Desperados 3 im Test: Wildwest-Taktik vom Feinsten (Update)
Test 35,99 €
Die Macher von Shadow Tactics beweisen, dass ihr letzter Hit kein Glückstreffer war: Auch Desperados 3 glänzt im Test mit tollen Levels, sympathischen Helden und kniffligen Aufträgen, ein grandioses Comeback für die lange verschollene Wildwest-Reihe! Die Kaufempfehlung ist darum klar: Wer auch nur ein bisschen was für Echtzeit-Taktik im Commandos-Stil übrig hat, kommt an Desperados 3 schlichtweg nicht vorbei. Update: Jetzt auch mit großem Test-Video!
Mal eben ein Genre wiederbelebt, Top-Wertungen eingesackt und nebenbei noch (irgendwie) ein paar Preise abgeräumt: Mit Shadow Tactics gelang Mimimi Games vor vier Jahren ein waschechter Überraschungshit! Knackige Echtzeit-Taktik im Stil von Commandos, clever modernisiert und fit gemacht fürs neue Zeitalter - mit diesem Konzept trafen die Münchner den richtigen Nerv. Und es rief auch wunderbare Erinnerungen an ein Genre wach, das schon lange als abgeschrieben galt. Weit oben auf der Wunschliste der Fans: Die beliebte Wildwest-Serie Desperados, die 2001 von Spellbound ins Leben gerufen wurde und schon seit 13 Jahren auf Eis liegt. Doch damit ist nun Schluss: Publisher THQ Nordic, der in einem denkwürdigen Kaufrausch auch die Desperados-Lizenz geschluckt hat, gab die Marke in Mimimis fähige Hände. Und so feiert die Taktik-Serie endlich ihre lange überfällige Rückkehr.
Update: Wir haben den Artikel um ein großes Test-Video ergänzt.
In diesem Artikel
Wildwest-Taktik in Bestform
Vorkenntnisse? Braucht ihr nicht! Streng genommen ist Desperados 3 nämlich kein Nachfolger, sondern ein Prequel, in dem sich Serienheld John Cooper auf einen privaten Rachefeldzug begibt. Dabei kann der Kopfgeldjäger auf die Unterstützung von vier Begleitern zählen. Desperados-Fans kennen bereits Doc McCoy und Verführungskünstlerin Kate O'Hara, schließlich haben wir die beiden schon durch den PC-exklusiven ersten Teil gescheucht. Neu sind der hünenhafte Trapper Hector und die mysteriöse Voodoo-Lady Isabelle, die das Team mit mächtigen Fähigkeiten und jeder Menge Charme abrunden.
Quelle: PC Games
Die dialoglastigen Zwischensequenzen sind in Spielgrafik inszeniert und lassen Tempo vermissen.
Die lineare Rachegeschichte wird leider zur keinem Zeitpunkt richtig spannend, was auch an den Schurken liegt, auf die es Cooper abgesehen hat: Die Bösewichte bleiben über weite Strecken blass, ihre Motivation nebensächlich. Außerdem wird die Story nur in dialoglastigen Ingame-Cutscenes abgewickelt, die - genau wie das Spiel selbst - aus der Draufsicht inszeniert sind. Zwar gibt es ein-zwei gelungene Überraschungen und auch das Finale punktet mit einer spielerisch netten Idee, doch Tempo und Action geraten dabei ins Hintertreffen. Dem Spielspaß tut das aber kaum einen Abbruch, schließlich erfüllt der Handlungsrahmen seinen Zweck und hält die ingesamt 16 Missionen schlüssig zusammen - das ist die Hauptsache.
Charmante Killer
Dafür überzeugen die fünf sympathischen Hauptfiguren umso mehr: Immer wieder kommen kurze, oft witzige Gespräche und Zankereien zwischen unseren Profi-Killern zustande, dazu kommentieren sie regelmäßig das Spielgeschehen und geben Sprüche ab, die auf die aktuelle Mission zugeschnitten sind. In einem Level veranstalten McCoy und Hector beispielsweise ein fröhliches Wett-Meucheln, in einem anderen müssen wir unsere verkaterte Truppe nach einer durchzechten Nacht ins Ziel bringen und uns dabei mit jedem Klick ihr Gejammer anhören. Solche Details sorgen dafür, dass uns die Bande schnell ans Herz wächst! Nebenbei räumen die Entwickler gleich noch einen Kritikpunkt an Shadow Tactics aus: In Desperados 3 (jetzt kaufen 39,99 € / 35,99 € ) gibt's diesmal neben der englischen Vertonung auch eine ordentliche deutsche Sprachausgabe, die Audiospuren und Textsprachen kann man außerdem jederzeit im Optionsmenü ändern und bei Bedarf mischen. So muss das sein!
Quelle: PC Games
Hector hat eine Wache angelockt, Isabelle (kommt hinten aus dem Stollen) erledigt den Rest.
Das Leveldesign: gut und abwechslungsreich
Auch bei den 16 Missionen (von denen zwei sehr kurz ausfallen) beweist Mimimi Games, dass Shadow Tactics kein einfacher Glückstreffer war: Die frei dreh- und zoombaren Levels wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sind stimmungsvoll ausgeleuchtet und punkten mit Abwechslung. Wir taktieren in Sümpfen, Wüsten und kleinen Siedlungen, sind am Mississippi unterwegs und statten sogar New Orleans einen Besuch ab. Auch die Missionsziele sind vielfältig: Wir sprengen Brücken, stehlen Dokumente, befreien Gefangene, setzen Schiffe in Brand oder mischen als ungebetene Gäste eine prächtige Feier auf. In einem Level schieben wir eine Lore voller Dynamit über Gleise, in einem anderen müssen wir einen nächtlichen Überfall auf einen Bauernhof abwehren. Es gibt Missionen, in denen wir gezielt Fußspuren im Schlamm oder Sand hinterlassen, um so Wachen in Hinterhalte zu locken. Und einmal sind wir an einer Bahnstrecke unterwegs, auf der regelmäßig eine Lok vorbeirattert und die unserem Team so für ein paar Sekunden wertvolle Deckung verschafft. Coole Ideen!
Quelle: PC Games
In einigen Missionen gibt es neutrale Zonen, in denen uns Wachen nicht angreifen.
Anders als in Shadow Tactics gibt es nun auch Karten mit neutralen Bereichen, in denen sich unser Team gefahrlos bewegen kann. Dadurch öffnet sich auch das Missionsdesign ein wenig. In einer Kleinstadt sollen wir beispielsweise vier Anführer ausschalten, die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Wir entscheiden also selbst, ob wir uns erst mal zum Saloon aufmachen und dort eine Zielperson ausknipsen oder lieber zur Kirche marschieren, wo schon das nächste Attentat auf uns wartet.
Besonders schön: Für viele Ziele gibt es mehrere Lösungswege, in einigen Levels können wir sogar zwischen zwei grundverschiedenen Pfaden wählen. Immer wieder entdecken wir auch lockere Gesteinsbrocken, Kistenstapel oder andere Objekte in der Umgebung, mit denen wir im richtigen Moment ahnungslose Gegner um die Ecke bringen können, ohne dabei Verdacht zu erregen. Darum: Augen offen halten! Umso besser, dass wir alle Verstecke, Türen und Interaktionsobjekte jederzeit einblenden können, das erspart umständliches Suchen und macht die Planung leichter.
Bewährte Stärken
Am Grundgerüst von Shadow Tactics ändert sich in Desperados 3 nichts: In typischer Commandos-Manier müssen wir unser Expertenteam möglichst unauffällig ans Ziel zu bringen, dazu knobeln wir uns in Echtzeit über detailreiche Maps, auf denen es vor feindlichen Wachen nur so wimmelt. Wie gewohnt lassen sich die Sichtkegel der Gegner einblenden, dadurch sieht man genau, wo sich die Helden gefahrlos bewegen können. So schicken wir die Truppe clever von Deckung zu Deckung, warten den richtigen Moment ab und schlagen dann blitzschnell zu. Auf diese Weise picken wir nach und nach die ahnungslosen Gegner von der Map, dünnen die feindliche Mannschaft aus und bahnen uns so lautlos einen Weg zum Missionsziel. Eine knifflige Knobelei, aber auch so motivierend! Witziges Detail: Nach jeder geschafften Mission gibt's nochmal einen Rückblick auf den Level, wo wir uns auf einer Karte plus Zeitstrahl genau ansehen können, wie wir vorgegangen sind.
Quelle: PC Games
Genretypisch: Die grünen Sichtkegel kennen wir schon aus dem ersten Commandos von 1998.
Besiegte Gegner sollte man schleunigst außer Sichtweite schaffen, denn wenn ein toter oder bewusstloser Gauner von einer Patrouille entdeckt wird, wird sofort Alarm ausgelöst, was in den meisten Fällen ein sicheres Todesurteil darstellt. Da ist gutes Timing gefragt! Bis ein Manöver richtig sitzt, können aber einige Versuche ins Land ziehen: Trial and Error ist ein zentraler Bestandteil von Desperados 3, häufiges Laden und Speichern wird schnell zur Gewohnheit. In einigen Levels haben wir über 100 Mal die Quicksave-Funktion genutzt - und dafür schämen wir uns auch kein bisschen. Ein Glück, dass die Ladezeiten mit nur wenigen Sekunden angenehm kurz sind!
Profis am Werk
Quelle: PC Games
Isabelle verbindet zwei Wachen mit ihrem Blasrohr, so kann sie beide Gegner mit einem Angriff ausknipsen.
Die vielfältigen Lösungswege verdanken wir unserer hübsch animierten Heldentruppe. Jeder Charakter hat unterschiedliche Fähigkeiten und Stärken, manche davon wurden direkt aus Shadow Tactics übernommen. Cooper schaltet Feinde beispielweise mit dem Wurfmesser aus und kann schwimmen, Doc McCoy lockt dafür neugierige Wachen mit seinem Arztkoffer an und erledigt sie anschließend mit einer Giftspritze. Kate kann sich verkleiden und mehrere Gegner auf einmal ablenken, einfache Wachen darf sie sogar verführen und kurzzeitig von ihrem Posten weglocken - die ideale Gelegenheit, um eine fiese Falle zu stellen! (Haben wir eigentlich schon den Level mit der Dampflok erwähnt?) Der stämmige Hector ist als einziger Held in der Lage, zwei Leichen gleichzeitig zu tragen und kann eine Bärenfalle aufstellen, die ahnungslose Feinde mit einem Schlag ausknipst. Außerdem kann nur er die sogenannten Longcoats - die stärkste Gegnerklasse im Spiel - direkt im Nahkampf besiegen, was ihn für viele Aufgaben unverzichtbar macht.
