Der Pate im Gamezone-Test

Test GreenAcid

Ist die Spielumsetzung des Kultfilms ein Angebot, dass man als Fan des legendären Mafiaepos auf keinen Fall ablehnen sollte?

Frag niemals nach meinen Geschäften!

Der Pate Der Pate Abseits der im Mittelpunkt stehenden und leider etwas wenigen Storymissionen (knapp 20 Stück) gibt es in "Der Pate: Das Spiel" noch eine ganze Menge zu tun: Besonders fleißige Spieler übernehmen beispielsweise jeden Laden und jedes Schmuggler-Lagerhaus eines Stadtteils und weiten damit die Macht der Corleones kontinuierlich aus. Die anderen Viertel werden nämlich von vier weiteren Mafia-Familien kontrolliert und können auf diese Weise ebenfalls Stück für Stück erobert werden. Klar, dass es bei einer derart aggressiven Einmischung in fremde Geschäfte irgendwann zur blutigen Vendetta kommt. Hier hilft dann meist nur noch der Einsatz von Sprengstoff oder ein erfolgreicher Bestechungsversuch beim FBI. Wer lieber im kleinen Stil mordet, macht sich als Auftragskiller beim Don beliebt und holt sich dazu in den fünf Stadtvierteln die entsprechenden Informationen zur jeweiligen Zielperson. Schließlich gibt es in der riesigen Stadt auch noch eine ganze Reihe von Bonuszielen zu erfüllen: 100 verstecke Filmrollen können gesammelt, 100 Safes mit Dynamit aufgesprengt und sogar die örtlichen Banken dürfen im ganz großen Stil ausgeräumt werden. Wer fast alle dieser optionalen und von der Story losgelösten Aufgaben erledigt, hat bald nicht nur jede Menge Geld auf dem Konto, sondern genießt auch immer größeren Respekt, bis er sich schließlich selbst als Don von ganz New York bezeichnen kann.

Der Pate Der Pate Der definitiv wichtigste Lohn für einen Auftrag im Namen des Dons ist und bleibt Respekt. Den verdient man sich im Laufe des Spiels nicht nur im eigenen Stadtviertel und während einen die Ladenbesitzer zu Beginn noch nicht einmal kennen, werden sie später heilfroh sein ihr Schutzgeld pünktlich abzuliefern. Gleiches gilt auch für Auftraggeber und Passanten, welche euch im Laufe der Zeit alleine schon durch ihre Äußerungen immer mehr Respekt zollen. Doch wie verdient man Respekt? Grundsätzlich immer eine gute Möglichkeit ist die Schutzgelderpressung der zahllosen Geschäfte und Restaurants der Stadt: Gleich zu Beginn des Spiels soll beispielsweise der örtliche Metzger davon überzeugt werden, dass ein monatlicher Obolus an die Familie Corleone für seinen Gesundheitszustand langfristig von Vorteil wäre. Der gute Mann weiß noch nicht, wen er da vor sich hat und hält zunächst überhaupt nichts von dieser Idee. Demoliert ihr nun sein Geschäft oder verdreht ihm per Knopfdruck den Arm, steigt seine Einschüchterungs-Anzeige, bis er schließlich gefügig wird. Zwischendurch kann man den Erfolg dieser überzeugenden Maßnahmen durch ein weiteres Gespräch oder eine Anzeige am Bildschirmrand überprüfen, wodurch man genau abschätzen kann, ob der Wille des Ladenbesitzers bald gebrochen ist oder nicht. Zu sehr sollte man es mit der Gewalt ohnehin nicht übertreiben, sonst schlägt die Mission durch den versehentlichen Tod der Zielperson noch fehl oder das Interesse der patrouillierenden Polizisten wird vom Lärm im Laden geweckt. Doch ein echter Held des organisierten Verbrechens hat selbstverständlich auch die Polizei im Griff, jedoch müssen Schmiergelder, genau wie der nötige Respekt, erst einmal verdient werden.

Der Pate Der Pate Natürlich werden in diesem Spiel nicht alle Konflikte mit ernsthaften Gesprächen oder Bestechungen gelöst, häufig muss auch zur Waffe gegriffen werden. In solchen Situationen kommt dann auch ein ausgereiftes Zielsystem zum Einsatz, welches sogar einzelne Trefferzonen der Gegner berücksichtigt. Beispielsweise kann ein gegnerisches Bandenmitglied per Schuss ins Knie zu Fall gebracht und anschließend mit ein paar gezielten Faustschlägen außer Gefecht gesetzt werden. Das Kampfsystem von "Der Pate: Das Spiel" ist vergleichsweise ziemlich komplex ausgefallen und setzt beide Analogsticks während einer Prügelei ein. Mit dem linken Stick wird ausgewichen oder das Opfer durch die Gegend geschubst, mit dem rechten Stick werden analoge Hiebe ausgeteilt. Die PC-Version funktioniert sehr ähnlich, allerdings darf man hier anstelle der Maus auch zwei Tasten zum Zuschlagen einsetzen. Das man seine Feinde per Knopfdruck festhalten kann, hat noch einen weiteren Zweck: Wer besonders geschickt damit umgehen kann, wirft seine Gegner in brennende Backöfen, von Hausdächern oder einfach vor das nächste Auto. Für manchen Auftragsmord muss man aber auch möglichst lautlos vorgehen, wobei dann der obligatorische Würgedraht zum Einsatz kommt. Auch eine einfache Schleichfunktion ist im Spiel enthalten, einige der Missionen haben sogar das unbemerkte Umgehen von mehreren Wachleuten als Hauptziel.

Aufwendig produzierte Mafia-Atmosphäre

Der Pate Der Pate Für eine möglichst authentische Spielwelt haben sich die Entwickler natürlich sehr stark an der Filmvorlage orientiert und nicht nur New York samt Little Italy virtuell nachgebaut, sondern auch einige der Original-Schauspieler (James Caan, Robert Duvall) sehr aufwendig mit Motion Capturing digitalisiert. Diese Detailverliebtheit war bereits auf den ersten Screenshots sehr überzeugend zu sehen und der legendäre Marlon Brando wirkt als Computerfigur fast schon unheimlich real. Schade nur, dass Al Pacino auf eine digitale Rolle als Michael Corleone verzichtet hat, denn für seine Figur haben die Entwickler aus rechtlichen Gründen ein anderes Gesicht verwenden müssen. Die Zwischensequenzen von "Der Pate - Das Spiel" sind dank aufwendiger Produktion fast schon filmreif und auch die Stadt glänzt selbst auf der PS2 mit einer enormen Detailverliebtheit, den ersten glaubhaft generierten Taubenschwärmen sowie einer gelungenen Technik um aufgewirbeltes Papier durch die Luft segeln zu lassen. Lediglich die Innenräume der gänzlich ohne Ladepause begebaren Häuser nutzen sich sehr schnell ab, da man für jede Häuservariante immer ein und dasselbe Aussehen verwendet hat. Das italienische Restaurant an der Ecke sieht also überall identisch aus, genau wie das Apartmenthaus oder nicht weniger deckungsgleiche Blumengeschäft.

Die deutsche Lokalisierung des Spiels muss logischerweise auf die eigens aufgenommenen Stimmen von James Caan und Robert Duvall verzichten, allerdings hat EA durchgängig nur Profis ins deutsche Tonstudio geschickt, um die über 10.000 Textzeilen ins Mikrofon sprechen zu lassen. Die hervorragend eingefangene Atmosphäre des Kultfilms wird von der deutschen Lokalisierung in keinster Weise beeinträchtigt. Doch was wäre "Der Pate" ohne seine unsterbliche Musik? Alleine schon beim Blick auf das Cover des Spiels kommt einem die unvergessliche Melodie des Films in den Sinn, der "Godfather Waltz" ist und bleibt das zentrale Thema für gelungene Mafia-Atmosphäre. Natürlich hat man auch alle anderen Lieder des Soundtracks von Nino Rota in das Spiel integriert und zusätzlich hat man sogar über 100 Minuten völlig neue, aber stilgerechte Musik komponiert.

Meinung

Wertung zu Der Pate (PC)

Wertung:

8.3 /10
Pro & Contra
vielfältige Nebenaufgabentolles Kampfsystemgelungenes Charaktersystemgroßartige Atmosphärehervorragende Inszenierungrespektvolle Filmumsetzungkeine NachladepausenFilmmusik
häufige und langweilige Fahrten durch die Stadtrelativ wenige Storymissionenviele Spielelemente von "GTA" ausgeliehensich wiederholende Innenräume
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