Death Stranding: Kojimas wirres Wahnsinnsprojekt in der Preview

Special Christian Dörre
Death Stranding: Kojimas wirres Wahnsinnsprojekt in der Preview
Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions

Kürzlich zeigte Hideo Kojima auf der Tokyo Game Show höchstselbst neues Gameplay zu Death Stranding und erklärte einige Spielelemente. Für unsere Vorschau zum PS4-Exklusivtitel haben wir sämtliche bisherigen Informationen sowie alle vorgestellten Szenen genau unter die Lupe genommen.

Am 8. November ist es endlich so weit und mit Death Stranding (jetzt kaufen ) erscheint das neue Spiel von Metal-Gear-­Mastermind Hideo Kojima. Trotz des nahenden Releases können sich jedoch viele Spieler immer noch keinen Reim auf den Titel machen. Die zuletzt auf der Games­com gezeigten Story-Schnipsel sorgten weiterhin für Verwirrung und auch Aussagen von Kojima selbst, dass er nicht genau wisse, in welches Genre er sein Game einordnen würde, tragen nicht gerade zum Verständnis von Death Stranding bei. Glücklicherweise zeigte der gute Hideo nun auf der Tokyo Game Show etwa 50 Minuten Gameplay zu seinem neuen Baby, das zumindest etwas Licht ins Dunkel bringt (und aus dem viele Bilder in diesem Artikel stammen).

Grave New World

Zur Story des Spiels lassen sich immer noch keine komplett zutreffenden Ausagen machen, doch die zuletzt gezeigten Szenen zum Spiel stellen immerhin ein paar Zusammenhänge her. Aus bislang unbekannten Gründen ist die ­Zivilisation zusammengebrochen und ganze Städte wurden offenbar dem Erdboden gleichgemacht. Im bislang vorgestellten Gameplay sieht man zwar einige Ruinen und auch neue, hochtechnologisierte Städte, doch meistens ist Protagonist Sam Porter Bridges (verkörpert und gesprochen von Norman Reedus, bekannt aus The Walking Dead) in der Wildnis unterwegs. Wege oder gar Straßen gibt es nicht. Stattdessen kämpft er sich über verschneite Berge, durch Einöden, die an eine Mars-Landschaft erinnern, oder ein wunderbar hügeliges Gebiet.

Sam kann die Städte nur wieder miteinander verbinden, indem er ihnen Fracht liefert und so das Chiral Network ausbaut. Wir verstehen das auch nicht so ganz. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Sam kann die Städte nur wieder miteinander verbinden, indem er ihnen Fracht liefert und so das Chiral Network ausbaut. Wir verstehen das auch nicht so ganz. Die Welt ist jedoch fast leer, da wohl die meisten Menschen in unterirdischen Bunkern hausen und Sam nur als Hologramme erscheinen, wenn er ihnen bestimmte Fracht abliefert. Doch was genau geht hier vor sich? Offenbar ist Sam einer der wenigen Menschen, die sich noch an die Erdoberfläche trauen. Dafür besitzt er verschiedene Anzüge, Exo-Skelette und ein Baby! Dieses sogenannte Bridge-Baby befindet sich in einer Art künstlichem Mutterleib und macht BTs sichtbar. BTs sind anscheinend die Wesen, welche für das Ende der Zivilisation sorgten. Es handelt sich dabei um Schattenwesen von "der anderen Seite", welche wiederum wohl mit der menschlichen Vergangenheit verbunden ist.

Wird Sam von BTs entdeckt, versuchen diese ihn auf die andere Seite zu ziehen, wo unter anderem auch schon mal Bosskämpfe auf ihn warten. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Wird Sam von BTs entdeckt, versuchen diese ihn auf die andere Seite zu ziehen, wo unter anderem auch schon mal Bosskämpfe auf ihn warten. Wird Sam von den BTs auf die andere Seite gezogen, kann es durchaus sein, dass er einem Monster gegenübersteht, aber auch, dass er in eine Schlacht eines längst vergangenen Krieges versetzt wird, in dem schon lange verstorbene Soldaten auf ewig kämpfen. So sah man es bisher zumindest im gezeigten Gameplay. Offenbar wurde die menschliche Zivilisation also von ihren (Gräuel-)Taten der Vergangenheit eingeholt. Dies ist zumindest unsere Theorie, schließlich ist Gesellschaftskritik einem Kojima nicht fremd und dies könnte auch die bekannten Spielszenen mit den toten Walen am Strand erklären.

Nicht die Mama!

Doch zurück zu den Bridge-Babys. Diese sind quasi ein Bindeglied zwischen Leben und Tod, da sie wohl aus dem Körper ihrer hirntoten Mütter herausoperiert wurden und so zwischen den Welten hängen. Obwohl Protagonist Sam offenbar eine Verbindung zu seinem Baby aufbaut, werden die ungeborenen Kinder in der Welt von Death Stranding nur als hilfreiches Objekt angesehen. Die BBs müssen über ein Netzwerk immer wieder mit der komatösen Mutter verbunden werden, um sich zu synchronisieren und ihren Stresslevel zu senken, damit sie nicht nutzlos werden.

Zudem erfahren wir vom von Regisseur Guillermo del Toro gespielten Charakter Deadman, dass die BBs höchstens ein Jahr funktionieren und danach entsorgt werden. Dieses drohende grausame Schicksal wird wohl bei Spielern noch mehr dafür sorgen, dass man eine emotionale Bindung zu seinem BB aufbaut. Außerdem muss sich Sam immer wieder um sein Bridge-Baby kümmern, um dessen Stresslevel zu senken. Unter anderem kann man es in den Armen wiegen oder man kann dem Knirps etwas auf der Mundharmonika vorspielen.
Bridge Babys stellen die Verbindung zur anderen Seite her, müssen aber immer wieder mit ihren komatösen Müttern über ein Netzwerk verbunden werden. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Bridge Babys stellen die Verbindung zur anderen Seite her, müssen aber immer wieder mit ihren komatösen Müttern über ein Netzwerk verbunden werden.

America - F**k Yeah!

Sams Aufgabe ist es aber natürlich nicht allein, Zeug abzuliefern und einen Zwischenweltfötus zu beruhigen. Nein, er wird dafür engagiert, die amerikanische Zivilisation wiederherzustellen. Die Tochter der letzten Präsidentin und nun selbsternanntes Staatsoberhaupt der United Cities of America möchte nämlich die ­Städte wieder miteinander vernetzen, da die Zukunft der Welt nur durch ein stabiles Amerika bestimmt werden könne. Eine Make-America-­Exist-Again-Kappe bekommt Sam von ihr jedoch nicht. Geizige Ziege!

Stattdessen soll er sie auch noch aus den Händen der Terroristengruppe Homo Demons retten. Pikant dabei: Sam und Präsidentin Amelie scheinen eine bewegte Vergangenheit miteinander zu haben und Amelie ist seit zehn Jahren nicht gealtert, weil ihr Körper "immer noch am Strand" sei. Ist sie also auch irgendwie in einer Zwischenwelt? Besteht sie nur als Hologramm? Wie konnte sie dann von Terroristen gefangen genommen werden? Hilfe, unsere Hirne schmelzen!

Vor einer Mission muss man festlegen, wie viel Fracht man mitnimmt und wie man diese verstaut. Zudem wählt man auch weiteres Equipment aus. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Vor einer Mission muss man festlegen, wie viel Fracht man mitnimmt und wie man diese verstaut. Zudem wählt man auch weiteres Equipment aus.

Sam, der Packesel

Doch wie baut man Amerika wieder auf? Natürlich indem man bestimmte Fracht an Städte und Außenposten liefert, denn so wird das sogenannte Chiral Network erweitert und neue "Strände" entstehen. Im Klartext heißt das, dass sich die Map aktualisiert und neue Missionen freigeschaltet werden. Um aber überhaupt die Fracht ausliefern zu können, muss Sam vorher in der Basis genau planen, was er für seine Expedition alles braucht und wie er dies verstauen will. Wer die Fracht nicht richtig aufteilt, sorgt dafür, dass Sam sich schlechter bewegt und schneller aus der Balance kommt.

Einige gezeigte Szenen scheinen hochdramatisch. bislang können wir uns auf viele Story-Elemente jedoch noch keinen Reim machen. Wir hoffen, dass zumindest Kojima versteht, was er da verzapft. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Einige gezeigte Szenen scheinen hochdramatisch. bislang können wir uns auf viele Story-Elemente jedoch noch keinen Reim machen. Wir hoffen, dass zumindest Kojima versteht, was er da verzapft. Dabei kann Sam aber sowohl auf Hilfsmittel wie ­Transport-Trolleys als auch auf spezielle Exo-Skelette zugreifen. So kann Sam beispielsweise auch größere Lasten tragen oder schneller rennen und weiter springen. Die Skelette verbrauchen jedoch Energie, sodass man diese an speziellen Stationen immer mal wieder aufladen sollte. Zudem wurde in dem neuen Gameplay-Material auf der Tokyo Game Show auch gezeigt, dass Sam ein Motorrad nutzen oder gar Vehikel von Feinden klauen und fahren darf. Trotz der vorhandenen fahrbaren Untersätze muss man aber gut auf den Protagonisten achten. So gibt es beispielsweise eine eigene Anzeige für den Status des aktuellen Schuhwerks. Gehen die Schuhe kaputt, werden Sams Füße verletzt und er kommt schneller aus der Balance. Man sollte also besser ein paar Ersatzstiefel im Rucksack haben.

Zudem sieht man in der TGS-Demo, dass Sam neun Statuswerte besitzt, die sich höchstwahrscheinlich aufleveln lassen. Unter anderem finden sich dort die Werte Batterie-Kapazität, Lungenkapazität, Balance, Bewegungsgeschwindigkeit oder Sync-Level. Ein Survival-Aspekt ist also nicht von der Hand zu weisen. Diese Stats können auch über Erfolg und Misserfolg einer Mission entscheiden. Legt sich Sam nämlich zu oft auf die Schnauze, weil seine Balance im Keller ist, wird natürlich auch die Fracht beschädigt.

Schatten boxen

Wird Sam auf die andere Seite gezogen, wird er oftmals mit den Gräueltaten der Vergangenheit konfrontiert. Hier befindet er sich mitten in einem Krieg. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Wird Sam auf die andere Seite gezogen, wird er oftmals mit den Gräueltaten der Vergangenheit konfrontiert. Hier befindet er sich mitten in einem Krieg. In den meisten Spielszenen sieht man tatsächlich nur, wie sich der Protagonist in der Spielwelt zurechtfindet, Wegmarkierungen setzt, Fracht abliefert und mit Kletterseil sowie automatisch ausfahrbarer Leiter bislang unpassierbare Streckenabschnitte doch noch passierbar macht. Die Leere der Spielwelt macht durchaus einen melancholischen sowie atmosphärischen Eindruck, doch wir sind noch etwas skeptisch, ob die langen Wege ohne nennenswerte Action nicht vielleicht irgendwann langweilig werden. Hideo Kojima selbst sagte nun sogar, dass ­Death Stranding erst ab der Hälfte der Spielzeit richtig Fahrt aufnimmt. Davor sollen Spieler damit beschäftigt sein, das Spiel kennenzulernen und herauszufinden, was genau überhaupt möglich ist. Wir hoffen daher, dass Transportaufgaben und Cutscenes nicht überhandnehmen und immer wieder irgendwie Abwechslung eingestreut wird, denn sonst sind wir skeptisch, ob viele Spieler überhaupt die Geduld haben, so weit zu spielen.

Die Spielwelt ist nicht ganz unbewohnt. Sam trifft auch auf feindliche Organisationen und sogar auf die Terroristengruppe Homo Demons. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Die Spielwelt ist nicht ganz unbewohnt. Sam trifft auch auf feindliche Organisationen und sogar auf die Terroristengruppe Homo Demons. Dennoch gibt es natürlich auch Action-Passagen. In der realen Welt sind teilweise feindliche Organisationen unterwegs und auch die Homo Demons werden wohl noch eine größere Rolle einnehmen. Wird Sam von Feinden erspäht, machen diese Jagd auf ihn. Sie werfen Elektrostäbe oder schießen mit Betäubungswaffen, um Herrn Porter Bridges in Gewahrsam zu nehmen. Sam bleibt oftmals keine andere Wahl als zu flüchten, da sich ihm zu viele Gegner in den Weg stellen, allerdings kann er sich sowohl im Nahkampf mit den Fäusten als auch mit verschiedenen Schusswaffen zur Wehr setzen. Ist Sam waghalsig genug, darf er sich sogar in feindliche Lager schleichen und dort besonders wertvolle Objekte stehlen.

Das Stealth-Gameplay ähnelte in den gezeigten Gameplay-Szenen stark dem von Metal Gear Solid 5. Doch auch auf der anderen Seite warten einige Kämpfe auf Sam. Bislang sahen wir, wie er sich in einem Krieg in klassischer Deckungsshooter-Manier durch Schützengräben ballert, doch auf der TGS wurde nun ein Bosskampf gegen eine Art Tentakelhund präsentiert. Diesen besiegt Sam mit Betäubungsgranaten und einem Gewehr, das speziell für die Beseitigung von BTs ausgelegt ist. Neben der Fracht, guten Schuhen und weiterem hilfreichem Equipment sollte man also auch ein paar durchschlagskräftige Wummen für verschiedene Situationen in der Tasche haben.

Nie so ganz allein

Die bislang gezeigten Stealth-Szenen erinnern stark an das Schleich-Gameplay aus Kojimas letztem Spiel Metal Gear Solid 5. Es gibt schlechtere Vorbilder. Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Die bislang gezeigten Stealth-Szenen erinnern stark an das Schleich-Gameplay aus Kojimas letztem Spiel Metal Gear Solid 5. Es gibt schlechtere Vorbilder. Bereits vor einiger Zeit kündigte Kojima ein neuartiges Online-Feature für Death Stranding an, zu dem es nun auf der TGS auch endlich ein paar Eindrücke gab. So trifft man zwar selbst nicht direkt auf andere Spieler, man kann aber durchaus Dinge entdecken, die diese hinterlassen haben - ob dies nun ein Koffer mit Frachtgut, eine Notiz, ein gebauter Turm zum Aufladen der Batterie oder gar eine Brücke ist, die über einen Fluss führt. Hinterlassenschaften von anderen Spielern können also durchaus hilfreich sein und man wird dazu angehalten, diesen dann ein "Like" zu geben, was offenbar eine Art Währung ist. Spielt man seinem BB beispielsweise ein Lied vor, gibt dieses einem auch ­Likes. Was sich genau hinter dem Like-­System verbirgt, ist jedoch noch nicht ganz klar.

Sams automatische Leiter hilft nicht nur beim Bergsteigen, sondern <br> auch dabei, größere Schluchten zu überqueren. Nützliches Teil! Quelle: Sony Interactive Entertainment/Kojima Productions Sams automatische Leiter hilft nicht nur beim Bergsteigen, sondern
auch dabei, größere Schluchten zu überqueren. Nützliches Teil!
In der TGS-Demo war außerdem zu sehen, dass ein anderer Spieler sogar direkt helfen kann. In einem Kampf auf der anderen Seite erschien plötzlich eine weiße geisterhafte Gestalt, welche Sam hilfreiche Items überreichte. Aber auch hier ist noch nicht ganz klar, wie dieses System funktionieren wird, und auch nicht, ob man nur auf der anderen Seite auf Spieler trifft oder diese vielleicht auch in der realen Spielwelt als Schattengestalten erscheinen, so wie es die feindlichen BTs tun. Überhaupt muss man sagen, dass man sich zwar nun einige Zusammenhänge herstellen kann, aber immer noch verdammt viele Fragezeichen hinter Death Stran­ding stehen. Kann das Abliefern von Fracht wirklich lange motivieren? Wie aufwendig ist die Vorbereitung auf eine Expedition? Wie funktioniert das Story­telling im Spielablauf? Sind die Besuche auf der anderen Seite geskriptet oder ist es vielleicht sogar reiner Zufall, ob man in einen Bosskampf gezogen wird? Und das sind nur einige Fragen zum Gameplay selbst.

Zu den vielen bereits vorgestellten Charakteren, die man nicht richtig einordnen kann, sind wir noch gar nicht gekommen. So zum Beispiel der von Mads Mikkelsen verkörperte Cliff, welcher offenbar die Vergangenheit auf der anderen Seite kontrollieren kann und als Antagonist präsentiert wird, in anderen Szenen jedoch fast schon hilfsbereit erscheint. Oder der Charakter Mama, der über eine Schattennabelschnur mit einem Schatten-BB verbunden ist und davon erzählt, Milcheinschuss zu bekommen. Ergibt das alles hinterher Sinn oder ist das alles nur wirres Zeug? Wir hoffen jedenfalls auf einen baldigen Anspieltermin, um uns davon ein Bild machen zu können.

Fazit & Meinung

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