F1 2018: Viele kleine Verbesserungen, wenige große Neuerungen
Test
Als Formel-1-Fahrer muss man sich schon mal kritische Fragen zu seiner Person oder dem Team gefallen lassen. Wir haben das neue Interview-Feature mit TV-Reporterin Claire von Codemasters' jährlicher Formel-1-Simulationsserie getestet und natürlich alles, was F1 2018 sonst noch auf PC, PS4 und Xbox One zu bieten hat.
Frage: "Welchen Einfluss hat der Teamkollege auf Sie?" Antwort: "Einen schlechten. Er furzt immer und es riecht in unserer Hospitality die ganze Zeit übel." Leider stammt dieses Zitat nicht aus Codemasters' neuer Formel-1-Simulation, sondern von Max Verstappen, als er im November 2017 nach Kollege Daniel Ricciardo gefragt wurde. Humor und Sarkasmus fehlen im neuen Presse-Feature von F1 2018 (jetzt kaufen ) komplett. Zumeist dürfen wir der jungen TV-Reporterin Claire mit typischen Formel-1-Phrasen antworten, etwa "Die Aerodynamik passt noch nicht so ganz" oder "Wir müssen uns im Rennen steigern".
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Für Abwechslung und zusätzliche Authentizität in der Karriere sorgen die Interviews mit begrenzter Antwortzeit aber allemal. Wie im echten Leben freuen wir uns über Lob nach einer guten Platzierung und sind genervt, wenn wir uns nach einem verbockten Rennen dafür rechtfertigen müssen. Schön, dass wir auch einen Kommentar verweigern dürfen, denn sonst würden wir zu häufig beim Team anecken oder uns mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung anlegen.
Quelle: PC Games
Fairer Sportsmann oder Selbstdarsteller? Eure Antworten in Interviews wirken sich auf den Ruf beim eigenen und bei anderen Teams aus.
Insgesamt halten wir das Presse-Feature für eine sinnvolle Neuerung, die jedoch ausbaufähig ist. Zum Beispiel könnte man wie in einem Rollenspiel seinem Fahrer anfangs bestimmte Charaktereigenschaften zuweisen, die sich dann auf die Antwortmöglichkeiten auswirken. Denn oft konnten wir uns mit den zur Auswahl stehenden Phrasen nicht wirklich anfreunden. Mal abwarten, ob Codemasters künftig noch mehr Aufwand in die Interviews steckt.
Das Spiel mit der Presse und dessen Auswirkungen auf den eigenen Ruf im Team ist schon die wesentlichste Neuerung von F1 2018. So revolutionär wie die beiden Vorgänger, die einen gehörigen Anteil Rollenspiel in Codemasters Formel-1-Simulationsreihe brachten, ist der neue Teil bei Weitem nicht. Dies mag einerseits enttäuschen, wirkt die jüngste Fassung der Reihe dadurch doch lediglich wie ein Major Update. Auf der anderen Seite war gerade F1 2017 derart nach dem Geschmack der Spielerschaft, dass sich Codemasters dazu entschlossen hat, weitestgehend auf dem Vorgänger aufzubauen und eher an Detailverbesserungen sowie am Umfang zu arbeiten.
Gezielte Upgrades
Quelle: PC Games
Unter „Geschätzte Fertigstellung“ lässt sich ablesen, wann man mit den neuen Teilen rechnen kann. Die Anzeige rechts informiert über den Leistungsvergleich mit anderen Teams.
Mehr Klassik-Boliden, mehr Technik-Upgrades, mehr Formel-1-Atmosphäre - durch eine Vielzahl an überarbeiteten Details wirkt F1 2018 immer noch frisch und motivierend. Eure Antworten in Interviews wirken sich nicht nur auf den Ruf innerhalb eures Teams aus, auch andere Rennställe haben ein Auge darauf, ob ihr euch dem eigenen Team sowie dem Kameraden gegenüber fair verhaltet oder die Rolle des rücksichtslosen Selbstdarstellers spielt. Nach jeder Session eines Rennwochenendes könnt ihr sehen, welchen Ruf ihr bei den Rennställen genießt. Sogar schlechte Ergebnisse können dazu führen, dass ihr bei kleinen Teams wie Haas oder Sauber hoch im Kurs liegt, solange ihr euch in Interviews fair verhaltet und Fehler auf die eigene Kappe nehmt.
Während einer Saison führt ihr regelmäßig Vertragsverhandlungen und habt auch die Möglichkeit, das Team zu wechseln. Stimmen eure Leistungen, dürft ihr ruhig Forderungen stellen: Beispielsweise könnt ihr darauf bestehen, Fahrer Nummer 1 zu sein, oder Boni auf Ressourcenpunkte verlangen. Gleichzeitig steigen allerdings auch die Erwartungen des Teams, was eure Platzierung im Qualifying oder Rennen anbelangt. Doch keine Sorge, selbst nach drei gescheiterten Verhandlungsrunden erhaltet ihr immer noch das ursprüngliche Angebot vorgelegt. Dafür sorgt eure gewiefte Managerin.
Seid nett zueinander
Quelle: PC Games
Die Fahrer um Lewis Hamilton und Jos Verstappen sind zwar gut zu erkennen, die Gesichter sind allerdings schlecht animiert – hier besteht Handlungsbedarf!
Auch der Bereich Forschung und Entwicklung wurde leicht überarbeitet. So dürft ihr nun nicht mehr auf einen bestimmten Termin drängen, an dem ihr neue Teile eingebaut haben möchtet - verbunden mit dem Risiko, dass es an deren Zuverlässigkeit mangelt. Stattdessen erhaltet ihr einen Zeitpunkt mitgeteilt, wann die Upgrades fertig sein werden. Wie lange ihr warten müsst und ob etwa Aerodynamik-Teile oder Verbesserungen am Energierückgewinnungssystem reibungslos funktionieren, hängt wiederum indirekt von euren Antworten vor Claires Mikrofon ab, denn diese wirken sich auf die Zielstrebigkeit der F&E-Abteilung aus.
Zwischen den Sessions dürft ihr einen Blick auf die Moral der Entwicklungsteams werfen. Wir waren in Interviews oftmals zu forsch und haben die Schuld auf Aerodynamik oder Motor geschoben. Ergebnis war, dass die Jungs und Mädels in der Fabrik angesäuert waren und es beim Einbau neuer Teile immer wieder zu Problemen und Verzögerungen kam - es menschelt halt. Allzu schlimm ist dies aber nicht, denn ihr könnt in der Boxengasse per Knopfdruck die Wartezeit überspringen.
Mit Heiligenschein
Wie man es von dem englischen F1-Studio gewohnt ist, hat Codemasters natürlich auch sämtliche Regeländerungen der Saison 2018 implementiert, allen voran den Cockpitschutz Halo (deutsch: Heiligenschein). Die Mittelstrebe, die sich im Sichtfeld des Piloten befindet, lässt sich über die Kameraoptionen übrigens ausblenden. Wir haben aber ohnehin die Perspektive gewählt, die leicht oberhalb von Halo sitzt, da sie einen perfekten Kompromiss aus Übersicht und Mittendrin-Atmosphäre darstellt. Durch gezielte Verbesserungen am Physikmodell fühlen sich die Formel-1-Boliden noch echter an als im sehr guten Vorgänger. Dabei wirken sich Schäden am Frontflügel, kalte oder abgefahrene Reifen und die aktuelle Benzinmenge nachvollziehbar auf das Fahrverhalten aus. Ideale Bremspunkte aus dem Qualifying müssen im Rennen ein gutes Stück nach vorne verlegt werden, harte Reifen verlangen ein viel niedrigeres Kurventempo als supersofte Pneus. Außerdem lassen sich die Fahrhilfen so einstellen, dass man selbst mit einem Controller ein perfektes Maß aus Herausforderung und Spielbarkeit erhält - prima!
Quelle: PC Games
Statt der wuchtigen Mittelstrebe des Halo-Cockpitschutzes ist nur noch die schmale Funkantenne zu sehen. Die Strebe lässt sich im Optionsmenü ausschalten, was das Fahren aus der Pilotenperspektive deutlich erleichtert.
Zur Langzeitmotivation von F1 2018 trägt nicht zuletzt auch die in Einser-Schritten verstellbare KI-Schwierigkeit bei. Nach jedem Rennwochenende lässt sich die Stärke der Mitstreiter ändern. So lässt sich justieren, ob die Gegner in Kurven früh bremsen und ihr reinstechen sowie überholen könnt oder ob sie clever die Innenseite zumachen. Auch auf die KI-Aggressivität bei Überholmanövern wirkt sich die eingestellte Stufe aus.
Schön, dass sich wie im letzten Jahr die Trainingssessions mittels verschiedener Test-Programme spannender gestalten lassen. Damit könnt ihr beispielsweise üben, wie man am besten die Reifen schont oder effektiv die ERS-Batterie auflädt. Zwar nimmt der Reiz der immer gleichen Programme auf Dauer ab, dafür bringen sie wertvolle Ressourcenpunkte, die sich in Upgrades stecken lassen.
Niki Laudas Untersatz
Für Abwechslung sorgen die insgesamt 20 historischen Events, zu denen ihr zwischen den Grand-Prix-Wochenenden eingeladen werdet. Dabei nehmt ihr in legendären Formel-1-Boliden Platz, etwa Niki Laudas Ferrari 312 T2 aus dem Jahre 1976 oder dem 1978er Lotus 79, mit dem Mario Andretti die Weltmeisterschaft gewann. Die Reise in die Formel-1-Vergangenheit wird garniert durch verschiedene Herausforderungen. So müsst ihr eine vorgegebene Anzahl Autos in einer bestimmten Zeit überholen oder einige Runden gedreht haben, bevor die Uhr runtertickt. Für Formel-1-Fans - und das dürften die meisten Spieler von Codemasters' F1-Serie sein - ist es ein wunderbares Erlebnis, die nach heutigen Maßstäben aerodynamisch bei Weitem nicht perfekten Klassiker um die Kurven zu manövrieren.
Bildergalerie
Neben der Karriere lassen sich individuelle Grand-Prix-Wochenenden sowie verschiedene Meisterschaften und Serien bestreiten. Außerdem dürft ihr beim Zeitfahren gegen die Uhr rasen und euch in regelmäßig wechselnden Online-Events mit der F1-Community messen - mehr dazu im Kasten. Dazu kommen natürlich Online-Meisterschaften, die wir zum Testzeitpunkt mangels Mitstreiter allerdings noch nicht ausprobieren konnten.
Aufgehübscht
Grafisch macht die F1-Serie einen Schritt nach vorne. Bäume und Wolken sehen realistischer aus, außerdem hat Codemasters die Locations im Fahrerlager aufgemotzt - sicher auch um Claires Interviews besser zur Geltung zu bringen. In puncto Atmosphäre hat Codemasters' Formel-1-Reihe in den letzten Jahren enorm gewonnen. Wenn jetzt noch die fratzenhaften Fahrergesichter mit vernünftigen Gesichtsanimationen versehen werden, kommt fast so viel TV-Feeling auf wie bei den Übertragungen auf RTL. Apropos RTL: Während Heiko Wasser einigermaßen authentisch ins Mikrofon plappert, liest Kollege Stefan Römer auffällig emotionslos vom Blatt ab.
Emotionen kamen bei unserem Test von F1 2018 dafür immer wieder auf - vor allem als uns im österreichischen Spielberg auf Platz 3 liegend wenige Hundert Meter vor dem Ziel der Sprit ausging. Wir versuchten mit allen fairen und unfairen Mitteln, unseren Platz zu verteidigen, und blockierten die Verfolger, was das Zeug hielt. Auf der Zielgeraden berührte uns ein Fahrzeug, sodass wir uns gedreht haben. Vor lauter Verzweiflung rollten wir schließlich im Rückwärtsgang über die Linie. Ergebnis: Platz 12 und einige wüste Flüche. True Story! F1 2018 ist für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Alles zu F1 2018 lest ihr auf unserer Themenseite!
