Diablo 2: Resurrected im Test: Ein Kniefall vor den Fans - im Guten wie im Schlechten
Test
Bildschön und mutlos präsentiert sich die lang ersehnte Neuauflage von Diablo2. Mit Resurrected bekommt ihr das gleiche Spiel wie vor 21 Jahren, ergänzt um schicke Grafik, Gamepad-Support und wertvolle Komfortfeatures. Im Test macht die Monsterhatz damit wieder richtig Spaß! Doch ihr hohes Alter kann sie nicht verleugnen. Update: Jetzt mit Test-Video!
Ein Remaster muss im Wesentlichen zwei Dinge schaffen: Auf der einen Seite die Fans von damals begeistern, auf der anderen eine völlig neue Generation abholen. Ein kniffliger Spagat, der Kompromisse nötig macht. Die merkt man in Diablo 2: Resurrected an praktisch jeder Ecke: Blizzards Neuauflage ist so peinlich darauf bedacht, seine alten Fans nicht zu vergraulen, dass man am Gameplay wirklich nur das Nötigste verbessert hat. Gleichzeitig ist das Spiel aber erstmals auch für aktuelle Konsolen verfügbar, viele erleben Diablo 2 dadurch zum ersten Mal - mit all seinen zeitlosen Stärken, aber auch seinen Schwächen, die im Laufe von zwei Jahrzehnten kaum besser geworden sind.
Im Test zu Diablo 2: Resurrected klären wir, warum Blizzards Kult-Hit immer noch zur absoluten Oberklasse zählt - und trotzdem keine uneingeschränkte Empfehlung von uns bekommt.
Update: Jetzt auch mit Test-Video!
Schöner als die Erinnerung
Die wichtigste Neuerung springt mit Anlauf ins Auge: Blizzard hat eine brandneue 3D-Engine gestrickt , die den Stil des Originals nahezu perfekt einfängt und vor Details nur so strotzt. Scharfe Texturen, detailreiche Umgebungen, wogendes Gras, Spiegelungen in Pfützen, hübsche Beleuchtung, flüssige Animationen - das kann sich sehen lassen! Die schönste Grafik gibt's auf dem PC, nur hier dürft ihr die Kamera auch nahe an eure Spielfigur heranzoomen und alle Details in Großaufnahme bewundern. Auf den Konsolen fehlt das Feature leider. Dafür dürft aber jederzeit und auf allen Plattformen zur 21 Jahre alten 2D-Grafik wechseln, denn unter der modernen 3D-Fassade läuft rund um die Uhr das originale Diablo 2: Lord of Destruction.
Quelle: PC Games
Das düstere Design von Diablo 2 wird im Remaster perfekt eingefangen.
In diesem Artikel
Die visuelle Frischzellenkur zieht sich auch durch die Videos: Alle Zwischensequenzen wurden detailverliebt neu gerendert und optisch auf einen modernen Stand gebracht, inhaltlich halten sie sich aber stark ans Original: Schnitte, Perspektiven, Musik, selbst die mittelmäßige deutsche Sprachausgabe, alles wie im alten Diablo 2. Sehr viel besser kann es ein Remaster eigentlich nicht machen.
Technisch gibt es hier und da natürlich kleine Unterschiede. Die PC-Fassung unterstützt beispielsweise keine Ultrawide-Auflösungen, weil die Gegner-KI darauf schlichtweg nicht ausgelegt ist.(Lässt sich sogar schon bei 1080p beobachten, da gibt es immer wieder Momente, in denen Gegner untätig am Bildschirmrand rumstehen.) Dafür gibt's auf dem PC einen leicht größeren Bildausschnitt zu sehen als auf den Konsolen. Die Versionen für PS5 und Xbox Series S/X laufen mit flüssigen 60fps, auf PS4, Xbox One und Switch werden 30 Bilder pro Sekunde erreicht, was zum Spielen aber völlig ausreicht. Auf der Switch wurde die Grafikqualität merklich heruntergeschraubt, hier fehlen einige Umgebungsdetails und die Beleuchtungsqualität wurde stark zurückgefahren. Warum es trotzdem gut spielbar ist und wie sich die Grafik im Vergleich zur PC-Fassung schlägt, zeigen wir euch hier in einem eigenen Special zur Switch-Version von Diablo 2: Resurrected.
Grafikwechsel in Diablo 2: Resurrected
Meisterwerk reloaded
Grafisch gelingt Diablo 2 zwar ein Riesensprung nach vorne, doch am Gameplay hat sich praktisch nichts verändert. Logisch, unter der Haube läuft schließlich das Original mit Patch-Nummer 1.14d. Alles bleibt beim Alten, egal ob Tempo, Balancing, Trefferchance oder Droprate bis hin zu bekannten Bugs, die Blizzard bewusst nicht gefixt hat - angeblich um das Spielgefühl nicht zu verfälschen. Neue Inhalte wie zusätzliche Quests, Items oder Gegner gibt es nicht, euch erwartet exakt das gleiche Spielerlebnis wie damals: Mit sieben cool designten Klassen kloppt, schlitzt, zaubert und schießt ihr euch durch fünf stimmungsvolle Kapitel, mäht tausende Monster, Dämonen und Untote von der Bildfläche, levelt auf und sackt Unmengen an Beute ein. Das macht damals wie heute verdammt viel Spaß. Auch wenn Diablo 2 längst von Spielen wie Path of Exile, Grim Dawn oder Diablo 3 überholt wurde, fesselt die Jagd nach Beute und Erfahrung immer noch für viele Stunden an den Bildschirm.
Quelle: PC Games
Die Beutetruhe ist deutlich größer als früher und kann nun von allen Helden eines Accounts genutzt werden.
Quelle: PC Games
Praktisch: Eine neue Detailansicht fasst unsere passiven Charaterboni zusammen.
Ein modernes Erlebnis ist Diablo 2 aber nicht, das können auch die wenigen Neuerungen nicht ausgleichen. Eines der wichtigsten Upgrades ist die größere Beutekiste, die über sehr viel mehr Stauraum verfügt und auf die nun alle Charaktere eines Accounts zugreifen können - ihr braucht also keine "Packesel"-Helden mehr, um Gegenstände zwischen euren Spielfiguren zu tauschen. Das Inventar ist allerdings immer noch so klein wie eh und je. Ihr müsst also wieder alle paar Minuten in die Stadt zurückreisen und umständlich eure Beute verkaufen, weil der Rucksack wieder mal rappelvoll ist. Dafür hat Diablo 2 aber an anderer Stelle dazugelernt: Gold wird nun automatisch aufgesammelt und die Werte von Items lassen sich endlich auf Knopfdruck vergleichen. Das sorgt für deutlich mehr Komfort und Tempo. Außerdem gibt's im Charakterbogen nun ein Extra-Fenster, das eure passiven Boni zusammenfasst. Sehr nützlich!
Maus oder Gamepad
Da Diablo 2 ursprünglich nur für Maus-Eingaben konzipiert war, musste sich Blizzard eine brandneue Gamepad-Steuerung einfallen lassen. Die ist auch erstaunlich gut gelungen: Mit dem Controller lenkt ihr eure Spielfigur fast so direkt wie in Diablo 3, könnt bequem Angriffen ausweichen und viel genauer durch die Levels navigieren. Das Highlight der Gamepad-Steuerung ist aber die neue Fähigkeitenleiste, in der ihr bis zu zwölf Slots mit euren Angriffen und Zaubern belegen dürft. Das sorgt für deutlich mehr Spielkomfort, auch weil ihr eure Talente nun direkt auf Knopfdruck auslöst. Zum Vergleich: Mit Maus und Tastatur muss man Fähigkeiten erst umständlich per Mausrad oder F-Tasten auswählen.
Quelle: PC Games
Mit dem Gamepad nutzen wir eine Fähigkeitenleiste und lösen unsere Talente direkt aus.
Gerade deshalb ist es so enttäuschend, dass ausgerechnet Maus-Tastatur-Spieler auf die neue Talentleiste verzichten müssen! Auch eine Sortierfunktion gibt es nur mit Controller. Zwar könnt ihr auch am PC ein Gamepad anschließen und so die neuen Features genießen, doch das ist für die eingefleischten Fans, die Diablo 2 am liebsten mit der Maus spielen, ein schwacher Trost. Allerdings hat auch die Gamepad-Steuerung ihre Probleme. So gibt es hier beispielsweise keine Taste für die coole Zoom-Funktion. Tränke und Schriftrollen müssen einzeln nachgekauft werden. Der Kartenausschnitt lässt sich nicht verschieben. Und die ohnehin umständliche Inventarverwaltung gerät mit dem Gamepad noch ein wenig fummeliger als mit der Maus.
Wo Blizzard sich nicht traut
Nostalgie hin, Kultstatus her - in manchen Punkten hätte Blizzard das Spiel problemlos verbessern können, ohne auch nur einen Bruchteil seiner Seele einzubüßen. Warum kann man Items nicht einfach auf Tastendruck identifizieren, sondern muss vorher immer erst den Folianten aktivieren? Warum kann Deckard Cain nicht auch gleich den Inhalt des Horadrimwürfels durchchecken? Und warum gibt es keinen Loot-Filter, um unnütze Items auszublenden? Gerade Konsolenspieler, die Diablo 2 zum ersten Mal erleben, werden hier Komfort vermissen, der in anderen Action-RPGs schon lange Standard sind.
