Ridley Scott muss nicht mehr beweisen, dass er hervorragende Science Fiction-Filme machen kann. Mit Der Marsianer tut er es trotzdem.
Stell dir vor du bist Astronaut auf einer Marsmission und durch einen Unfall plötzlich der einzige Mensch auf dem Planeten, während sich dein Raumschiff samt Crew bereits auf dem Heimweg befindet. Genau das passiert Mark Watney, gespielt von Matt Damon, im neuesten Werk von Ridley Scott. Ideale Ausgangsbedingungen also für einen Science Fiction in dem der Überlebenskampf eines einzigen Menschen im Mittelpunkt steht.
Quelle: 20th Century Fox
Der Marsianer: Rettet Mark Watney im Verleih der 20th Century Fox (6)
Denn versetzen wir uns in seine Lage und sammeln all unser Wissen über die technischen Möglichkeiten und die gigantischen Entfernungen mit denen wir es zu tun haben, dann ist eigentlich von vornherein klar, das kann nicht gutgehen. Bis eine Rettungsmission den Mars erreichen könnte, würden 4 Jahre vergehen, doch die Station auf dem Mars ist nur für einen Aufenthalt von 31 Tagen geplant. Noch dazu hat Watney keine Verbindung zu seiner sich schon auf dem Rückweg befindenden Crew, noch zur Erde. Es gilt also das Unmögliche möglich zu machen.
Die zwei dringendsten Probleme mit denen Watney zu Beginn zu kämpfen hat sind also die Nahrung und der Funkkontakt zur Erde, damit überhaupt eine Rettungsmission gestartet werden kann. Denn noch gehen alle davon aus, dass er tot ist. Natürlich verrate ich an dieser Stelle nicht wie es ihm gelingt Kontakt zur Erde aufzunehmen, oder die Details über seine botanischen Kenntnisse, die ihm helfen selbst Kartoffeln anzubauen. Denn genau das ist das faszinierende an dem Film, dass einen Ridley Scott die ganze Zeit mitdenken lässt. Es werden uns Optionen aufgetan und es gilt Lösungen zu entwickeln. Meist sind diese recht technischer Natur, doch auch das Psychologische kommt nicht zu kurz.
Quelle: 20th Century Fox
Der Marsianer: Rettet Mark Watney im Verleih der 20th Century Fox (10)
Gleichzeitig ist die Thematik auch nicht all zu weit von uns entfernt, die im Film gezeigte Mission könnte genau heute exakt so durchgeführt werden, wenn wir sie finanzieren würden. Das macht das Denkspiel beim Betrachten auch nicht so abgehoben, wie zum Beispiel in Interstellar. Ganz im Gegenteil lädt jeder einzelne Aspekt ein um ihn zu diskutieren, Entscheidungen zu fällen wie man wohl selbst die Herausforderungen angenommen und gelöst hätte.
Dabei schafft es Matt Damon recht gut den eher abgebrühten Typen zu spielen, der einfach nicht vorhat aufzugeben. Natürlich lassen ihn manche Rückschläge auch mal ausflippen, aber er wird nie irrational und was das wichtigste in solch einer Situation ist, er steht immer wieder auf. Klar ist das eine Heldengeschichte und wenn man an dem Film herum mäkeln will, dann kann man sogar behaupten, dass einem manche Szene aus anderen Filmen bekannt vorkommt. Auch lässt sich herrlich über die technischen Details streiten, ob manches so wie gezeigt wirklich funktionieren würde. Doch genau das zeigt meiner Meinung nach wie gut die Story ist, weil man sich auch um so viele Kleinigkeiten offensichtlich viele Gedanken machte. Was den technischen Hintergrund betrifft, steht Der Marsianer einfach auf festen Beinen.
Quelle: 20th Century Fox
Der Marsianer: Rettet Mark Watney im Verleih der 20th Century Fox (3)
Und während man all das logisch in den Hirnwindungen durchzukauen versucht fesselt uns Ridley Scott mit Aufnahmen vom Mars, die beeindruckender kaum mehr ausfallen können. Ich bin wahrlich kein Freund dieses 3D-Wahns der augenblicklich in den Kinos herrscht, aber Der Marsianer profitiert von dieser Technik ungemein. Schon im Intro gewährt man uns einen Blick vom Satelliten auf die Marsoberfläche die einen dank 3D wirklich glauben lässt, auf den roten Planeten herabzublicken. Ich wusste eigentlich schon lange, was für ein enormer Graben die Valles Marineris sind, aber erlebt habe ich sie erstmals in diesem Film. Fast möchte man in diesem Augenblick eine Träne vergießen, ob dieser gigantischen Wunde die sich der Planet da eingefangen hat.
