no Hero spielt ihr eine Heldin, die nicht nur keine Hintergrundgeschichte und keinen Charakter, sondern auch keine funktionale Kleidung besitzt. Eure aufregende Reise durch die Standard-Assets des Unreal-Stores führt euch durch dramatische Umgebungen, wie "Grüne Wiese", "Graue Hügel" und "Grünere Wiese". Der erste Charakter mit dem klangvollen Namen Erectus Bitedefer empfängt euch mit den weisen Worten "Begrüßung, die uns zu mehr als der Aufgabe Iventhal in dieser Zeit." Keine Landschaft, keine Abwechslung, kein Sinn: Hentai no Hero besitzt immerhin eine Staminaleiste, also muss ein Souls-like sein. Spiel des Jahres, tausend Punkte! Quelle: SeedWall Keine Landschaft, keine Abwechslung, kein Sinn: Hentai no Hero besitzt immerhin eine Staminaleiste, also muss ein Souls-like sein. Spiel des Jahres, tausend Punkte! Danach entdeckt ihr voller Freude, dass der Button für "Stechen" gleichzeitig der Button für "Ziel erfassen" ist - perfekt, Souls-Likes sind immerhin für ihren brutalen Schwierigkeitsgrad berühmt. Wer durch das vielversprechende Wort "Hentai" im Spieltitel anzügliche Situationen hofft, wird leider enttäuscht, denn das einzig versaute in diesem Spiel ist die Steuerung. Wer schon immer einen Lastwagen auf Schlittschuhen steuern wollte, wird mit Hentai no Hero definitiv glücklich. Aber hey, immerhin spendiert euch das Spiel eine Lebensleiste, eine Staminaleiste und das auf der Steam-Page angepriesene Feature "Schwert und Schild anlegen". Wir vergeben eine Wertung aus einem von zehn Estus-Flakons.

Dark SASI

Wem Hentai no Hero nicht genügend Narben auf der eigenen Seele hinterlassen hat, der findet in Dark SASI seinen Meister. Als ganz normaler Gamer hebt der Hauptcharakter hier ein mysteriöses Buch von der Straße auf und wird im Anschluss in ein finsteres Fantasy-Universum geworfen. Stellt euch auf eine Menge wild wiehernder Zombies mit Feuerwehräxten ein. Versucht dreiköpfigen Babys auszuweichen, während euch die Physikengine aus unerfindlichen Gründen nach zwei Schritten quer durch den Raum feuert. Ergötzt euch an Lebensleisten, die wie Geschenkpapier aus einem Laden für Gothic-Zubehör aussehen und schmeißt eure Kopfhörer sowie eure Innenohr in den Müll, nachdem ihr zum ersten Mal die völlig übersteuerte Todesfanfare gehört habt.
Bitte lächeln! Die verbauten Monstrositäten in Dark SASI stoßen Wiehern und Gänseschnattern aus, während euch Bugs quer durch das Gewölbe feuern. Quelle: Narko Games  Bitte lächeln! Die verbauten Monstrositäten in Dark SASI stoßen Wiehern und Gänseschnattern aus, während euch Bugs quer durch das Gewölbe feuern. Unser Favorit ist ein gigantischer Boss mit freiliegendem Gehirn, der mitten im Kampf die Waffen wegsteckt, schrille Schreie ausstößt und einen erstklassigen Breakdance aufs Parkett legt. Nein, wir meinen nicht "die Bewegungen des Bosses sehen albern aus". Wir meinen einen tatsächlichen Breakdance. Manche Spiele sind so schlecht, dass sie wieder gut sind. Dark SASI ist so schlecht, dass ihr noch Jahre später mit einem Zehntausendmeilenblick am Frühstückstisch sitzt und stöhnend vor und zurückwippt. Immerhin funktionieren die Steam-Achievements nicht, sodass ihr nicht an euren alptraumartigen Ausflug in Dark SASI erinnert werdet.

Vicious Gambling Agreement

Richtig gelesen, der Titel unseres nächsten Herausforderers lautet frei übersetzt "Bösartige Glücksspielvereinbarung". Wie man es von einem derartigen Titel erwartet, geht es in dem Spiel hauptsächlich um den Konflikt zwischen Menschen und Orks. Glücksspiel eben. Als steifbeiniger Wikinger kämpft ihr in Vicious Gambling Agreement gegen generische Asset-Store-Feinde. Wer den typischen langsamen, überlegten Dark-Souls-Kampf erwartet, darf sich auf einen ganz besonderen Leckerbissen gefasst machen: Die Orks in Vicious Gambling Agreement pfeifen auf überflüssige Dinge, wie eindeutige Angriffsanimationen und grundlegende Mustererkennung.
Nicht übel: Wer keine Lust auf einen Bosskampf hat, kann in Vicious Gambling Agreement auch einfach über einen Zaun hüpfen und das Ganze umgehen. Quelle: FANG Nicht übel: Wer keine Lust auf einen Bosskampf hat, kann in Vicious Gambling Agreement auch einfach über einen Zaun hüpfen und das Ganze umgehen. Stattdessen wird einfach zehnmal pro Sekunde attackiert. Bosse greifen durch ausdrucksstarke Gymnastikbewegungen an, die euch selbst dann aus dem Leben sprengen, wenn ihr euch auf der anderen Seite des Raumes aufhaltet. Gut, dass ihr Bosskämpfe einfach umgehen könnt, indem ihr über eine kniehohe Mauer klettert und winkend am Ober-Ork vorüber joggt. Ab und an trifft euch der Zorn eines verschmähten Bossgegners mit aller Macht, sodass euch dieser bei dem nächsten Versuch dermaßen katastrophale Grafikfehler auf den Schirm zaubert, dass ihr eure aufheulende GPU nur mit Händen und Füßen vor dem ehrenvollen Selbstmord bewahren könnt. Wir verzichten dankend auf ein zweites Playthrough.

Gangsta Woman

Die meisten positiven Steam-Bewertungen für Gangsta Woman beinhalten lediglich zwei Worte: Gangsta Woman. Wir stimmen zu. Jeder, der die verwinkelten Gebiete von Dark Souls (jetzt kaufen 38,35 € ) leid ist, wird mit hier sehr glücklich werden; Gangsta Woman füllt lediglich gigantische Fußballstadien mit Zombies und verbindet alles durch fadenscheinige Bretter-Brücken. Gangsta Woman zieht den Schwierigkeitsgrad sogar ein wenig an, indem eure Gangster-Tussi ab und zu einfach steif wie ein Brett umfällt. Tot. Warum wissen wir nicht, aber dieses Mysterium spielt in die geheimnisvolle Hintergrundwelt von Gangsta Woman hinein:
Ihr verspürt den brennenden Drang, durch menschenleere Schutthalden zu rennen, während eure Tussi ab und zu einfach tot umfällt? Gangsta Woman ist das richtige Spiel für euch! Quelle: Tero Lunkka  Ihr verspürt den brennenden Drang, durch menschenleere Schutthalden zu rennen, während eure Tussi ab und zu einfach tot umfällt? Gangsta Woman ist das richtige Spiel für euch! Warum können Drachen durch Wände fliegen? Warum ist die HDR-Einstellung so hoch, dass eure Augen sich in vertrocknete Fleischklößchen verwandeln, wenn ihr in die Sonne guckt? Und warum sinkt die Framerate ab und zu auf die Schlagzahl eines Diaprojektors aus der Zeit Erich Honeckers? Wer diese Geheimnisse lüften und eine Menge Zeit in Gangsta Woman investieren will, freut sich über die Möglichkeit, das Gesicht seiner Holden während des laufenden Spiels zu verändern. Begrenzungen gibt es bei den Körper-Slidern nicht, sodass ihr auf Wunsch mit einer verunstalteten Fleischpraline durch die menschenleeren Level toben könnt. Wir sind begeistert und schließen und in unserer finalen Bewertung den Steam-Kommentaren an: Gangsta Woman, liebe Leser. Gangsta Woman.

The Fallen

Als letztes Spiel auf dieser Liste kommen wir zu einem kleinen Trash-Juwel und dieses Mal meinen wir das Ganze sogar Ernst: The Fallen ist, im Gegenteil zu den anderen Machwerken in dieser Exkursion, völlig kostenlos. Ihr spielt einen feigen Ritter, der im Jenseits seine Ehre zurückgewinnen muss, indem er drei Endbosse besiegt. Dabei stehen euch neben den roboterartig umher stampfenden und völlig hirntoten Feinden eine enorme, gigantische, riesige Menge Bugs im Weg - die allesamt so amüsant sind, das wir nicht selten laut lachen mussten.
The Fallen ist kein gutes Spiel. Spaß macht es aber trotzdem, weil sich hier jemand richtig Mühe gegeben hat. Außerdem ist es umsonst – im Gegensatz zu allen anderen Titeln auf dieser Liste. Quelle: 6 Pillars Studio  The Fallen ist kein gutes Spiel. Spaß macht es aber trotzdem, weil sich hier jemand richtig Mühe gegeben hat. Außerdem ist es umsonst – im Gegensatz zu allen anderen Titeln auf dieser Liste. Das Level-Ende zu erreichen wird recht schwer, wenn der eigene Ritter wie ein roter Pingpongball hin und her gefeuert wird, nur weil man die Dreistigkeit besaß, einen Enterhaken zu verwenden. Das Interessante an dem völlig verkorksten Spiel ist jedoch, dass der Spieler von Beginn an merkt, das hier jemand Mühe und Herzblut hineingesteckt hat. Versteht uns nicht falsch: The Fallen ist qualitativ gesehen grausig. Dafür gibt es aber eine tatsächliche Story, eine Vollvertonung und den Versuch, ein echtes Gameplay auf die Beine zu stellen. Und wenn ihr euch fragt, warum hier alles aussieht, als ob man es aus Knete und Bastelpappe zusammen getackert hätte: Nicht eines der Assets wurde aus dem Unity-Store gekauft.
Clevere Leser haben des Rätsels Lösung sicher bereits erraten: Bei The Fallen handelt es sich um eine Übung von College-Studenten aus Ontario in Kanada. Das erklärt zum einen die überschaubare Qualität, denn Qualitätssicherung ist immer noch eine knifflige Angelegenheit - zumindest, bei dem ernst gemeinten Versuch ein funktionierendes Videospiel auf die Beine zu stellen. Zum anderen erklärt dieser Umstand warum wir, trotz des fehlenden Feinschliffs (und Grobschliffs...), trotzdem Spaß bei der Sache hatten und obendrein nichts dafür bezahlen mussten. Man merkt eben auch im Trash-Bereich, wenn jemand es wirklich versucht, anstatt den Steam-Store lediglich mit billigem Schrott oder Memes zu füllen. Vielleicht hören wir ja demnächst mehr von den Jungs und Mädels aus Ontario.

Wir beenden unsere Liste der schlimmsten Souls-Likes also mit einer vorsichtig optimistischen Note. Was sind eure schlimmsten Erfahrungen mit einem Souls-Like? Hab ihr vielleicht ebenfalls eine Trash-Überraschung erlebt? Wir sind gespannt!

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