Rüstet euch für eine strahlende Zukunft: Wer hier einmal gefallen findet, spielt die nächsten Wochen nichts anderes mehr!
Fallout 3
Manch einer wirft aber sicherlich die berechtigte Frage auf, wo denn der strategische Anteil bei dieser destruktiven Ballerorgie abgeblieben ist. Immerhin rühmten sich die Vorgänger, abseits vom Einheitsbrei etwas mehr Pep ins Geschehen zu bringen. Nunja, an dieser Stelle gab es durch den Entwicklerwechsel wohl mehr Eingriffe, als manchem vielleicht lieb sein wird. Natürlich hat es Vorteile, bestimmte Feinde aus einem sicheren Versteck aus oder von einer erhöhten und für den Gegner nicht erreichbaren Position zu malträtieren, doch dies gilt schließlich für jeden Shooter oder jedes Rollenspiel. Dank des V.A.T.S, dem Vault-Tec Assisted Targeting System oder zu Deutsch Vault-Tec-unterstützte Zielsystem, kann die zumeist sehr bleihaltige Auseinandersetzung aber pausiert und der gegnerische Angreifer exakt anvisiert werden - einen Vorrat an entsprechenden Aktionspunkten natürlich vorausgesetzt, welche ähnlich wie Mana für Zauber in diesem Fall in zielgenaue Schussangriffe investiert werden. Die Kampfsituation richtig einschätzend, den passenden Gegner anvisierend, die richtige Strategie auswählend, wird ein bestimmter Körperteil anpeilt, um anschließend in Zeitlupe diesen ordentlich bearbeiten zu können. Systematisch werden die Fühler einer Reisenameise ausgeschaltet, damit sie wie im Dunkeln durch die Gegend tappt, oder der Arm eines Koloss derart verstümmelt, so dass er die Zweihandwaffe nicht mehr richtig halten kann. Man sollte sich recht früh mit dem V.A.T.S. anfreunden und nicht nur in bester Ego-Shooter-Manier blind durch die Gegend ballernd durch das postapokalyptische Wüstenszenario stapfen, denn das Zielsystem bietet eine grandios effektive Art, seine Feinde strategisch geschickt auszuschalten. Zudem werden diese Szenen in schicken Slow-Motion Sequenzen offeriert, in welchen die Gegner wie in Zeitlupe eine aufs Maul bekommen und dank einer überaus akzentuierenden Ragdoll-Physik "elegante" Abflüge hinlegen.
Sammeln, leveln und reden
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Da der Gegenüber nach einer solchen Auseinandersetzung zumeist das Zeitliche segnet und dadurch nur noch als leblose Puppe das Terrain, auch nach erneutem Laden eines später gesicherten Spielstandes, verziert, geniert sich auch keiner, den Leichnam nach begehrten Accessoires zu untersuchen. Gute Rüstungen und Waffen wandern sofort ins eigene Inventar und werden bei besseren Rüstwerten oder Nebeneffekten sofort angelegt. Auch heilende und seltene Medikamente oder Kronkorken, mal wieder die Währung im postapokalyptischen Alptraum, lässt man gerne mitgehen. Weniger hilfreiche Gegenstände können bei den Karawanen-Händlern oder in den Ansiedlungen, zum Beispiel Megaton oder River City, gegen neue Waren oder Moneten eintauschen werden. Erstaunlicherweise geht den Händlern nicht selten der Vorrat aus, vor allem finanzielle Mittel neigen sich schnell dem Ende. Entweder ihr verschenkt in einem solchen Fall mühsam erarbeitete Waren, oder wartet eine geraume Zeit ab, bis der Händler wieder über flüssige Mittel verfügt. Oftmals lohnt es sich auch, einen Tauschhandel vorzunehmen und sich einen Vorrat an Munition anzulegen. Wenn im Eifer des Gefechts die Patronen ausgehen, steht man buchstäblich mit leeren Händen inmitten der trostlosen Pampa und kann sich kaum mehr zu Wehr setzen. Die beliebte Schnellreisefunktion, welche euch per Tastendruck zu einem vormals besuchten Ort transportiert, funktioniert in Gegenwart von Gegnern natürlich nicht - währe auch zu schön gewesen!
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Aber nicht nur mit den Händlern sollte man sich unterhalten. Konversationen mit den Überlebenden führen nicht selten zu nützlichem Wissen oder bieten oftmals eine Exkursion parallel zur Haupthandlung. Zahlreiche Bewohner müssen unter den harten Bedingungen leiden, sie benötigen daher eine hilfreiche Hand, um ein paar Dinge erledigen zu können. Wer nun nicht das Arschloch mimt und dem Hilfegesuch mit rüden Kommentaren abwimmelt - denn diese Option steht stets für fiese Charaktere zur Verfügung - kann sich stundenlang um Dinge abseits des normalen Storyverlaufes kümmern. Jede Geschichte für sich nimmt einige Spielstunden ein und ist derart gelungen in das Szenario integriert, dass alles zu einem großen Ganzen verschmilzt. Alle Unterhaltungen werden übrigens wie in "Oblivion" durch eine Sprachausgabe angereichert. Mit der hiesigen Fassung müsst ihr euch mit den deutschsprachigen Synchronsprechern zufrieden geben, welche aber durch die Bank weg eine hervorragende Arbeit abliefern. Durch das gesamte Abenteuer hinweg werdet ihr zudem mit diversen Radiosendern - zumindest den wenigen, die sich in das Zeitalter nach der nuklearen Katastrophe hinüber retten konnten - beschallt, welche durch eurem Pip-Boys 3000 je nach Standort empfangen werden. Während der Sender der Enklave nur Propaganda und militärisch angehauchte Märsche verbreitet, sorgt der DJ Three Dog für ein unterhaltsames, wenn auch mit der Zeit sich wiederholendes, Entertainment- sowie Aufklärungsprogramm. Er Berichtet von den Ereignissen um Washington DC, witzelt über die Regierung und liefert die aktuellste Mucke. Gut, während technologisch die Menschheit in dieser virtuellen Welt weit fortgeschritten ist, scheint sie kulturell in den 40er oder 50er Jahre des letzten Jahrhunderts stehen geblieben zu sein. Die Persiflage fällt unter anderen anhand witziger Werbeplakaten und Zeitschriften auf, aber vor allem auch durch die durch Swing und Bluse geprägte Musik des "Galaxy News Radio" Senders. Zugegeben, nicht gerade jedermanns Geschmack, passt aber als Kontrast zum Weltuntergangsszenario wie die Faust aufs Auge.
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Der zum zehnten Geburtstag erhaltene Pip-Boy 3000 dient aber nicht nur als tragbarer Radioempfänger, sondern vor allem der Verwaltung eurer Habseligkeiten. Alle wichtigen Notizen und Hinweise sowie Missionen werden gelistet. Darüber hinaus wird das Inventar verwalten. Ihr habt ebenfalls Einblick in die umfangreichen Statistiken und den Charakter-Attributen, schließlich kann man auch im Amerika der Zukunft Erfahrungspunkte sammeln und anschließend diverse Charakterwerte aufwerten. Als besonders hilfreich stellen sich die Welt- und Detailkarten heraus. Dank des Radars im linken unterem Eck des Bildschirmes kann man sich auch ohne Detailkarte einigermaßen in der Einöde orientieren. Nur innerhalb von Gebäuden verliert gerne mal die Orientierung. Grundsätzlich wird der Spieler, zwar nicht sofort, aber schleichend mit einer Fülle an Details erschlagen. Die Leute haben viel zu erzählen, es gibt etliche Geschichten zu hören und das Spielsystem ist nicht gerade einfach ausgefallen. Man benötigt durchaus eine längere Eingewöhnungsphase, bis man mit dem Titel so richtig warm wird. Hat man das Kampsystem aber mal intus und weiß, wie man mit den Leuten umspringen muss, blüht "Fallout 3" so richtig auf!
