Dream Daddy: A Dad Dating Simulator im Test - (Um) Vater werben ist nicht schwer

Test Katharina Pache
Nach und nach lernt ihr eure heißen Nachbarschafts-Daddys kennen.
Quelle: Game Grumps

Papa sucht Papa: In Dream Daddy - A Dad Dating Simulator kommt ihr als alleinerziehender Vater sieben anderen Vätern näher. Sehr nahe. Wir haben die Visual Novel getestet und jede Menge Daddys gedatet. Bei unserer virtuellen Tochter möchten wir uns entschuldigen.

Väter. Jeder hat einen. Aber wollen wir auch Vater sein und Vater daten? Falls euch diese Frage genauso sehr wie uns auf den Lenden brennt, besteht nun auf der Switch (auf dem PC und der PS4 ist die Dating-Sim bereits 2017, respektive 2018 erschienen) die Möglichkeit, bislang unentdeckte Facetten der eigenen Sexualität auszuleben. Und hier ist wirklich alles Daddy: Wir spielen einen alleinerziehenden Vater, den wir selbst am Anfang des Abenteuers erstellen. Vom ultimativen "Dadbod" zum schmächtigen Strich in der Landschaft, von der Son-Goku-Gedächtnisfrisur über frivole Schnurrbärte, glitzernde Anime-Augen, Piercings und einer hohen Anzahl geschminkter Lippen können wir unseren Daddy so wirklichkeitsgetreu oder -fern gestalten, wie es uns beliebt. Nicht zu empfehlen ist es allerdings, die Spielfigur wirklich dem eigenen Vater nachzuempfinden - das fühlt sich beim Spielen doch recht seltsam an.

Choose me daddy

Alle Daddys von Dream Daddy Quelle: Game Grumps Von links nach rechts: Robert, Damien, Hugo, Joseph, Craig, Mat und Brian Mit unserer Teenie-Tochter ziehen wir zu Beginn des Spiels in eine neue Stadt. Unser neues Heim liegt am Ende einer Sackgasse im wahrsten Sinne des Wortes: Um uns herum wohnen sieben Väter, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Für euren Komfort listen wir die verfügbaren Daddys und ihre (nicht ganz ernst gemeinten) Vor- und Nachteile auf:

  • Brian: Typ "Bär", mag klassische Papa-Sachen wie Angeln oder weiße Unterhemden, hat einen Corgi und eine zehnjährige, hochbegabte Tochter
    PRO: So einen Daddy hätte jeder gerne
    CON: Rote Haare
  • Craig: Typ "Kumpel", alter College-Freund, extrem fit, muss er aber als geschiedener Vater von drei Kindern wohl auch sein
    PRO: Motiviert euch, gesünder zu leben
    CON: Motiviert euch, gesünder zu leben
  • Damien: Typ "My Immortal", trägt ernsthaft einen Umhang, kauft bei Hot Topic ein, hat eine Schmetterlingssammlung und einen rebellischen Teenie-Sohn
    PRO: Lebt in einer Villa
    CON: Sammelt erotische Naruto-Fanfiction
  • Hugo: Typ "Nerd", Englisch-Lehrer unserer Tochter, liebt Literatur und Wrestling, sein aufmüpfiger Sohn raucht heimlich E-Zigarette
    PRO: Sehr gebildet
    CON: Erklärt diese Beziehung mal eurer Tochter
  • Joseph: Typ "Flanders", ist Jugendpastor, verheiratet und hat vier Kinder, sehr fromm, dürfte in seiner Vergangenheit als Seemann aber Erfahrungen mit der einen oder anderen Sünde gesammelt haben
    PRO: Bedient den beliebten Priester-Fetisch
    CON: Mordlustig wirkende Ehefrau
  • Mat: Typ "Träumer", schüchterner Barista, Musik-Liebhaber und Witwer, hat eine Tochter
    PRO: Macht super Kaffee
    CON: Reißt die schlechtesten Wortwitze
  • Robert: Typ "Bad Boy", liebt Lederjacken, Whiskey und Messer, hat eine erwachsene Tochter
    PRO: Fähiger Lügner und Taschendieb
    CON: Mag Ananas auf Pizza

Daddy Cool

Kurz nach dem Umzug besuchen wir verschiedene Orte in der Kleinstadt und nehmen an diversen Veranstaltungen bei. So lernen wir die unterschiedlichen Daddys zum ersten Mal kennen. Später bestimmen wir selbst, mit wem wir unsere Zeit verbringen wollen, indem wir über die Social-Media-App Dadbook mit unseren Bekannten chatten. Außerdem widmen wir unserer Tochter Amanda Aufmerksamkeit, die von den typischen Teenie-Problemen geplagt wird (Stress mit der besten Freundin, Schwarm ist schon vergeben, an welche Uni soll ich gehen). Befremdlicherweise hat Amanda großes Interesse daran, uns mit den heißen Daddys der Nachbarschaft zu verkuppeln.

Damien hat eine Vorliebe für seltene Bücher, wie etwa diese erotische Naruto-Fanfiction. Quelle: Game Grumps Sätze, die man nicht lesen möchte. Nach drei Dates mit dem Auserwählten erhalten wir das gute oder schlechte Ende der gemeinsamen Geschichte. Unser Schicksal hängt vor allem davon ab, ob wir die korrekten Antworten in Dialogen wählen. Während die richtige Reaktion meistens auf der Hand liegen (immerhin steht in den Dadbook-Profilen recht genau, welche Interessen und Vorlieben unsere Daddys haben), sind die Minispiele eine ganz andere Nummer. Das Minigolf-Game erfordert übermenschliche Reaktionsfähigkeit, beim Zusammensetzen eines zerbrochenen Gargoyles in Damiens Garten konnten wir überhaupt nicht mit den Bruchstücken interagieren - vermutlich ein Bug, aber auf jeden Fall ärgerlich, denn unsere Performance in diesen Spielchen fließt ebenfalls in die abschließende Wertung des Dates mit ein. Wer unbedingt möchte, kann die Mini-Games auch vom Hauptmenü aus direkt spielen. Anders als in komplexeren Dating Sims brauchen wir keine Geschenke besorgen oder irgendwelche Werte steigern, es gibt kaum Möglichkeiten, sich Story-Routen durch Entscheidungen zu verbauen.

Daddy Issues

Ein wichtiger Punkt bei Visual Novels sind die Texte. Dream Daddy befindet sich in der Zwickmühle, dass es einerseits alberne Späße, Dad-Humor und jede Menge Anspielungen liefern, sich aber nicht per se über die Thematik lustig machen möchte. Die meiste Zeit balanciert die Dating-Simulation tatsächlich erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen Persiflage und Ernsthaftigkeit. Insbesondere die Dialoge mit unserer Tochter jedoch wirken wenig authentisch, trotz der Bemühungen des Autoren-Duos. Gute Englischkenntnisse sind auf jeden Fall ein Muss. Genre-typische Optionen wie automatisch ablaufender Text oder ein Verzeichnis der zurückliegenden Gespräche suchen wir vergebens, die Charaktere äußern sich lediglich mit Lauten, es gibt keine Vollvertonung.

Die Leiden des jungen Vaters

Das Adventure ist ein kompaktes Erlebnis und somit ziemlich das Gegenteil von umfangreichen, japanischen Visual Novels. Eigentlich möchten wir ja noch mehr über die Väter unserer Träume erfahren und mehr Zeit mit ihnen verbringen, aber nach den drei Dates ist Sense. Unbefriedigend! Für manche Spieler vielleicht ebenfalls enttäuschend: Die seltenen Momente, in denen es dann doch mal körperlich wird, präsentieren sich komplett jugendfrei und keusch. Die Charaktermodelle sind minimal animiert, sehen aber gut aus. Nicht so viel Hingabe wurde der Gestaltung der Hintergründe zuteil, die wirken oft, als stammen sie aus einem anderen Spiel, sie weisen perspektivische Fehler auf oder widersprechen im schlimmsten Fall dem, was gerade in der Textbox beschrieben wird.
In der PC- und PS4-Fassung gibt es einen Erfolg, alle 18 Löcher zu treffen. 0,4 Prozent aller Spieler haben das geschafft. Beeindruckend! Quelle: Game Grumps Viel Glück beim Minigolf-Spiel - ihr werdet es brauchen. Dream Daddy ist so schnell vorbei, wie es begonnen hat: Es ist möglich, in etwa fünf Stunden die Geschichte aller Dads mitsamt ihren drei Dates zu absolvieren. Dass die meisten Figuren überraschend ordentlich geschrieben sind, ist Fluch und Segen zugleich: Wenn man sich freut, seinem Dream Daddy endlich nahe gekommen zu sein, ist dessen Geschichte auch schon zu Ende. Goodbye Daddy!

Meinung

Wertung zu Dream Daddy: A Dad Dating Simulator (NSW)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Breitgefächerte Daddy-AuswahlViel HumorGutes Charakter-DesignEinzigartiges Setting
Wenig UmfangMiese MinispieleKeine deutschen TexteBleibt stets ziemlich oberflächlich
Fazit

Außergewöhnliche Visual Novel mit viel Humor, aber überschaubarem Umfang

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