Fable: Die Xbox-RPG-Perle im Rückblick - mit Video!

Special Maci Naeem Cheema
Fable: Die Xbox-RPG-Perle im Rückblick - mit Video!
Quelle: Microsoft

Im ersten Kapitel der Xbox-Historie spielte das Rollenspiel Fable in einer Liga mit großen Blockbuster-Games wie Halo, Star Wars: Knights of the Old Republic oder Crimson Skies, mit der Zeit ist die Reihe aber im dichten Wald verschollen. In diesem Retro-Rückblick beleuchten wir das allererste Fable und klären warum das Spiel - damals, wie auch viele Jahre später - zu den bedeutendsten Xbox-Marken gehört.

Fällt der Name Xbox, so denken die meisten Spieler und Spielerinnen vermutlich an den Weltraum-Hit Halo, die großartigen Rennspiele der Forza-Marke oder an die desaströse E3-Präsentation der Xbox One (hier unsere Gameplay-Hoffnungen für 2020). Wir jedoch denken schlagartig an viele wundervolle Spielemomente, die wir in der charmanten und einzigartigen Welt Albion erleben durften. Viele dieser Momente lebten von einem wilden Mix aus düsteren Fantasy-Elementen, einem typisch britischen Humor und einem besonders freien Spielgefühl. In Fable dürfen wir nämlich unsere Spielfigur weitaus individueller anpassen, als es in den meisten anderen Rollenspielen der Fall ist. Das Rollenspiel litt zwar unter den überirdischen Ambitionen und Versprechungen seines Urvaters Peter Molyneux, trotz alledem gilt der Xbox-Titel als eines der bedeutendsten Spiele der Microsoft-Konsole. In diesem Retro-Special blicken wir gemeinsam auf den ersten Teil und die Spielinhalte, die das Action-RPG so außergewöhnlich gemacht haben.

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Es war einmal in Oakvale...

Die ersten Spielstunden von Fable verbringen wir als kleiner Junge. Der Alterungsprozess hört hier aber nicht auf! Wer Fable beendet, der muss sich mit Falten und weißem Haar anfreunden. Quelle: PC Games Die ersten Spielstunden von Fable verbringen wir als kleiner Junge. Der Alterungsprozess hört hier aber nicht auf! Wer Fable beendet, der muss sich mit Falten und weißem Haar anfreunden. "Tief in Albions Wäldern lag die kleine Stadt Oakvale, unverändert vom Lauf der Zeit und unberührt vom Schwert." Mit diesem ersten Satz wurden Millionen Videospiel-Fans im Jahr 2004 in die fantasievolle Welt Albion geleitet. Die mit Märchen und Mythen gefüllten Ländereien wurden einst von einer königlichen Blutlinie geführt. Die Quelle ihrer Macht war ein mysteriöses Schwert, mit der Zeit führte die Blutlinie das Reich aber immer näher an den Abgrund. Viele Jahre später ist Albion ein von gesetzlosen Wäldern gespaltenes Land. Vom Grauen inmitten dieser Wälder verborgen befindet sich die kleine Bauernstadt Oakvale, in der die Familie unseres Helden ein friedliches und idyllisches Leben führt. Das Abenteuer rund um den später als "Helden von Oakvale" bekannten Mann beginnt auffällig harmonisch. Als kleiner Bauernknabe durchstreifen wir die Gassen des Dorfes mit dem Ziel, ein passendes Geburtstagsgeschenk für unsere große Schwester Theresa zu finden. Eine große Hilfe ist dabei unser Vater, der uns für jede gute Tat im Dorf ein Goldstück verspricht. So möchte zum Beispiel eine wütende Ehefrau, dass wir uns auf die Suche nach ihrem nutzlosen Ehemann machen, der sich kaum mehr daheim blicken lässt. Einen unrealistisch kurzen Spaziergang entfernt finden wir den Lustmolch hinter einem Haus fest umschlungen in den Armen eines jungen Mädels. Berichten wir der Ehefrau von der heimlichen Liebhaberin oder behalten wir das Gesehene für uns? Bereits in den ersten Spielminuten zeigt Fable, wie stark der Fokus auf moralischen Entscheidungen liegt - dazu aber später mehr.

Haben wir mithilfe von guten oder bösen Taten genug Geld beisammen, so nimmt die Handlung des Rollenspiels ordentlich Fahrt auf. Denn, wie nicht Fable ist zwar in vielerlei Hinsicht kindlich, es hat aber auch seine dunklen Spielemomente. Quelle: PC Games Fable ist zwar in vielerlei Hinsicht kindlich, es hat aber auch seine dunklen Spielemomente. anders zu erwarten, findet das Schwert auf brutale Art seinen Weg nach Oakvale. Eine Räuberbande aus dem umliegenden Wäldern überfällt das Bauerndorf und ermordet fast die gesamte Gemeinde, unter anderem auch unseren geliebten Vater. Zu den wenigen Überlebenden zählen unsere Schwester Theresa sowie unsere Mutter, die weltweit als Heldin bekannt ist. Blöderweise wurden die beiden aber von den Angreifern entführt und so sind wir im brennenden und Räuber-verseuchten Oakvale auf uns alleine gestellt. In letzter Sekunde werden wir aber von einem Magier namens Maze gerettet. Der bringt uns daraufhin zur Heldengilde, eine Akademie, in der wir im Schwertkampf, im Bogenschießen und selbst in der Magie unterrichtet werden. Die Geschichte von Fable (jetzt kaufen ) ist zwar nett erzählt, ein hochkomplexes Fantasy-Epos mit vielen Wendungen sollte man aber nicht erwarten. Nach dem erfolgreichen Abschließen unserer Ausbildung verfolgen wir die Spuren unserer Familienmitglieder, erfahren mehr über unsere Rolle in der Geschichte und decken sogar die Identität des Strippenziehers auf, der hinter den Gräueltaten unserer Kindheit steckt.

Der steinige Weg zum Helden

Eine der prominentesten Institutionen Albions ist die bereits erwähnte Heldengilde, die nicht nur Dreh- und Angelpunkt der Spielerfahrung ist, sondern auch als unser neues Zuhause dient. Mit der Zeit entwickeln wir durchaus eine starke Bindung zu dem Ort und den vielen tollen Charakteren wie dem Gildenmeister, unserer Mitbewohnerin Whisper oder dem Magier Maze. Neben emotionalen Gründen werden wir auch spielerisch immer wieder dazu aufgefordert, in die Gilde zurückzukehren. Wir können nämlich gesammelte Erfahrungspunkte nur hier in neue Fertigkeiten investieren. Die unterteilen sich auf die drei Bereiche Stärke, Geschicklichkeit und Willenskraft. Darin finden sich zum Beispiel übliche Attribute wie Körperbau, Gesundheit oder List, aber auch spezielle Fähigkeiten wie das Beschwören von Geisterschwertern. Wer jetzt denkt, das Skillsystem von Fable bietet wenig Kombinationsmöglichkeiten, der liegt fast so falsch wie der Ehemann zu Beginn unserer Reise, der dachte, seine Affäre würde im winzigen Küstendorf Oakvale nicht irgendwann die Runde machen. Unser Held kann ein mit Kriegsaxt und Waschbrettbauch beschmückter Hexenmeister sein, abe Für Großtaten erhalten wir mehr Gold und Ruhm, die machen eine Quest aber auch um einiges schwieriger zu absolvieren. Quelle: PC Games Für Großtaten erhalten wir mehr Gold und Ruhm, die machen eine Quest aber auch um einiges schwieriger zu absolvieren. r auch ein listiger Bogenschütze, der per Knopfdruck zum Berserker wird. Ein weiterer Grund für uns, nach erlebten Abenteuern in die Heldengilde zurückzukehren, ist der Kartenraum, denn nur an diesem Ort erhalten wir neue Haupt- und Nebenquests. Bei denen haben wir übrigens auch durch sogenannte Großtaten die Möglichkeit, zusätzlichen Ruhm (oder Spott) auf uns zu ziehen. Prahlen wir zum Beispiel damit, eine Mission komplett nackt zu erledigen, so erhalten wir mehr Gold und zusätzliche Berühmtheit, wodurch unser Name viel rasanter in Albion bekannt wird. Neben unserer Kampfgesinnung gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, unseren Charakter an die eigenen Vorstellungen anzupassen.

Wer, wie und was möchte ich sein?

Die Kleidungen in Fable haben nicht nur Einfluss auf unsere Rüstung, sie beeinflussen auch unsere Erscheinung beim Volk. Quelle: PC Games Die Kleidungen in Fable haben nicht nur Einfluss auf unsere Rüstung, sie beeinflussen auch unsere Erscheinung beim Volk. Jede Entscheidung in Fable kann Auswirkungen auf unsere Erscheinung, unseren Ruf und unsere sozialen Beziehungen haben. Das kann ganz simpel und schlicht sein und sich beispielsweise auf unsere Ernährung beziehen. Stopfen wir zu viel Kuchen und Bier in unseren Körper, so müssen wir damit leben, dass dieser molliger und unattraktiver wird. Auch Kleidungsstücke haben neben dem Rüstungswert noch weitere Faktoren, die es zu beachten gilt. Manche machen uns für die Außenwelt attraktiver, andere hingegen erhöhen unseren Gruselfaktor. Die wichtigsten Entscheidungen sind aber natürlich moralischer Natur. In den ersten Spielstunden erfahren wir von einer Obstfarm, die von Räubern ins Visier genommen wurde. Es liegt ganz bei uns, ob wir uns den Beschützern der Obstfarm anschließen oder lieber mit den Angreifern zusammenarbeiten möchten. Die tiefere Bedeutung unseres Verhaltens wird zwar meist mit der Bratpfanne ins Gesicht gepfeffert, doch das ist vollkommen okay. Fable ist durch seinen ulkigen Humor und seine lockere Präsentation eben nicht so bitterernst und tiefgründig wie andere Moralapostel im Videospielkosmos.

Ein Kernfeature des Action-Rollenspiels ist es, dass sich unsere Moral gravierend auf unsere Erscheinung ausübt. Sind wir ein richtig böser Knabe, so wachsen uns unter anderem Hörner auf dem Kopf und ein Fliegenschwarm ist stetiger Begleiter. Bei einer positiven Ausrichtung hingegen schmückt ein Heiligenschein unseren Kopf und die Fliegen werden durch Schmetterlinge ausgetauscht. Vieles, was wir in Fable tun, hat somit starke Auswirkungen auf unsere Spielfigur. Zusätzlich gibt es diverse Frisuren, Bärte und Tätowierungen, die ebenfalls stark unsere Erscheinung beim Volk beeinflussen. Wer nicht alleine und einsam sterben möchte, der sollte sich also durchaus Gedanken machen über sein alltägliches Leben in Albion. Denn in Fable erwartet uns neben vielen weiteren Aktivitäten und Erlebnissen auch das intensive Abenteuer Liebe.

Was es für ein gutes Leben so braucht

Soziale Interaktion mit dem Volk ist einer der Gründe, warum Fable selbst viele Jahre später noch als einzigartig gilt. Quelle: PC Games Soziale Interaktion mit dem Volk ist einer der Gründe, warum Fable selbst viele Jahre später noch als einzigartig gilt. Wer kennt die Situation nicht? Man kommt von einem gefährlichen Abenteuer endlich wieder nachhause und das erste, was einem in den Sinn kommt ist der Wunsch nach guter Gesellschaft und einem kalten Bier. Die Taverne in der Hauptstadt Bowerstone ist ein perfekter Ort in Albion, um sich der leidenschaftlichen Welt des Flirtens hinzugeben. Durch unterschiedliche "Ausdrucks-Aktionen" wie Lachen, Pupsen oder dem ikonischen "Gehen wir zu mir?" können nämlich Herzen schrittweise erobert werden. Entwickelt sich daraus wirklich eine Liebesbeziehung, so können wir unseren Traumpartner sogar durch das Übergeben eines Eherings heiraten und mit ihm in ein Haus unserer Wahl ziehen. Sex ist ebenfalls möglich, Kinder zeugen jedoch erst in den Nachfolgern Fable 2 und Fable 3. Das ist alles sehr minimalistisch, doch es gibt der gesamten Spielerfahrung mehr Tiefe und so fühlt sich Fable weniger wie eine Reise an und mehr wie ein virtuelles Leben - Sims lässt grüßen!

Die witzig geschriebenen Dämonentüren gehören zu den kultigsten Features von Fable. Quelle: Microsoft Die witzig geschriebenen Dämonentüren gehören zu den kultigsten Features von Fable. Abgesehen vom sozialen Aspekt lebt Albion von seinen vielen Geheimnissen. Überall in der Welt verteilt finden sich sogenannte Dämonentüren, die seltene und aufregende Schätze verbergen. Der Kniff ist: Die öffnen sich nur, wenn wir wissen, was genau die lebendige Tür eigentlich von uns möchte. Die Dämonentüren sind nicht nur ein netter Zeitvertreib, meist sind sie auch sehr witzig und sie fügen sich perfekt in das Gesamtwerk ein. Desweiteren gibt es unzählige Schatztruhen zu entdecken. Manche von ihnen sind magisch versiegelt und benötigen eine bestimmte Anzahl an Silberschlüsseln. Auch diese sind überall in der Welt verteilt. Ab und an sind die sehr auffällig platziert und fallen beim ersten Betreten eines neuen Areals sofort ins Auge, an anderer Stelle muss man buddeln, angeln oder intensiv danach suchen. Mythen und Sagen haben nämlich einen festen Bestandteil in Fable. So gibt es zum Beispiel in der Nähe der von Werwölfen heimgesuchten Stadt Knothole Glade ein legendäres Schwert, dass rätselhafterweise in einem Stein steckt. Wie man das da rausbekommt? Keine Ahnung! Fable strotzt nur so vor popkulturellen Anspielungen und cleveren Ideen. Wer die Spielwelt von Fable intensiv erforschen möchte, der ist gezwungen, sich mit den vielen Büchern und Schriftstücken auseinander zu setzen. Darin verbergen sich viele kleine Geschichten und Erklärungen zu den Persönlichkeiten, Orten und Monstern in Fable.

Ein Märchenland voll Hobbs und Balverinen

In Fable gibt es eine Vielzahl an spannenden Monstern. Die Balverine sind zum Beispiel fester Bestandteil der Mythologie im Action-RPG. Quelle: PC Games In Fable gibt es eine Vielzahl an spannenden Monstern. Die Balverine sind zum Beispiel fester Bestandteil der Mythologie im Action-RPG. Was Fable neben den vielen spielerischen Freiheiten so besonders macht ist die kreative Märchenwelt und die Kreaturen und Lebewesen, die sie bewohnen. Neben den Balverinen (Werwölfen) gibt es noch viele weitere Monster wie die angsteinflößenden Kreischer, die feenartigen Nymphen oder die ikonischen Hobbs. Die stark an Kobolde erinnernden Parasiten sind über die Grenzen von Albion bekannt dafür, Kinder zu entführen und selbst primitive soziale Strukturen lassen sich in ihren Höhlen entdecken. Laut Legenden, von denen sich viele in den unzähligen Schriftstücken in Albion finden lassen, waren die ersten Hobbs Menschenkinder, deren Seelen von dunklen Nymphen verschluckt wurden. Das aus vielen kleinen Schlaucharealen zusammengepackte Albion ist zwar nicht so groß wie Spielwelten anderer Rollenspiele, es lebt aber von seiner hübschen märchenhaften Präsentation und seinen vielen spannenden Geschichten und Persönlichkeiten. Außerdem ist ein Pluspunkt von Fable, dass sich die Spielwelt mit der Zeit durchaus verändert. Das Oakvale unserer Kindheit ist kaum vergleichbar mit dem, welches wir als Erwachsener besuchen. Kombiniert ergeben all diese kleinen Bruchstücke ein Spielgefühl, das selbst viele Jahre später noch als einzigartig gilt.

Natürlich ist nicht alles an Fable gelungen. Das bereits erwähnte Schlauchlevel-Prinzip ist weitaus weniger eindrucksvoll als andere Spielwelten. Außerdem entpuppt sich die Kamera oftmals als nervig, wodurch Attacken viel zu häufig im Nichts verlaufen. Insgesamt hätte dem Gameplay mehr Präzision, Komplexität und Anspruch gutgetan. Zuletzt weiß natürlich auch jeder, der sich etwas mit Videospielen auseinandersetzt, dass Fable stark unter den vielen leeren Versprechungen von Peter Molyneux litt. Die haben das Franchise sogar schrittweise immer tiefer in den Abgrund gerissen - zumindest vorerst. Doch ohne die großen Ambitionen und Visionen von Molyneux wäre Fable vermutlich nie entstanden. Und wenn doch, dann sicher nicht so kreativ und einzigartig, wie es glücklicherweise der Fall war.

Was ist eure Meinung zum allerersten Fable? Habt ihr euch damals ebenfalls in die wundervolle Welt von Albion verliebt? Oder wollt ihr Fable vielleicht sogar noch nachholen? Schreibt uns eure Meinung zum Xbox-RPG in die Kommentare.

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