Der Herr der Ringe: Warum gab es seit 10 Jahren keine richtig gute Lizenz-Umsetzung mehr?

Special Vivien Ziermann
Der Herr der Ringe: Warum gab es seit 10 Jahren keine richtig gute Lizenz-Umsetzung mehr?
Quelle: Weta Workshop, Daedalic, Free Range Games | Montage PC Games

Seit Jahren warten Herr-der-Ringe-Fans sehnsüchtig auf ein neues, richtig gutes Spiel in Mittelerde. Denn die Versuche der letzten Jahre waren meist ein Schuss in den Ofen. Wir sind der Ursache dafür auf den Grund gegangen.

Eine Lizenz, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig von der Bildfläche verschwinden zu lassen. So oder so ähnlich wirken beinahe alle Versuche der letzten Jahre, Tolkiens hervorragende Fantasy-Welt in einem Videospiel zu verwirklichen, das nicht nur Kritikern und Spielern, sondern auch alteingesessenen Herr-der-Ringe-Fans gefällt. Natürlich sind besonders Hardcore-Fans schwer zufrieden zu stellen, wenn es um Umsetzungen ihres Allerheiligsten geht. Doch es ist keineswegs unmöglich.

Hogwarts Legacy ist das beste Beispiel für eine Lizenz-Umsetzung einer fantastischen Fantasy-Welt, die sowohl Hardcore-Fans als auch Durchschnittsspieler begeistern konnte. Die Kontroversen rund um die Schöpferin des Franchise lassen wir hierbei mal außer Acht. Und auch die Herr-der-Ringe-Lizenz hat durchaus schon würdige Umsetzungen erhalten.

Die Echtzeit-Strategie-Reihe Die Schlacht um Mittelerde konnte Anfang der 2000er Fans und Kritiker von sich überzeugen. Bis heute haben die Spiele eine treue Fangemeinde um sich und in einigen Kreisen Kultstatus erreicht. Besonders erfolgreich war außerdem das 2014 erschienene Action-Adventure Mittelerde: Mordors Schatten, das sogar einige Auszeichnungen gewann, unter anderem den Game Award 2014 für das beste Action-Adventure.

Doch schon der Nachfolger Mittelerde: Schatten des Krieges konnte nicht mehr mit dem Erfolg des ersten Teils mithalten. Wir können also sagen, dass es seit über zehn Jahren, seit der Veröffentlichung von Mordors Schatten, keine richtig gute Lizenz-Umsetzung im Tolkien-Universum mehr gegeben hat. Nicht, dass es in der Zwischenzeit nicht so einige Studios versucht hätten. Doch woran liegt das? Ist die Lizenz wirklich verflucht? Sind die Herr-der-Ringe-Fans einfach zu penibel? Oder hat es womöglich ganz andere Gründe, dass seit 2014 keine Herr-der-Ringe-Umsetzung wirklich überzeugen konnte?

Eine Armee des dunklen Herrschers mit 3 Olifanten. Rechts ein Nazgul auf einem Fellbiest. Quelle: BFME: Reforged Die Echtzeit-Strategie-Reihe Die Schlacht um Mittelerde gehört bis heute zu einer der besten Lizenzumsetzungen des Franchise und zu den besten Strategiespielen.

Versucht haben es viele

Es ist kein Geheimnis, dass sich in der Zwischenzeit weitere Studios an der Herr-der-Ringe-Lizenz versucht haben. Während das Survival-Crafting-Spiel Return to Moria unter dem Radar fliegt und bei Kritikern eher verhalten ankam, aber immerhin einige Spieler für sich gewinnen konnte, entwickelte sich Der Herr der Ringe: Gollum zu einer absoluten Vollkatastrophe.

Doch auch echte Mittelerde-Veteranen sind an dem Versuch, eine gute Umsetzung zu liefern, erst in diesem Jahr wieder gescheitert. Weta Workshop, verantwortlich für einen Großteil der physischen Objekte in den Herr-der-Ringe-Filmen von Peter Jackson sowie für die Designs der Nazgûls, brachte im Juli 2025 mit Tales of the Shire ein Cozy Game im Auenland auf den Markt. Als Hobbit sollten Spieler den gemütlichen Alltag im Auenland genießen, ein bisschen angeln gehen, den Garten bestellen und jede Menge köstliche Gerichte kochen können.

Ein Mann fliegt auf einem Feuer speienden Drachen. Fünf Orks am Boden stehen in Flammen. Quelle: Warner Brothers Auch wenn der Titel nicht mit dem Erfolg seines Vorgängers mithalten konnte, hat Mittelerde: Schatten des Krieges dennoch einige Fans um sich sammeln können. Eine eigentlich gute Idee in den fähigen Händen eines Teams, das sich nicht nur bestens im Herr-der-Ringe-Universum auskennen sollte, sondern bereits Erfahrung mit der Umsetzung des Werks hatte. Und trotzdem konnte der Titel weder Spieler noch Kritiker von sich überzeugen. Auch wenn es keine so große Bruchlandung wurde wie der Vorgänger Gollum, wurde auch hier eine gute Chance vertan, und wieder ließ man Herr-der-Ringe-Fans enttäuscht zurück.

Um dem Fluch der Herr-der-Ringe-Lizenz auf den Grund zu gehen, sehen wir uns die drei Umsetzungen an, die in den letzten zehn Jahren veröffentlicht wurden. Wir werfen einen Blick auf die Bewertungen der Kritiker und Spieler und nehmen euch mit hinter die Kulissen - allerdings haben alle Entwickler, bei denen wir angefragt haben, unsere Bitte nach einem Interview entweder abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet. Auf den nächsten Seiten analysieren wir die Spiele mit Herr-der-Ringe-Lizenz der letzten zehn Jahre. Dabei gehen wir chronologisch nach dem Release-Jahr der Spiele vor.

  1. Seite 1 Eine Lizenz, sie zu knechten
  2. Seite 2 Gollum
  3. Seite 3 Return to Moria
  4. Seite 4 Tales of the Shire
  5. Seite 5 Ist die Lizenz verflucht?
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