Mehr als 20 Jahre nach dem Original geht Cloud Strife wieder im Auftrag der Ökoterroristen von Avalanche in Midgar auf Streife, um den Mittellosen zu helfen und die Mächtigen zu stürzen. Wie gut uns das Remake von Final Fantasy 7 gefällt, lest ihr in unserem Test. Update: Jetzt auf Switch 2.
Es ist schwierig, Final Fantasy 7 Remake von einem klaren Standpunkt aus zu bewerten, und das wird es wahrscheinlich auch bei jedem weiteren Nachfolger, der da möglicherweise noch kommen mag. Schaut man sich die Story und die Abenteuer in der Steampunk-Fantasystadt Midgar durch die rosarote Brille eines Neulings an? Oder misst man jede Aktion, jeden Handlungsstrang und jedes Feature am Original, und betrachtet es mit dem kritischen Blick eines Veteranen; eines wahren Kenners von Final Fantasy 7?
Die Entwickler von Square Enix geben dabei eine Entscheidungshilfe: Wenngleich die Handlung des Remakes bekannt ist, so handelt es sich dabei dennoch um ein neues Spiel. Ein neues Spiel? Na dann wissen wir ja, was wir zu tun haben. Wir setzen uns als FF7-Noob an das brandneue Spiel der japanischen Entwickler und tauchen in den nächsten 35 Stunden in einen Rausch aus Farben, Klängen und Schwertschwingerei ab. Taugt das Spiel für jemanden, der bislang noch nichts mit Final Fantasy 7 zu tun hatte? Die Kurzfassung: Definitiv ja!
In diesem Artikel
Ein Team voller Protagonisten
Wer sich die bisherige Präsentation des Remakes anschaut meint, dass Cloud Strife der Held wäre. Besonders strahlend ist er dabei nicht. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass Cloud nur ein Söldner ist, der vom terroristisch veranlagten Ableger Avalanches dafür bezahlt wird, mit den Mitgliedern der Gruppe einen Mako-Reaktor des allmächtigen Konzerns Shinra zu infiltrieren und Bomben zu legen. Shinra, geleitet vom gleichnamigen Präsidenten, schaltet und waltet über alles, was in der Stadt Midgar passiert.
Das Unternehmen nutzt das sogenannte Mako, das dem Planeten entnommen wird, um den betuchten Bewohnern Midgars ein Leben im Luxus zu erlauben. Hauptsächlich geht es Präsident Shinra und seinen Schergen allerdings nur um eines: Macht und die Erschaffung einer utopischen Welt. President Shinra for President! Mako, das Lebensblut des Planeten, ist dabei in etwa vergleichbar mit dem Öl unserer Welt - ohne das Zeug würde nichts laufen und die Menschheit in steinzeitartige Verhältnisse dahinsiechen. Wenn man den Worten Shinras Glauben schenken möchte.
Cloud also ist ein Ex-SOLDAT, eine Eliteeinheit Shinras, und er wird nicht müde, das zu betonen. Meist aber hält er die Hand auf, bevor er irgendwas macht. Irgendwie muss man sich seinen Lebensunterhalt ja verdienen. Hauptsächlich geht es ihm darum, seiner Kindheitsfreundin Tifa zu helfen; die beiden haben sich vor Jahren mal aus den Augen verloren. Tifa und ihre Freunde hingegen sorgen dafür, dass sich Clouds Gesinnung und anfängliche Ruchlosigkeit im Lauf der Story zum Positiven verändert.
Quelle: buffed
Das infernale Quartett mit Gastcharakter Red XIII - Red kann von euch nicht gesteuert werden, hilft euch aber im Kampf und bei anderen Passagen, etwa in der Walze.
David gegen Goliath
Eigentlich aber dreht sich die Story von Final Fantasy 7 Remake um den Konflikt zwischen Avalanche und Shinra. Zu Avalanche gehören Tifa und Barret, die sich beide im Verlauf des Spiels steuern lassen. Als Nebencharaktere stoßen auch noch Biggs, Wedge und Jessie dazu, die neben Tifa und Barret dazu dienen, die Beweggründe der Gruppe zu erklären. Und das machen sie wirklich gut! In nahezu unendlich vielen Zwischensequenzen und Dialogen wachsen die Mitglieder von Avalanche dem Spieler sehr ans Herz, selbst der ruppige und sich recht grobschlächtig gebende Barret hat seine Szenen, die beim Zuschauer Emotionen wecken - etwa als er seine Tochter Marlene nach einer Katastrophe verschüttet glaubt.
Und dann ist da noch das Blumenmädchen, das das Quartett der spielbaren Charaktere vervollständigt: Aerith. Cloud läuft ihr auf der Flucht vom zerstörten Mako-Reaktor 1 über den Weg und lernt sie später, nach einem weiteren Reaktorzwischenfall, so richtig kennen - und das Geheimnis, das die hübsche junge Frau umschwebt wie der Duft von Sommerblumen.
Die vier Charaktere, die mehr oder weniger per Zufall zueinanderfinden, setzen sich also zum Ziel, Shinra und seinem Konzern ein Ende zu setzen, um den Planeten zu retten. Im Verlauf des Abenteuers, das eher leichtherzig beginnt, denn aber richtig ins Drama umschlägt, kristallisiert sich heraus, dass Shinra bei weitem nicht die größte Bedrohung für die Heimat der Menschheit bedeutet.
Rollenspiel light
Quelle: buffed
Ihr steuert nicht ausschließlich Cloud, hin und wieder sind auch mal die anderen Hauptcharaktere dran.
Wir haben also etabliert, mit welchen vier Charakteren wir die riesige Stadt Midgar erkunden; Cloud, Aerith, Tifa und Barret. Es können sich zu jeder Zeit maximal drei Leute in der Gruppe befinden, was zwangsläufig bedeutet, dass einer immer pausieren muss. Das entscheiden aber nicht wir, sondern wird uns im Handlungsrahmen der Story diktiert. Oft ist Cloud lediglich mit einem Begleiter unterwegs, erkundet etwa mit Tifa die Slums von Sektor 7 und mit Aerith die Slums von Sektor 5. Ständig wird die Gruppe getrennt, immer mal ist wenigstens einer nicht verfügbar.
Manchmal sogar ist Cloud verhindert, und dann laufen wir mit Aerith und Tifa oder Barret durch den aktuellen Schauplatz. Das fühlt sich zwar zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt an, verstärkt aber den Eindruck, dass das Remake noch weniger Rollenspiel ist, als Final Fantasy 15 es schon war. Dass Final Fantasy 7 Remake kein klassisches JRPG ist, ist bereits seit der Enthüllung des actionlastigen Kampfsystems bekannt. Es gibt keinen Rundenkampf wie etwa in Dragon Quest 11 oder Persona 5 - letzteres beweist übrigens, dass der Rundenkampf überaus zeitgemäß präsentiert werden kann. Auf den Kampf kommen wir später noch zu sprechen, bleiben wir noch beim eigentlichen Stil des Remakes.
Wie aus Hollywood
Quelle: buffed
Warnung: Midgar ist nicht so frei erkundbar, wie wir uns das manchmal wünschen. Einmal zu weit vom Hauptpfad abgebogen, werden wir gleich wieder zurückgeschickt.
Ein anderer Punkt, der für ein Rollenspiel sprechen würde, wäre eine Charakterentwicklung. Im Remake können wir unsere Charaktere nur auf Basis der angelegten Waffen, Materia und Schmuckstücke an die Herausforderungen anpassen. Einen echten Talentbaum, den es etwa noch im Quasi-Vorgänger FF15 gab, findet sich nicht im Spiel. Am ehesten ließen sich die Waffenmodifikationen als solche bezeichnen. Welche Waffen die Helden aber nutzen, ist in den meisten Fällen wurscht.
Im Endeffekt ist das Remake ein bisschen wie ein interaktiver Film, wie sie etwa von den Entwicklern von Quantic Dreams gemacht werden, mit ein bisschen mehr Action und ein bisschen weniger Entscheidungsmöglichkeit. Es gibt zwar einige freier zugängliche Bereiche im Spiel, in denen wir nach Gutdünken Nebenmissionen erledigen können. Die meiste Zeit werden wir aber streng linear durch die Hauptstory geführt. Vergleichen mit einer anderen Rollenspielserie: Das Remake ist mehr The Witcher als The Witcher 3.
