Dying Light 2 im Test: Darum reicht es nicht zum Meisterwerk - jetzt mit Video-Review

Test Felix Schütz David Benke
Dying Light 2 im Test: Darum reicht es nicht zum Meisterwerk - jetzt mit Video-Review
Quelle: PC Games

Im Test entpuppt sich Dying Light 2 als schwieriger Patient: Einerseits liefert Techland eine schicke Open World, tolle Parkour-Action und zig spannende Highlights. Doch nervige Story-Schnitzer und monotones Gameplay ziehen das Erlebnis auch immer wieder runter. Warum uns Dying Light 2 trotzdem gut gefallen hat, klären wir im Review. Update: Jetzt auch mit großem Test-Video!

Brutale Action, Rollenspiel-Elemente, eine stimmige Open World und vor allem: tonnenweise Zombies. Mit diesen Zutaten bewies Techland vor elf Jahren den richtigen Riecher, Dead Island entpuppte sich damals als echter Überraschungshit. Seitdem hat sich das polnische Team deutlich ehrgeizigere Ziele gesetzt, die Ankündigung von Dying Light 2 sorgte 2018 für Aufsehen. Doch die Entwicklung verlief nicht rund, das Zombie-Epos verschwand über Jahre hinweg regelrecht in der Versenkung. Nun, nach langer Funkstille und mehreren Verschiebungen, ist das Action-RPG aber doch noch fertig geworden und wir klären im Test, ob es die hohen Erwartungen erfüllen kann.

Dying Light 2 (jetzt kaufen 39,99 € ) baut deutlich auf dem indizierten Vorgänger auf und verfeinert die Formel eher, anstatt sie neu zu erfinden: Ihr seid wieder in einer offenen Stadt unterwegs, die ihr im Freerunner-Stil erkunden dürft. Dazu gesellen sich wieder deftige Nahkämpfe gegen Zombie-Horden und brutale Banditen. Und dann sind da noch die Rollenspielelemente, wie Levelaufstiege, Beute sammeln, Crafting und so weiter - das alles dürfte Techland-Kennern ein Begriff sein. Die größte und wichtigste Neuerung ist aber die Story, die mit spannenden Entscheidungen und dramatischen Auswirkungen punkten will.

Vorab hatten die Entwickler außerdem satte 500 Stunden Spielzeit angekündigt. Und auch wenn dieser Wert völliger Quatsch ist, fällt das Zombie-Action-RPG erfreulich umfangreich aus. Ein Koop-Modus ist ebenfalls an Bord und zu allem Überfluss erscheint Dying Light 2 in Deutschland auch noch in einer leicht geschnittenen Version. Für unseren Test waren das jede Menge Stolpersteine, darum haben wir Dying Light 2 gleich zwei Mal durchgespielt, verschiedene Story-Entscheidungen ausprobiert und dabei mehr als 100 Stunden in das Spiel gesteckt.

UPDATE #2: In unserem Test findet ihr jetzt auch einen Video-Vergleich zwischen deutscher und englischer Sprachausgabe. Hier könnt ihr direkt zum Video springen. Außerdem erklären wir, wie man in Deutschland ohne Probleme die ungeschnittene PC-Version von Dying Light 2 kaufen kann.

UPDATE #1: Das Test-Video ist da!
Unseren Test zu Dying Light 2 gibt's jetzt auch mit extra großem Video-Review. Auf unserem Youtube-Kanal könnt ihr euch den Beitrag auch in 4K-Auflösung anschauen. Außerdem haben wir auf der dritten Artikelseite noch einen Video-Grafikvergleich für euch.

Villedor: Leben in der Totenstadt

Um Dying Light 2 zu kapieren, müsst ihr den Vorgänger nicht unbedingt kennen, denn die Handlung setzt etwa 15 Jahre später ein. Die Zombie-Infektion hat sich mittlerweile über die ganze Welt ausgebreitet, nur noch eine Großstadt namens Villedor ist als letztes Zentrum übriggeblieben. Dieser frei erkundbare Schauplatz ist Techland ausgesprochen stimmungsvoll gelungen, mit liebevollem Umgebungsdesign, malerischen Sonnenuntergängen und jeder Menge NPCs, die sich überwiegend auf den Hausdächern niedergelassen haben. Das Setting ist zwar nicht immer glaubwürdig, wenn die Leute da so gemütlich ihre Salatbeete pflegen, während einem aus den Gassen blutrünstige Zombies entgegenfauchen, doch der Atmosphäre tut das in der Regel keinen Abbruch.
Dying Light 2 im Test (PC) Quelle: PC Games Dying Light 2 im Test (PC) Ihr spielt den neuen Helden Aiden, einen heimatlosen Einzelgänger, der das Land auf der Suche nach seiner Schwester durchstreift und schließlich Villedor erreicht. Dort gerät er zwischen die Fronten von zwei Fraktionen, die um die Führung der Stadt ringen. Es wirkt zwar angesichts der Lage (Weltuntergang und so) irgendwie albern, aber früher oder später müsst ihr Partei ergreifen und für eine der beiden Seiten arbeiten, um eure Ziele zu erreichen. Dabei gelingt es den Autoren meistens, klassische gut-böse-Klischees zu vermeiden, einfach weil jede Seite ein bisschen Dreck am Stecken hat. Die Hauptgeschichte punktet außerdem mit ein paar richtig spannenden Skript-Sequenzen, überraschenden Wendungen, massig Dialogen und toll inszenierten Charakteren - da geht Techland also diesmal richtig in die Vollen.

Licht und Schatten

Spätestens zum Ende der Hauptquest zeigen sich aber auch deutliche Kritikpunkte. Allen voran ein unpassender Bösewicht, dem wir seine Motivation zu keinem Zeitpunkt richtig abgekauft haben. Auch der Schlussakt fällt eher enttäuschend aus, das Finale haben wir (trotz mehrerer möglicher Endsequenzen) als unbefriedigend empfunden. Ab und zu hatten wir auch den Eindruck, als hätten die Autoren eigentlich mehr geplant und mussten zwischendurch ein paar Sachen streichen oder zusammendampfen. Die Hauptquest unterhält zwar trotz allem noch gut, erfüllt aber einfach nicht die hohen Erwartungen, die es in seinen ersten Spielstunden weckt.

Dafür sorgen aber zumindest knifflige Entscheidungsmomente immer wieder für Spannung. Dabei spaltet sich die Story sogar an mehreren Punkten auf, teilweise begegnet man sogar völlig anderen Questreihen und Auftraggebern oder erlebt wichtige Ereignisse aus einer anderen Perspektive. Dabei können auch wichtige Charaktere draufgehen, manche Missionen laufen anders ab und sogar das Stadtbild zeigt am Ende ein paar deutliche Spuren. Ziemlich cool!
Dying Light 2 im Test (PC) Quelle: PC Games Dying Light 2 im Test (PC) Trotzdem fühlt sich Dying Light 2 letztendlich nur wie ein Rollenspiel light an. Das hat auch mit Aiden selbst zu tun: Er ist im Grunde nur ein netter, hilfsbereiter Kerl, daran lässt sich nichts ändern. Man darf also nie aus richtig unterschiedlichen Antworten wählen, auch mal zynisch, schlagfertig oder richtig gemein sein. Oft bleibt nur die Wahl zwischen A oder B, diplomatische Mittelwege oder moralische Grauzonen gibt es so gut wie gar nicht. Wie schade, dass sich die Entwickler hier nicht mehr von Spielen wie Vampire: Bloodlines oder Fallout 3 abgeschaut haben!

Bildergalerie

Weniger ist manchmal mehr

Neben der rund 25 Stunden langen Hauptquest gibt's noch eine Riesenladung Nebenaufgaben, die ihr nach Belieben lösen oder ignorieren könnt - in unserer Spielzeit hatten wir nämlich nie den Eindruck, dass die Sidequests nennenswerte Auswirkungen haben. Trotzdem müssen auch hier immer wieder kleine Entscheidungen getroffen werden und man lernt zig unterschiedliche Charaktere kennen. Also gar nicht übel! Leider gibt's aber auch ein paar richtige Nieten, zum Beispiel wenn sich eine Nebenquest nur um zwei Frauen dreht, die sich ums Haarewaschen zanken. Oder wenn wir ziemlich sinnbefreit Essen ausliefern. Oder wenn wir für einen Maler seltenes Zombieblut beschaffen müssen, einfach nur weil er die Farbe so hübsch findet. Das wirkt schlichtweg unpassend und beißt sich mit dem Rest des Spiels, das eher auf ernste Themen setzt.

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