Kann sehr trist ausgefallene Manager aus dem Hause Sega die Hobby-Trainer an die PSP fesseln?
Olé Olé, die Fußballzeit nähert sich ihrem diesjährigen Höhepunkt, denn die Fußballweltmeisterschaft steht vor der Tür. Wie nicht anders zu erwarten, haben Fußballfans auch auf Sonys PSP zurzeit keinen Mangel an actionreicher Sportsoftware, in welcher das eigene Lieblingsteam zum Sieg geführt werden kann. Fußball-Manager sind hingegen in Konsolengefilden selten, da sie durch ihre recht unspektakuläre Spielstruktur eher Strategie-Freaks am PC ansprechen. Kein Grund für die Programmierer von Sports Interactive nicht doch einen Manager für PSP zu entwickeln. Doch Manager-Fans mit PSP sollten sich nicht zu früh freuen, denn leider hält "Football Manager Handheld" nicht was es verspricht.
Football Manager Handheld
Manager-Spiele sind schon was ganz besonderes und werden nur von einer kleinen Zielgruppe wirklich geschätzt. Kein Wunder, denn oft wird der Spieler bei solchen Titeln mit einer Flut von vorzunehmenden Einstellungen überfordert. Zu allem Übel ist die Präsentation oft so trocken, dass sie für Grafikfetischisten einem "kalten Entzug" gleichkommt, denn die wichtigen Optionen und die Spielergebnisse werden nur in Form von Tabellen visualisiert. Umso erstaunlicher ist es, welche Emotionen ein solches Programm entfachen kann, wenn die eigene Mannschaft dank geschicktem Management eine Siegesserie hinlegt und solch eine trockene Spielstandanzeige zu Jubelschreien verleitet. Völlig ohne Reiz ist dieses Genre also nicht, so dass so mancher "Zockabend" durch die entstehende Sucht erst um 5 Uhr morgens enden kann. Mit "Football Manager Handheld" will Publisher Sega nun dafür sorgen, dass auch unterwegs gejubelt werden darf, doch kann man bei einem Handheld-Manager wirklich die volle Komplexität eines PC-Titels erwarten?
Mogelpackung
Football Manager Handheld
Bei dem vorliegenden Spiel ist die Antwort ein klares nein, denn "Football Manager Handheld" ist gar kein Manager, sondern ein Trainerspiel. Sports Interactive hat den kompletten Management-Anteil wie Sponsoring, Stadionpflege und Vereinspolitik über Bord geworfen, aus welchem Grund auch immer. Der Spieler übernimmt bei "Football Manager Handheld" nur die Aufgabe des Trainers, der die Mannschaft zusammenstellt, trainiert und die Taktik bestimmt. Zudem dürfen Fußballer ein- und verkauft sowie deren Gehälter bestimmt werden. Dazu nimmt der Spieler diverse Mannschaftseinstellungen in unzähligen Tabellen vor und verfolgt die vom Spiel errechneten Spielergebnisse. Das war es im Großen und Ganzen auch schon, was für ein Spiel mit dem Titel "Manager" ein wenig dünn ist. Ein Trost dürfte zumindest sein, dass die wichtigsten Ligen der Saison 2005 / 2006 enthalten sind, wodurch auch die erste und zweite Bundesliga mit Originalteams und bekannten Spielern glänzen können. Kickers Offenbach wieder in die erste Liga führen oder mit Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt versemmeln - es ist alles möglich, je nach dem, wie geschickt man den die Mannschaft zu verwalten weiß. Nationalteams und große FIFA-Turniere wie z.B. die Weltmeisterschaft stehen aber nicht auf dem Programm.
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Football Manager Handheld
Obwohl Fußballmanager wie erwähnt generell sehr trocken sind und nur selten mit schöner Grafik überzeugen, steht es um "Football Manager Handheld" in dieser Hinsicht besonders schlecht. Um Ladezeiten zu vermeiden wurde nämlich das gesamte Spielgeschehen auf einen Screen gelegt. Auf der linken Seite findet man alle Hauptoptionen, auf der rechten werden die Einstellungen vorgenommen bzw. so manche Statistik oder der Kader angezeigt. Nur wenn ein Match gegen eine Gegnermannschaft ansteht, wird eine andere Bedienungsstruktur angewendet, damit man sich voll und ganz auf das laufende Match konzentrieren kann. Die gesamte grafische Präsentation ist also sehr schwach und bedient sich lediglich unzähliger Tabellen auf grasgrünem Hintergrund. Diese Tatsache macht das Geschehen jedoch noch lange nicht übersichtlich, denn die Steuerung zwischen den Tabellen ist etwas konfus und viele Menus sind durch weitere Optionen verschachtelt, wodurch man schnell mal den Überblick verliert. Noch schlimmer ist jedoch, dass sich das Interface nicht von selbst erklärt und man viele Einstellungen ohne Bestätigung vornimmt. Wenn man beispielsweise den Kader umstellt, wird man beim Wechsel zurück ins Hauptmenu nicht nochmals gefragt, ob man die geänderten Einstellungen übernehmen will. Alles was umgestellt wird, gilt sofort, was den Nachteil hat, dass man eine Option unabsichtlich verändern kann, ohne es zu merken. Zudem verlässt man das Menu irgendwie verunsichert - hat das Spiel nun die Einstellung vorgenommen oder nicht? Leider hat wurden auch zu viele Abkürzungen verwendet, um die Tabellen auf einen Screen quetschen zu können. Diese werden aber weder in der (äußerst mageren) Spielanleitung noch in einem Kontextmenu erläutert, so dass vor allem für Genreanfänger hier das große Raten beginnt.
Enjoy the Silence
Football Manager Handheld
Beim Sound schießt "Football Manager Handheld" wirklich den Vogel ab: Mit Ausnahme eines einzigen Klickgeräusches beim Umschalten zwischen den Menus gibt es absolut nichts zu hören, nicht mal einen Jingle zwischendurch. Natürlich ist es schwer, ein solch strategisches Spiel musikalisch geschickt zu untermalen, aber es sagt ja auch keiner, dass dafür jemand etwas komponieren müsste. Hier wäre doch eine MP3-Funktion ideal gewesen, mit welcher der Spieler auf seine eigene Musiksammlung vom Memorystick zurückgreifen könnte. Stattdessen gibt es ausgedehnte Stille. Publisher Sega protzt zwar mit der Tatsache, dass "Football Manager Handheld" dadurch Strom sparend ist und der PSP-Akku somit 6 Stunden durchhält, doch ich bezweifle einfach mal stark, dass sich irgend jemand 6 Stunden Tabellengewusel ohne Hintergrundmusik antun will. Wenn man dazu den Preis der UMD ansieht, fragt man sich schnell, wofür man bei diesem Spiel eigentlich knapp 45 Mäuse hinlegen soll.
