FIFA 16: Kommentar: FIFA ohne FIFA – es wird Zeit, EA Sports!

Kolumne Sandro Odak
FIFA 16: Kommentar: FIFA ohne FIFA – es wird Zeit, EA Sports!
Quelle: Agência Brasil | Creative Commons Attribution 3.0 Brazil

Jeden Tag neue Horrormeldungen über den Weltfußballverband FIFA: Sklavenarbeiter und Tote beim Bau von WM-Stadien, Einschüchterung von Journalisten, Korruption. EA Sports zahlt Lizenzgebühren für einen schlechten Namen - hört endlich auf damit!

An dieser Stelle könnte ein Text über das positive Signal stehen, das EA Sports heute mit der Ankündigung von Frauen-Fußballteams in FIFA 16 machte. Aber dieser Text steht hier nicht. Seit Jahren zerreißen sich Fans und Kritiker das Maul über Details der FIFA-Reihe. Mich stört heute nicht, ob es die dritte Liga gibt, wie die Server arbeiten, ob Messi vielleicht zu stark ist. Mich stört etwas anderes an FIFA – der Name.

EA Sports zahlt jedes Jahr Lizenzgebühren an die Fédération Internationale de Football Association, kurz FIFA. Wie hoch diese Gebühren sind, zeichnet EA in seinen jährlichen Finanzberichten nicht genau aus. Zwischen 120 und 288 Millionen Dollar gibt EA jedes Jahr für Lizenzen aus – jedoch zusammen für alle. Inbegriffen sind also auch Zahlungen an Hasbro, die NFL, NHL und so weiter.

EA tut das, um den guten Namen der FIFA zu nutzen und die offiziellen Turniere ins Spiel einzubauen. Doch einen guten Namen, hat den die FIFA wirklich? Seit Jahren schon jagt eine Horrormeldung die nächste. 4.000 Gastarbeiter werden beim Bau der WM-Stadien in Katar wohl bis zum ersten Anpfiff sterben. Weil sie wie Sklaven behandelt werden, unerträglich lange in der Wüstenhitze arbeiten müssen und das Land nicht verlassen dürfen, bis ihr Arbeitgeber ihnen den Pass zurückgibt. Wenn Journalisten kritisch nachfragen, werden sie bedroht oder direkt verhaftet, ihr Recherchematerial zerstört. Hinterher kann man sich ja immer noch offiziell entschuldigen, Hauptsache die Bilder von zusammengepferchten Arbeitern sind von den Kameras gelöscht.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, die Punkte die wehtun. Gebettet ist die FIFA auf einem Fundament aus Korruption. Bestechung und Erpressung gehört seit Jahren, vermutlich sogar seit Jahrzehnten zum täglich Brot der Fußball-Führer. Die Vergabe der WM 2018 an Russland und 2022 an Katar, sie brachte ein paar alten Männern Millionen ein. Sagt jedenfalls das amerikanische Justizministerium und ließ sieben FIFA-Offizielle in der Schweiz verhaften. 14 Männer sind insgesamt angeklagt – wegen Korruption, Bankbetrugs und Verschwörung zur Geldwäsche. Die Anklageschrift spricht von der Bildung einer gaunerischen Organisation – dieselben Paragrafen wendet das Justizministerium auch gegen Drogen-Banden und die Mafia an.

Nein, EA Sports. Das ist kein guter Name. Dass ihr dafür Geld bezahlt, ist als würde 2K Games der 'Ndrangheta Geld bezahlen, um ein Mafia-Spiel zu machen.

Dass es auch ohne geht liegt eigentlich auf der Hand. Die FIFA veranstaltet nur alle vier Jahre eine WM. Die restlichen Spielinhalte der Serie macht EA schon jetzt mit den eigentlichen Rechteinhabern aus. Sie verhandelt mit der DFL und der Premiere League. Original-Spieler können sie wegen einer Vereinbarung mit der Spielervereinigung FIFPro verwenden, die FIFA hat damit nichts zu tun. Eigentlich trägt die FIFA nicht viel zum Spiel bei, außer als Namensgeber. Und ich würde wetten, dass sich EA Sports Soccer 16 genauso gut verkauft wie EA Sports FIFA 16… Nun aber gilt die Lizenz noch bis 2022 – lustigerweise genau dem Jahr, in dem wir uns die blutdurchtränkte WM in Katar anschauen werden.

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