Der Vorgänger noch grandios bildgewaltig und dennoch umstritten: Der Nachfolger soll nun alles besser machen. Kann er es?
Hecktisches Kampftreiben
Final Fantasy XIII-2
Der Schlagabtausch in Final Fantasy XIII war euch viel zu langweilig? Bot zu wenig Einflussmöglichkeiten? Lies die Rafinesse missen und schlicht einfach gesagt, war viel zu wenig Final Fantasy? Dann seid vorgewarnt: Wer im Vorgänger schon gähnend die Grafikschlacht über sich ergehen lies, wird nur kaum mehr Begeisterung über den Schachzug von XIII-2 an den Tag legen, trotz der Veränderungen im Detail! Der Rückschritt auf Zufallskämpfe fällt als erstes, und für so manchen Spieler sicherlich gar negativ auf. Ihr wandert durch die Idylle, genießt die Sonnenstrahlen, die herrlich durch Cocoon und den Kristall gebrochen werden und plötzlich blitzt der Bildschirm rötlich auf. Eine Zeitanzeige lässt die Chance auf einen Präventivschlag, sofern der Gegner mittels Aktionstaste eine sofort gebraten bekommt. Feinde werden also überrascht und bekommen erst mal saftige Prügel, bevor sich der Kampf auf das aus dem Vorgänger bekannte System normalisiert. Den Vorteil eines Überraschungsangriffs können zum Glück nur wir ausnutzen und müssen uns nicht vor einem etwaigen Gegenschlag derselben Art fürchten!
Final Fantasy XIII-2
Während der Präventivschlag ein Anrecht auf Flucht beinhaltet, herrscht im restlichen Schlagabtausch das gewohnte Chaos. Der Mix aus einer Echzeit-Auseinandersetzung und der Wahl von Fertigkeiten und Angriffen aus einem Menü, während sich der ATB-Balken füllt, schürt ordentlich das Tempo und treibt zur regelrecht Hast an. Wer hier nicht schnell reagiert, verpennt wertvolle Sekunden der Entscheidung, die, wenn auch nur sehr selten, Leben oder Tod bedeuten können. Prinzipiell verlässt man sich auf die Autowahl, die vor allem nach vollständiger Analyse der Feinde ordentlich rein haut. Sind Schwächen und Stärken bekannt, so selektiert das Spiel automatisch die optimalen Möglichkeiten. Während nach wie vor nur ein Charakter befehligt wird, fungieren wieder die so genanten Paradigmen als wesentliches Standbein - quasi eine Beschreibung für das strategische Verhalten von Serah und Noel im Kampf, welche per Knopfdruck in Sekundenschnelle gewechselt werden kann. Derart werden zum Beispiel Heiler mit Brecher kombiniert, so dass einer beständig den Feind bearbeitet und der Partner autonom die Lebensleiste erhält. Oder wir lassen kurzerhand Negativeffekte auf den Boss los, während positive Attribute die eigenen Angriffe stärken. Nicht die Wahl der Attacken bringt den Sieg, wie in Final Fantasy XIII müssen wir nur das Paradigma entsprechend wechseln.
Final Fantasy XIII-2
Erst im Laufe des Abenteuers wird aber klar, dass XIII-2 sich wesentlich weniger rollenspieltypisch als sein Vorgänger gibt, denn es bleibt beim Zweiergespann Serah und Noel, welches nur selten durch einen Freund oder Bekannten begleitet wird. Der Vorgänger bot immerhin zahlreiche Individuen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Die häufige Zwangstrennung der Heldentruppe veranlasste uns darüber hinaus immerhin dazu, deren Spezifika kennenzulernen und uns mit vor allem unterschiedlichen entwickelten Charakteren zurecht zu finden. Aber nicht nur das forderte unser Geschick, denn auch die Gegner, vor allem Bosse, waren wesentlich aggressiver. Der zweite Schlag versucht das Manko mit einer weiteren Neuerung wett zu machen. Ganz im Stil von Pokémon können die Monster gefangen, anschließend trainiert und danach der Party zugeordnet werden. Ein wahrlich interessantes Feature, welches vor allem aus kämpferischer Sicht viel Raum für Experimente lässt, jedoch keinesfalls Charakterzüge weiterer Helden ersetzen kann.
Die Schattenseite
Final Fantasy XIII-2
Ein überarbeitest Kampfsystem und massig viele Gegner auf dem Weg zum Seelenfrieden ist gleichbedeutend mit einer ordentlichen Herausforderung? Mit Nichten! Solange sich Serah und Noel nicht allzu weit vom roten Faden der Story entfernen und dadurch vielleicht doch das eine oder andere unbezwingbare Biest antreffen und darüber hinaus ihre neuen Haustiere pflegen, gleicht die Wanderung bis zum Abspann einem genüsslichen Sonntag-Nachmittag Spaziergang in der wollig warmen Sonne! Wer braucht schon auf das Actionspektakel, welches zugegeben extrem tolle Effekte auf den Bildschirm zaubert, obgleich durchzogen durch hektische Kameraschnitte und viel zu flottem Bildwechsel, wenn die Autowahl ihr übriges tut? Man kann sogar ganz gemütlich die Komplettlösung studieren, im Buch hin und her blättern und nach tollen Items Ausschau halten, während wir ohne das Geschehen auch nur mit einem Blicke zu würdigen die X- respektive A-Taste pausenlos hämmern. Nur ganz selten ist der manuelle Einfluss durch ein Paradigma-Wechsel oder evtl. die Nutzung eines Heilmitteilchens von Nöten.
