Expeditions: Rome im Test - Die Tiefen und Intrigen römischer Politik hautnah erleben

Test Matthias Dammes
Expeditions: Rome im Test - Die Tiefen und Intrigen römischer Politik hautnah erleben
Quelle: PC Games

Im Test von Expeditions: Rome prüfen wir, ob das Rollenspiel von Logic Artists mehr kann als nur mit den schicken Rüstungen der Legionäre zu glänzen. Dabei entdecken wir ein vielfältiges und taktisch spannendes Spiel, das zudem im erzählerischen Bereich überzeugen kann. Besonders die vielfältigen Entscheidungen sind eine Stärke des Titels.

Von den antiken Reichen des Mittelmeerraums übt das römische Reich für uns bis heute eine ganz besondere Faszination aus. Das liegt vermutlich auch daran, dass in der europäischen Geschichte immer wieder den Idealen der Römer nachgeeifert wurde. Viele Herrscher sahen sich in der Tradition römischer Kaiser und auch republikanische Staatsformen berufen sich immer wieder auf Wurzeln im antiken Rom. Bis heute ziert das ehemalige Hoheitszeichen S.P.Q.R. (Senatus Populusque Romanus - Senat und Volk von Rom) als Leitspruch viele öffentliche Stellen und sogar das Wappen der Ewigen Stadt.

Erstaunlicherweise kommt das römische Reich aber nur in überschaubarer Häufigkeit als Setting für Videospiele zum Einsatz. Am häufigsten lässt sich das Szenario noch bei Strategiespielen beobachten. Sucht man jedoch nach Abenteuergeschichten im Rollenspiel- oder Action-Format wird es dünn. Das dachten sich auch die Entwickler von Logic Artists und schufen mit Expeditions: Rome (jetzt kaufen 44,99 € ) ein Abenteuer in der Zeit von Zenturios, Senatoren und Legionen. Wie aus den beiden Vorgängern der Expeditions-Reihe bekannt, handelt es sich auch bei Rome um ein klassisches taktisches Rollenspiel mit rundenbasierten Gruppenkämpfen.

Ave Legatus!

Angesiedelt ist das Spiel im ersten Jahrhundert vor Christus, zu einer Zeit, als die römische Republik in ihren letzten Zügen lag. Damals herrschten noch keine Kaiser über das Reich, sondern der Senat des römischen Volkes und zwei von ihm jeweils für ein Jahr gewählte Konsuls. Die Republik ist von inneren Spannungen und äußeren Bedrohungen zerrüttet. In dieser politisch schwierigen Zeit schlüpfen wir in die Rolle eines angesehenen römischen Bürgers, dessen Vater von einem politischen Gegenspieler ermordet wird. Unser Held, der wahlweise männlich oder weiblich sein kann, muss aus Rom fliehen und im Trouble der Militärkampagne eines befreundeten Heerführers untertauchen.

Ein weiblicher Legatus wird regelmäßig damit konfrontiert, dass es für eine Frau doch unerhört ist zu kämpfen. Quelle: PC Games Ein weiblicher Legatus wird regelmäßig damit konfrontiert, dass es für eine Frau doch unerhört ist zu kämpfen. Es entspinnt sich eine packende Geschichte rund um Intrigen, politische Ränkespiele und den unaufhaltsamen Expansionsdrang Roms. Unser Held steigt schnell zum Legatus, dem Anführer einer römischen Legion auf und kämpft daraufhin in Kleinasien, Nordafrika und Gallien für den Ruhm Roms, aber auch um ein Komplott gegen seine eigene Familie aufzudecken. Dabei orientieren sich die Entwickler sehr stark an der realen Geschichte und flechten immer wieder passende historische Figuren wie Marcus Cicero, Julius Caesar, Kleopatra und Vercingetorix in die Handlung ein. Dadurch fühlt man sich als ein Teil der großen römischen Geschichte und erlebt dennoch eine sehr persönliche und wendungsreiche Handlung.

Sehr gut gefallen hat uns auch, dass die Entwickler sich Gedanken über die Implementierung der Wahl zwischen männlichem und weiblichem Helden gemacht haben. Die Option besteht nicht nur, um dem Spieler die Wahl zu lassen, sondern wirkt sich auch auf die Erzählung aus. Im antiken Rom gab es keine Frauen in den Legionen, geschweige denn in einer führenden Kommandoposition. Entsprechend wird es in Gesprächen immer wieder zum Ausdruck gebracht, wie unerhört es doch sei, dass eine Frau kämpfe und Truppen befehlige. Probleme, mit denen der männliche Spielercharakter nicht zu kämpfen hat.

Vivere est militare!

Neben der spannenden Geschichte kann Expeditions: Rome aber auch durch seine spielerische Vielfalt überzeugen. Das Rollenspiel setzt dabei auf eine Mischung aus Elementen, die man aus Titeln wie Heroes of Might and Magic und Banner Saga kennt. Auf einer Übersichtskarte des aktuellen Aktes bewegen wir unsere Heldentruppe bestehend aus unserem Legatus, seinen Gefährten und einigen angeheuerten Prätorianern von einem interessanten Ort zum nächsten. Dabei schreitet die Zeit voran und wir müssen auf unsere Wasser- und Nahrungsvorräte achten. Das Spiel verzichtet zwar darauf, durch Zeitlimits für bestimmte Aufgaben einen zeitlichen Druck aufzubauen, wer aber viel Zeit mit der Erkundung der Karte verbringen möchte, muss sich um die ausreichende Beschaffung von Nachschub kümmern. Dadurch kann man frei entscheiden, was man machen möchte, ohne jedoch gänzlich auf strategische Überlegungen zu verzichten.

Die rundenbasierten Kämpfe sind taktisch sehr vielfältig und immer wieder herausfordernd. Quelle: PC Games Die rundenbasierten Kämpfe sind taktisch sehr vielfältig und immer wieder herausfordernd. Im Rahmen von Missionen oder auch bei zufälligen Ereignissen entlang des Weges kommt es natürlich immer wieder zu Kämpfen. Diese werden auf Hexfeld-Schlachtfeldern ausgetragen, die abwechslungsreich und interessant gestaltet sind. Hier gilt es unsere aus bis zu sechs Kämpfern bestehende Truppe mit den vier verschiedenen Klassen des Spiels optimal zu nutzen. Dabei spielen zum Beispiel auch Höhenunterschiede eine Rolle. Wir platzieren also unsere Bogenschützen optimalerweise auf eine Anhöhe. Die schwer gepanzerten Princeps mit ihren dicken Schilden stellen wir an Engstellen auf, um den Gegner aufzuhalten. In einer Runde können wir jeden unserer Kämpfer bewegen und angreifen lassen. Dabei können wir frei zwischen den Charakteren wechseln, bis alle ihre Aktionspunkte aufgebraucht haben.

Die taktische Vielfalt der Kämpfe entsteht dabei durch die vielen unterschiedlichen Fähigkeiten, über die unsere Mannen verfügen können. Welche Skills uns zur Auswahl stehen, hängt dabei nicht nur von der Klasse ab. Auch die ausgerüstete Waffe bestimmt einen Teil der uns zur Verfügung stehenden Fähigkeiten. So gibt es zum Beispiel Bögen mit Elementarangriffen wie Feuer und Gift, während andere eher auf präzisere Schüsse ausgelegt sind. Zusätzlich zu den Waffen- und Klassenskills gibt es dann auch noch sogenannte taktische Gegenstände. Dabei handelt es sich um Bandagen, Wurfspeere, motivierende Banner, Behälter mit griechischem Feuer oder Gift und noch einiges mehr. Diese lassen sich unabhängig von den Aktionenpunkten einmal pro Runde einsetzen und damit zusätzliche Vorteile erwirken. Beim Tüfteln mit all diesen taktischen Möglichkeiten kommt viel Spielspaß auf, besonders, wenn es einem dann gelingt, mit seiner kleinen Gruppe zahlenmäßig weit überlegene Gegner zu bezwingen. Auf der Weltkarte bewegen wir nicht nur unsere Heldentruppe umher, sondern schicken auch unsere Legion auf Eroberungszüge. Quelle: PC Games Auf der Weltkarte bewegen wir nicht nur unsere Heldentruppe umher, sondern schicken auch unsere Legion auf Eroberungszüge.

Veni, Vidi, Vici!

Nun wurden die Kriege Roms allerdings nicht nur auf dem Rücken kleiner Kampfgruppen ausgetragen und schließlich sind wir Legatus, der Anführer einer ganzen Legion. Neben der Heldentruppe bewegen wir entsprechend auch unsere Armee über die Übersichtskarte. Genauer gesagt schicken wir die Truppe von ihrem Feldlager aus los, um zum einen Produktionsbetriebe wie Farmen, Minen und Sägewerke in der Umgebung zu sichern. Zum anderen entsenden wir die Legion zum Angriff auf die Hauptsiedlung eines noch nicht eroberten Bezirks. Dort kommt es dann zur Schlacht mit der Armee des Gegners.

Da eine römische Legion immer aus maximal 4.800 Kämpfern besteht, fließen noch andere Faktoren wie die Moral und Erfahrung in die Bewertung der Kampfstärke mit ein. Eine motivierte und erfahrene Legion kann es auch mit einem zahlenmäßig überlegenen Gegner aufnehmen. Wichtig sind auch die vier Centurios, die wir mit dem Kommando über einzelne Teile der Legion betrauen. Während der lediglich als stilisierte Übersicht dargestellten Schlachten gilt es immer wieder passende Kriegslisten auszuwählen. So bestimmen wir zu Beginn die Aufstellung der Legion, lassen danach Speerwürfe durchführen, oder die Kavallerie in die Flanke fallen und setzen schließlich den Schlusspunkt mit einer Siegesfeier zur Moralsteigerung oder einer Verfolgung des Gegners, um diesen zusätzlich zu dezimieren. Das ist alles durchdacht und gut geeignet, um den Einsatz der Legion innerhalb unseres Abenteuers darzustellen. Wirklich spannend wirken diese Schlachten aber zu keinem Zeitpunkt des Spiels.

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