Dragon Quest 11 im Import-Test: Millionenverkäufe in Japan - aber auch gut?

Test PC Games Redaktion
Dragon Quest 11 im Import-Test: Millionenverkäufe in Japan - aber auch gut?
Quelle: Square Enix

Was für ein Comeback! Da tröpfelt der Ausstoß japanischer Entwickler erst jahrelang eher anämisch vor sich hin und wird nur durch gelegentliche Ausreißer aus der Fanservice-Hölle mal etwas wachgerüttelt und seit ein paar Monaten erscheint nun ein Hit nach dem anderen! Final Fantasy 15, Nioh, Resident Evil 7, Nier: Automata, Persona 5... und jetzt auch noch Dragon Quest 11!

Die traditionsreiche Dragon Quest-Serie war dabei in Japan schon immer ein absoluter Liebling der Spieler, und der jüngste Teil stellt mit gut drei Millionen verkauften Exemplaren innerhalb der ersten zehn Tage keine Ausnahme dar. Die Spieler in Japan haben dabei die Wahl zwischen zwei Versionen: eine für PS4 und eine zweite für den 3DS. Wir testen die Import-Version der japanischen PS4-Variante von Dragon Quest 11, die 2018 auch in Europa veröffentlicht werden soll.

Held oder Monster?

Auf dem Rücken eures Pferds seid ihr auf der Weltkarte schneller Unterwegs. Bei den meisten Siedlingen und Rastplätzen findet ihr Glocken, mit denen ihr euer Reittier ruft. Quelle: PC Games Auf dem Rücken eures Pferds seid ihr auf der Weltkarte schneller Unterwegs. Bei den meisten Siedlingen und Rastplätzen findet ihr Glocken, mit denen ihr euer Reittier ruft. Der Auftakt des Abenteuers (hier seht ihr die Intro-Sequenz von Dragon Quest 11) könnte traditioneller kaum sein. Gerade 16 geworden, muss der von euch selbst benannte Held zusammen mit seiner Kindheitsfreundin Emma einen heiligen Berg erklimmen und so den Initiationsritus seines Dorfes bestehen. Doch das läuft nicht ganz wie geplant. Monster greifen an und der Held entdeckt seine wahren Kräfte. Das Ergebnis: Ein magisches Donnerwetter, gründlich erlegte Gegner und ein gänzlich verwirrter Protagonist. Die Mutter des Helden und der Dorfälteste wissen euch nur bedingt zu helfen und schicken euch auf die Reise. Auf dem Rücken eures Pferdes reist ihr zur Hauptstadt, um Rat beim König suchen. Der sollte doch mehr wissen. Die malerische Landschaft und die niedlichen Monster auf dem Weg machen Lust auf ein fröhliches Abenteuer, doch schnell kippt die Stimmung. Anstatt euch zu helfen, eröffnet der König euch, das ihr ein Kind des Teufels seid und gibt euch die Verantwortung für die Zerstörung des Nachbarkönigreichs vor 16 Jahren. Und prompt landet der Held im Gefängnis. Lange währt die Haft zum Glück nicht, denn mit Hilfe des ebenfalls gefangenen Diebes Camus gelingt euch die dramatische Flucht vor den Rittern des Königs. So beginnt die epische Geschichte um die Suche nach der Wahrheit und kaum etwas ist dabei so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Dragon Quest-typisch sind die Monster herrlich kreativ gestaltet und toll anzusehen, viele sind fast schon zu witzig und sympathisch um sie zu verprügeln. Quelle: PC Games Dragon Quest-typisch sind die Monster herrlich kreativ gestaltet und toll anzusehen, viele sind fast schon zu witzig und sympathisch um sie zu verprügeln.

Welt der Wunder

Die Welt von Dragon Quest 11 ist extrem detailliert und liebevoll gestaltet. Lichteinfall, Vegetation und Felsstruktur sorgen für ein überzeugendes Gesamtbild und viel Atmosphäre. Quelle: PC Games Die Welt von Dragon Quest 11 ist extrem detailliert und liebevoll gestaltet. Lichteinfall, Vegetation und Felsstruktur sorgen für ein überzeugendes Gesamtbild und viel Atmosphäre. Dragon Quest 11 zeigt von Anfang an Größe. Auf eine klassische Oberwelt, auf der ihr in verändertem Maßstab von Stadt zu Stadt und von Dungeon zu Dungeon lauft wird ganz ähnlich schon bei Dragon Quest 8 verzichtet, alles ist hier aus einem Guss. Das Spiel schickt euch raus in die Welt, auf das ihr die weiten Felder, hohen Berge und tiefen Schluchten erkundet. Und das macht Spaß! Saftig grüne Wiesen, atemberaubende Aussichten, karge Wüsten, ewiges Eis ... die Landschaften sind nicht nur abwechslungsreich, sondern auch noch wunderbar von Hand gestaltet und arrangiert. Alleine schon das Wandern macht Laune und die vielen liebevollen Details - hier ein kleiner Wasserfall, dort eine blühende Wiese - machen es noch besser. In den Städten folgt ihr dem Tagesablauf der Bewohner und betrachtet Episoden aus deren Leben. Mal beobachtet ihr spielende Katzen, mal werdet ihr Zeuge lustiger Streitereien zwischen Paaren, die sich auch mal zu ganzen Nebenquests ausweiten können.

Euer erster Verbündeter ist der Dieb Camus. Ihr lernt ihm im Kerker kennen und er hilft euch bei der Flucht. Camus greift bevorzugt mit Dolch oder Bumerang an. Quelle: PC Games Euer erster Verbündeter ist der Dieb Camus. Ihr lernt ihm im Kerker kennen und er hilft euch bei der Flucht. Camus greift bevorzugt mit Dolch oder Bumerang an.

Auch die Monster im Feld führen ein eigenes Leben. Sie laufen nicht einfach nur stur durch die Gegend, sie spielen, streiten und schlafen und ihr fühlt euch fast schon schuldig, wenn ihr der Säbelzahnkatze nachts einen vor den Latz haut. Das Reiten beschränkt sich nicht nur auf Pferde. Manchmal entdeckt Ihr ein leuchtendes Monster auf dem Feld oder sogar im Dungeon und wenn dieses besiegt wird, dann darf es als Reittier genutzt werden und eröffnet neue Möglichkeiten, die Gegend zu erkunden. Mechanische Eier auf Beinen springen manch eine Klippe hinauf und die Riesenwespe trägt Euch über vorher unüberwindbare Gewässer. So erkundet ihr ganz neue Abschnitte der Welt und findet auch mal Truhen und seltene Materialien. Und noch ein kleines, aber sehr spaßiges Detail: Galoppiert Ihr hoch zu Ross durch die Pampas, kickt Ihr kleinere Monster einfach aus dem Weg um unnötige Kämpfe vermeiden. Das macht diebisch viel Spaß und eine Trophäe gibt's auch noch dazu.

Dragon Quest 11 räumt auf mit der Betulichkeit manch einer früheren Episode: Auf der Flucht vor einem dicken Drachentier entkommen der Held und Camus dem feurigen Atem in letzter Sekunde. Quelle: PC Games Dragon Quest 11 räumt auf mit der Betulichkeit manch einer früheren Episode: Auf der Flucht vor einem dicken Drachentier entkommen der Held und Camus dem feurigen Atem in letzter Sekunde.

Klassische Keilerei

Im Verlauf des Abenteuers besucht ihr viele verschiedene Gegenden. Dieses Dorf ist an die japanische Architektur angelehnt, am oberen Ende der Treppe findet ihr einen prächtigen Tempel. Quelle: PC Games Im Verlauf des Abenteuers besucht ihr viele verschiedene Gegenden. Dieses Dorf ist an die japanische Architektur angelehnt, am oberen Ende der Treppe findet ihr einen prächtigen Tempel.

Auch Kämpfe finden direkt in der Landschaft statt, nur in schmalen Fluren kämpft Ihr in einer separaten Arena um unübersichtliches Gerangel zu vermeiden. Monster sind stets sichtbar, schlagt Ihr direkt zu, dürft Ihr schon vor Kampfbeginn etwas Schaden verteilen und ohne lange Ladezeiten oder Kamerafahrten startet der Schlagabtausch. Auch wenn ihr mehr Leute in eurer Gruppe habt, kämpft ihr stets zu viert in den rundenbasierten Gefechten und während früher jede Aktionen am Anfang der Runde bestimmt wurde, wird nun jede Figur erst dann befehligt, wenn sie auch an der Reihe ist, so könnt ihr schneller und flexibler auf gefährliche Situationen reagieren. Serienmäßig werden eure Mitstreiter von einer künstlichen Intelligenz gesteuert die im Kampf gegen gemeines Kleinvieh auch gute Arbeit leistet, bei Bosskämpfen solltet Ihr aber doch lieber auf manuelle Steuerung umschalten, um mehr Kontrolle über den Kampf zu behalten. Selbstverständlich könnt ihr auch im Rest des Spiels die KI komplett deaktivieren und so die volle Kontrolle über das Team übernehmen. Spezialangriffe und Magie sind ein wichtiger Bestandteil des Kampfsystems, so können einige Teammitgliedern bestimmten Monstern, wie Vögeln, oder Untoten, besonders viel Schaden zufügen oder sie mit Schlaf- oder Charme-Attacken zeitweise außer Gefecht setzen. Das Sahnehäubchen sind die Overdrives.

Auch trockene Gegenden stehen auf eurem Reiseplan. Hier findet ihr beeindruckende Felsformationen und eine stark befestigte Stadt. Quelle: PC Games Auch trockene Gegenden stehen auf eurem Reiseplan. Hier findet ihr beeindruckende Felsformationen und eine stark befestigte Stadt. Auf manchem Monster könnt ihr nach einem Sieg reiten. Dieses Klappergerippe hilft euch, bestimmte senkrechte Wände zu erklimmen. Quelle: PC Games Auf manchem Monster könnt ihr nach einem Sieg reiten. Dieses Klappergerippe hilft euch, bestimmte senkrechte Wände zu erklimmen. Im Gegensatz zu den klassischen Superangriffen in anderen Spielen lassen sich diese Mega-Manöver nur im Team durchführen. Zwei bis drei Kämpfer müssen dafür im Overdrive-Modus sein und abhängig davon, mit wem ihr die Technik ausführt, kommen verschiedenen Resultate zustande. Der Held und Camus richten zusammen hohen Schaden an und klauen dem angegriffenen Monster einen Gegenstand, während die Schwestern Veronica und Senya gemeinsam mit dem Helden das Team heilen und die Verteidigungswerte erhöhen. Oder ist euch ein Tänzchen zusammen mit Sylvia lieber um die Gegner zu bezirzen? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und sorgen für noch mehr Flexibilität und Kontrolle über das Geschehen. Dennoch ist gerade in der ersten Hälfte des Spiels der Schwierigkeitsgrad gerade im Vergleich zu früheren Teilen der Serie eher niedrig und das Autosave-System stellt ein sicheres Auffangnetz dar, falls denn doch einmal etwas schiefgehen sollte. Wollt ihr mehr Herausforderung, dann bietet euch das Spiel entsprechende Optionen, den Schwierigkeitsgrad anzuheben. Dennoch solltet Ihr Dragon Quest 11 nicht unterschätzen. Besonders ab der zweiten Hälfte haben es einige Monster und Bosse faustdick hinter den Ohren und können das Team sehr schnell zerlegen. Meistens hilft bereits eine andere Strategie im Kampf, lästiges Grinden ist im Gegensatz zu den Vorgängern nicht nötig - vorausgesetzt freilich, Ihr geht nicht zu vielen Kämpfen aus dem Weg.

Viel Flexibilität

Row und Martina lernt ihr in einem Kampfturnier kennen - nach einem furiosen Match schließen sich euch die beiden an und punkten mit schlagkräftigen Argumenten. Quelle: PC Games Row und Martina lernt ihr in einem Kampfturnier kennen - nach einem furiosen Match schließen sich euch die beiden an und punkten mit schlagkräftigen Argumenten. Auch bei Ausrüstung und Skillsystem setzt Dragon Quest 11 auf Flexibilität. Die Statuswerte erhöhen sich mit jedem Stufenanstieg von selbst, doch ebenso bekommt Ihr Talentpunkte, die frei verteilt werden dürfen. So lernt der Held mit schweren Zweihändern umzugehen oder spezialisiert sich auf Schwert und Schild. Oder aber Euch ist Magie wichtiger und ihr steckt alle Punkte in den magischen Skilltree. Ihr verdient genug Punkte, um für jeden Kämpfer jeweils zwei Varianten auszubauen und oft führen die dann zu mächtigen Kombofähigkeiten. Die wollen allerdings erst freigeschaltet werden, indem ihr die umliegenden Skills alle erlernt. Doch keine Sorge: Falls Euch der einmal eingeschlagene Weg nicht gefällt, dann dürft ihr bei etwa der Halbzeit des Abenteuers alle verteilten Talentpunkte neu verteilen. Das dürft ihr an den großzügig verteilten Speicherpunkten gegen einen kleinen Obolus übernehmen.
Was für eine Idylle! Die Wiese steht in voller Blüte, in der Entfernung steht ein Leuchtturm... doch trotzdem brauen sich schlimme Dinge in der Welt von Dragon Quest 11 zusammen. Quelle: PC Games Was für eine Idylle! Die Wiese steht in voller Blüte, in der Entfernung steht ein Leuchtturm... doch trotzdem brauen sich schlimme Dinge in der Welt von Dragon Quest 11 zusammen.
Eure Reise verschlägt euch auch in die Tiefen des Meeres. Hier lernt ihr eine ziemlich königliche Meerjungfrau kennen. Quelle: PC Games Eure Reise verschlägt euch auch in die Tiefen des Meeres. Hier lernt ihr eine ziemlich königliche Meerjungfrau kennen. Oft drückt Euch das Spiel Rezepte in die Hand, mit deren Hilfe Ihr im Camp am magischen Amboss Ressourcen in Equipment umwandelt. Und da Geld oft eher knapp bemessen ist, kommt diese kostenlose Möglichkeit aufzurüsten gerade recht. Und während solche Crafting-Elemente in manch anderen Spielen schnell nerven, wurde hier in ein amüsantes Minispiel draus gemacht, bei dem Ihr hammerschwingend versucht, die einzelnen Bereiche der Gegenstands in Form zu schlagen. Wenn Ihr das gut hinbekommt, kommt der Gegenstand verstärkt aus der Schmiede. Alle gekauften Ausrüstungsgegenstände können so optimiert werden, dnd da dabei nichts verloren gehen kann macht das Crafting-Element zu einer enorm spaßigen und gelungenen Ergänzung. Auch viele der optionalen Kostüme lassen sich nur so erstellen, so könnt ihr Euer komplettes Team umziehen und statt einem klassisch gewandeten Heldengespann laufen plötzlich Tänzer mit Pfauenschwanz, Bunnygirls, ein Piraten oder Schulmädchen durch die Gegend und verkloppen Monster - und in den Zwischensequenzen sind die neuen Outfits auch oft für einen Lacher gut.

Die Sprachbarriere

Auch als Fisch seid ihr unterwegs. Was mag euch der Hai wohl zu erzählen haben? Zum Glück ist euch der große Knorpelfisch wohlgesonnen. Quelle: PC Games Auch als Fisch seid ihr unterwegs. Was mag euch der Hai wohl zu erzählen haben? Zum Glück ist euch der große Knorpelfisch wohlgesonnen. Pünktlich zum Japanischen Release kündigte Square Enix die Lokalisation von Dragon Quest 11 an - allerdings wurde dabei nicht gesagt, welche Version genau den Weg zu uns finden soll: Neben der hier getesteten PS4-Version gibt es das Spiel in Japan auch noch für den 3DS, die Handheld-Fassung verkauft sich dort nicht zuletzt wohl dank optionalem 16Bit-Look sogar noch besser als die grafisch üppige PS4-Version, auch eine Switch-Umsetzung ist gerade in Arbeit. Und tatsächlich ist es vielleicht keine schlechte Idee, auf die lokalisierte Fassung zu warten. Denn seit der Veröffentlichung von Dragon Quest 8 (PS4) wurden die westlichen Versionen fast immer verbessert. Beispielsweise mit unglaublich charmanter Sprachausgabe oder einem orchestralen Soundtrack. Auch die Sprachbarriere sollte hier nicht unterschätzt werden. Anstatt Euch an die Hand zu nehmen, wie es in modernen Spielen oft üblich ist, wird hier auf direkte Questmarker verzichtet und der Spieler muss selbst den Weg zum nächsten Ziel finden, auch manch eine wichtige Option, beispielsweise die Deaktivierung der Party-KI sind so gut versteckt, dass man sie ohne Anleitung oder Sprachkenntnisse kaum findet. Das führt zu manch einem unklaren Moment, außerdem entgeht euch natürlich viel vom Charme des Spiels, denn der rundum gelungene Humor kommt gerade in den Dialogen zwischen den Helden oder mit manchem Monster zum tragen.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Dragon Quest 11 (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
wunderschöne Welttoller Humorflexibles KampfsystemHeldenstory neu interpretiert
blecherner MIDI-SoundtrackCutscenes können nicht übersprungen werdenkeine SprachausgabeEU-Veröffentlichung noch weit entfernt
Fazit

Dragon Quest ist das klassischste aller japanischen Rollenspiele – und das ist im Jahre 2017 eine echte Stärke.

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