Far Cry Primal entführt euch in ein außergewöhnliches Steinzeit-Szenario und bei einem Event in London durften wir das Spiel selbst ausprobieren.
Aus Sicht moderner, gestresster Menschen, die im Takt der Atomuhr von einem Termin zum nächsten hetzen, dürfte es sich bei der Steinzeit um eine vergleichsweise idyllische Epoche der Vergangenheit gehandelt haben: Von der heutigen Überbevölkerung war natürlich nichts zu spüren und solche Begriffe wie Luftverschmutzung oder Globalisierung hatte damals noch niemand gehört. Großstadt-Lärm, Flugzeugabstürze oder Fukushima - in der Urzeit alles unbekannt! Das Artensterben sowie die Ausbeutung der Natur waren ebenfalls kein Thema und Finanzkrisen oder Abgasskandale lagen in weiter Ferne. Klingt fast wie das Paradies, doch im Endeffekt gab es vor 12.000 Jahren eine Reihe anderer Probleme, mit denen sich unsere Vorfahren herumschlagen mussten.
Zeitreise ins Neandertal
Quelle: Ubisoft
Ohne Zugriff auf die technologischen Errungenschaften der letzten Jahrtausende, krebsten die Steinzeitmenschen eher am unteren Ende der Nahrungskette herum und fielen gerne mal einem hungrigen Löwen, Bären oder vielleicht sogar einem Säbelzahntiger zum Opfer. Far Cry Primal versetzt euch nun erstmals in der Geschichte der Serie in genau diese wilde und raue Vergangenheit, um als letzter Überlebender einer Jagdgruppe ein urzeitliches Abenteuer zu erleben. Der Held aus Far Cry Primal heißt Takkar und direkt zu Beginn des Spiels gerät der Protagonist in eine lebensbedrohliche Situation: Takkar wacht in einem fremden Tal auf und von den Mitgliedern seines Stammes fehlt jede Spur. Zu allem Unglück muss der bärtige Jäger daraufhin feststellen, dass sich das Volk der gnadenlosen Udam in der Nähe niedergelassen hat.
Quelle: Ubisoft
Immerhin leben die befreundeten Wanja ebenfalls in der Gegend und Takkar verfügt über die einzigartige Fähigkeit, Tiere zu zähmen und als treue Begleiter einzusetzen. Während des Anspiel-Events in London wurden jedoch keine Hinweise gegeben, wie unser Held diese Fähigkeit erlernt hat und um was sich die Hintergrundgeschichte eigentlich dreht. Ob uns Far Cry Primal mit skrupellosen Widersachern vom Schlage eines Vaas oder Pagan Min konfrontieren wird, ist derzeit ebenfalls nicht bekannt. Doch im Rahmen der Hands-On-Session haben wir ein paar andere interessante Details erfahren, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Beim Event durften wir übrigens eine fortgeschrittene Vorab-Version der PS4-Fassung zocken, die PC- oder Xbox-One-Varianten des Spiels wurden leider nicht gezeigt.
Facettenreicher Hauptcharakter
Quelle: Ubisoft
Im Gegensatz zu den Vorgängern übernehmt ihr diesmal die Rolle eines bereits erfahrenen Helden, dessen Fähigkeiten ihr im Laufe des Spiels aber noch drastisch weiterentwickeln dürft. Dafür stehen euch mit acht Skill-Bäumen und insgesamt 60 Talenten deutlich mehr Möglichkeiten, als bei den vorherigen Serienablegern zur Verfügung. Die Umgebung besteht übrigens wieder aus einer offenen Spielwelt, die wie in Far Cry 4 mit gigantischen Dimensionen glänzt. In diesem Zusammenhang dürft ihr euch einmal mehr auf einen prall gefüllten Abenteuerspielplatz mit zahllosen Nebenaufgaben freuen. Allerdings sind die Entwickler durch das Steinzeit-Szenario eingeschränkt und müssen auf moderne Hilfsmittel vollständig verzichten.
Quelle: Ubisoft
Ausflüge mit dem Jeep oder Gyrokopter-Einsätze könnt ihr demnach vergessen, dafür erwarten euch mehr Jagdaufträge oder spannende Auseinandersetzungen gegen feindlich gesinnte Urzeit-Clans. Beispielsweise durften wir Mammuts aufspüren, ein Signalfeuer an einem Berghang entzünden oder den Stamm der Wanja bei der Suche nach Nahrung unterstützen. Apropos Wanjas, laut den Entwicklern sprechen die Verbündeten im Spiel eine richtige Sprache mit eigenständiger Grammatik und echten Vokabeln, die mithilfe von Linguisten aus den Rekonstruktionsdaten eines Zweigs der Ur-Indoeuropäischen Sprachfamilie erstellt wurden.
Steinzeitliche Aufgaben
Im Rahmen unserer einstündigen Anspiel-Session entdeckten wir auch einige aus den Vorgängern bekannte Missionstypen wie beispielsweise das Ausschalten wichtiger Gegner, Kräutersammeln oder die Übernahme feindlicher Basen. Wie in Far Cry 4 müsst ihr lediglich alle Kontrahenten eines Außenpostens besiegen, um die Siedlung anschließend in Besitz zu nehmen. Da es bei Far Cry Primal natürlich keine elektrisch betriebenen Alarmanlagen gibt, werden die entsprechenden Missionsgebiete von menschlichen Posten mit Signalhörnern beaufsichtigt. Wie ihr euch denken könnt, solltet ihr vor einem Angriff zunächst diese Wachen ausschalten, um das Auslösen eines Alarms und die Ankunft weiterer Gegner zu verhindern.
Anscheinend existieren diesmal aber keine Klettertürme zum Freischalten neuer Kartenbereiche und Aufgaben. Dafür lassen sich Zeltlager erobern, die nach einem Bildschirmtod als Startpunkt dienen und euch allzu lange Laufwege ersparen. Leider durften wir uns bei dem Vorschau-Event in London nur mit Nebenaufgaben beschäftigen, Hauptmissionen oder auch das geplante Hüttenbau-Feature (zum Ausbau des Wanja-Dorfs) standen nicht zur Verfügung. Eine Aussage zum regulären Spielablauf lässt sich demnach kaum treffen und ob die Missionen letztendlich genug Abwechslung bieten werden, ist derzeit ebenfalls nicht bekannt.
Tierische Helfer bringen tierisches Vergnügen
Quelle: Ubisoft
Eine wichtige Frage brannte uns schon seit der Ankündigung von Far Cry Primal auf der Seele: Wie zum Henker wollen die Entwickler das fortschrittliche Waffenarsenal der letzten Serienableger ersetzen? Schließlich gab es in der Steinzeit keine Scharfschützengewehre, Schnellfeuerkanonen oder gar Raketenwerfer. Außerdem erlauben die unterschiedlichen Waffeneigenschaften bei den Vorgängern oftmals unterschiedliche Lösungsansätze zur Bewältigung von Missionen. Doch dank einer schönen Idee der Entwickler, wird das unspektakuläre Steinzeit-Waffen-Repertoire, bestehend aus Bögen, Keulen und Spießen durch teilweise übermächtige Tierbegleiter ergänzt. Wie zu Beginn des Artikels erwähnt, kann Takkar wilde Bestien bändigen und als Begleiter einsetzen. Im fertigen Spiel soll es 18 zähmbare Tiere geben, die über ein komfortables Ringmenü herbeigerufen werden. Anschließend stehen simple Befehle wie "Angreifen" oder "Bewegen" zur Verfügung, um beispielsweise stärkere Gegner zu bezwingen oder eine Basis mit unterschiedlichen Taktiken zu erobern. Beispielsweise agieren der Leopard oder der Polarwolf naturgemäß recht leise, können aber im Vergleich zum unüberhörbaren Bären kaum etwas einstecken.
Quelle: Ubisoft
Jedes der Tiere verfügt über andere Spezialfähigkeiten und auch ohne eure Befehle, verhalten sich die Begleiter recht intelligent. Gegner in der Nähe werden selbstständig angegriffen und sollten auf einmal zu viele Feinde auftauchen, ziehen sich die Helfer erst mal zurück. Verletzungen wirken sich auf die Lebensenergie eurer Schützlinge aus, doch das Verabreichen von Fleischportionen bringt die wilden Begleiter wieder auf Vordermann. Trotz der knapp bemessenen Dauer unserer Anspiel-Session, konnten wir relativ leicht einen Säbelzahntiger zähmen. Später erfolgte dann ein Angriff auf einen feindlichen Außenposten, den das Raubtier im Alleingang bewältigte. Wir mussten nur Zuschauen und die Einrichtung im Anschluss übernehmen. Insgesamt wirken die Begleiter fast schon etwas zu mächtig, doch bis zum geplanten Release von Far Cry Primal im Februar/März bleibt ja noch etwas Zeit für das Balancing.
Lebender Fernglas-Ersatz
Quelle: PC Games
Für das praktische Fernglas aus den Vorgängern musste ebenso wie für die Schusswaffen eine adäquate steinzeitliche Alternative gefunden werden. Und auch diese Herausforderung haben die Entwickler gemeistert, denn anstatt einen Feldstecher aus dem Inventar zu ziehen, aktivieren wir einfach unsere gezähmte Eule. Aus den Augen des Vogels dürft ihr anschließend auch etwas weiter entfernte Gebiete sondieren, um Gegner zu markieren oder Bienen-Nester auf Feinde zu werfen. Darüber hinaus dürft ihr aus der Vogelperspektive sogar noch einem weiteren Tierbegleiter Befehle zum Angriff geben. Diese Körpertauschfähigkeit kann jedoch nicht als Schnellreisesystem genutzt werden, da Takkar fest verwurzelt stehen bleibt, während er als Eule unterwegs ist. Außerdem kommt das neue Vogelflug-Feature nicht über das Ringmenü der Tierbegleiter zum Einsatz, sondern wird auf die gleiche Weise wie das Fernglas aus den Vorgängern aktiviert. Wer sich übrigens ein bisschen schneller durch die ausladende Spielwelt bewegen will, der kann sich aus Mangel an fahrbaren Untersätzen einfach ein Reittier suchen. Dafür eignen sich etwa junge Mammuts oder Elche, die auch im Kampf nützliche Dienste leisten können.
Vertrauter Spielablauf
Quelle: Ubisoft
Die Steinzeit-Umgebung, die Tierbegleiter, das Vogelflug-Feature und der erweiterte Talentbaum sind im Prinzip die wichtigsten Neuerungen. Ansonsten erinnert Far Cry Primal in vielen Belangen an den Vorgänger: Die gelungene Optik und die ausgedehnte Open-World-Umgebung sowie das Spielgefühl und die große Anzahl der verfügbaren Nebenaufgaben entsprechen der altbekannten Formel aus Far Cry 4. So rechnen wir trotz des außergewöhnlichen Settings mit keiner Revolution der berühmten Serie. Doch das was wir bislang von Far Cry Primal zu Gesicht bekommen haben, hat uns sehr gut gefallen und dürfte auch in puncto Umfang an den Vorgänger heranreichen. Dementsprechend freuen wir uns auf das kommende Steinzeit-Abenteuer und fiebern der Veröffentlichung des Spiels schon jetzt entgegen. Für die PS4 und Xbox One soll Far Cry Primal bereits am 23. Februar 2016 erscheinen. Für den PC kommt das Spiel dann eine Woche später - genauer gesagt am 1. März 2016 - auf den Markt.
