Die Siedler 3 im Retrospecial: Die Saufen, die Römer!

Special Dominik Pache
Die Siedler 3 - History Edition Artwork
Quelle: Ubisoft

Keine Lust auf Arbeit. So kennt man den "einen" Gott. Deswegen lässt er Jupiter, Horus und den Drachen Ch'ich-Yu an seiner Stelle schuften. Die drei Götter führen Römer, Ägypter und Asiaten in die Schlacht, um festzustellen, wer der Beste ist. Doch bei Die Siedler 3 geht es weniger ums Kämpfen und viel mehr ums ... Saufen! Glaubt ihr uns nicht? Im Artikel sagen wir euch, warum.

Nach den ersten Siedlern hatte ihr Schöpfer Volker Wertich erst einmal genug von den kleinen Männern. Der zweite Teil der wuseligen Wald- und Wiesenwirte wurde von einem anderen Team entwickelt, das auf dem Konzept des Erstlings aufbaute, aber wenig innovativ war. Für die Siedler 3 folgte Wertich dem Ruf, etwas Neues aus seiner Schöpfung zu kreieren und die Stimme, die er vernahm, kam von Gott persönlich. Der folgt man natürlich, ohne groß Fragen zu stellen. Besonders, wenn die Stimme verdächtig nach Arnold Schwarzenegger klingt.

Mister Universe ist mächtig sauer. Jupiter, Horus und Ch'ich Yu frönen dem Hedonismus und feiern ausschweifende Partys im Tempel des unbekannten Gottes. Nur um ihre Völker kümmern sich die drei Götter der Römer, Ägypter und Asiaten nicht. Deshalb denken sich ihre Anhänger: Warum nicht gleich beim Chef durchklingeln und nur einen Gott anbeten? Monotheismus! Das wäre ja noch schöner. Mister Universe kann sich doch nicht um alles kümmern! Die drei Götter des mittleren Managements werden ins Büro des allmächtigen CEO zitiert und dazu verdonnert, mit dem besten Arbeiter des jeweiligen Volkes, ein neues Volk zu gründen. Die werden dann aufeinandergehetzt, bis nur noch eines übrig bleibt. Was diese höhere Gewalt bringen soll, offenbart sich wohl nur dem Chef. Jupiter hat der besonders auf dem Kieker, denn neben seinem neuen Daily Business, muss er zwangsweise am Firmensport teilnehmen. Er ist halt einfach zu fett.

Zeichentricksequenz aus dem Intro Quelle: PC Games Antanzen beim Chef. Jupiter, Horus und der komische grüne Drache haben mächtig Ärger. Auch wenn das jetzt klingt, als hätten wir zu tief ins Glas des Messweines geschaut: ja, das ist die Rahmenhandlung von Die Siedler 3 (jetzt kaufen ). Die wird in Zeichentrickfilmsequenzen erzählt, die zwar keinen Animations-Oscar gewinnen, aber mit dem Kinderprogramm auf öffentlich-rechtlichen Sendern der ehemaligen Sowjetunion durchaus mithalten können. Tatsächlich stammen die Animationen aber von Firmen aus Ankara und Düsseldorf. Die Kreation dieser teuflischen deutsch-türkischen Koalition wurde allerdings von wahrhaft göttlichen Synchronstimmen aufgewertet. Das Pantheon der deutschen Sprecherlandschaft lieh den Protagonisten der Zwischensequenzen ihre Stimmen, wodurch ein heiliger Hauch von Hollywood durch die Trickfilmclips weht. Allen voran natürlich Thomas Danneberg, die deutsche Stimme von Arnie. Dadurch wird man während der Kampagne stetig animiert, ein weiteres Level abzuschließen, um der nächsten Zwischensequenz lauschen zu dürfen.

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Doch nicht nur in den Filmclips lässt Die Siedler 3 seine Muskeln spielen. Die Grafiken wurden nicht mehr von Hand gepixelt, sondern in einem 3D-Programm entworfen. So hatten die Entwickler Zeit, sich auf mehr Animationsstufen zu konzentrieren, die die kleinen Kerle noch lebendiger wirken lassen. Auch der Bau eines Gebäudes ist wundervoll anzusehen. Zuerst wird ein Grundgerüst hochgezogen und anschließend eine Fassade montiert. Allein zu beobachten, wie Träger, Bretter und Steine heranschaffen, Planierer den Boden einebnen und Bauarbeiter die Gebäude nach und nach errichten, ist eine Wonne für die Augen. Damit das alles nicht zu klinisch aussieht, zeichneten die Grafiker gerne kleine Unregelmäßigkeiten in die Texturen. Kanten sollten möglichst nicht gerade sein. So entstand eine Architektur, die weniger steril, sondern eher verspielt wirkt.

Was aber vor allem zum authentischen Siedlergefühl gehört: Auf dem Bildschirm soll es so richtig schön wuseln. In der Programmierung wurde daher ein ordentlicher Anteil in die Wegfindung investiert. Wenn ein Siedler eine Ware von A nach B bringen soll, ist das gar nicht so einfach, wie man sich das im ersten Moment vielleicht denkt. Was, wenn das angeforderte Baumaterial in einem Lager am anderen Ende der Karte liegt? Welcher Siedler hebt es dann auf und was passiert, wenn sich zwischen den Stellen Wasser befindet? Daher wurde die Welt in verschiedene Wirtschaftssektoren aufgeteilt, in denen man sogar separat einstellen kann, welche Waren gelagert und welche Werkzeuge und Waffen hergestellt werden sollen.

Bildergalerie

Erteilt man einen Bauauftrag, schnappen sich die fleißigen Siedler Werkzeug und Material und gehen automatisch an die Arbeit. Da das an vielen Stellen gleichzeitig passiert, entsteht der Eindruck eines Ameisenhaufens, der auf den ersten Blick recht chaotisch daherkommt. Die einzelnen vorgeschriebenen Wege für jede Pixelperson selbst ergeben aber einen Sinn. Überall soll geschäftiges Treiben herrschen und dafür verzichteten die Entwickler auf ein Feature, das manche Fans lange vermissen sollten.

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