Disaster: Day of Crisis im Gamezone-Test

Test Andreas Keser

Hurrikans, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Erdbeben – pure Action die mal nicht auf Casual-Gamer ausgerichtet ist!

Katastrophenfilme gibt es wie Sand am Meer. Immer wieder werden im Kino komplette Städte versenkt, unter Schnee begraben oder von Feuerbällen zerstört. Der effektvolle Untergang ganzer Landstrich ist häufig ein Thema für die Filmemacher, denn die Begeisterung an unkontrollierbaren und mächtigen Naturgewalten ist groß und scheint gerade heutzutage, in Zeiten des Klimawandels, nichts an ihrer Aktualität verloren zu haben. Dieses Interesse macht sich auch "Disaster: Day of Crisis" zu Nutze und packt sämtliche Katastrophen, die man gerade zur Hand hatte, in ein Videospiel. Doch stellt "Disaster" möglicherweise selbst eine einzige Katastrophe dar oder kann es nochmal mit trockenen Füßen davon kommen und vielleicht sogar glänzen?

Tsunamis, Erdbeben, Hurrikans und Atomwaffen

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Raymond Bryce war früher bei den Marines und wechselt, aufgrund eines guten Freundes, zum internationalen Rettungsteam. Als er diesen Freund jedoch bei einem dramatischen Vulkanausbruch verliert und sich selbst die Schuld an seinem Tod gibt, kündigt er seinen Job und verkriecht sich hinter dem Schreibtisch des Katastrophenschutzes, um langweiligen Papierkram zu erledigen. Doch eines Tages erfährt er, dass Lisa, die Schwester des verstorbenen Freundes, von einer Organisation namens Surge entführt wurde. Ray fühlt sich für Lisa verantwortlich und versucht sie auf eigene Faust zu retten. Unterdessen werden die USA von schrecklichen Naturkatastrophen heimgesucht. Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis und Hurrikans verwüsten ganze Landstriche. Um das Chaos perfekt zu machen, kündigen Surge auch noch an, dass sie im Besitz von Atomwaffen seien und nicht zögern würden, diese einzusetzen. Sie erpressen den Präsidenten und verlangen mehrere Millionen. Allerdings nicht aus reiner Habgier. Sie tun das nur, weil die Mitglieder von Surge früher selbst den Befehlen der Regierung unterstellt waren und sich verraten fühlen, da viele von ihnen sterben mussten. Das Geld soll den Familien der Opfer zugute kommen und als weiteres Ziel wollen sie der Bevölkerung zeigen, dass einige Machenschaften der Regierung alles andere als sauber sind, indem geheime Dokumente veröffentlicht werden. Der Präsident hat also eine schwere Entscheidung zu treffen. Ray nimmt ihm diese zwar nicht ab, doch er tut alles was in seiner Macht steht, um Lisa zu retten und Surge aufzuhalten.

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Die Story ist vielleicht nichts Besonderes, doch immerhin greift man nicht auf die gängigen Klischees zurück. Surge stellen nicht die üblichen Terroristen dar, die sonst immer wieder gerne genommen werden, sondern eine Organisation mit Werten, die für mehr kämpfen als das reine Geld. Dennoch ist der Tiefgang der Geschichte sehr überschaubar und eher auf dem Niveau von gutem Popcorn-Kino. Das ist allerdings nicht ganz so tragisch zu sehen, denn die Inszenierung und die Videosequenzen sind unschlagbar und spannend, sodass man hier und da auch gerne mal ein Auge zudrückt.

Helfer in der Not

"Disaster: Day of Crisis" ist in drei große Bereiche aufgeteilt. Es gibt Abschnitte in denen Ray zu Fuß unterwegs ist, dann wären da noch die Verfolgungsjagden mit dem Auto und es gibt auch Lightgun-Shooter-Sequenzen. Widmen wir uns zunächst einmal den Aufgaben, die Ray zu Fuß erledigen muss.

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Da schreckliche Naturkatastrophen wüten, trifft man überall auf Gefahren, Trümmer und Menschen in Not. Ray muss in erster Linie selbst auf sein Überleben achten und den ganzen Katastrophen trotzen. Es gibt öfters Quicktime-Events, bei denen sich eine Bedrohung nur dadurch abwenden lässt, wenn man möglichst schnell reagiert und beispielsweise die Wii-Remote im richtigen Moment nach links bewegt. Manchmal wird aber auch angekündigt was zu tun ist. Wenn man beispielsweise vor einer Flutwelle davon läuft, wird man zuvor darauf hingewiesen, dass man Wii-Remote und Nunchuk so schnell wie möglich nach oben und unten bewegen muss, um die Beine in die Hand zu nehmen und Ray vor dem Ertrinken zu retten. Das hat manchmal fast schon Minigame-Charakter, doch da solche Events nicht alle zwei Minuten anstehen, ist das durchaus in Ordnung. Außerdem gibt es auch hier und da ganz klassische Sprungpassagen, in denen man von einem Vorsprung zum nächsten gelangen oder über dünne Stege balancieren muss.

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Flüssige Lava, fliegende Felsbrocken und andere Dinge können Ray verletzen. Sobald seine Energieleiste am Ende ist, muss man vom letzten Checkpoint beginnen und sein Glück nochmal versuchen. Es gibt zudem eine Ausdauer-Anzeige, welche mit Rays Kondition zu tun hat. Wenn er häufig rennt, dann sinkt diese besonders schnell. Ebenso bei extremer Hitze oder Kälte. Rauch ist dabei ganz besonders gefährlich. Ist man diesem über längere Zeit ausgesetzt, füllt sich die Lunge damit. Es gibt sogar extra eine Lungenanzeige, damit man immer genau weiß, wann es wieder Zeit wird aufzuatmen. Sobald man an der frischen Luft ist, kann man mittels Z wieder tief einatmen und seine Lunge säubern. Die Kondition lässt sich dagegen nicht so leicht wiederherstellen. Hat man keine Ausdauer mehr, so verliert man in langsamen Abständen Energie. Um diese wieder aufzufüllen gibt es wiederum Gegenstände, die in Kisten oder Fässern gefunden werden können. Burger und Fleisch sorgen unmittelbar für das leibliche Wohl, während Pflaster und Verbandskästen mitgenommen werden können, um sie später einzusetzen.

Freunde von Rätseln kommen bei diesem Konzept leider nicht so gut weg, denn diese sind zwar ebenfalls vorhanden, jedoch auf niedrigstem Niveau angesiedelt. Sie beschränken sich eher auf das Suchen von Schlüsseln oder andere Gegenständen, die für das Weiterkommen nötig sind. Man braucht beispielsweise ein Feuerzeug, um in einer dunklen Garage ein Licht anzuzünden oder eine Holzplanke, um einen kleinen Abgrund zu überwinden. Oft liegen diese Gegenstände dann auch noch direkt in greifbarer Nähe oder werden sogar mit einem Ausrufezeichen markiert. Intelligentes Kombinieren, Knobeln und Grübeln steht somit nicht auf dem Plan.

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Doch Ray denkt ja nicht nur an sein eigenes Überleben. Hier und da trifft er auf Opfer, die seine Hilfe brauchen. Ein Junge wurde verschüttet, eine Frau hat Wunden und muss verarztet werden, ein Mann hört plötzlich auf zu atmen und braucht eine Herz-Lungen-Massage, ein Mädchen sitzt inmitten von Flammen fest und traut sich nicht alleine raus... die Bedürfnisse sind vielfältig und jeweils verschieden zu lösen. Oft kommt die Wii-Remote zum Einsatz, um etwa Wunden zu reinigen, wiederbelebende Massagen durchzuführen oder mit richtigem Timing und einer schnellen Bewegung nach der Hand eines am Abgrund hängenden Mannes zu greifen. Wer von solchen Aktionen eher genervt ist, der muss auf die Hilferufe der Opfer nicht eingehen (sofern es nicht zur Story gehört). Allerdings gehen einem dann wertvolle Heldenpunkte durch die Lappen (dazu später mehr).

Shut up and drive - die Autosequenzen

Disaster: Day of Crisis Disaster: Day of Crisis Obwohl Ray ein durchtrainierter und aufgeweckter Zeitgenosse ist, gibt es auch Momente, in denen seine Kraft an ein Limit stößt. Einem Lavastrom kann kein normaler Mensch auf Dauer davonlaufen, also muss man Alternativen finden. Da ganze Städte in Panik versunken sind, juckt es auch niemanden, wenn man sich mal eben ein Auto "borgt", um die Überlebenschancen zu erhöhen. Mit ein paar Pferdestärken unter dem Hintern, brennt die Lava gleich nicht mehr so heiß. Dafür warten andere Herausforderungen. Trümmer versperren den Weg, Felsbrocken schlagen vor dem Auto ein und manchmal muss man sich auch noch mit den Schergen von Surge auseinandersetzen. Ausweichen, bremsen und schnelles Reagieren ist also Pflicht. Das alles geschieht aber nicht per Analog-Stick, sondern mittels Wii-Remote, welche wie bei Mario Kart und anderen Rennspielen im Sinne eines Lenkrades gehalten werden muss. Durch Bewegungen nach rechts und links wird der Wagen gesteuert mit den Knöpfen bedient man das Gas- und Bremspedal oder die Handbremse. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber in besonders brenzligen Situationen kann es manchmal zu kleinen Ausrutschern kommen, da eine solche Steuerung natürlich immer schwammiger ist, als die konventionelle per Analog-Stick.

Die Autosequenzen wirken weder aufgesetzt, noch störend. Sie fügen sich gut in die Geschichte ein. Manchmal muss man die Mitglieder von Surge verfolgen, ein anderes Mal vor Lava oder Flutwellen flüchten oder querfeldein durch die Wildnis fahren und dabei sogar Bäche und Schluchten hinter sich lassen. Immer wieder explodiert etwas am Straßenrand, Teile werden knapp vor das Auto geschleudert oder Wege versperrt. Man fühlt sich wie mitten im Geschehen.

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