Im Jahr 2013 landete Entwickler Intelligent Systems mit Fire Emblem: Awakening einen Volltreffer auf dem Nintendos 3DS. Mehr als drei Jahre später steht nun ein Nachfolger in den Startlöchern, der mit zwei separaten Handlungssträngen sowohl Kennern als auch Einsteigern der Reihe geballte Rundenstrategie bieten will: Fire Emblem Fates. Ob sich Fire Emblem Fates in den Versionen "Herrschaft" und "Vermächtnis" mit Ruhm bekleckern kann, lest ihr in unserem Test.
Die Qual der Wahl
Quelle: Nintendo
Fire Emblem: Fates (16)
Der geneigte Käufer wird sich wahrscheinlich fragen, wieso Fire Emblem Fates überhaupt in zwei Versionen auf den Markt kommt. Nun, mit "Vermächtnis" und "Herrschaft" bietet Intelligent Systems eben nicht einfach nur zwei Handlungen, die, aufgeteilt auf zwei Spiele, sich nur marginal voneinander unterscheiden. Es steckt ein wenig mehr drin, als es auf den ersten Blick scheint. Nicht zuletzt muss ja auch der dritte Handlungsstrang mit dem Namen "Offenbarung", den man sich später als DLC dazu kaufen kann, Sinn machen und einen gewissen Mehrwert bieten. Doch welcher Mehrwert bietet sich hier dem Spieler?
Dazu sollte man zumindest einmal die Handlung anschneiden, die bis zum 6. Kapitel des Hauptspiels, sowohl in "Vermächtnis" als auch in "Herrschaft", identisch verläuft. Aufwachsen tut unserer eigener Avatar, dessen Name, Aussehen, Klasse usw. anpassbar ist, im Königreich Nohr. Dieses im Westen des Kontinents liegende Gebiet, wird vom grausamen Herrscher und gleichzeitig dem vermeintlichen Vater unseres Protagonisten, König Garon, beherrscht. Doch nach und nach finden wir heraus, dass unsere wahre Familie eigentlich im östlichen Königreich Hoshido lebt. Beide Seiten werden für uns also interessant und der Spieler kommt in die verzwickte Lage zu entscheiden: Nohr oder Hoshido?
Sanftes Hoshido, deftiges Nohr
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Fire Emblem: Fates (17)
Die Wahl zwischen den beiden Königreichen ist umso schwerer, da wir natürlich moralisch in eine verzwickte Lage geraten: unsere Geschwister auf Seiten der "bösen" Nohr, mit denen wir aufgewachsen sind, stehen uns treu dienlich immer zur Seite, doch die wahre Familie in Hoshido lehnt sich gegen die grausamen Machenschaften von König Garon auf und ist es nicht aller Ehren wert mit seiner wahren Familie gegen das doch so offensichtliche Böse zu kämpfen? In Mitten dieser Abspaltung hat man sich als Spieler dann entweder mit dem Kauf von "Vermächtnis" oder "Herrschaft" bereits entschieden. In "Vermächtnis" schlagen wir uns auf die Seite der Hoshido und in "Herrschaft" stellen wir uns weiterhin in die Dienste der Nohr.
Handlungstechnisch hätte man somit in groben Zügen die ersten Momente der beiden Versionen erfasst. Doch auch spielerisch bieten beide Varianten gänzliche Unterschiede. In "Vermächtnis" hat man immer die Möglichkeit sich in Nebenaufgaben auf das Training seiner Gruppe auf bevorstehende Kämpfe vorzubereiten und auch vom Missionsdesign bleibt Vermächtnis alles in einem in seinen 27 Kapiteln dem klassischen "Töte alle Ziele" treu. "Herrschaft" hingegen fährt auf der Überholspur und nimmt den Spieler in den 27 Kapiteln gehörig in die Mangel: großartig Nebenquests absolvieren und Geld schröpfen ist nicht drin. Auch das Missionsdesign ist abwechslungsreicher: mal muss man sein Gebiet verteidigen oder von den Karten flüchten.
Die kernigen taktischen Schlachten
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Fire Emblem: Fates (14)
Das Herzstück ist die Geschichte von Fire Emblem Fates wahrlich wirklich nicht. Vielmehr ist es das unglaublich gute Rundenstrategie-Gameplay, welches Fire Emblem Fates als auch damals Fire Emblem: Awakening so gut gemacht hat. Auch in Fates hat man sich nicht von dem altbewährten Weg verabschiedet, sondern diesen mit ein paar neuen, auch altbekannten Elementen verfeinert. Nach wie vor bewegt man seine Einheiten aus der Vogelperspektive wie auf einem Schachfeld umher. Man positioniert zu Beginn eines Kampfes seine vorhandenen Recken an den möglichen Positionen und versucht im Verlaufe des Kampfes, je nach Zielbedingung, mit der passenden Formation und Vorgehensweise dem Feind das Garaus zu machen.
Dabei bedienen wir uns unterschiedlichster Klassen: vom einfachen Schwertkämpfer, bis hin zum Magier oder den berittenen Luftrittern ist einiges dabei. Die unterschiedlichsten Fähigkeiten aber auch Kampffertigkeiten sollten in der Strategie mit einbezogen werden. Es macht nämlich keinen Sinn seine auf Heilung spezialisierte Figur genau vor eine feindliche Einheit zu stellen, um diese anzugreifen. Vielmehr sollte man schauen, dass man gerade die Stärke oder sehr offensiven Einheiten durch bestimmte Dinge, wie Heilung oder sonstiges, aus einer sichereren Position aus unterstützt. Denn greift die durchaus gut agierende KI unser schwächstes Glied im Trupp an, dann stirbt es wohl möglich und ist... für immer verloren?
Schwierigkeit: permanenter Tod
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Fire Emblem: Fates (13)
Die Intensität der Kämpfe macht vor allem der Schwierigkeitsgrad aus. Intelligent Systems arbeitet hier von Haus aus mit einem Perma-Death-Feature, welches sich aber ausschalten lassen lässt. Wer also das klassische Fire Emblem Erlebnis hasst, kann sich mit Hilfe von zwei leichteren Schwierigkeitsgraden behelfen: Phönix und Anfänger. Während Phönix unsere Einheiten noch während der Schlacht an Ort und Stelle wiederbelebt, sorgt der Anfängergrad dafür, dass dies erst nach einer Schlacht der Fall ist. Wer die Klassische Variante bevorzugt, der verliert nicht nur wohl möglich einfach eine bloße Einheit, nein, der verliert auch eine Persönlichkeit, die man nicht mehr im Spiel nutzen kann, geschweige denn mit der man reden kann.
Denn wie bitter ist es, sich von seiner geliebten Heilerin zu trennen, weil wir sie achtlos an die Front gestellt haben? Ziemlich bitter. Umso spektakulärer ist es, wenn man zwei Einheiten auf das selbe Feld schickt, um sich gegenseitig zu unterstützen. So lassen sich bestimmte verzwickte Konstellationen eventuell besser lösen und unsere Heilerin oder anderweitige schützenswerte Person kann vielleicht noch von der Klinge springen. Der klassische Modus sorgt insgesamt also für das spannendere, aber natürlich auch frustigerere Spielerlebnis. Eine gewisse Faszination kann man diesem aber nicht absprechen.Ich sehe etwas, was du nicht siehst
Quelle: Nintendo
Fire Emblem: Fates (11)
Damit man sich nicht achtlos dem Gegner ausliefert, bietet das Spiel einige Hilfselemente an, die es einem als Spieler erleichtern, zu erkennen, wie hoch die Reichweite eines bestimmten Gegners denn eigentlich ist. Per Tastendruck kann man nämlich die Felder einfärben lassen, in die man seine Einheiten nicht stellen sollte, um vom Feind angegriffen zu werden, wenn dieser seine Runde tätigt. Als weiteres Hilfsmittel dienen die Drachenadern. Grünliche Punkte auf der Karte, die besondere Events hervorrufen und den Verlauf einer Schlacht eventuell sogar verändern können.
Hat man seinen Avatar im Team oder einen anderweitigen Charakter, der Drachenblut in sich trägt, und bewegt diesen auf eine Drachenader, kann man je nach Karte dafür sorgen, dass Flüsse austrocknen, Berge davon schmelzen oder Wüstensand davon getragen wird. Der spielerische Nutze liegt klar auf der Hand: man erhöht die Reichweite seiner Bewegungen. Aber natürlich ist auch der Gegner in der Lage, sich der magischen Drachenadern zu bedienen. So muss man also genau überlegen, wo man am Besten entlang stolzieren sollte, um nicht in die Nähe eines solchen Gegners zu kommen, der uns gleich einen Berg unter die Füße setzt. Immerhin ist unser Avatar in der Lage sein Erbgut weiterzugeben, um diese Fähigkeit auch anderen bestimmten Einheiten zu gewähren.
Social Area
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Fire Emblem: Fates (10)
In der sogenannten Astralebene, kann man sich nach Herzenslust austoben, dort Gebäude errichten, die mit anwachsendem Spielfortschritt natürlich mehr werden, und Kontakte knüpfen beziehungsweise diese intensivieren. Das eigene Schloss in dieser Ebene ist also nicht nur ein Rückzugsort, sondern dient uns auch in gewisserweise als eigenes "Nest" und als Verwaltungsstelle für Items und dergleichen. Wer sogar will, kann sein Schloss per Code teilen und besuchen lassen. Selber besuchen geht natürlich auch, so sollte man gleichzeitig auch ein kleines Mitbringsel beim Besuchten dalassen, um vielleicht entsprechend Gegen beschenkt zu werden. Nett: Items, die man verschenkt, werden für den Vorgang dupliziert, sodass man keinen Verlust hat.
Doch zurück zum Thema Erbgut weitergeben. Wer sich in seinem kleinen Baumhaus im Schloss mit anderen Charakteren öfters mal unterhält, kann das Beziehungslevel nach und nach auf ein gewisses Level bringen. Ein S-Rang in diesem Bereich heißt zugleich: Heirat und Kinder kriegen. Das dem zuvor ein leicht kitschiger aber netter Dialog vorausgeht, davon darf man gerne absehen. Viel interessanter ist das Kinder-Feature. Denn in der Astralebene wachsen unsere Sprösslinge im Eiltempo. Sogar so schnell, dass man gar nicht mitbekommt, dass man Vater oder Mutter einer Tochter oder eines Sohns geworden ist. In entsprechenden Nebenquests kann man dann die Nachfahren anheuern und in das Repertoire aufnehmen.
Grafik, Sound und Zusatz
Quelle: Nintendo
Fire Emblem: Fates (7)
Grafisch reißt Fire Emblem während der Schlacht-Phase keine Bäume aus. Die 2D-Pixelmodelle sehen ganz nett aus, viel mehr aber auch nicht. Umso schöner sind hingegen die Kampfmoves der einzelnen Charaktere. Kommt es nämlich zu einem Kampf, so sehen wir den entsprechenden Charakter (auch die Füße!) mit der ausgewählten Waffe kämpfen, das alles garniert mit schicken 3D-Modellen und netten Kampfmoves. Auch top: die animierten Zwischensequenzen, von denen es leider aber auch nur recht wenige zu sehen gibt. Soundtechnisch hat die orchestrale Musik einiges zu bieten, von unseren Charakteren hingegen hören wir bis auf ein paar kurze englische Sprachfetzen nichts - außer in den romantischen Gesprächssituationen, in denen uns unser Partner immer einen vollständig vertonten Satz vorträgt.
Bietet Fire Emblem Fates sonst noch besondere Dinge? Ja, zum einen darf hier das amiibo-Feature genannt werden, welches die vier derzeit im Handel erhältlichen Figuren Ike, Marth, Lucina und Robin ins Spiel transportiert und sie rekrutieren lässt. Wer bisher also kaum Verwendung für diese Figuren hatte, kommt hier zumindest schon einmal auf seine Kosten. Zum anderen bietet Fire Emblem Fates noch einen kleinen Multiplayer-Modus, in welchen man 5 gegen 5-Kämpfe austrägt. Dieser funktioniert hervorragend, auch wenn man hier natürlich auf sehr eingespielte menschliche Gegenspieler trifft. Zum Abschluss bleibt nur noch der dritte Handlungsstrang "Offenbarung" offen, der im Juni seinen Weg in den e-Shop findet und dort mit einer alternativen Handlung darauf wartet gespielt zu werden: man schließt sich weder Nohr noch Hoshido an und das Ende soll allumfassender werden.
