Spektakuläre Open-World-Rennduelle gepaart mit atem- beraubenden Naturkatastrophen. Hält FUEL, was es verspricht?
FUEL
Jedes Camp versammelt einige wenige Karriererennen, die auf das Straßennetz des jeweiligen Einzugsgebiets aufbauen. Diese gilt es stets als Erster zu beenden, ansonsten winken weder Karrieresterne, noch entsprechendes Geld. Zudem reicht das Ansehen nicht aus, um in weitere Gebiete Nordamerikas vordringen zu dürfen. Außerhalb des Karrieremodus sorgen etwa 200 Herausforderungen für etwas Abwechslung im hart umkämpfen Rennalltag. Wer gegen die Zeit oder einen Helikopter gewinnt, oder zahlreiche Kontrahenten in einem Ausscheidungsrennen hinter sich lässt, verdient sich ein paar Extramoneten. Dazu gesellen sich Raid und Ausdauerrennen, bei denen man durchaus mal querfeldein dem Ziel entgegen eifert. Doch nicht nur die offene Spielwelt trübt dabei ein wenig den Spielspaß, auch die Tatsache, dass Events wie Blitzrennen im Grunde dieselben Varianten des Karrieremodus nur in grün darstellen. Einigen Events wie zum Beispiel der Helikopterverfolgung und der freien Jagd nach einigen Fahrern kann man letztendlich nur noch wenig abgewinnen und dienen schlichtweg als öder Lückenfüller.
FUEL
Jedes Event hat bestimmte Vorraussetzungen und Eigenschaften. Neben der Zielvorgabe ist vor allem die Streckenführung entscheidend. Geht es über Asphalt, sollte die Motorisierung etwas anders als auf der Schotterpiste ausfallen. Dementsprechend wird die zugelassene Auswahl an Fahrzeugen direkt vom Spiel vorgegeben. Zur Verfügung stehen fünf unterschiedliche Fahrzeugarten angefangen bei den Motorrädern, über Quads, ATVs und Trucks bis hin zu Muscle-Cars, welche allesamt unterschiedliche Fahreigenschaften aufweisen und je nach Bodenbeschaffenheit auch unterschiedliche Einsätze finden. Rutscht das Muscle-Car zum Beispiel vom Asphalt in die Wiese ab, sorgt ein gewaltiger Geschwindigkeitsverlust für verlorene Positionierungen. Mit zwei Meter breiten Schlappen ausgestattete Trucks fahren dagegen ungeniert über eine zerklüftete Vulkanlandschaft und überlassen die Hauptarbeit ihrer Federungen. Insgesamt vermittelt FUEL aber eher ein spaßiges Arcade-Gefühl und möchte weniger einer Simulation gleichen. Wer dennoch sein Fahrzeug nicht unter Kontrolle hat und die teils extrem haarigen Kurven falsch anbremst, wird kaum Land sehen.
Über Feld, Stock und Stein
FUEL
Anders als bei manch anderem Offroad-Rennspiel kämpft man in FUEL eigentlich auch weniger mit seinem Gefährt. Jedes Fahrzeug fährt sich zwar deutlich anders und somit ist die Wahl des richtigen mobilen Untersatzes bezogen auf das gegebene Event äußerst wichtig und mitunter auch entscheidend für den Karrieresieg - vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Doch vielmehr ist es die Umgebung, die einem wirklich zu schaffen macht. Nur wenige Rennspiele vermitteln einen solch starken Eindruck voller Staub, Dreck und Lärm. Die Motoren klingen richtig böse während sie den Untergrund aufreißend massig Schlamm und Wasser unserer genial geführten Kamera entgegen werfen. Jede Sekunde des Rennens muss man der Maschine seinen Willen regelrecht aufzwängen um mit feinfühligen Gas-Spielereien durch die Wälder oder steinigen Schluchten zu fetzen, ohne auf ein stehendes Hindernis zu prallen. Denn die Strecken sind nicht aufgeräumt, mitunter gar nicht mehr zu erkennen, und genau das macht den Reiz von FUEL aus und sorgt für den Adrenalinschub. Trotzdem lernt man die Pisten mit der Zeit natürlich kennen und bemerkt, dass man in FUEL ganz schön viel riskieren kann, beispielsweise die im Weg liegenden Steine als Sprungschanze zu nutzen um Gegner regelrecht zu überfliegen. Doch wehe der Winkel stimmt nicht oder die Geschwindigkeit ist etwas zu hoch, dann könnte dies das Ende des Rennens bedeuten.
FUEL
Es sind die freien Wege, welche uns große Chancen auf den Sieg versprechen, aber auch frustrierende Niederlagen bescheren können. Das einschaltbare GPS-Navigationssystem spielt dabei eine tragende Rolle und weist euch mittels einer in der Luft dargestellten Pfeillinie den Weg zum nächsten Checkpoint. Dabei ist das System so schlau und beachtet auch die Fahreigenschaften, so dass es euch je nach Fahrzeug auch mal durch das unwegsame Terrain leitet. Meist aber folgen die Pfeile der normalen Straße zum Ziel und dank einer zumindest bei klarem Sonnenschein guter Weitsicht erahnt man dadurch gewisse Abkürzungspotenziale. Einzig direkte Zusammenstösse mit von Natur gegebenen Blockaden oder auf den Strecken herumliegenden Altmetallschrotts sollte man meiden, da dies zu Schäden am Fahrzeug führt (was aber keine Auswirkung auf die Fahreigenschaften hat) und uns zudem mittels Ladebildschirms zurücksetzt. Dabei verliert man nicht nur wertvolle Sekunden, sondern meist auch mehrere Plätze. Zusätzlich kann man sich auch per Knopfdruck absichtlich zurücksetzen lassen, beispielsweise wenn man eine Schlucht hinabgestürzt ist, aus der man in annehmbarer Zeit nicht mehr herauskommt. Leider scheint diese Funktion nicht ganz ausgereift, denn dem Spieler wird dabei nur selten wirklich geholfen: Man schaut demselben Hindernis abermals entgegen, steht um 180° gedreht auf der Strecke oder muss trotz aller Umstände einen Weg aus der Pampa finden. Und wenn das System uns sogar auf der eigentlichen Straße aufgrund einer geküssten Leitplanke oder eines Lackkratzers völlig unverständlich mit "zurücksetzen" bestraft, kommt relativ schnell so richtig kochende Wut auf.
FUEL
Frust ist bei FUEL leider aufgrund der Streckenführung und damit teils unvorhersehbaren Ereignissen vollkommen vorprogrammiert. Auf zahlreiche Neuversuche sollte man sich daher auf jeden Fall einstellen. Mitunter Schuld trägt auch die nicht immer nachvollziehbare künstliche Intelligenz. Gerade die Startphase ist wie bei der Formel 1 einer der kritischsten Momente. Gelingt diese recht ordentlich und hat man sich ohne größeren Schaden in einer angenehmen Position im Feld eingereiht, steht den nächsten Kilometern bis zur Ziellinie kaum etwas im Weg. Gerät man dagegen ins Schleudern oder ärgert sich über das unfaire Verhalten seiner Mitfahrer, die sich mal gerne vor eurer Motorhaube quer stellen und dabei den Weg blockieren oder euch einfach mal am Heck touchieren und damit euer Fahrzeug die Böschung hinab buxieren, seid ihr schon etliche uneinholbare hundert Meter hinter der Führungsposition zurück. Weiterhin ist vor allem auf dem Profischwierigkeitsgrad oftmals unerklärlich, wie die CPU innerhalb von Sekunden kurz vor Schluss noch einen großen Abstand gutmachen und pfeilschnell die Zielgerade überqueren kann. Gummiband und spannende Rennmomente hin- oder her, solches Fahrverhalten geht schnell in Frust über. Man muss der KI aber auch zugestehen, dass Mitstreiter auch gern mal Fehler machen, unverhofft frontal in ein Hindernis fahren und somit eure Chance auf einen Sieg wieder erhöhen.
