Legendäre Sportspiele von Eypx: Wir brauchen ein neues Summer Games!

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Legendäre Sportspiele von Eypx: Wir brauchen ein neues Summer Games!
Quelle: Moby Games 

Als Sportspiele laufen lernten: Epyx' Summer Games gilt als Vorreiter der virtuellen körperlichen Ertüchtigung. Aber würde es auch heute noch funktionieren? Unser Autor Olaf Bleich erinnert sich an den C64-Klassiker und seine nicht minder kultigen Nachfolger zurück.

Ein deutsches Kinderzimmer, irgendwann Mitte der 80er-Jahre: Es ertönt das rhythmische Klicken der Competition-Pro-Joysticks, unterbrochen nur durch gelegentliches Schimpfen von meinem sechs Jahre älteren Bruder und mir. Die Highscore-Jagd in Summer Games ist in vollem Gange ... Die Games-Titel von US-Entwickler Epyx - bestehend aus Summer Games, Winter Games,World Games und California Games - verkörpern wie wenige andere Spielereihen das Gaming-Gefühl der 1980er-Jahre. Die Titel waren einfach, eingängig und vor allem im Mehrspielerbetrieb der pure Spaß. Sie mäanderten zwischen dem Realitätsanspruch und den Bestrebungen der Entwickler, zeigten aber stets auch die technischen Limitierungen der damaligen Zeit auf.

Die Games-Serie ist letztlich ein Kind des großen Videospiele-Crashs, der ab 1983 die Spieleindustrie erschütterte: Die Hersteller wandten sich vermehrt von Spielekonsolen ab und setzten ihren Fokus auf die immer populäreren Heimcomputer, allen voran den Commodore 64. Die starke Veränderung der Branche setzte neue Energien frei, und gerade Epyx profitierte maßgeblich von einer optimistischen Marktsituation. Die Hintergründe waren mir damals natürlich herzlich egal. Ich liebte einfach nur Summer Games und im Speziellen unseren C64, konnte aber gar nicht einordnen, wie erfolgreich der "Brotkasten" überhaupt war. Die Verkaufszahlen des C64 variieren bis heute und liegen - je nach Quelle - zwischen zwölfeinhalb und 30 Millionen Einheiten weltweit. Und das trotz eines Launch-Preises von knapp 1500 D-Mark in Deutschland. In unserem Haushalt hielt der neue Liebling erst einige Jahre später Einzug, blieb meiner Familie dann aber lange Zeit erhalten und wurde erst spät durch den Amiga 500 ersetzt. Der C64 war etwas Besonderes - auch wegen Titeln wie eben Epyx' Summer Games.

Timing statt Knochenarbeit

Für Epyx bedeutete die Games-Serie einen rasanten Aufstieg. Doch dieser begann mit einer scheinbar simplen Marketingstrategie: Epyx wollte ein Lizenzspiel zu den 1984 in Los Angeles stattfindenden Olympischen Spielen auf den Markt bringen und entsprechend vom Hype um das Sportgroßereignis profitieren. Als der damalige Epyx-Präsident Michael Katz die Rechte offiziell anfragte, stellte sich heraus, dass bereits Atari den Zuschlag erhalten und mit den Arbeiten an einem entsprechenden Spiel begonnen hatte. Entsprechend wurde Summer Games innerhalb von sechs Monaten mit der heißen Nadel gestrickt. Da wundert es nicht, dass die Entwickler letztlich selbst entschieden, welche Nationen und Hymnen integriert wurden und dass am Ende sogar zwei der ursprünglich zehn Disziplinen rausflogen.
Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Nationen traf das Team von Epyx kurzerhand selbst. So war etwa die DDR – trotz Olympia-Teilnahme – nicht im Spiel vertreten. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Nationen traf das Team von Epyx kurzerhand selbst. So war etwa die DDR – trotz Olympia-Teilnahme – nicht im Spiel vertreten.
 
Am Ende landeten 4x400 Meter Staffellauf, 100 Meter Sprint, Stabhochsprung, Turmspringen, Turnen, Tontaubenschießen, 100 Meter Freistilschwimmen und Freistilstaffel im Spiel. Wer genau hinschaut, der merkt, dass Epyx hier ein wenig mogelte. Spielerische Unterschiede gab es bei den Sprint- und Schwimmdisziplinen nämlich kaum. Dafür aber konnte man diese Sportarten im direkten Mehrspielermodus gegeneinander zocken und nicht nacheinander wie die anderen Disziplinen.

Gegenüber dem 1983er Kultklassiker Decathlon von Activision besaß Summer Games einen riesigen Vorteil: Es setzte stärker auf Timing und Geschicklichkeit und weniger auf das möglichst hektische Rütteln des Joysticks. Bei Aufgaben wie Turnen oder Stabhochsprung liefen die virtuellen Athleten automatisch. Ich musste nur im richtigen Moment die Aktionstaste oder eine entsprechende Richtung drücken, um beispielsweise abzuspringen oder den Stab zu senken. Dadurch ergab sich ein insgesamt angenehmeres Spieltempo, und das Gameplay selbst blieb nachvollziehbarer. Auch die Wechsel zwischen dem auf Rhythmik basierenden Sprintdisziplinen und dem auf Reaktionen fußenden Tontaubenschießen sorgten für die notwendige Tiefe, die manch anderem Sportspiel dieser Zeit abging.

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Ein wichtiger Erfolg für Epyx

In Sachen Technik glänzte Summer Games vor allem mit seinen Animationen, die Bewegungen der Sportler waren für damalige Verhältnisse mehr als ansehnlich. Die Akustik - speziell die Musik - konnte sich ebenfalls hören lassen. Wenn mich heute jemand nach der offiziellen Olympiahymne fragen würde, ich würde höchstwahrscheinlich die Titelmelodie von Summer Games vorsingen!

Allerdings fehlte dem Spiel Persönlichkeit. Weder die Sportler noch die Schauplätze versprühten so etwas wie Atmosphäre; Summer Games wirkte nüchtern und betont sachlich. So konnte ich etwa nicht das Aussehen meiner Athleten bestimmen und musste mich mit den vorgegebenen Figuren begnügen. Diese kleinen Schwächen taten dem Erfolg jedoch keinen Abbruch: Summer Games erhielt von der Fachpresse Spitzenwertungen und wurde vor allem in der C64-Version zum Kassenschlager.
Auch beim Turmspringen kam es eher auf Können am Joystick an. Durch die richtigen Kommandos vollführte der Springer Salti und andere Aktionen. Im Anschluss erhielt man dafür Noten. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  Auch beim Turmspringen kam es eher auf Können am Joystick an. Durch die richtigen Kommandos vollführte der Springer Salti und andere Aktionen. Im Anschluss erhielt man dafür Noten.
 

Sommer, Winter, Kalifornien

Kein Wunder also, dass Epyx in den kommenden Jahren an dieser Erfolgsformel festhielt: Keine Lizenzen, dafür aber ein intuitives Gameplay und eine gute Balance zwischen Action- und Timing-basierten Disziplinen. Nur ein Jahr später erschien bereits Summer Games 2, welches wieder mit acht Disziplinen aufwartete. Hier erinnere ich mich noch mit sehr viel Liebe an das (erneut) rhythmische Klicken der Aktionstaste beim Dreisprung und an die etwas hakelige Steuerung beim Kajakfahren nebst kurzen Wutausbrüchen zurück. Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass es auf einigen Systemen möglich war, die beiden Summer-Games-Spiele miteinander zu kombinieren, um so Zugriff auf alle 16 Disziplinen zu bekommen.

Im Vergleich zum ersten Teil wirkte die Auswahl der Sportarten kreativer und ungewöhnlicher. Neben den bereits angesprochenen Disziplinen kamen auch etwa Fechten, Hochsprung und Speerwurf hinzu. Zudem schraubte Epyx merklich an der Präsentation und integrierte etwa eine Schlusszeremonie mitsamt Feuerwerk. Für die feinen Animationen wandelte Entwickler Michael Kosaka seinerzeit sogar Zeitlupenaufnahmen echter Sportler in 2D-Sprites um, was gerade Disziplinen wie dem Hochsprung sehr zugute kam.
100 Meter Sprint und Staffellauf erinnerten stärker an den Activision-Klassiker Decathlon als die meisten anderen Disziplinen. Hier beschleunigten die Athleten durch rhythmisches Hin- und Herbewegen des Joysticks. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  100 Meter Sprint und Staffellauf erinnerten stärker an den Activision-Klassiker Decathlon als die meisten anderen Disziplinen. Hier beschleunigten die Athleten durch rhythmisches Hin- und Herbewegen des Joysticks.
 

Doch wenn ich an dieser Stelle über Summer Games spreche, dann komme ich natürlich nicht an den Nachfolgern von Epyx' Games-Serie vorbei. Denn wenig verwunderlich habe ich diese ebenfalls gespielt und geliebt. Bei Winter Games (1985) packte mich besonders der Biathlon - der Wechsel zwischen Skifahren und Schießen sowie das taktische Gameplay faszinierten mich ungemein. Nur wenn ich während der Ausdauerphasen den Herzschlag meines Sportlers kontrollierte, hatte ich später beim Schießen eine echte Chance. Bis heute höre ich noch das eingangs beschriebene Klicken des Competition Pros beim Fahren und beim Nachladen des Gewehrs. Epyx legte hier auch technisch zu: Beim Biathlon wechselte gleich mehrfach die Perspektive, und beim Bobfahren raste ich aus einer rudimentären 3D-Perspektive durch den Eiskanal.

World Games indes erschien 1986, war mir aber stets einen Hauch zu abgefahren. Mit Disziplinen wie Gewichtheben, Fässerspringen oder Baumstammwerfen besaß das Spiel zwar einen ordentlichen Fun-Faktor, war mir Knirps aber zu weit weg von dem, was ich aus dem Fernsehen kannte. Den Abschluss der Games-Serie bildeten die beiden California-Games-Teile. Der zweite Ableger aus dem Jahr 1990 floppte gnadenlos, während der erste Teil von 1987 bis heute zu den Funsport-Ikonen überhaupt zählt. Hier zeigte sich erneut die Epyx-Maxime: Starke Präsentation, abwechslungsreiche und doch leicht erlernbare Disziplinen und diesmal sogar eine ordentliche Portion Humor. Wer von euch hat damals nicht auch versucht, die Möwe beim Hacky Sack abzuschießen oder wurde beim Surfen vom Hai gefressen? Das erste California Games war die bis dato größte Epyx-Produktion und zeigte die Entwicklung, die eine simple Grundidee durchmachte.
Schwimmen und Laufen spielten sich insgesamt sehr ähnlich. In diesen Disziplinen machte sich die kurze Entwicklungszeit von Summer Games bemerkbar, das in lediglich sechs Monaten produziert wurde. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  Schwimmen und Laufen spielten sich insgesamt sehr ähnlich. In diesen Disziplinen machte sich die kurze Entwicklungszeit von Summer Games bemerkbar, das in lediglich sechs Monaten produziert wurde.
 
Funktionieren Games-Spiele heute noch?
Jetzt stellt sich die Frage: Würde ein Spiel oder eine Serie mit ähnlichem Anspruch wie Summer Games auch heute noch Erfolg haben? Ich denke schon! Das zeigt sich auch im Erfolg von Lizenzadaptionen wie Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020.

Allerdings würde ich mir einen weniger "cartoonigen" Grafikstil und dafür einen authentischen Look wünschen. In den 80ern verband Epyx nämlich die für damalige Verhältnisse ausgezeichnete Grafik mit spielerischem Anspruch. Wie wäre es etwa mit einem Leichtathletik- oder Funsportspiel mit der Präsentation eines NBA 2K20? Ein neu aufgelegtes California Games beispielsweise könnte ich mir ausgezeichnet vorstellen, sofern es gelingt, die Leichtigkeit des Originals noch einmal zu rekonstruieren. Ich würde es sofort kaufen! Den passenden Competition Pro Joystick habe ich dank der USB-Version von Speedlink ohnehin längst im Regal stehen.
Winter Games (1985) entstand nicht bei Epyx, sondern wurde von Action Graphics entwickelt. Doch auch die neuen Macher blieben dem Stil der Games-Serie treu und verbanden weiterhin gute Technik mit kreativem Sport-Gameplay. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  Winter Games (1985) entstand nicht bei Epyx, sondern wurde von Action Graphics entwickelt. Doch auch die neuen Macher blieben dem Stil der Games-Serie treu und verbanden weiterhin gute Technik mit kreativem Sport-Gameplay.
 

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