FIFA 18 gespielt & Interview: Neue Stärken, neue Schwächen?
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Des Kaisers neue Kleider: EA Sports enthüllt FIFA 18 noch vor der E3 - und verzückt uns in der ersten Anspiel-Session mit stark verbesserter Grafik. Doch bleibt der spielerische Fortschritt bei all dem Prunk auf der Strecke? In unserer Hands-On-Vorschau lest ihr die ersten Details zu FIFA 18. Ein Interview mit Gameplay-Produzent Sam Rivera wartet ebenfalls auf euch.
Im vergangenen Jahr legte das kanadische Studio EA Sports ein Fundament für die Zukunft der FIFA-Serie: Seit FIFA 17 basiert die Fußballsimulation nicht mehr auf der zuvor als revolutionär angekündigten Ignite-Grafiktechnologie, sondern auf der von den Battlefield-Machern DICE entwickelten Frostbite Engine. Die Konsequenz daraus war weniger ein vollkommen neues Spielgefühl, bescherte FIFA 17 aber vor allem Flexibilität bei der Inszenierung seiner Matches und des neuen Story-Modus namens The Journey. Trotzdem änderte sich auf dem Platz zunächst nur wenig - was mit FIFA 18 nun anders werden soll. Und genau davon konnten wir uns bei der Enthüllung des Spiels in der Münchner Allianz Arena überzeugen. EA Sports präsentierte dort bereits im Vorfeld der E3 2017 eine frühe Version seiner Fußballsimulation - und überraschte zumindest mit einem technischen Quantensprung.
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Den kenn' ich doch!
FIFA 17 spielte noch nicht das volle Potenzial der Frostbite Engine aus. Der Nachfolger erstrahlt hingegen in völlig neuem Glanz. Die Weiterentwicklung macht sich bereits bei der Darstellung der Spieler bemerkbar: Die Gesichter von Stars wie Cover-Held Cristiano Ronaldo oder Eden Hazard vom FC Chelsea wirken natürlich und längst nicht mehr so maskenhaft wie noch in der Vorjahresversion. Die Texturen erscheinen detailreicher, zusätzliche Shader und Filter sorgen für mehr Tiefe. Die Modelle sind dadurch längst nicht mehr so glatt wie noch zuvor und kratzen einmal mehr an der perfekten Illusion.
Quelle: EA
FIFA 18: Die neuen Screenshots von der E3 2017 (3)
EA Sports verleiht den Kickern zudem individuelle Animationen. Dadurch sollt ihr sie bereits aus der Entfernung anhand ihres Laufstils, ihrer Schrittlänge oder ihrer Armbewegungen identifizieren. Ein CR7 etwa startet seine Läufe tief und richtet sich erst nach einigen Metern auf. Seine Hände schwingt er währenddessen weit hinter sich - fast wie ein Sprinter. Ihn erkennen wir sofort.
Doch was ist mit den weniger bekannten Balltretern aus den kleineren Ligen? Gameplay Producer Samuel Rivera gibt im Interview die Antwort: "Wir unterteilen die Spieler in die Archetypen 'klein', 'mittel' und 'groß' sowie in die Kategorien 'schmal', 'normal' und 'bullig'. Anhand dieser Klassifizierung legen wir die Animationen fest, ergänzen sie aber um Eigenheiten. Bei Raheem Sterling (Star-Stürmer bei Manchester City; Anm. d. Red.) etwa passten wir die Handhaltung an."
Diese Einteilung wirkt sich auch auf die Dribblings aus. Grundsätzlich reagieren die Spieler nun schneller auf eure Kommandos, was den kleineren Ballzauberern zugutekommt. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl an Analog-Stick und Sprint-Taste legen wir die Pille gekonnt am Gegenspieler vorbei und nutzen den Moment für einen flotten Sprint. Die Laufanimationen von kleinen und großen Spielern unterscheiden sich nun ebenfalls. Demzufolge nehmen Leichtgewichte wie Lionel Messi schneller Fahrt auf, während groß gewachsene Spieler erst mit der Zeit ihr volles Tempo erreichen.
Quelle: EA
FIFA 18: Die neuen Screenshots von der E3 2017 (6)
Neue Stärken, neue Schwächen?
Überhaupt stärkt EA Sports in FIFA 18 die Offensive. Nicht nur, dass Dribblings nun leichter und direkter von den Fingern gehen, das verbesserte Mitspielerverhalten sorgt ebenfalls für mehr Anspielstationen. "Im Vorgänger lief der Spielaufbau hauptsächlich durch das Zentrum. In FIFA 18 ziehen wir es mehr in die Breite", erklärt Sam Rivera. "Das gesamte Team bewegt sich nun mehr, und speziell die Außen suchen sich immer wieder neue Wege aus."
In der Anspielrunde entpuppen sich diese Neuerungen als zweischneidiges Schwert: In der Offensive funktioniert das Kurzpass-Spiel deutlich besser, tatsächlich rücken Teamkameraden schneller nach, sodass wir nicht ständig manuell andere Kicker über das Feld ziehen müssen. Gerade die Flügelspieler bieten sich häufig an und laufen in die Gassen. Zugleich offenbaren sich jedoch noch kleinere Schwächen in der Defensive. Zwar blockt diese Heber in den freien Raum meist gekonnt ab, lässt aber Steilpässe gerne passieren. So stellt sich zwar die Verteidigung im Vergleich zum Vorgänger im Zentrum besser auf, wackelt aber auf den Außen. Auch die neu ausgerichteten Flanken zünden noch nicht - sie kommen oft zu kurz und landen dadurch beim Gegner.
Deutlich besser gefallen uns da die verfeinerten Animationen bei Volleys und Direktabnahmen. Unsere Spieler bewegen sich deutlich natürlicher über das Grün, sie springen nicht mehr automatisch in Animationen hinein, sondern positionieren sich mit Tippelschritten automatisch und starten die nächste Bewegungsphase. Dadurch wirkt das Spiel in sich runder und weniger hektisch.
Eine nützliche, aber unscheinbare Veränderung betrifft die Auswechslungen. Mit den sogenannten "Quick-Subs" nehmt ihr Wechsel vor, ohne das Pausenmenü aufzurufen. Stattdessen legt ihr entweder vor dem Match feste Spielerpaare fest oder verlasst euch auf die Tipps eures Co-Trainers. Im Hands-on hinterließ diese Funktion einen sehr guten Eindruck - sie dürfte gerade in Online-Duellen für mehr Ruhe sorgen.
Alles in allem kann sich FIFA 18 also durchaus sehen lassen. EA Sports hört offensichtlich auf die Community und bessert bei den wichtigsten Mankos nach. Eine spielerische Revolution stellt der neuste Ableger unseren Eindrücken nach jedoch nicht dar. Vielmehr fühlt er sich wie eine konsequente Weiterentwicklung an, die Schwachstellen ausmerzt und euch zusätzliche Möglichkeiten an die Hand gibt. Gerade die Option des Blockens und Ablaufens des Balls funktioniert diesmal deutlich besser. Und durch die offensiver agierenden Mitspieler erarbeiten wir uns mehr Chancen vor dem Tor und müssen nicht ganz so oft hinten rum spielen oder auf Alleingänge setzen.
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FIFA 18: Die neuen Screenshots von der E3 2017 (4)
Ein Grund zum Feiern
Noch ein paar Sätze zur Inszenierung, denn in diesen Bereichen trumpft EA Sports mal wieder besonders auf. Torerfolge etwa inszeniert FIFA 18 extrem dramatisch: Nicht nur, dass Schüsse durch die frischen Animationen einen Hauch satter aussehen, auch das Publikum spielt diesmal mehr mit. Abhängig davon, in welcher Region dieser Welt eine Partie ausgetragen wird, reagieren die Fans anders. In Brasilien kommt es beispielsweise durchaus vor, dass nach dem Torerfolg der Heimmannschaft Konfetti auf dem Spielfeld liegen bleibt. Außerdem variieren Farbgebung und Lichtverhältnisse je nach ausgewähltem Schauplatz. Durch verschiedene Filter und Shader bekommen die Stadien einen noch individuelleren Touch. Das trägt zur insgesamt runderen Atmosphäre bei.
Des Weiteren verpassen die Entwickler auch dem Polygon-Publikum ein Facelifting. Bedeutet im Klartext: Die Fans bewegen sich nicht mehr wie Roboter und folgen einer einheitlichen Choreographie, außerdem sehen sie diesmal unterschiedlicher aus. Natürlich entdeckten wir auf den Rängen noch einige Doppelgänger, aber insgesamt wirkt die Masse schon weitaus vielfältiger als früher. Besonders gut finden wir die Reaktionen bei Torerfolgen der Heimmannschaft. Dann stürzt nämlich ein Teil der Zuschauer nach vorne an den Zaun und möchte gemeinsam mit den Stars feiern. Laufen wir dann in Richtung Bande, startet eine kurze Jubelsequenz, in der sich die Spieler mit ihren Anhängern freuen.
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FIFA 18: Die neuen Screenshots von der E3 2017 (5)
Es gibt nur einen Alex Hunter!
Auf den großen Plattformen geht der Journey-Modus in die nächste Runde. Nachdem sich Jahrhunderttalent Alex Hunter in FIFA 17 in der Premier League etabliert hatte, dreht sich nun alles um seine Zukunft. Erste Vertragsangebote liegen bereits auf dem Tisch, der Wechsel ins Ausland steht unmittelbar bevor. Beim Premierenevent spielten wir bereits eine der frühen Missionen an. Nach einer kurzen Filmsequenz mit Alex' Großvater und seinem Manager steht das letzte Match für den FC Chelsea auf dem Plan. Die Fans quittieren die Transfergerüchte mit gellenden Pfiffen. Wir müssen einen Drei-Tore-Rückstand aufholen und mit Alex eine gute Leistung abliefern.
Für mehr Motivation baut EA Sports diesmal zusätzliche kurzfristige Ziele ein und gibt uns laut Sam Rivera mehr Einflussmöglichkeiten. Für eine bessere Verbindung mit Alex Hunter kaufen wir diesmal Kleidung, Schmuck, Frisuren und Tattoos ein. Damit verleihen wir dem Youngster einen modernen Fußballer-Look. Darüber hinaus spielen reale Fußball-Größen à la Cristiano Ronaldo eine wichtigere Rolle im Verlauf der Geschichte. Sie sind somit nicht mehr nur Statisten, sondern erhalten eine größere Bedeutung. Bereits zu Beginn des ebenfalls präsentierten Trailers sehen wir beispielsweise, wie einige Stars Alex Hunters Zukunft kommentieren.
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Löblich: In FIFA 18 treten wir die Story-Reise nicht mehr zwangsläufig alleine an. Im Gegensatz zum Vorgänger erleben wir den Journey-Modus diesmal mit Freunden im lokalen Multiplayer. Dann kontrollieren wir allerdings stets die gesamte Mannschaft und müssen Hunter in Szene setzen. Im Solospiel wählen wir weiterhin, ob wir nur Alex oder die gesamte Truppe steuern.
Interview: Im Gespräch mit Sam Rivera - "Es gibt kein Momentum"
Quelle: EA
Sam Rivera, Gameplay Producer bei EA Sports, im Interview.
Der in Mexiko geborene Samuel Rivera arbeitet für EA Sports im kanadischen Vancouver und ist als Gameplay Producer maßgeblich dafür verantwortlich, welche Funktionen letztlich im Spiel landen. Bei der Präsentation von FIFA 18 in München stand uns der Entwickler Rede und Antwort.
Wie stellen sich Fußballspieler eigentlich vor der Kamera an? Für den Journey-Modus verspricht FIFA 18 ja mehr Interaktion mit echten Stars.
Samuel Rivera: Einige von ihnen sind bessere Schauspieler, als man erwarten könnte. Vielleicht sind sie vor der Kamera nicht so gut wie auf dem Platz, aber das passt schon. Wir haben mit Cristiano Ronaldo in Madrid gedreht und Motion-Capturing-Aufnahmen durchgeführt. Wir waren extrem überrascht! Er wollte so viel machen, hatte sogar eigene Ideen und hat die gesamte Zeit Vollgas gegeben. Selbst wenn wir die eine oder andere Dialogzeile mehrfach drehen wollten.
Ihr habt an der Körperlichkeit im Defensivspiel gearbeitet. Kann ich jetzt endlich den Torhüter wie früher in Frankreich 98 umtreten?
Naja, aus dem Spielverlauf passiert so was natürlich schon. Aber du kannst nicht einfach den Keeper umhauen, wann immer du willst. Wir haben die Defensive weiter ausgebaut. Es gibt nun harte Tacklings und körperlich überlegene Spieler drängen kleinere nun einfach weg. Dazu haben wir auch an der Raumaufteilung gearbeitet.
Die entscheidende Frage zum Schluss: Gibt es das Momentum in FIFA 18?
Ach, komm schon! Wieso sollten wir so etwas wie das Momentum einbauen? Es macht doch gar keinen Sinn und bringt keinerlei Vorteile für das Spiel. Auch im echten Leben gibt es Comebacks in letzter Minute. Klare Antwort: Es gibt kein Momentum in FIFA 18.
