Don't Starve im PS4-Test: Morbides Minecraft in Tim-Burton-Optik

Test Sandro Odak

Im Januar erhalten Playstation-Plus-Mitglieder das Survival-Adventure Don't Starve von Klai Entertainment umsonst zu ihrem Online-Abo. Wir haben den morbiden Bruder von Minecraft mit der Optik eines Tim-Burton-Films getestet.

Wie viel Geschichte braucht eigentlich ein Survival-Adventure? Zwei der bekanntesten dieser Tage kommen komplett ohne aus: In DayZ, das als ARMA-Mod startete, müssen Spieler eine nicht näher erklärte Zombie-Apokalypse überleben, indem sie sich zu Gruppen zusammenschließen und Gegner ausschalten, bevor sie es tun. Don't Starve lässt einen nicht ganz so verhungern. In einem kurzen Intro wirft uns der krude Wissenschaftler Maxwell irgendwo mitten in der Wildnis aus. Seine letzten Worte bevor er sich in Luft auflöst: "Du siehst ganz schön abgemagert aus." Mehr Anhaltspunkte gibt es nicht.

Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (2) Quelle: Steam Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (2) Es beginnt ein Abenteuer, welches beim ersten Anlauf nicht lange dauert. Beim ersten Mal stirbt mein kleiner Charakter innerhalb des ersten Tages. Wirr sammle ich zwar noch ein paar Äste, Karotten und Beeren auf, scheitere aber daran herauszufinden, was Don't Starve eigentlich von mir will. Dabei sagt der Spieltitel schon alles: Verhunger nicht und überleb einfach. Am Ende von Tag Eins wird mir die hereinbrechende Nacht zum Verhängnis. Wie in unseren finstersten Albträumen bevölkern Monster die Schatten. Als sie mich töten, bin ich ehrlich gesagt kein großer Freund von Don't Starve.

Erst im zweiten Anlauf gehe ich analytischer vor. Was macht die Inventarleiste im unteren Teil des Bildschirms? Wie bedient man sie? Und wie baut man verschiedene Gegenstände zusammen? Die Frage klärt ein kurzer Blick in die Einstellungen. Eine Erklärung im Spiel, etwa ein Tutorial, fehlt vollkommen. Erst dann begreife ich, dass Don't Starve im Prinzip nicht mehr ist als ein morbides Minecraft. Aus Hölzern und Steinen baue ich meine erste Axt und eine Hacke, mit denen kann ich wiederum Bäume fällen und größere Felsen kleinschlagen. Am ersten Tag muss das fix gehen: Bis zum Abend brauche ich zumindest ein paar Beeren, um mir den Magen vollzustopfen, und ein Feuer, um die Monster fernzuhalten. Mit zunehmender Spielzeit wird Don't Starve dann komplexer. Mit Goldklumpen lässt sich eine Wissenschaftsmaschine herstellen, die wiederum modernere Geräte produziert. Verschiedene Ruinen auf der immer zufallsgenerierten Welt bieten zusätzlichen Unterschlupf. Während man sich zu Beginn nur auf die Ressourcen-Beschaffung konzentriert, kommen später auch Gegner dazu. Humanoide Schweinemenschen, die tierisch böse auf mich sind, greifen von selbst an, manche andere Kreaturen werden getriggert. Einmal will ich einen anscheinend normalen Baum fällen, da erwacht er plötzlich zum Leben und stampft mir wütend hinterher! Das erinnert an die Ents aus dem Herren der Ringe, cool!

Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (4) Quelle: Steam Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (4) Viel von Don't Starve lernt man durch leidiges Trial & Error. Am dritten Tag meines zweiten Versuchs fühle ich mich sicher. Der Magen ist voll, die Lebensleiste auch und der Tag brach eben erst an. Da finde ich einen Bienenstock. Lecker Honig… Was ich nicht bedacht habe, sind die tierisch fiesen Bienen. Sie erscheinen zu viert aus dem summenden Honigtopf und stechen mich in Sekunden tot. Und Tod bedeutet Tod in Don't Starve. Wenn ein Spielcharakter abnippelt, gilt das für immer. Es gibt keine Speicherpunkte, keine Ladesystem. Am Ende fasst mir das Spiel zusammen, wie lange ich überlebt habe und gibt mir dafür eine Handvoll Erfahrungspunkte. Mit denen schalte ich neue Spielfiguren frei, muss aber ansonsten wieder bei Null anfangen. Das sorgt am Anfang für Spannung und auch für Wiederspielwert. Ich will immer wissen, welchen Gefahren ich mich noch ausgesetzt sehe, wenn ich nur dies oder jenes geschafft hätte.

Hat man den Clou raus, mangelt es an Langzeitspiel

Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (3) Quelle: Steam Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (3) Lange Zeit fesselt Don't Starve mit diesem minimalistischen Setting. Es zieht mich in seinen Bann, auch wenn ich mich immer wieder frage, warum ich das noch mache. Im Prinzip funktioniert Don't Starve wie Minecraft. Jedoch mangelt es dem Survival-Game an Langzeit-Spielspaß. Anders als das Pixel-Game verliert Don't Starve mit der Zeit an Spannung. Die kreative Komponente fehlt dem Spiel einfach. Während man in Minecraft irgendwann dazu übergeht, Gebäude und ganze Fantasiewelten zu erschaffen, geht es in Don't Starve immer nur um die Befriedigung der Grundbedürfnisse: Psychisch klar bleiben, was zu essen finden und nicht von Feinden getötet werden.

Zufallsgenerierte Welt in der Optik von Tim Burton

So wie Minecraft setzt Don't Starve auf zufallsgenerierte Welten. Am Anfang einer Runde erstellt der Computer ein riesiges Level, dass sich aufteilt in Küstengebiete, Felsen, Wald, Wiesen und Co. Auf der ganzen Karte verteilt liegen Ressourcen, die man zum Weiterkommen braucht. So lockt einen das Spiel immer wieder aus der Reserve und lockt einen ins nächste Abenteuer. Wenn man stirbt, erstellt die KI eine neue Welt mit neuem Umriss, neuer Ressourcenaufteilung und neuen Wegen. So wird sichergestellt, dass man nie dasselbe Spiel zweimal erlebt.
Optisch hebt sich Don't Starve durch seinen morbiden Tim-Burton-Style ab. Die Welt von Don't Starve ist ein düsteres, finsteres Reich und die Atmosphäre, die die deprimierend schlapp herabhängenden Bäume vermitteln, steckt an. Grafisch ist das bestimmt nicht High-End. Aber stimmig ist die Optik auf jeden Fall.

Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (5) Quelle: Steam Don't Starve für Playstation 4 im Test (Screenshots vom PC) (5) Den Vogel schießt aber der Soundtrack und die Soundkulisse ab. Die Hintergrundmusik lullt einen in dümpelnden Depri-Akkorden ein und sorgt noch mehr im Zusammenspiel mit der Grafik für den düsteren Look von Don't Starve. Die Charaktere sprechen übrigens nicht, immer wenn sie ihren Mund aufmachen, kommen dabei schiefe Instrumententöne heraus. Absurd und genial zugleich.

Bei der Portierung des HUDs vom PC auf die Playstation 4 hat Klei Entertainment leider die Schwächen der Computerversion übernommen. Manche davon sind auf der Konsole sogar noch schlimmer. Das Crafting-Menü im linken Teil des Bildschirms ist beispielsweise winzig ausgefallen und beinhaltet nur kleine Symbole, die anzeigen sollen, welche Ressourcen man zum Bau von Objekten braucht. Am PC kann man mit Mouseover vielleicht genauere Informationen erhalten. Auf der Konsole gibt es jedoch keine Möglichkeit herauszufinden, was genau gebraucht wird, wenn man das Symbol nicht erkennt.

Meinung

Wertung zu Don't Starve (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
morbides Aussehen im Tim-Burton-Lookklasse Psycho-Soundtrackschiefe instrumentale Töne statt Sprachausgabeminimalistisches Gameplay: einfach nur überlebenfordert vom Spieler selbstständiges Denken
HUD-Probleme wegen kleinen SymbolenDon’t Starve erklärt überhaupt nichts vom Spielirgendwann hat man alle Geheimnisse entlockt, der Langzeitspielspaß endet dann
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