Epic gegen den Rest der Welt: Es geht doch immer nur ums Geld - Meinung

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Epic gegen den Rest der Welt: Es geht doch immer nur ums Geld - Meinung
Quelle: Epic Games

Unter dem Streit zwischen Epic und Apple und Google erbebte die Spielebranche. Am Ende jedoch offenbart dieser Zwist nur das Schlechteste: Denn hier geht's weder um Freiheit noch um Spielspaß oder den Kunden selbst. Sondern einzig und allein ums Geld.

Der neue Trend im Online-Auktionshaus Ebay: iPhones mit einer vorinstallierten Version des Actionspiels Fortnite anbieten. Auf dem US-Marktplatz mäandern die Preise derzeit zwischen 1.000 und 3.000 Dollar. Der Rechtsstreit zwischen Epic und Apple treibt merkwürdige Stilblüten ... und das alles nur, weil sich zwei milliardenschwere Konzerne um die große Kohle kloppen.

Wir schreiben den 13. August 2020. Apple entfernt Fortnite aus dem App Store. Ja, DAS Fortnite. Und auch Google zieht nahezu zeitgleich nach. Die Begründung: Entwickler Epic Games verstößt gegen die Zahlungsrichtlinien dieser Plattformen. Denn Epic Games implementierte einen eigenen Bezahldienst in sein Battle-Royale-Zugpferd. Normalerweise schneiden sich Apple und Google nämlich eine dicke Scheibe der In-Game-Transaktionen ab. Im Falle von Apple sind dies etwa 30 Prozent des gemachten Umsatzes. Die Einnahmen gehen unter anderem für Wartungskosten und andere Services drauf.
So beginnt eigentlich jede Runde Fortnite: Ihr schwebt „gemütlich“ mit dem Gleitschirm aufs Spielfeld. Fortnite revolutionierte gemeinsam mit PUBG das Battle-Royale-Genre. <br> &nbsp; Quelle: Epic Games  So beginnt eigentlich jede Runde Fortnite: Ihr schwebt „gemütlich“ mit dem Gleitschirm aufs Spielfeld. Fortnite revolutionierte gemeinsam mit PUBG das Battle-Royale-Genre.
 

Epic Games kontert diese Maßnahme so, wie es nur im Jahr 2020 möglich ist: Mit einem aufmüpfig r ebellischen Fortnite-Video im Stil von George Orwells Dystopie 1984. Die Botschaft: Wir begehren gegen die Monopolstellung von Apple und Co. auf. Dabei hat das Unternehmen aus Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina mit den integrierten Bezahloptionen tatsächlich gegen die Plattformrichtlinien verstoßen. Noch schlimmer aber: Eigentlich geht's doch hier allen Parteien nur ums Geld. Und Epic Games instrumentalisiert die Spielerschaft auch noch für seine Zwecke!

Schluss mit lustig!
Moderne Unternehmen sind Weltmeister im Vorgaukeln einer heilen Welt; ihre Produktionen sind bunt, lustig und vor allem unterhaltsam. Wenn also plötzlich Marvel's Avengers in Fortnite auftauchen, dann hüpft bei Spielern das Fan-Herz höher. Die Köpfe hinter dem rund 1,8 Milliarden schweren US-Unternehmen Epic Games haben jedoch bereits die Dollarzeichen in den Augen.
Fortnite verbindet Aufbau-Elemente mit einem Third-Person-Shooter. Dieser Mix in Kombination mit der comicartigen Aufmachung machte es zum Welterfolg. <br> &nbsp; Quelle: Epic Games  Fortnite verbindet Aufbau-Elemente mit einem Third-Person-Shooter. Dieser Mix in Kombination mit der comicartigen Aufmachung machte es zum Welterfolg.
 
Steht hier wirklich noch der Spielspaß im Mittelpunkt? Nein, natürlich nicht. Und das ist vollkommen okay. Denn am Ende leben die Firmen und ihre Mitarbeiter natürlich von den Einnahmen, die die Titel generieren. Kostenlose Games wie eben Fortnite erzielen ihren Umsatz durch Mikrotransaktionen. Auch das ist ein ganz anderes Thema.

Weniger schlimm als die blanke Tatsache, dass sich hier gleich mehrere Megakonzerne um das große Geld streiten, ist der Fakt, dass Epic dies offensichtlich von langer Hand geplant hat und die Spielerschaft bewusst manipuliert, um das eigene Image aufzupolieren. Genau an dieser Stelle hört der Spaß auf!
Der einfachste Weg zu Fortnite führt aktuell am PC direkt über den Epic Store. Alternativ gibt es das Spiel weiterhin kostenlos für Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch. <br> &nbsp; Quelle: Medienagentur plassma Der einfachste Weg zu Fortnite führt aktuell am PC direkt über den Epic Store. Alternativ gibt es das Spiel weiterhin kostenlos für Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch.
 
William Wallace wäre stolz
Dieser Konflikt bringt das Schlechteste aus der gesamten Branche zum Vorschein. Der Spieler wird zum Spielball. Epic Games provozierte einen Shitstorm gegen die Anbieter, stellte das eigene Unternehmen aber zugleich als "Freiheitskämpfer" gegen die digitalen Diktatoren dar. Epic-Boss Tim Sweeney ließ im Zuge der Aktion #FreeFornite via Twitter vermelden, dass es nicht einfach nur um zwei milliardenschwere Unternehmen und um deren Zaster ginge. Vielmehr drehe sich der Konflikt "um die grundsätzliche Freiheit aller Kunden und Entwickler." Im gleichen Atemzug fügte er aber hinzu, dass es vollkommen okay wäre, sich über Geld zu streiten. Schließlich arbeiten seine Teams und Mitarbeiter hart an den Spielen. Im Anschluss wirft er den Mittelsmännern - also in diesem Fall Apple - vor, dass sie einen Keil zwischen Spieler und Entwickler trieben.

Letzteres lasse ich an dieser Stelle einfach mal so stehen. Fakt ist: Epic Games hat gegen die Richtlinien verstoßen. Und sich jetzt als Märtyrer und Freiheitskämpfer darzustellen, passt überhaupt nicht zu der kommerziellen Maschine, die die Fortnite-Macher rund um ihre eigene Marke aufgebaut haben. Schließlich geriet man ja bereits kürzlich aufgrund von Exklusivdeals mit Entwicklern im Zuge der Ausweitung des Epic Games Stores in die Schusslinie.
Wer in Googles Play Store den Suchbegriff „Fortnite“ eingibt, findet zunächst die werbefinanzierten Einträge zu Call of Duty: Mobile und PUBG. Erst danach folgen die noch übrigen Inhalte zum Spiel. <br> &nbsp; Quelle: Medienagentur plassma Wer in Googles Play Store den Suchbegriff „Fortnite“ eingibt, findet zunächst die werbefinanzierten Einträge zu Call of Duty: Mobile und PUBG. Erst danach folgen die noch übrigen Inhalte zum Spiel.
 
Letztlich kämpfen hier alle Beteiligten um ein Stück des Kuchens. Und dieses Stück sollte gefälligst möglichst groß ausfallen. Für den Konsumenten und passionierten Fan bedeutet das letztlich, dass er oder sie sich noch stärker mit dem Angebot auseinandersetzen muss: Wo bekomme ich meine Spiele überhaupt? Auf welchen Endgeräten kann ich sie noch nutzen? Was dem einen seine Freiheit, ist dem anderen sein Problem.

Bildergalerie

Wie geht's jetzt weiter?
Wer die App-Stores von Google und Apple aufruft, der sucht Fortnite weiterhin vergeblich. Tippt ihr gar in Googles Play Store als Suchbegriff "Fortnite" ein, tauchen ironischerweise als Erstes gekaufte Anzeigen von Call of Duty Mobile und PUBG auf. Epic Games reichte inzwischen Klage gegen Apples App-Store-Regeln ein, und auch das Bundeskartellamt hat ein waches Auge auf die dortigen Entwicklungen. Apple wurde schon häufig mit Monopolvorwürfen konfrontiert. So legte unter anderem der Musik-Streaming-Service Spotify Beschwerde bei der EU-Kommission wegen Verstößen gegen das Kartellrecht ein.

Wie der Rechtsstreit zwischen Epic Games und Apple ausgeht, bleibt abzuwarten. Allerdings hinterlässt die gesamte Geschichte derzeit nur Verlierer und vor allem einen faden Beigeschmack zurück. Klagen, öffentliche Streitigkeiten und letztlich auch Nachteile für die Spieler sind nicht wirklich das, was die Gaming-Industrie ausmachen sollte. Stattdessen kehrte diese Videospiel-Fehde das Schlechteste bei allen beteiligten Parteien hervor. In diesem Kampf gibt es keinen Sieger, sondern nur Verlierer - allen voran die Spieler, auf deren Rücken ein Teil des Konflikts ausgetragen wird.

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