Far Cry 3: Blood Dragon im Test: Durchgeknallter Flashback zurück in die Zukunft der 80er Jahre
TestCyber-Soldaten, Roboterhunde, Stirnbänder und dumme One-Liner. So könnte man nicht nur das Action-Kino der 80er umschreiben, sondern auch Far Cry 3: Blood Dragon. Wir haben die Stand-Alone-Erweiterung getestet und überprüft, ob der Shooter wirklich eine gutgemachte Medienkritik ist, oder doch nur ein dämlicher Klamauk.
Leuchtende Dinosaurier mit Laseraugen, Cyber-Haie, Roboterhunde. Die Anzahl an kuriosen Gegnersorten ist in Far Cry 3: Blood Dragon hoch. Die Stand-Alone-Erweiterung für Far Cry 3 erschien am 1. Mai 2013 als Download für die Xbox 360 und Playstation 3, am PC wird es sogar eine Kaufversion im Laden geben. Bis auf sein technisches Grundgerüst und das offene Baller-Gameplay hat Blood Dragon mit Far Cry 3 nur noch wenig gemein. Die tropische Insel aus dem Hauptspiel weicht einem postnuklearen Sci-Fi-Setting. Die Geschichte: Nach dem zweiten Vietnamkrieg (haha!) rüstet die ganze Welt auf. Jeder will in einem Konflikt den nuklearen Erstschlag führen – und jeder tut es auch. Cyborgs führen mittlerweile den Krieg, halb Mensch, halb Maschine. Und genau so einer ist Rex "Power" Colt, der Protagonist in Blood Dragon. Er jagt einen Abtrünnigen, der bereits Kanada in eine nukleare Einöde verwandelt hat (auch haha!).
Quelle: PC Games
Far Cry 3: Blood Dragon im Test (3)
Die Macher erzählen diese Geschichte durch immer wieder eingeworfene Zwischensequenzen in pixeliger 16-Bit-optik. Geradezu fantastisch dazu passen der Synthie-lastige Soundtrack, der immer wieder die elektronischen Action-Sequenzen abspielt, die wir aus dem Kino der 80er kennen. Generell ist die Musikuntermalung so gut gelungen, dass man sich im positiven an die "guten alten Zeiten" mit den Rambos, Robocops und Terminatoren zurückerinnert.
Inhaltlich nimmt Blood Dragon genau diese Filme aufs Korn. Sie waren plump erzählt, von mäßiger Qualität und unterlegt mit den dümmsten Dialogen. Genau daran knüpft der Stand-Alone-Shooter für knapp 15 Euro an. Warum Charaktere etablieren, wenn man sie andauernd One-Liner schmettern lassen kann. "Sag meiner Familie ich bin für mein Land gestorben." – "Nein, Mann. Das musst du ihnen schon selbst sagen." ist nur einer der Gehirn-Dahinschmelzer, deren Sinn sich erst beim genauen Hinhören erschließt.
Alles an Blood Dragon ist Satire und Klamauk. Jeder, der allein nur das Tutorial spielt, bemerkt das. Colts Vorgesetzter setzt ihn mit einem Helikopter im Feindgebiet ab, aber nicht ohne ihm noch das Hilfsprogramm Krieg für Dummies aufzuzwingen. Darin bekommt man Fakten wie "Gehen Sie in Deckung, um in Deckung zu gehen" oder "Springen Sie um zu springen" um die Ohren gehauen, aber auch selbstreflektierende Gags wie "Möchten Sie das Tutorial überspringen? Kaufen Sie doch den dazugehörigen DLC!" sind dabei. Zu Beginn ist das lustig ohne Ende und bringt einen mehr als einmal zum Schmunzeln. Aber irgendwann wünscht man sich doch mehr als nur die immer gleichen Gags.
Quelle: PC Games
Far Cry 3: Blood Dragon im Test (2)
Far Cry 3: Blood Dragons größtes Problem ist nämlich, dass das Spiel immer unter seinen Möglichkeiten bleibt. Es persifliert dumme Tutorials, dämliche Gegner, ein vollkommen sinnloses Level-System und Belohnungen mit Erfahrungspunkten. Aber Blood Dragon zeigt diese Fehler nur auf, indem es dieselben Spieldesignfehler einfach ins Groteske zieht. Da gibt es keinen Lösungsansatz, keine Alternative. Am Ende der relativ kurzen Kampagne fühlt man sich zwar, als wäre man Stefan Niggemeier (ein Medienkritiker!), im Prinzip hat man aber nur ein paar Stunden lang darüber gelacht, wie doof Videospiele eigentlich sind und es trotzdem geil gefunden. Das mag Wasser auf die Mühlen derer sein, die Videospielen noch immer ihren Kunst-Charakter wegdiskutieren wollen. Aber scheiß drauf! Es macht ja auch einen Unterschied, ob ich ein Bild von Picasso betrachte oder im Matheunterricht gelangweilt die Karos im Block umrande. Blood Dragon ist mit Sicherheit keine große Kunst – aber Unterhaltung, die einem ein paar Stunden Langeweile vertreibt.
