Auf der Gamescom hat Zombie-Fan Sandro Odak zum ersten Mal Hand an Dead Island 2 anlegen dürfen. Doch das Untoten-MMO entspricht so gar nicht dem, was er von einem Yager-Spiel erwartet hat. Warum er eher enttäuscht ist, erklärt er in seiner Vorschau.
Als Koch Media Dead Island 2 auf der E3 2014 ankündigte und bekannt gab, dass der deutsche Entwickler Yager aus Berlin das Zombie-Spiel entwickelt, habe ich regelrecht gejubelt. Den ersten Teil fand ich zwar okay, aber das Beste an Dead Island war einfach der Trailer. Er versprach Geschichte, Story und Emotion, wo am Ende leider nur Metzelorgie und ein bisschen Survival-Thriller war. Die Marke in den Händen der Autoren von Spec Ops: The Line? Wow, shut uo and take my money! Dachte ich…
Quelle: Yager
Solche Brocken greift man besser in der Gruppe an - Dead Island 2 ist sowas wie ein Zombie-MMO.
Doch nun habe ich Dead Island 2 auf der Gamescom gespielt. Und stelle fest: Nach tiefgründiger Story und Emotionen suche ich vermutlich vergeblich. Stattdessen macht Yager Dead Island 2 zur kompletten Klamauk-Tour. Zwei der vier Charaktere lassen uns die Berliner anspielen. Einen Brutalo, der mit Axt und Pumpgun Massen von Gegnern auf einmal aufhalten kann und eine "Runnerin", die flink einzelne Zombies zerhackt und schnell wie der Wind wegrennen kann. Die zwei verbleibenden Charaktere sind ein Priester, der Molotow Cocktails wirft und als Supporter agiert, und eine Jägerin, die sich als Waffenexpertin herausstellt. Diese vier Klassen unterstützt Dead Island 2, ob weitere Charaktere folgen, wird sich zeigen. Denn acht Spieler können Online zusammenspielen – nahtlos, ohne dass sie es eigentlich wollten. Dead Island 2 ist wie ein Zombie-MMO, eine Art DayZ. Wenn man einen Notruf abhört und einen Hubschrauber abstürzen sieht, kann es sein, dass man nicht der einzige ist, der hinrennt, um die Wrackteile zu plündern. Es könnte sein, dass man sich vor Ort mit anderen Überlebenden um den coolen Kram streiten muss.
Soweit, so cool. Nur narrativ hat die Gamescom-Demo von Dead Island 2 wenig zu bieten. Sie zeigt ein wenig schnelle Action ohne jede Thriller-Stimmung. Unsere Gruppe aus vier Personen zerhackt Zombies, plündert einen Elektroladen. Sobald wir genug Elektroteile geklaut haben, bekommt die Sprinterin eine Elektro-Machete, der Grunt eine Strom-Pumpgun. Im fertigen Spiel, so ein Yager-Mitarbeiter, müssen Spieler ihre Waffen natürlich selbst zusammenstellen. Nur zu Demozwecken ist der Prozess so verkürzt dargestellt.
Quelle: Yager
Die Runnerin pickt sich einzelne Zombies heraus und rennt schnell davon.
Viel reden die Entwickler davon, dass die Demo nicht dem Endprodukt entspricht. Das soll komplizierter werden, umfangreicher, düsterer. Es soll eine weitere Fraktion geben, eine menschliche. Ihre Intentionen sollen nicht immer gut sein – vergleichbar mit den Gruppen, die sich in The Last of Us bildeten. Aber bei all diesen Versprechungen: Das Gameplay spielt sich sehr belanglos. Es ist auf Action und Spielspaß ausgelegt. Und auf Brutalität. Wir zerschneiden Zombieleiber in zwei Hälften, hacken Gliedmaßen ab, zerfetzen Köpfe. Und das alles fast als wäre es ein Sport, den die durchgeknallten Kalifornier so im Sommer betreiben. Unsere Gruppe rollt wie eine Lawine durch den Vorort, durchsucht Häuser, Geschäfte und eine Tankstelle.
Von Atmosphäre, die einem Zombie-Survival-Spiel gerecht wird, sehen wir weit und breit nichts. Und vom erzählerischen Können der Spec-Ops-Macher fehlt eh jede Spur. Zeitweise wirkt es, als wolle Deep Silver zwanghaft ein Klamauk-Feuerwerk veröffentlichen, wo Yager es bestimmt anders auch besser könnte. Ist dass das Dead Island, das sich viele Fans wünschen?
Quelle: Yager
Solche Zombie-Knäule sind für den brutalen Grunt kein Problem.
Nein, vermutlich nicht. Zumindest nicht so, wie es Yager auf der Gamescom präsentiert hat.
Und leider stimmt auch technisch nicht alles. Dead Island 2 sieht zwar ganz okay aus, dafür dass es in einer Pre-Alpha steckt, aber es ist auch meilenweit davon entfernt, flüssig zu laufen. Viel Zeit bleibt den Machern nicht. Im Frühling 2015 will Depp Silver Dead Island 2 auf den Markt bringen. Das sind rechnerisch nur noch sieben Monate, um ein komplettes Spiel zu bauen. Das Vorhaben, all die Features einzubauen, die bislang fehlen und nur versprochen sind, ist sportlich. Hoffentlich verhebt sich Yager nicht.
