Eine vielleicht etwas kurze aber grandios unterhaltende Reise durch die atemberaubende Zukunftsvision von Ninja Theory.
Quelle: Namco Bandai
Enslaved: Odyssey to the West
Apropos Präsentation: Wie auch in "Heavenly Sword" legt das Team viel Wert in eine glaubwürdig erzählten Geschichte. Die tragischen Schicksale der beiden Hauptakteure sind zwar nicht sonderlich tiefgründig, doch dank hervorragender Gestiken, perfekter Mimik und auch zu Deutsch gelungener Sprachausgabe kauft man den Helden jedes Wort ab. Wenn die gute Trip mit schier herzzerreißender, zittriger Stimme auf den bebenden Lippen dem Zusammenbruch nahe ist und Monkey trotz seiner behäbigen Hände behutsam versucht, die zierliche Partnerin zu trösten, fühlt man sich geradezu ins Theater versetzt. Nicht verwunderlich, wird der muskelbepackte Monkey vom Schauspieler und Regisseur Andy "Gollum" Serkins per Motion Capturing gespielt, welcher auch schon König Bohan in "Hevenly Sword" leben einhauchte. Auch der später erst auftauchende Charakter Pigsy soll nicht unerwähnt bleiben, welcher grandios gespielt wird, reichlich Humor parat hat und etwas Unruhe zwischen den beiden Turteltäubchen stiftet. Untermauert wird das Abenteuer mit einem absolut gelungenen Soundtrack (der Special Edition beiliegend), welcher mal pompös aus den Boxen dröhnt, mal seicht die Situation unterstreicht!
Quelle: Namco Bandai
Enslaved: Odyssey to the West
Doch kann der Titel spielerisch halten, was er optisch uns auf jeden Fall schon verspricht? Gerade die überwucherten Häuserschluchten der Metropole, später die Windmühlen und einschüchternd riesigen Supermechs auf dem Friedhof laden zu ausgiebigen Erkundungstouren ein. Monkey klettert affenartig die Wände empor, hält sich dabei an schmalen Vorsprüngen fest und schwingt fast schon federleicht von einer Stange zum nächsten Baum. Die Kamera fängt seine akrobatische Klettereinlagen mit atemberaubenden Panoramasichten und flotten Schnitten gekonnt ein und erzeugen eine gute Stimmung. Schief gehen kann eh nichts, denn die Wege sind vorgegeben und der Hüne wird unvermittelt ins Straucheln kommen und kurz vor dem Abgrund noch das Gleichgewicht finden, wenn eine unüberwindbare Passage angepeilt wird. Nur selten versuchen die Entwickler den Spieler aus dem Konzept zu bringen, indem ein Teil des Kletterparks unter den Fingern und Füßen wegzubrechen droht und ihr unter Zeitdruck eine sichere Plattform erreichen müsst.
Wer nicht hören will, muss fühlen ...
Quelle: Namco Bandai
Enslaved: Odyssey to the West
Mit Fingerspitzengefühl, just in dem Moment, wo die Prinzenpfade zu langweilen beginnen, wandelt sich das Szenario und Monkey muss seine Muskeln anderweitig einsetzen und mächtigen Mechs das Fürchten lehren. Die zierliche Trip versteckt sich dabei gerne und überlässt ihrem treuen Wachhund die Drecksarbeit. Das Kampfsystem - abermals mit genialen, cineastischen Perspektiven ins rechte Licht gerückt - mit dem rasanten Stab mag nicht sonderlich tiefgründig sein, dennoch muss sich auch Monkey mit Schild, Ausweichrolle und Konterangriffen vor so mancher Gegenattacke retten. Denn ganz auf den Kopf gefallen sind diese Maschinen nicht, manche greifen mit einer heftigen Schockwelle an, andere sind bis an die Metallzähne hin mit Ballermännern bewaffnet. Bisweilen zeigt sich ein Schwachpunkt und mittels eines brutalen Finishers werden die Viecher in ihre Einzelteile zerlegt und das eigene Abwehrsystem gegen die Kollegen gerichtet.
Enslaved: Odyssey to the West
Mit der erbeuteten Kanone in der Hand, ballert man jeden Blechsoldaten über den Haufen - da kommt dann auch der Schwierigkeitsgrad geradezu ins stottern und muss sich der rohen Gewalt dieses Mannes beugen. Ansonsten kann es nämlich ziemlich happig werden, sobald sich mehrere Schergen gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln und man unermüdlich mit Ausweichen und Gegenattacken beschäftigt ist. Das Herz rutscht dem guten Monkey zuletzt aber dann in die Hose, wenn turmhohe Gegner wie der "Hund" oder das "Rhinozeros" gefährlich ihre Zähne fletschen und mit atemberaubender Geschwindigkeit nach euch schnappen. Die Bosskämpfe, auch wenn Ninja Therory hier durchaus zu oft den Recycling-Container in Anspruch nimmt, stellen dank ihrer taktischen und rätseltechnischen Einlagen die absoluten Highlights in der Auseinandersetzung mit den mechanischen, regierenden Wesen und den Menschen dar. Vor allem der finale Showdown hat es gewaltig in sich und lässt euch mit offenen Mündern und zitternden Fingern auf dem Sofa zurück.
Einen gewaltigen Haken wollen wir dabei aber nicht unterschlagen: Den Kameramann! Während sein Personal vor der Kamera glanzvolle Arbeit verrichtet, schafft dieser es nicht, im Kampfgetümmel den Überblick zu wahren. Nicht selten dreht man Däumchen während der langen Ladepausen für den letzten Speicherpunkt, welcher aufgrund seiner miesen Mitarbeit geladen wird - daran müssen die Entwickler auf jeden Fall noch gewaltig feilen!
Ein Fall für zwei
Enslaved: Odyssey to the West
Wahrlich unbeschreiblich ist aber die Tatsache, dass alles wie aus einem Guss und überhaupt nicht aufgesetzt wirkt. Ein Bosskampf kann unvermittelt auf dem Plan stehen, bisweilen kündigt sich dieser auch über einige Level hinweg schon an, weil Trip & Monkey gemeinsam immer und immer wieder dem Gegner ein Schnippchen schlagen, zuletzt aber doch in die Falle tappen. Auch die tollen Fähigkeiten des Stirnbandes sind nicht zu verachten, doch diese kann Monkey erst nutzen, wenn Trip ein wachsames Auge an eine Libelle gebastelt hat. Diese sendet sie immer wieder aus, um die Gegend vorab zu infiltrieren, wichtige Punkte zu markieren und Feinde zu orten. Damit findet die bisher doch recht einseitige Beziehung - als "Dobermann" kümmert sich Monkey um die lästigen Gegner und erklimmt vormals unerreichbare Plattformen - ein gewisses Gleichgewicht, auch wenn Trip nur selten aktiv ins Geschehen eingreift.
