FIFA 21 in der Hands-on-Vorschau: In Trippelschritten zur Meisterschaft?

Special David Benke
FIFA 21 in der Hands-on-Vorschau: In Trippelschritten zur Meisterschaft?
Quelle: EA

EA Sports hat endlich erste konkrete Informationen zu FIFA 21 preisgegeben. Wir durften bereits einer Präsentation der Fußballsimulation lauschen und sogar mehrere Stunden in einer Beta-Version des EA-Kickers verbringen. In dieser Vorschau verraten wir euch alles zu den wichtigsten Gameplay-Änderungen, die euch zum Release am 9. Oktober erwarten.

Im Fußball läuft gerade vieles anders als gewöhnlich. Die geplante Europameisterschaft für dieses Jahr wurde verschoben, dafür findet die Champions-League-Endphase nun im August statt und das auch noch vor beinahe vollkommen leergefegten Rängen. In solch stürmischen Zeiten ist es beruhigend, dass sich Fans des schönen Spiels wenigstens auf eine Konstante verlassen können. Auch 2020 bringt EA Sports einen neuen Ableger der FIFA-Serie auf den Markt, und auch dieses Jahr haben die Macher wieder große Ziele: die beste Fußballsimulation aller Zeiten auf den Bildschirm zaubern.

Noch mehr Infos zu FIFA 21 findet ihr in unseren Einzel-Artikeln zu den Themen:

Ob ihnen das mit FIFA 21 (jetzt kaufen 59,95 € ) tatsächlich gelungen ist, davon konnten wir uns bereits im Vorfeld des Release, der am 9. Oktober für PC, PS4 und Xbox One erfolgen soll, selbst überzeugen. Im Rahmen einer Präsentation wurden uns die wichtigsten Neuerungen des EA-Kickers ausführlich vorgestellt. Danach durften wir ein fünfköpfiges Entwicklerteam mit Fragen bombardieren und sogar eine erste Demo ausprobieren! Alle wichtigen Erkenntnisse fassen wir euch in dieser Vorschau zusammen.

Hinweis: Diese Preview bezieht sich hauptsächlich auf das Gameplay von FIFA 21. Details zu Karrieremodus, Volta-Modus und Ultimate Team liefern wir euch im Verlauf des Monats nach.

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Kein Corona-Kick

Die wichtigste Information gleich vorneweg: Einen "Corona-Modus", über den in den Medien teilweise schon spekuliert wurde, wird es in FIFA 21 nicht geben. "Wir wollen sicherstellen, dass wir Fußball in seiner besten und reinsten Form darstellen", erklärte Live Producer Ionel Stanescu während unserer Präsentation. "Und für uns heißt das: mit Zuschauern im Stadion." Entsprechend bekommt ihr im neuen EA-Kicker das gewohnte Bild mit Fans, Choreos und Vollkontakt zwischen den Spielern zu sehen. Leere Ränge oder Akteure mit Mund-Nase-Schutz an der Seitenlinie wird es trotz Realitätsanspruch seitens der Entwickler nicht geben.

FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (5) Quelle: Electronic Arts FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (5) Dafür haben die Macher diverse andere Überarbeitungen in Sachen Optik und Präsentation geplant. Einen Quantensprung in Sachen Grafik dürft ihr euch zwar nicht erhoffen, auch FIFA 21 setzt noch immer auf die hauseigene Frostbite Engine. Stattdessen wartet der Titel mit jeder Menge kleiner Detailverbesserungen auf: Vor allem die französische Ligue 1 wurde mit neuen realistischen Face Scans bedacht, zudem strahlen Spieler nun noch mehr Emotionen aus. Wenn ihr in der Nachspielzeit den alles entscheidenden Siegtreffer erzielt, liegt sich das Team euphorisch jubelnd in den Armen, während der Gegner entkräftet zu Boden sinkt oder der Keeper frustriert den Ball ins eigene Netz drischt. Außerdem bildet FIFA 21 eure Team-Aufstellung nun in Form von Augmented-Reality-Elementen direkt auf dem Rasen ab, was die Inszenierung nochmal ein Stück nach vorne bringt. Dank Rechtepaket und authentischer Broadcast Overlays gehört die ja ohnehin schon länger zu den Stärken der Serie.

Während unserer Zeit mit der Beta sprangen uns aber auch ein paar Abstriche ins Auge: EA Sports verzichtet nach wie vor auf die Implementierung des Video Assisstant Referee. Statt interessante Neuzugänge zu präsentieren, wurden offenbar die brasilianische, chilenische und kolumbianische Liga aus dem Spiel gestrichen. Diese waren im Anstoß-Modus nämlich nicht mehr verfügbar. Auch bei der zweiten italienischen Spielklasse, der Serie B, wurde der Rotstift angesetzt. Teams wie der FC Empoli oder Chievo Verona findet ihr stattdessen unter dem Reiter "Rest der Welt". Apropos Italien: Neben Juventus Turin, das bereits in FIFA 20 als Piemonte Calcio aufgeführt war, hört auch die AS Rom künftig auf einen Fantasienamen - Roma FC.

Mehr Dynamik, mehr Kreativität

Das ist aber alles noch recht verschmerzbar, schließlich geht es ja auch vielmehr darum, was sich in Sachen Gameplay getan hat. Diesbezüglich stellte EA Sports ja bereits einige Neuerungen vor, wir wollen die wichtigsten aber nochmal hervorheben und unsere Spielerfahrungen damit teilen. Da wäre zum Beispiel das neue Agile Dribblingsystem, das euch gerade in Eins-gegen-eins-Situationen nochmal einen Vorteil verschaffen soll. Mit flinker Beinarbeit könnt ihr auf engem Raum Haken schlagen, Gegner aussteigen lassen und so Chancen kreieren. Das geht entweder, indem ihr die Funktion mit einem Druck auf den rechten Bumper aktiviert, wahlweise lässt sich das Feature aber auch kontextsensitiv anschalten, sodass es sich in entsprechenden Spielsituationen vollkommen automatisch aktiviert.

FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (8) Quelle: Electronic Arts FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (8) Besonders spannend: Die neuen Dribbling-Funktionen sind für jeder Spieler verfügbar, egal ob nun Lionel Messi oder Christoph Kramer. Je nach Attributen führen die Spezialbewegungen nur eben mal mehr, mal weniger zum Erfolg. Das gilt übrigens nicht nur für das Agile Dribbling, sondern jegliche Tricks, die ihr in FIFA 21 vollführen könnt. Selbst Innenverteidiger dürfen künftig Kunststückchen wie einen Roulette, einen Elastico oder die neu eingeführten Bridge- und Tunnel-Skill-Moves auf den Rasen zaubern - nur eben wesentlich langsamer und ungelenker. Entsprechend besteht stets das Risiko, die Kontrolle über den Ball zu verlieren und den Gegner zu einer Chance einzuladen.

Wir haben uns mit dem Tricksen in der Beta daher noch ein wenig zurückgehalten. Gegen die KI waren ausgefallene Spezialbewegungen aber auch nicht wirklich von Nöten. Gegen menschliche Spieler kann das Agile Dribbling dagegen bestimmt durchaus sinnvoll, aber auch echt nervig sein. Wir sehen vor unserem inneren Auge jetzt schon, wie Gegner endlos lange an der Eckfahne stehen, mit zuckenden Fußbewegungen unseren Tacklings ausweichen und mit einem breiten Grinsen die Uhr herunterlaufen lassen.

Zeigen, wo's lang geht

Wesentlich spannender fanden wir daher die Kreativen Läufe, die euch nun noch mehr Kontrolle über eure computergesteuerten Mitspieler geben. Ihr könnt ihnen nun nämlich endlich sagen, wohin sie laufen sollen, statt auf einen Geistesblitz der KI zu hoffen. Das geht in FIFA 21 gleich in drei verschiedenen Varianten: Ihr wollt eine Spieler in eine bestimmte Richtung schicken? Dann triggert mit dem linken Bumper einen Lauf in die Spitze und legt mit einer Bewegung des rechten Sticks fest, in welche Richtung euer Mannschaftskollege startet. Ihr wollt eine schnelle Kombination starten? Dann schlagt nach einem Zuspiel den rechen Stick in eine beliebige Richtung ein, um den Passgeber in den gewünschten Raum laufen zu lassen. Oder aber ihr drückt einfach L3 und R3 gleichzeitig, übernehmt vorübergehend die Kontrolle über einen festen Spieler und startet dann im Alleingang den Angriff, den ihr euch gerade zurechtgelegt habt.

FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (2) Quelle: Electronic Arts FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (2) Diese drei Möglichkeiten - "Directed Runs", "Directed Pass And Go" und "Player Lock" - geben euch bei der Spieleröffnung nochmal wesentlich mehr Optionen. Chancen kreieren ist in FIFA 21 noch intuitiver als je zuvor, wenn man sich denn erst einmal an die Steuerung gewöhnt hat. Die Kreativen Läufe brauchen nämlich ein wenig Einarbeitungszeit. Wenn ihr beim Bewegen des rechten Sticks das Timing versemmelt, kommt es vor, dass sich euer Spieler auch mal den Ball vorlegt oder zu einem Trick ansetzt. Gerade zu Beginn empfehlen wir daher, mit dem aktivierten Trainer-Overlay zu spielen, dass euch nochmal zusätzlich bei der Koordination der Kreativen Läufe unterstützt. Habt ihr den Dreh dann irgendwann raus, könnt ihr allerdings bis zu 5 Spieler gleichzeitig in beliebige Richtungen übers Spielfeld scheuchen - ein echter Gamechanger, wie auch Gameplay Producer Sam Rivera in unserer Präsentation versprach. Zumindest im Kurzpassspiel. Flanken waren in unserer Demo noch immer recht ineffektiv. Während unseres Testwochenendes haben wir so gut wie keine Kopfbälle erzielt und das obwohl FIFA 21 hier mit den "Assissted Headers", die euch beim Zielen und der Kraftdosierung helfen, nochmal nachgebessert hat.

Mann gegen Mann

Natürlich müsst ihre eure Mannschaft aber nicht immer eigenhändig positionieren, auch von alleine sollen Spieler immer öfter da stehen, wo sie auch hingehören. Dafür sorgt das neue Positioning-Personality-Feature, mit dem die taktische Finesse eines Akteurs nun noch mehr zur Geltung kommen soll. Angreifer mit einem guten Wert in Sachen offensives Stellungsspiel erkennen besser Räume oder eigene Abseitsstellungen. Verteidiger mit einem guten defensiven Stellungsspiel reagieren cleverer auf gegnerische Läufe, stelle Passwege zu und sind näher dran am Gegenspieler - so zumindest die Theorie.

FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (4) Quelle: EA FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (4) Die praktischen Auswirkungen der Funktion waren in der knappen Zeit mit unserer Demo noch nicht vollkommen ersichtlich. Was wir jedoch sagen können: Auch in FIFA 21 steuern sich Stürmer etwas langsamer und werden öfters von Manndeckern eingeholt. Schulter-an-Schulter-Zweikämpfe oder Ballabschirmen wurden nochmal ein wenig effizienter gemacht. Hier und da waren auch mal ausgefallenere Abfang-Aktionen zu sehen, in denen ein Verteidiger uns etwa per Spagat den Ball abluchste, was wohl auf überarbeiteten Block-Mechaniken zurückzuführen ist. Die sollen das Verteidigen noch verlässlicher, akkurater und konsistenter machen. Auch in Sachen Torhüter hat sich was getan. Sahen die in FIFA 20 bei Schüssen aufs kurze Eck noch oft schlecht aus, sei das in FIFA 21 nun "eine komplett andere Geschichte", so Sam Rivera. Im neuen EA-Kicker müsst ihr euch also andere Wege und Taktiken zum Erfolg suchen.

Weitere wichtige Neuerungen: Neben automatischen Flair-Pässen oder Schüssen könnt ihr nun auch automatisches Blocken und Ballklären ausschalten. Eure Spieler machen also nur noch das, was ihr auch wirklich per Controller einfordert. Das nimmt dem Spiel den Zufallsfaktor, sodass willkürliche Ausfallschritte eurer Verteidiger, die leichte Gegentreffer ermöglichen, künftig der Vergangenheit angehören. Auch Kollisionen sollen in FIFA 21 flüssiger ablaufen. Der Bereich zwischen Ellenbogen und Hand ist "Luft" und beeinflusst nicht mehr die Flugbahn des Balles. Spieler rennen oder verheddern sich auch nicht mehr ineinander, sondern weichen nun clever aus, wenn etwa ein Akteur am Boden liegt. Das sorgt für ein saubereres, geschmeidigeres Erlebnis.

Die volle Kontrolle

Insgesamt soll das Spielgefühl von FIFA 21 nochmal etwas runder und facettenreicher sein als im Vorgänger. Spieler reagieren dank verkürzter Animationen schneller und besser auf eure Befehle, mit der Super-Cancel-Funktion könnt ihr ungewünschte Aktionen sofort abbrechen. Darüber hinaus lassen sich Abstöße nun innerhalb des eigenen 16ers ausführen, der Vorteil nach einem Foul ablehnen, Torhüter bei einem Freistoß auf der Linie bewegen und bei Elfmetern mit noch mehr Finten herumspielen.

FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (1) Quelle: Electronic Arts FIFA 21 in der Gameplay-Vorschau. (1) All das ist durchaus von Vorteil, FIFA 21 verlangt euch gegen die KI nun nämlich noch mehr ab - sofern ihr das denn wollt. Ab dem legendären Schwierigkeitsgrad könnt ihr wahlweise den Wettkämpfer-Modus aktivieren, wodurch die KI ihren Spielstil an den echter FIFA-Profis anpasst. Der Computer spielt also etwas verschnörkelter, nutzt Tricks und Flair-Pässe oder verschleppt auch mal das Tempo, um dann mit einem aggressiven Pass eure komplette Abwehr auszuhebeln. EA-Producer Rivera sagte in unserer Präsentation, es sei "der größte Spaß", den er seit Jahren im Offline-Modus gehabt habe. Eine Aussage, die wir so fast einwandfrei unterstreichen können.

Daneben präsentiert EA Sports in FIFA 21 noch diverse andere Zusatz-Optionen und Quality-of-Life-Verbesserungen: Im Anstoß-Modus könnt ihr nun etwa zwischen Classic (jeder Spieler hat auf jeder Postion die gleichen Werte) und Default (die Werte verbessern sich auf der präferierten Position) wählen sowie die Farbe von Rasen und Spielfeldmarkierung ändern. In Freundschaftsspielen habt ihr zudem Zugriff auf eine Rewind-Funktion, mit der ihr das Spiel bis zu 30 Sekunden zurückspulen und dann von einem beliebigen Punkt an von vorne spielen könnt.

Zu guter Letzt hat EA Sports auch nochmal dafür gesorgt, dass FIFA-Spieler in Zukunft mehr Zeit auf dem Platz und weniger Zeit mit dem toxischen Verhalten ihrer Gegner verbringen. So wurden beispielsweise besonders provokative Jubel wie die Psssssst-Geste aus dem Spiel gestrichen, nach jedem Tor wird nun noch ein Replay gezeigt und überflüssige Cutscenes - wie das Ballholen für einen Einwurf oder das Ball-Zurechtlegen für einen Abstoß - werden nun automatisch übersprungen. Das ist doch mal eine schöne Nachricht!

Bisheriges Fazit

Meinung

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